Leukophan

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Leukophan
Leucophanite, Aegirine-175723.jpg
Leucophanit, von einem nadeligen Aegirinkristall durchdrungen, aus dem Steinbruch Poudrette, Mont Saint-Hilaire, Québec, Kanada (Kantenlänge des Leukophankristalls ca. 4–5 mm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel NaCaBe[4][F|Si2O6][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.DH.05 (8. Auflage: VIII/F.24)
55.04.02.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-disphenoidisch; 222
Raumgruppe P212121 (Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19
Gitterparameter a = 7,40 Å; b = 7,41 Å; c = 9,99 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Zwillingsbildung Durchdringungsvierlinge, polysynthetische Zwillinge[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5 bis 4[2]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,96 bis 3,07; berechnet: 2,961[2]
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, deutlich nach {100}, {010} und {201}[2]
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben; sehr spröde[2]
Farbe weißlichgrün, grünlichweiß, tiefgrün mit einem gelblichen Stich, weingelb
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,571[3]
nβ = 1,595[3]
nγ = 1,598[3]
Doppelbrechung δ = 0,027[3]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale gelegentlich rosa bis blauviolette Fluoreszenz[4], starke Phosphoreszenz, pyroelektrisch[2]

Leukophan ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung NaCaBe[4][F|Si2O6][1].

Leukophan entwickelt meist tafelige bis kurzprismatische Kristalle bis etwa drei Zentimeter Länge[2] mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Des Weiteren gbt es verschiedene Zwillingsbildungen wie beispielsweise Durchdringungsvierlinge, polysynthetische und pseudotetragonale Zwillinge. Daneben kommt Leukophan auch in Form von radialstrahligen, faserigen Sphärolithen vor.

In reiner Form ist Leukophan farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine grünlichweiße, weingelbe oder tiefgrüne Farbe mit einem gelblichen Stich annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Seine Strichfarbe ist dagegen immer weiß.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Leukophan ist ein zusammengesetztes Wort aus den altgriechischen Begriffen λευκός leukós für „weiß“ und φαίνω phaínō für „scheinen“ oder „erscheinen“. Leukophan ist also ein Mineral, dass überwiegend weiß erscheint.

Erstmals entdeckt wurde Leukophan 1829 auf der Insel Låven (Skådön; Lamö; Lamanskjaer) im Langesundsfjord in der norwegischen Provinz Vestfold und beschrieben 1840 durch Jens Esmark.[5][6]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Leukophan zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Balangeroit, Gageit und Rait die unbenannte Gruppe VIII/F.24 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Leukophan ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Ketten, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 4-periodischen Einfachketten, Si4O12“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.DH.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Leukophan in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die Abteilung der „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen, generell ohne zusätzliche Anionen“ ein. Hier ist er zusammen mit Fresnoit, Hardystonit, Jeffreyit, Meliphanit und Gugiait in der „Fresnoitgruppe“ mit der System-Nr. 55.04.02 innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen, generell ohne zusätzliche Anionen und mit Kationen in [8] und niedrigerer Koordination“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leukophan kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P212121 (Raumgruppen-Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19 mit den Gitterparametern a = 7,40 Å; b = 7,41 Å und c = 9,99 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter UV-Licht zeigen manche Leukophane eine rosa bis blauviolette Fluoreszenz.[4] Zudem können sie stark phosphoreszierend und pyroelektrisch sein.[2]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leukophan (gelblich, Bildmitte), Natrolith (weiß), Rhodochrosit (gelblichrot) und Aegirin (schwarz) vom Mont Saint-Hilaire, Québec, Kanada

Leukophan bildet sich in Pegmatiten und Augit-Syeniten, wo er unter anderem mit Aegirin, Albit, Analcim, Ankylit, Astrophyllit, Epididymit, Fluorit, Katapleiit, Natrolith, Orthoklas, Polylithionit, Rhodochrosit und Sérandit vergesellschaftet auftritt.

Als seltene Mineralbildung konnte Leukophan nur an wenigen Fundorten nachgewiesen, wobei bisher (Stand 2015) rund 60 Fundorte bekannt sind.[7] Neben seiner Typlokalität Låven trat das Mineral noch an vielen weiteren Orten in der Provinz Vestfold wie unter anderem Farris und Lågendalen bei Hedrum sowie Tjølling und Tvedalen im Langesundsfjord in der Kommune Larvik. Daneben kommt Leukophan in Norwegen noch an einigen Orten in der Provinz Telemark vor wie unter anderem bei Risør auf der Insel Risøya.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ilimaussaq-Intrusion im Südwesten von Grönland, auf der zu den Îles de Los gehörenden Insel Roume in Guinea, im Steinbruch Poudrette am Mont Saint-Hilaire in Kanada, am Berg Akzhaylyautas im Tarbagataigebirge in Kasachstan, in den Chibinen und der Lowosero-Tundra in Russland, am Gletscher Dara-i-Pioz (Darai-Pioz) im Alaigebirge in Tadschikistan und bei Schytkawitschy im Verwaltungsbezirk Homelskaja Woblasz in Weißrussland.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Axel Erdmann: Undersökning af leucophan, ett nytt mineral frän trakten af Brewig i Norrige. In: Kongliga Svenska Vetenskaps-Akademiens Handlingar 1840, S. 191–200 (PDF 2,87 MB; schwedisch)
  • E. Cannillo, G. Giuseppetti, V. Tazzoli: The crystal structure of leucophanite. In: Acta Crystallographica Band 23 (1967), S. 255–259
  • E. Cannillo, G. Giuseppetti, V. Tazzoli: On the crystal structure of leucophanite. In: Acta Crystallographica Band 25 (1969), S. 993–994
  • Joel D. Grice, Frank C. Hawthorne: Refinement of the crystal structure of leucophanite. In: The Canadian Mineralogist Band 27 (1989), S. 193–197 (PDF 404,5 kB)
  • Henrik Friis, Adrian A. Finch, Peter D. Townsend, David E. Hole, Hassane El Mkami: Ionoluminescence of leucophanite Band 92, Nr. 2–3, S. 254–260 doi:10.2138/am.2007.2167

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Leukophan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 641.
  2. a b c d e f g h Leucophanite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 75,7 kB)
  3. a b c d Leucophanite. In: mindat.org. Abgerufen am 15. Mai 2021 (englisch).
  4. a b Database of luminescent minerals - Leucophanite
  5. Friedrich Tamnau: Über den Leukophan. In: Annalen der Physik und Chemie Band 48, 1839, S. 504 in der Google-Buchsuche
  6. Karl Cäsar von Leonhard [Hrsg.]: Taschenbuch für die gesammte Mineralogie, mit Hinsicht auf die neuesten Entdeckungen Band 61, 1841, S. 683 in der Google-Buchsuche
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Leucophanite
  8. Fundortliste für Leukophan beim Mineralienatlas und bei Mindat