Linden-Museum

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Linden-Museum Stuttgart. Staatliches Museum für Völkerkunde
Linden-Museum Stuttgart Hausansicht 1000px.jpg
Das Linden-Museum (2006)
Daten
Ort Stuttgart, Deutschland
Art Völkerkundemuseum
Architekt Bihl & Woltz, Georg Eser
Eröffnung 28. Mai 1911
Besucheranzahl (jährlich) 115.000 (2014) [2]
Leitung Inés de Castro
Website www.lindenmuseum.de
ISIL DE-MUS-129413
Bodhisattva Padmapani, Kashmir 10. Jh.

Das Linden-Museum in Stuttgart am Hegelplatz ist ein staatliches Museum für Völkerkunde.

Königsmaske Peru, 4. Jh.

Es gehört zu den größten Völkerkundemuseen in Europa und verfügt über Sammlungen von Weltrang. Insgesamt beherbergt das Museum rund 160.000 Kunst-, Ritual- und Alltagsobjekte aus Afrika, Nord- und Lateinamerika, dem Islamischen Orient, Süd- und Südostasien, Ostasien sowie Ozeanien. Präsentiert werden Sonder- und Dauerausstellungen.

Miniaturmaske, Edo / Benin, um 1500. Afrika-Sammlung des Linden-Museums Stuttgart

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf von Linden

Führende Wirtschaftsvertreter aus der Region gründeten 1882 die KolonialgesellschaftWürttembergischer Verein für Handelsgeographie und Förderung Deutscher Interessen im Ausland e. V.“ (später Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zu Stuttgart e. V.) mit dem Ziel der Förderung von Erdkunde, Wirtschaft und Kultur. Der Name des Museums geht auf den Vorsitzenden des Vereins, Graf Karl von Linden (1838–1910), zurück, der jedoch die Einweihung nicht mehr erleben konnte. Im Jahre 1889 wandelte Linden das daraus hervorgegangene so genannte Handelsgeographische Museum in der Gewerbehalle in ein auf wissenschaftlichen Grundsätzen basierendes Völkerkundemuseum um. Maßgebliche Beiträge zum Aufbau der Sammlung leistete der letzte württembergische König Wilhelm II.

Das noch heute bestehende neoklassizistische Gebäude wurde nach den Plänen des Preisträgers und Architekten Georg Eser[1] gemeinsam mit der Stuttgarter Architektensozietät Bihl & Woltz[2] im Jahr 1911, nach rd. 18 Monaten Bauzeit, fertiggestellt und am 28. Mai 1911 eröffnet. Zu dieser Zeit zählten die Sammlungen bereits rund 63.000 Objekte.

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart übernahmen 1973 die öffentliche Trägerschaft für das Linden-Museum als Staatliches Museum für Völkerkunde. Seitdem bemüht sich die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zu Stuttgart e. V. als Förderverein des Linden-Museums um die Verbreitung erd- und völkerkundlichen Wissens.

Museum heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Linden-Museum zeigt die kulturelle Vielfalt, erschließt kulturelle Kontexte und erklärt deren gesellschaftliche Relevanz. Es behandelt Grundthemen der Menschheit wie Gesellschaft, Identität, Kulturwandel oder Glaubensvorstellungen. Das Museum versteht sich als Ort für das interkulturelle Lernen und die Begegnung mit anderen Kulturen: Facettenreiche Begleitprogramme wie Workshops, Vorträge, Konzerte, Vorführungen von Tanz bis Zeremonie, Filme, Thementage, Kinderveranstaltungen und Spezialführungen ergänzen das Ausstellungsangebot. Für Schulen und Kindergärten sowie die Erwachsenenbildung gibt es ausdifferenzierte Führungsprogramme.

Forschungsprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum ist Partner in nationalen und internationalen Forschungsprojekten: „Schwieriges Erbe – zum museologischen und wissenschaftlichen Umgang mit kolonialzeitlichen Objekten in ethnologischen Museen“ (2016–2018)[3], EU-Projekt „SWICH – Sharing a World of Inclusion, Creativity and Heritage“ (2014–2018), „Mensch-Ding-Verflechtungen in indigenen Gesellschaften: intra- und transkulturelle Prozesse objektbasierten Wissensaustauschs in den Guyanas“ (2014–2017), „Khurasan – Land des Sonnenaufgangs“ (2014–2017). Ferner betreibt das Linden-Museum Stuttgart Provenienzforschung zur NS-Zeit (2016/17).

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Dauerausstellungen zu außereuropäischen Kulturen zeigt das Museum regelmäßig Sonderausstellungen, darunter:

  • Weltsichten – Große Landesausstellung 2011 (17. September 2011 bis 8. Januar 2012)
  • Maori – Die ersten Bewohner Neuseelands (1. April – 14. Oktober 2012)[4]
  • Entdeckung Korea! – Schätze aus deutschen Museen (13. Oktober 2012 bis 13. Januar 2013)[5]
  • Maya-Code (21. Dezember 2012 bis 2. Juni 2013)[6]
  • Julius Euting (13. Juli 2013 bis 11. Januar 2014)
  • Inka – Könige der Anden (12. Oktober 2013 bis 16. März 2014)[7]
  • Myanmar – Das Goldene Land (18. Oktober 2014 bis 17. Mai 2015)
  • Mädchen vor den tanzenden Saptamatikas, Zentralindien, 9. Jh., Foto Anatol Dreyer, Linden-Museum Stuttgart
    Die Welt des Schattentheaters (3. Oktober 2015 bis 10. April 2016)
  • Inro (19. März 2016 bis 29. Januar 2017)
  • Oishii! Essen in Japan (15. Oktober 2016 bis 23. April 2017)

Besucherzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 hatte das Linden-Museum den größten Zuwachs an Besuchern aller Stuttgarter Museen, mit 115.250 Besuchern (+11,20 % gegenüber 2013), wozu insbesondere die Sonderausstellung über die Inka beigetragen hat.[8]

Literatur und Kataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Inés de Castro, Georg Noack (Hrsg.): Myanmar – Das Goldene Land. Katalog zur Sonderausstellung, Philipp von Zabern, Darmstadt 2014.
  • Inés de Castro, Jasmin Ii Sabai Günther, (Hrsg.): Die Welt des Schattentheaters: Von Asien bis Europa. Hirmer-Verlag, München 2015.
  • Monica Barnes, Inés de Castro, Javier Flores Espinoza, Doris Kurella, Karoline Noack (Hrsg.): Tribus: Perspectives on the Inca, International Symposium at Linden-Museum Stuttgart in Cooperation with Universität Bonn, Abteilung für Altamerikanistik, from March 3rd to March 5th, 2014. Tribus Sonderband/Special Edition, Stuttgart 2015.
  • Susanne Germann, Uta Werlich (Hrsg.): Inrō – Gürtelschmuck aus Japan/Japanese Belt Ornaments. The Trumpf Collection. (Zweisprachig in deutscher und englischer Sprache). arnoldsche ART PUBLISHERS, Stuttgart 2016.
  • Inés de Castro, Toko Shimomura, Uta Werlich (Hrsg.): Oishii! Essen in Japan. Arnoldsche, Stuttgart 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Linden-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Stehende Dienerin und Tänzerin, China, West-Han-Zeit, 2. Jh. v. C., Foto A. Dreyer, Linden-Museum Stuttgart

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heidelberger historische Bestände, letzter Absatz eingereicht unter „Blümele“, abgerufen am 5. Mai 2012
  2. Heidelberger historische Bestände, abgerufen am 5. Mai 2012
  3. Schweres Erbe: Was sollen ethnologische Museen zeigen?, Interview mit Projektkoordinator Jan Hinrichsen im Deutschlandfunk Kultur vom 29. Juli 2017
  4. Ausstellungsinformation Maori, abgerufen am 22. September 2012.
  5. Ausstellungsinformation Entdeckung Korea!, abgerufen am 23. Januar 2013.
  6. Ausstellungsinformation Maya-Code, abgerufen am 23. Januar 2013.
  7. Ausstellungsinformation Inka – Könige der Anden, abgerufen am 15. November 2014.
  8. Stuttgarter Zeitung – Bilanz der Stuttgarter Museen 2014 [1]

Koordinaten: 48° 46′ 57″ N, 9° 10′ 13″ O