Linter

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Linter
Wappen von Linter
Koordinaten: 50° 22′ 10″ N, 8° 5′ 33″ O
Höhe: 181 (181–195) m ü. NHN
Fläche: 3,38 km²[1]
Einwohner: 3193 (31. Dez. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 945 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 65550
Vorwahl: 06431
Karte
Linter als Ortsteil von Limburg

Linter ist ein Stadtteil der Kreisstadt Limburg an der Lahn im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptstraße "Mainzer Straße" in Richtung Limburg gesehen

Linter liegt rund drei Kilometer südöstlich der Stadtmitte Limburgs an der B 417 (auch Hühnerstraße). Der alte Ortskern weist die typische, langgezogene Form eines Straßendorfs auf, obschon inzwischen vor allem im Nordwesten Neubaugebiete dazugekommen sind. Linter selbst liegt auf 180 Metern Höhe. Die Gemarkung ist weitgehend eben („Linterer Platte“ im Limburger Becken) und steigt nur nach Süden hin leicht auf bis zu 195 Meter an. Das kleine „Linterer Wäldchen“ am Nordrand des Ortes liegt auf Eschhofener Gemarkung. Die Linterer Gemarkung selbst besteht außerhalb der Bebauung fast ausschließlich aus landwirtschaftlich genutzter Fläche.

Die halbkreisförmig nach Norden gewölbte Gemarkung grenzt im Nordwesten an die der Kernstadt Limburg. Nach Osten folgen Lindenholzhausen und Eschhofen. Im Süden grenzt Linter an den Hünfeldener Ortsteil Mensfelden. Die westliche Gemarkungsgrenze bildet zugleich die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz, wo sich die Ortsgemeinde Holzheim anschließt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptstraße um 1935
Ehemaliges Schulgebäude, bis 1981 genutzt

Älteste menschliche Spuren sind Hügelgräber im Linterer Wäldchen, die auf 1550 bis 1200 v. Chr. datiert werden.

Der Ort wurde 1195 zum ersten Mal urkundlich in einem Güterverzeichnis des Klosters Eberbach erwähnt. Berichte über eine oder sogar zwei Raubritterburgen in Linter, die von den Limburger Bürgern zerstört worden sein sollen, lassen sich heute nicht mehr belegen.

Im Mittelalter gehörte Linter zur Grafschaft Diez (spätestens 1406 im Amt Flacht), ab 1564 zu Nassau-Dillenburg, war damit also für die benachbarte Stadt Limburg "Ausland". Für 1433 ist erstmals ein Heimberger als Gemeindevorsteher genannt, später übernahmen die Bürgermeister diese Funktion, die zunächst nur nachgeordnete Gemeinderechner gewesen waren. Ab 1586 gab es ein Rathaus. 1643 war Linter wegen des Dreißigjährigen Krieges vollkommen entvölkert. Der 1596 verbürgte Flurname "im Altendorff" deutet auf eine Wüstung in der Gemarkung hin, die bisher archäologisch nicht nachgewiesen werden konnte.

Konfessionell wechselte Linter nach der 1529 durchgeführten Reformation mehrfach zwischen dem lutherischen und dem calvinistischen Bekenntnis. Kirchdorf und damit auch Schulstandort war spätestens ab 1433 das benachbarte Mensfelden. Noch heute gehören beide Orte der gleichen evangelischen Pfarrei an. 1725 wurde ein eigener Schulbetrieb im Backhaus (abgerissen, Standort zwischen den heutigen Häusern Mittelgasse 4 und Langgasse 3) aufgenommen. Noch vor 1750 folgte der Bau des ersten Schulhauses (heute Langgasse 14), in dem sich auch ein Betsaal und die Amtsstube des Bürgermeisters befanden. 1873 wurde die zweite Schule errichtet, die ebenfalls zeitweise als Bürgermeistersitz diente. 1981 war die heutige Grundschule fertiggestellt.

Katholische Kirche
Evangelische Kirche

Erst 1817 wurde ein eigener Friedhof für Linter angelegt. Ab 1885 fanden Gottesdienste im Betsaal der Schule statt und 1952 wurde die Kirche eingeweiht, der im folgenden Jahr Gemeinderäume und ein Kindergarten folgten. Zuvor hatte es seit 1933 einen Kindergarten gegeben. Mit dem Zuzug der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Linter wieder einen bedeutenden katholischen Bevölkerungsanteil, für den 1960 eine eigene Kirche und 1993 ein Gemeindezentrum erbaut wurde. Darüber hinaus existierten ein älteres Gemeindehaus, das 1968 abgerissen wurde, und ein Spritzenhaus neben dem Backhaus, das in den 1960er Jahren abgebrochen wurde.

Der heutige Straßenverlauf von Limburg nach Linter wurde erst 1780 angelegt. Zuvor führte die Straße am Ort vorbei nach Diez. 1900 gab es den ersten Fernsprecher in Linter.

Am 24. April 1910 musste der Zeppelin Z II bei Linter notlanden. Am folgenden Tag riss sich das Luftschiff los und zerschellte schließlich an einem Felsen nahe Weilburg. Während des Zweiten Weltkrieges befand sich bei Linter ein kleineres militärisches Flugfeld mit einer Flakbatterie.

Friedhofskapelle

Am 1. Juli 1974 wurde Linter im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Kreisstadt Limburg an der Lahn eingemeindet.[3][4]

1998 wurde die Grundschule ausgebaut, 1999 wurde ein zweiter Kindergarten gebaut. 2003 wurde die alte Turnhalle abgerissen, um einem moderneren Dorfgemeinschaftshaus zu weichen. Dieses Bürgerhaus steht nun seit 2004 im Mittelpunkt des Linterer Vereinslebens. Das benachbarte Hallenbad wurde im gleichen Jahr geschlossen und dient inzwischen als Kegelbahn.

Der Ortsname entstand in Anlehnung an den Bach Lint, der sich früher durch das Dorf schlängelte und heute versiegt ist. Der Bach, der auch der Stadt Limburg ihren Namen gab, ist nach der keltischen Bezeichnung für ein Gewässer benannt. Auf dem Linterer Wappen ist ein Frosch zu sehen, da der Bach sehr amphibienreich war. Der Spitzname für die Einwohner lautet deshalb "Frösche".

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Linter lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[5][6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linter ist der am schnellsten gewachsene Stadtteil Limburgs; die Einwohnerzahl wurde seit 1970 verdreifacht. Damit ist es nach der Kernstadt und Lindenholzhausen der drittgrößte Stadtteil. Linter beherbergt derzeit 56 Nationalitäten (Stand 2007) mit einem Ausländeranteil von rund elf Prozent.

In historischer Zeit datiert die erste überlieferte Einwohnerzählung auf 1532 mit elf Feuerstellen. 1607 wurden 25 Männer gezählt. Nach der vollständigen Entvölkerung durch den Dreißigjährigen Krieg stieg die Anzahl der Haushalte erst kurz vor Ende des 17. Jahrhunderts dauerhaft über zehn an. 1750 wurden 85 Einwohner gezählt, 1818 waren es 161 Einwohner.

Linter: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2014
Jahr  Einwohner
1834
  
239
1840
  
264
1846
  
302
1852
  
314
1858
  
307
1864
  
334
1871
  
378
1875
  
399
1885
  
416
1895
  
419
1905
  
445
1910
  
473
1925
  
491
1939
  
505
1946
  
754
1950
  
768
1956
  
734
1961
  
756
1967
  
897
1970
  
1.021
1974
  
961
1987
  
1.746
1994
  
2.746
2014
  
3.093
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [5]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[5]

• 1885: 386 evangelische (= 92,79 %), 30 katholische (= 7,21 %) Einwohner
• 1961: 585 evangelische (= 77,38 %), 169 katholische (= 22,35 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuerwehrhaus

Der TuS Linter 1879 mit den Abteilungen Fußball, Tischtennis, Turnen, Fastnacht und Tennis ist mit rund 800 Mitgliedern der größte Verein des Orts. Weitere Vereine sind die Kirmesgesellschaft, der Landfrauenverein, der Förderverein Grundschule Linter, der 1930 gegründete Rassegeflügelzuchtverein, der über eine 2,2 Hektar umfassende Zuchtanlage verfügt sowie die im Jahr 1935 gegründete Freiwillige Feuerwehr Linter (seit dem 18. November 1970 mit Jugendfeuerwehr und ab 7. Mai 2011 mit der Kinderfeuerwehr).

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinschaftshaus
  • Grundschule Linter
  • Jugendraum im Bürgerhaus
  • Katholische Kirche/Gemeindezentrum St. Johannes Nepomuk
  • Kindergarten St. Therese
  • Kegel Sport Verein Limburg 1965 e.V.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Limburg-Linter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haushaltssatzung – Haushaltsjahr 2013. Limburg a. d. Lahn, abgerufen im Dezember 2018.
  2. Wirtschaftsdaten im Internetauftritt der Stadt Limburg, abgerufen im Juli 2016.
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Limburg und des Oberlahnkreises (GVBl. II 330-25) vom 6. Februar 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 5, S. 101, § 5 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 809 kB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369–370.
  5. a b c Linter, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).