Liebermann-Villa

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Die Liebermann-Villa, 2014
Der Garten der Liebermann-Villa im Sommer, 2011

Als Liebermann-Villa wird das Sommerhaus von Max Liebermann bezeichnet. Sie liegt im Berliner Ortsteil Wannsee (Bezirk Steglitz-Zehlendorf), direkt am Großen Wannsee, und ist seit 2006 ständig als privat geführtes Museum zugänglich. Das Museum wird als Liebermann-Villa am Wannsee geführt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liebermann-Gemälde: „Die Blumenterrassen im Wannseegarten nach Südwesten“, 1919
Blick vom Blumengarten zum Haus

Max Liebermann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Maler Max Liebermann (1847–1935) war Mitbegründer und Vorsitzender der Berliner Secession und Präsident der Preußischen Akademie der Künste (1920–1933). Er wurde von den Nationalsozialisten von seinem Amt abgelöst und verfemt. In der Villa entstanden etwa 200 Gartenbilder, von denen einige im Obergeschoss ausgestellt sind.

Die Villa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um der Hektik der Großstadt Berlin entfliehen zu können, erwarb Max Liebermann im Jahr 1909 ein etwa 7260 m² großes, schmales Wassergrundstück am Wannsee. Dieses lag auf dem Gebiet der Villenkolonie Alsen, die 1863 von Wilhelm Conrad gegründet wurde. Auf dem Grundstück Große Seestraße 24 (ab 1933: Am Großen Wannsee 42; heute: Colomierstraße 3) ließ er sich von dem Architekten Paul Otto Baumgarten eine Sommervilla bauen. „Der Mitteltrakt des Godeffroyschen Landhauses – 1790 durch Christian Frederik Hansen erbaut – diente dabei als Vorbild für die Vorderfront, während die Rückseite Ähnlichkeiten des Roosen- sowie der klassizistischen Fassade des Wesselhoeftschen Hauses aufweist.“[1] 1910 bezog der damals 63-jährige erfolgreiche Maler die Villa mit seiner Familie. Das Atelier Liebermanns befand sich im Obergeschoss der Villa; der Raum hat ein Tonnengewölbe. In den folgenden 25 Jahren verbrachte er die Sommermonate in seinem „Schloss am See“ – fern seines ererbten Stadtpalais’ direkt am Brandenburger Tor.

Seine unmittelbaren Nachbarn waren der Verleger Carl Langenscheidt und der AEG-Direktor Johann Hamspohn. Gegenüber befand sich das Haus des Verlagsgründers Ferdinand Springer und nicht weit entfernt wohnte der Chirurg Ferdinand Sauerbruch.[2]

Der Garten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den großen, zum See hin gestreckten Garten ließ er von dem späteren Stadtgartendirektor von Berlin, Albert Brodersen, anlegen und sich dabei von dem auch als „Gartenreformer“ bekannten Alfred Lichtwark, dem damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle, beraten.

Der Garten wird durch die Villa unterteilt. Durch die Mittelachse des Hauses und über eine große Rasenfläche hinweg ergibt sich ein ungehinderter Blick auf den Wannsee. Zu diesem hin befindet sich vor dem Haus eine Gartenterrasse. Davor erstreckt sich eine Rasenfläche, die an der Westseite durch den häufig malerisch dargestellten Birkenweg mit seinen wie zufällig gewachsenen Bäumen, auf der anderen Seite durch drei Heckengärten begrenzt ist. Im rückwärtigen Teil des Grundstücks befindet sich das Gärtnerhäuschen und der Stauden- und Nutzgarten.

Viele der rund 250 Bilder des Impressionisten, die hier entstanden, sind vom Garten und der Villa inspiriert.

Enteignung und spätere Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1940, fünf Jahre nach Liebermanns Tod, wurde seine Witwe Martha von den Nationalsozialisten gezwungen, die Villa unter Verkehrswert an die Reichspost zu verkaufen. (Ein formloser Brief mit dem „Angebot“, die Villa an die Reichspost zu verkaufen, und weitere Dokumente erpresserischer Ausgrenzung sind im Erdgeschoss ausgestellt). Der lächerlich geringe Verkaufspreis wurde ihr nie ausbezahlt. Ab 1944 diente die Villa dann als Lazarett.

Martha Liebermann selbst wählte 1943 den Freitod, um nicht in das KZ Theresienstadt deportiert zu werden. Ein Stolperstein vor Liebermanns ehemaliger Stadtvilla, dem heutigen Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz (unmittelbar neben dem Brandenburger Tor), erinnert an ihr Schicksal.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Villa weiterhin bis 1969 als Krankenhaus genutzt. Die Erben in den USA (Tochter Käthe Riezler) erhielten die Villa nach dem Krieg zurück. Das Land Berlin erwarb 1958 das Anwesen und verpachtete es 1972 an einen Tauchverein.

Das Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst die langjährigen Bemühungen der 1995 gegründeten Max-Liebermann-Gesellschaft e. V. führten dazu, dass die Villa – nach gelegentlichen Besichtigungsmöglichkeiten ab September 2002 – am 30. April 2006 als Museum Liebermann-Villa am Wannsee eröffnet wurde. Obwohl eines der kleinsten Museen in Deutschland, ist das Gesamtensemble einschließlich des Gartens mit ungefähr 80.000 Besuchern im Jahr stark frequentiert[3] und stellt u. a. ein Naherholungsziel für die Berliner Bevölkerung dar.

Die rund drei Millionen Euro teure Sanierung wurde von der Max-Liebermann-Gesellschaft und privaten Spenden finanziert. Bezuschusst wurde die Sanierung 2004 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Bei der Restaurierung kam ein vergessenes Wandgemälde Liebermanns in der Loggia zutage. Aufgrund der zahlreichen Gemälde, die den Garten festhielten, konnten die Gartenanlagen wieder originalgetreu rekonstruiert werden. Im Inneren des Hauses gaben Reste von Tapeten und Anstrichen Hinweise auf die ursprüngliche Ausstattung. Das originale Mobiliar ist nicht mehr vorhanden.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdgeschoss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Erdgeschoss der Liebermann-Villa wird als Eingangs- und Empfangszone genutzt. Hier befindet sich ein Informationsraum mit Medien zu Leben und Werk Max Liebermanns und seiner Familie sowie Dokumentationen zur Geschichte des Hauses und des Museums. Ebenfalls im Erdgeschoss ist das Café angesiedelt. Über eine Treppe gelangt man ins Obergeschoss.

Obergeschoss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Obergeschoss wurde nach Museumsstandards klimatisiert und beleuchtet. Nur hier können deshalb Originale gezeigt werden. Im ehemaligen Atelier Liebermanns mit seinem markanten Tonnengewölbe werden Gemälde und Papierarbeiten des Künstlers aus dem Besitz des Museums gezeigt. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden dabei die Werke Liebermanns mit Wannseemotiven, die vor Ort entstanden sind. Ein weiterer Sammlungsfokus liegt auf Bildnissen Max Liebermanns von anderen Kunstschaffenden. Wenige Werke befinden sich dabei im Eigentum des Hauses. Die Mehrzahl ist als Dauerleihgabe im Sammlungsbesitz, darunter auch Stücke aus der Alten Nationalgalerie, mit der die Liebermann-Villa am Wannsee kooperiert. In den übrigen Räumen werden bis zu drei Wechselausstellungen im Jahr zu verschiedenen Themen gezeigt. Zwischen den Wechselausstellungen werden alle Räume des Obergeschosses mit Werken der Sammlung nach verschiedenen Konzepten gehängt.

Gärtnerhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Gärtnerhaus
(Museumskasse und -laden)

Im ehemaligen Gärtnerhäuschen befinden sich die Museumskasse und der Museumsladen.

Garten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Garten der Liebermann-Villa ist wie das Gebäude selbst ein „Ausstellungsstück“ des Museums. Straßenseitig liegt der Nutz- und Blumengarten, seeseitig der Schmuckgarten mit Rasenflächen, Blumenrabatten, Heckenräumen, Birkenallee, einer Fischotterplastik von August Gaul, Teehäuschen und Bootssteg.

Team[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum Liebermann-Villa am Wannsee arbeitet mit wenigen hauptamtlich Beschäftigten und mehr als 120 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die in Museumsladen, -kasse und Garten wirken und als Gästeführer Besuchende durch das Museum begleiten. Gründungsdirektor der Liebermann-Villa am Wannsee war Martin Faass, der das Haus von 2006 bis 2018 geleitet hat.[4] Von April bis Juni 2019 war kurzzeitig Daniel Spanke Direktor des Hauses. Im Februar 2020 hat die promovierte britische Juristin und Provenienzforscherin Lucy Wasensteiner die Leitung der Liebermann-Villa übernommen.[5]

Trägerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liebermann-Villa am Wannsee ist ein privates Museum. Träger des Museums ist die Max-Liebermann-Gesellschaft e. V. 2008 wurde die Max-Liebermann-Gesellschaft e. V. für ihr großes bürgerschaftliches Engagement mit dem zweiten Platz eines EU-nahen Denkmalschutzpreises ausgezeichnet, dem Europa Nostra Award.[6] Die Liebermann-Villa am Wannsee muss bisher ohne institutionelle Förderung der Öffentlichen Hand auskommen. Alle Mittel werden durch Spenden, Mitgliederbeiträge und Einnahmen aus Eintritten, Verkäufen und Vermietungen erwirtschaftet und durch Sponsoren- und Drittmittelakquise eingeworben.

Bisherige Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerty Simon. Berlin/ London. Eine Fotografin im Exil, 4. Juli – 4. Oktober 2021
  • London 1938 – Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler, 7. Oktober 2018 – 14. Januar 2019
  • Max Liebermann und Paul Klee – Bilder von Gärten, 10. Juni – 17. September 2018
  • Liebermann und Van Gogh, 26. April – 10. August 2015
  • Verlorene Schätze. Die Kunstsammlung von Max Liebermann, 24. November 2013 – 3. März 2014
  • Die Idee vom Haus im Grünen. Max Liebermann am Wannsee, 25. April – 15. August 2010
  • Der Jesus Skandal. Ein Liebermann Bild im Kreuzfeuer der Kritik, 22. November 2009 – 1. März 2010
  • Martha Liebermann – Lebensbilder, 25. November 2007 – 25. Februar 2008
Quelle: [7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

– alphabetisch –
  • Florian Bolk, Anke Stemmann: Max Liebermann Villa am Wannsee Berlin. (= Die Neuen Architekturführer, Nr. 82.) Stadtwandel, Berlin 2006, ISBN 3-937123-88-1, (Broschüre über die Nutzung und die Eröffnung als Museum).
  • Marion F. Deshmukh: Max Liebermann: Modern Art and Modern Germany. Routledge, London / New York 2016, ISBN 978-1-4724-3415-9, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  • Reinald Eckert: Ein Künstlergarten – Der Landsitz Max Liebermanns am Großen Wannsee in Berlin. In: Die Gartenkunst 9, 1997, Nr. 1, S. 195–212.
  • Martin Faass, Petra Wandrey (Hrsg.): Die Idee vom Haus im Grünen. Max Liebermann am Wannsee. Max-Liebermann-Veranstaltungs-GmbH, Berlin 2010, ISBN 978-3-9811952-4-8.
  • Christa Hasselhorst: Ein Garten als Muse in: Zwischen Schlosspark und Küchengarten | DAS PARADIES IST ÜBERALL, Corso Verlag – Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2021, ISBN 978-3-737407-64-9.
  • Gloria Köpnick, Rainer Stamm (Hrsg./Nachwort): Max Liebermanns Garten. Insel Verlag, Berlin 2021 (Insel-Bücherei 1498), ISBN 978-3-458-19498-9.
  • Ingo Krüger: Landhäuser und Villen in Berlin & Potsdam. Nr. 3: Großer Wannsee, Colonie Alsen, Villa Liebermann. Aschenbeck & Holstein, Delmenhorst 2005; 2009, ISBN 978-3-932292-77-4.
  • Nina Nedelykov, Pedro Moreira (Hrsg.): Zurück am Wannsee. Max Liebermanns Sommerhaus. Transit, Berlin 2003, ISBN 3-88747-181-4.
  • Birgit Pflugmacher: Der Briefwechsel zwischen Alfred Lichtwark und Max Liebermann. Bearbeitet und mit einer Einleitung hrsg. von Birgit Pflugmacher (= Studien zur Kunstgeschichte, 146), Georg Olms, Hildesheim / Zürich 2003, ISBN 978-3-487-11775-1, online-Datei der Universität Hamburg (PDF; 2,8 MB).

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Liebermann-Villa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birgit Pflugmacher: Max Liebermann – sein Briefwechsel mit Alfred Lichtwark. Dissertation der Universität Hamburg 2001, Fußnote 18 im Teil II, online-Datei der Universität Hamburg (PDF; 2,8 MB).
  2. Die Geschichte des Hauses. (Memento vom 8. Oktober 2019 im Internet Archive). In: Liebermann-Villa, 2010.
  3. Geschichte: Die Liebermann-Villa. In: Liebermann-Villa, aufgerufen am 8. Oktober 2019.
  4. Darmstadt: Martin Faass wird Direktor des Hessischen Landesmuseums. In: Monopol, 23. Oktober 2018.
  5. Jacqueline Lorenz: Liebermann-Villa Wannsee hat neue Direktorin. Dr. Lucy Wasensteiner punktet mit Fachkenntnis und britischem Charme. In: Gazette, Ortsteilausgabe: Wannsee Journal, April/Mai 2020, aufgerufen am 19. Juli 2020.
  6. ddp: Max-Liebermann-Gesellschaft gewinnt Denkmalschutzpreis. In: Der Tagesspiegel, 11. Mai 2008.
  7. Ausstellungsarchiv. In: Liebermann-Villa, aufgerufen am 8. Oktober 2019.

Koordinaten: 52° 25′ 44″ N, 13° 9′ 54″ O