Licio Gelli

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Licio Gelli (* 21. April 1919 in Pistoia, Toskana; † 15. Dezember 2015 in Arezzo, Toskana) war ein italienischer Faschist und Verschwörer. Er war Gründer der 1982 aufgelösten, äußerst einflussreichen italienischen Freimaurerloge Propaganda Due und dort Meister vom Stuhl, bis er und die Loge 1976 aus der Freimaurerei ausgeschlossen wurden. Gelli war außerdem Mitglied des Malteserordens und des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Faschismus meldete sich Licio Gelli als Freiwilliger für die Schwarzhemden – eine Miliz, die von Mussolini nach Spanien geschickt wurde, um an der Seite Francos im Bürgerkrieg zu kämpfen. Später wurde Gelli Verbindungsoffizier der „Schwarzhemden“-Leitung zu Nazi-Deutschland mit Kontakten zu Hermann Göring.

Einer drohenden Verhaftung entzog sich Gelli durch die Flucht nach Südamerika. Im Jahr 1981 entdeckte man bei einer Durchsuchung seiner Villa in Arezzo eine Liste mit den Namen zahlreicher Militäroffiziere, Politiker und Personen des öffentlichen Lebens, darunter namhafte Oberbürgermeister Italiens, die sich in der Geheimloge Propaganda Due engagierten. Darunter waren die Namen von über 900 Regierungsbeamten, Industriellen (unter anderem der spätere Ministerpräsident Silvio Berlusconi), Journalisten und führenden Bankiers (wie Michele Sindona und Roberto Calvi) sowie das Oberhaupt des ehemaligen Königshauses, Viktor Emanuel von Savoyen. Die Entdeckung der Liste führte zu einem nationalen Skandal, weil zahlreiche Ämter in der italienischen Republik mit Gefolgsleuten Gellis besetzt waren.

Später wurde Gelli nach Italien ausgeliefert und wegen terroristischer Bombenanschläge vor Gericht gestellt, wurde aber freigesprochen. Einige Jahre nach dem P2-Skandal wurde der Verdacht geäußert, Gelli sei in die Ermordung des Mailänder Bankiers Roberto Calvi (auch bekannt als „Bankier Gottes“) verwickelt, der wegen des Zusammenbruchs seiner Banco Ambrosiano in Untersuchungshaft gesessen hatte und später erhängt an der Londoner Blackfriars Bridge gefunden worden war.

In seinen letzten Jahren widmete sich Gelli, der an einer Herzschwäche litt, vermehrt der Schriftstellerei. Er lebte zuletzt in Arezzo; dort saß er seit 1998 eine in Hausarrest umgewandelte Haftstrafe ab.[1] Am 10. Oktober 2013 wurde seine Villa von den Finanzbehörden aufgrund einer Steuerstraftat beschlagnahmt.

Gelli starb am 15. Dezember 2015 im Alter von 96 Jahren in seinem Haus in Arezzo.[2]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Licio Gelli war offensichtlich Vorbild der Figur des Don Licio Lucchesi im Film Der Pate – Teil III von 1990.
  • Im Dezember 2007 unterzeichnete Licio Gelli einen Vertrag über die Rechte an seiner Biographie mit dem New Yorker Produzenten Gabor Harrach. Der Spielfilm mit dem Arbeitstitel „Conspirator“ ist in Vorbereitung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heribert Blondiau, Udo Gümpel: Der Vatikan heiligt die Mittel: Mord am Bankier Gottes. Patmos, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-72417-1.
  • Giuseppe D’Alema: Der aufhaltsame Aufstieg der Loge P2. Edition X, Reinheim 1984, ISBN 3-921-77405-5.
  • Allesandro Silj: Verbrechen, Politik, Demokratie in Italien. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-11911-7.
  • Alexander Stille: Die Richter: Der Tod, die Mafia und die italienische Republik. C.H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42303-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Licio Gelli – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Licio Gelli: Ex-Freimaurer-Großmeister ist tot. Spiegel Online, 16. Dezember 2015, abgerufen am 21. September 2017.
  2. Licio Gelli, al centro di innumerevoli casi giudiziari. In: repubblica.it. La Repubblica, 16. Dezember 2015, abgerufen am 16. Dezember 2015 (italienisch).