Astrophyllit

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Astrophyllit
Astrophyllite-168179.jpg
Astrophyllit-Sonne aus dem Steinbruch Poudrette, Mont Saint-Hilaire (Durchmesser von oben nach unten ~ 3,4 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel
  • K2Na(Fe2+,Mn2+)7Ti2[O2|F|(OH)4|Si8O24][1]
  • K2NaFe2+7Ti2Si8O26(OH)4F[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.DC.05 (8. Auflage: VIII/G.12)
69.01.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1
Raumgruppe A1 (Nr. 2, Stellung 2)[3]Vorlage:Raumgruppe/2.2[4]
Gitterparameter a = 5,36 Å; b = 11,76 Å; c = 21,08 Å
α = 85,1°; β = 90,0°; γ = 103,2°[4]
Formeleinheiten Z = 2[4]
Häufige Kristallflächen {100}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,2 bis 3,4[5]
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, undeutlich nach {100}[5]
Bruch; Tenazität spröde
Farbe bronzegelb bis goldgelb, braun bis rötlichbraun
Strichfarbe weiß bis bräunlichgelb[1]; golden[5]
Transparenz undurchsichtig, durchscheinend in dünnen Schichten[5]
Glanz Glasglanz,[6] schwacher Metallglanz, Perlglanz, Fettglanz[5]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,680[7]
nβ = 1,700[7]
nγ = 1,730[7]
Doppelbrechung δ = 0,050[7]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 70 bis 90° (gemessen); 80° (berechnet)[7]
Pleochroismus stark:[7]
X = dunkelrotorange
Y = orangegelb
Z = zitronengelb

Astrophyllit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der idealisierten, chemischen Zusammensetzung K2NaFe2+7Ti2Si8O26(OH)4F.[2]

Das in der Formel enthaltene Eisen ist bei natürlichem Astrophyllit allerdings oft durch geringe Mengen an Mangan ersetzt. Zudem gehört der Astrophyllit strukturell zu den Ketten- und Bandsilikaten mit den zusätzlichen Anionen Sauerstoff, Fluor und Hydroxiden, was entsprechend mit der von Strunz entwickelten, kristallchemischen Strukturformel in der Form K2Na(Fe2+,Mn2+)7Ti2[O2|F|(OH)4|Si8O24][1] ausgedrückt werden kann.

Astrophyllit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt blättrige bis nadelige Kristalle, die überwiegend in Form radialstrahliger, sternförmiger Mineral-Aggregate angeordnet sind. Gelegentlich findet er sich auch eingewachsen in Quarz. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und nur in dünnen Schichten durchscheinend. Die Farbe der glas- bis metallisch glänzenden Kristalle variiert meist zwischen Bronzegelb und Goldgelb, kann aber auch braun bis rötlichbraun sein.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Astrophyllit auf der im Langesundsfjord liegenden Insel Låven in der norwegischen Provinz Vestfold. Beschrieben wurde das Mineral 1854 durch Theodor Scheerer (1813–1875), der es aufgrund seiner blättrigen Kristallausbildung und Spaltbarkeit sowie seiner auffällig sternförmigen Aggregatformen nach den griechischen Wörtern ἄστρον ástron für „Stern“ und φύλλον phyllon für „Blatt“ benannte.

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg (Register-Nr. 26246) aufbewahrt.[8]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Astrophyllit zur Abteilung der „Übergangsstrukturen zwischen Ketten- und Schichtsilikaten“, wo er als Namensgeber die „Astrophyllit-Reihe“ mit der System-Nr. VIII/G.12 und den weiteren Mitgliedern Hydroastrophyllit, Kupletskit, Kupletskit-(Cs), Lobanovit, Nalivkinit, Niobokupletskit, Niobophyllit und Zirkophyllit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Astrophyllit dagegen in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Art der Kettenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit verzweigten 2-periodischen Einfachketten, Si2O6 + 2SiO3 → Si4O12“ zu finden ist, wo es ebenfalls als Namensgeber die „Astrophyllitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DC.05 und den weiteren Mitgliedern Hydroastrophyllit, Nalivkinit, Kupletskit, Kupletskit-(Cs), Lobanovit, Niobokupletskit, Niobophyllit und Zirkophyllit bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Astrophyllit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen“ ein. Auch hier ist er als Namensgeber der „Astrophyllitgruppe“ mit der System-Nr. 69.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen mit (P=2, und N=4, 2 Seitenzweige)“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Astrophyllit kristallisiert triklin in der Raumgruppe A1 (Raumgruppen-Nr. 2, Stellung 2)[3]Vorlage:Raumgruppe/2.2 mit den Gitterparametern a = 5,36 Å; b = 11,76 Å; c = 21,08 Å; α = 85,1°; β = 90,0° und γ = 103,2° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mineral ist stark pleochroistisch, das heißt je nachdem aus welcher Richtung das Licht durch den Kristall dringt, wird es unterschiedlich stark absorbiert und führt im Fall von Astrophyllit zu einem Farbwechsel nach Dunkelrotorange entlang der x-Achse, Orangegelb entlang der y-Achse und Zitronengelb entlang der z-Achse.[7]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Astrophyllit und Nenadkevichit (weiß) aus dem Steinbruch Poudrette, Mont Saint-Hilaire, Kanada (Bildbreite 7,0 × 4,7 mm)
Astrophyllit-Einschluss in Quarz vom Gotthardpass, Schweiz (Größe: 6 × 4,6 × 2,2 cm)

Astrophyllit bildet sich in basischen Intrusivgesteinen wie Nephelin-Syeniten und alkalischen Graniten und ihren Pegmatiten. Als Begleitminerale treten neben Nephelin unter anderemnoch Albit, Aegirin, Arfvedsonit, Biotit, Djerfisherit, Delhayelit, Eudialyt, Katapleiit, Kupletskit, Leukophan, Natrolith, Nephelin, Rasvumit und Zirkon auf.[5]

Als eher seltene Mineralbildung kann Astrophyllit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2017) rund 190 Fundorte.[9] Neben seiner Typlokalität Låven trat das Mineral noch an mehreren Orten im Langesundsfjorden wie beispielsweise auf Årø (Arøya), Kjeøya, Stokkøya und der Halbinsel Vesterøya im Sandefjord sowie bei Barkevik und Tvedalen in der Provinz Vestfold sowie an einigen Stellen in den Provinzen Buskerud und Telemark auf.

Die bisher größten bekannten Astrophyllit-Kristalle und radialstrahligen Aggregate von bis zu 10 Zentimetern Durchmesser wurden am Eweslogtschorr in den Chibinen auf der russischen Halbinsel Kola gefunden.[10] Ähnlich große Astrophyllite kennt man auch vom „St Peters Dome“ etwa acht Meilen (≈ 13 km) südwestlich von Colorado Springs im El Paso County (Colorado).[11]

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Brasilien, Chile, China, Grönland, Guinea, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Malawi, Marokko, der Mongolei, Namibia, Nigeria, Pakistan, Portugal, den ostsibirischen und nördlichen Regionen von Russland, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, der Ukraine und in mehreren Bundesstaaten der USA.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • T. Scheerer: Verhandlungen des Bergmännischen Vereins zu Freiberg. In: Berg- und Hüttenmännische Zeitung. Band 13, 1854, S. 239–240 (rruff.info [PDF; 670 kB; abgerufen am 18. November 2017]).
  • Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 800.
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 473.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Astrophyllite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Astrophyllit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  2. a b IMA/CNMNC List of Mineral List 2012 – Astrophyllite (PDF 1,6 MB)
  3. a b Die Nummerierung dieser Achsenstellung entspricht nicht der Reihenfolge der International Tables for Crystallography, da diese dort nicht aufgeführt wird.
  4. a b c Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 624.
  5. a b c d e f Astrophyllite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 79 kB; abgerufen am 18. November 2017]).
  6. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 800.
  7. a b c d e f g Mindat – Astrophyllite (englisch)
  8. Typmaterial-Katalog der Universität Hamburg
  9. Mindat – Anzahl der Fundorte für Astrophyllit (englisch)
  10. Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 248.
  11. Typlokalität St Peters Dome, Cheyenne District (St. Peters Dome District), El Paso Co., Colorado, USA und Astrophyllitbilder aus dieser Typlokalität (englisch)
  12. Fundortliste für Astrophyllit beim Mineralienatlas und bei Mindat