Ahlbach

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Ahlbach
Wappen von Ahlbach
Koordinaten: 50° 26′ 13″ N, 8° 5′ 13″ O
Höhe: 197 (160–246) m ü. NHN
Fläche: 5,04 km²[1]
Einwohner: 1244 (31. Dez. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 247 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65554
Vorwahl: 06433
Karte
Ahlbach als Ortsteil von Limburg

Ahlbach ist der kleinste Stadtteil der Kreisstadt Limburg an der Lahn im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Basaltsteinbruch Käfernberg, heute Naturschutzgebiet

Ahlbach liegt rund fünf Kilometer nordöstlich von der Kernstadt Limburg. Im Osten führen die gemeinsam verlaufenden Bundesstraßen 49 und 54 unmittelbar am Ort vorbei und verzweigen sich dort nach Nordosten (B 54, Richtung Siegen) und Nordwesten (B 49, Richtung Gießen). Der "Große Berg" nördlich des Orts ist mit 246 Metern die höchste Erhebung im gesamten Limburger Stadtgebiet. Wenige hundert Meter westlich von ihm gibt es mit dem Käfernberg eine zweite Erhebung, die aber durch den Basaltabbau weitgehend abgetragen ist. Der Ort selbst liegt auf etwa 190 bis 200 Metern Höhe.

Die Ahlbacher Gemarkung grenzt von Westen im Uhrzeigersinn an Niederhadamar, Hadamar, Niederweyer, Oberweyer, Obertiefenbach, Dehrn und Offheim. Die Gemarkung weist mit Ausnahme des Naturschutzgebiets am ehemaligen Basaltbruch keinen Wald auf und besteht fast ausschließlich aus Landwirtschaftsfläche. Die Ahlbacher Gemarkung steigt in Richtung Nordwesten an. Der niedrigste Punkt liegt mit rund 160 Metern in einer Bachaue nahe dem Urselthaler Hof.

Naturräumlich wird der Ort dem Limburger Becken zugeordnet. Eine von dessen Untergliederungen ist nach ihm benannt: die Ahlbacher Bördenplatte, eine Fläche mit besonders mächtiger Lössdecke.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunnen aus Basaltsäulen auf dem Dorfplatz
Bauernhaus aus Ahlbach, 1687 erbaut. Heute im Hessenpark als typisches Dorf-Posthaus hergerichtet.

Der Name "Ahlbach" geht vermutlich auf die Bezeichnung "Ahl" für einen umhegten Bereich am Ortsrand zurück, wo Vieh untergebracht war.

Der älteste archäologische Fund in der heutigen Ahlbacher Gemarkung wurde 1950 am Käferberg gemacht: ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit. Kurz darauf trat eine Urne aus der Hallstattzeit zu Tage. Nahe dem heutigen Friedhof wurde ein fränkisches Reihengrabfeld entdeckt, das sich grob auf das Jahr 500 datieren lässt. Bedeutung erhielt der Ort, weil in seiner Nähe die Hohe Straße aus dem Westerwald auf die Lange Meil traf, die von der Lahnfurt bei Dietkirchen nach Norden verlief.

Im August 772 wurde Ahlbach in einer Schenkungsurkunde der Rupertinerin Rachild an das Kloster Lorsch im Lorscher Codex erstmals erwähnt.[3]

Für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts ist eine Ritterfamilie "von Ahlbach" nachgewiesen, die unter anderem Burgmannen auf Burg Schadeck stellte. Bedeutsamster Vertreter des Geschlechts war Heinrich von Ahlbach, 1380 bis 1390 Abt des einflussreichen Klosters St. Alban in Mainz. 1420 starb das letzte Mitglied der Familie. Ein Großteil ihres Besitzes in Ahlbach ging durch Erbschaft an das Rittergeschlecht der Frei von Dehrn über. Neben den Frei hatten im Hochmittelalter die Grafen von Katzenelnbogen sowie mehrere Klöster und Stifte der Lahnregion Höfe in Ahlbach.

Als erstes Ahlbacher Rathaus diente das heute nicht mehr vorhandene Backhaus, in dem von 1730 auch bis zum Bau der ersten Schule 1824 Unterricht erteilt wurde. Im Jahr 1935 wurde das Gebäude an der Ecke von Kirch- und Bergstraße abgerissen.

Neben der Landwirtschaft hatte der Basaltabbau wirtschaftliche Bedeutung. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts fand der Abbau sporadisch statt, wenn in der Umgebung Straßen gebaut wurden. Im größeren Umfang wurde dieses Gewerbe ab 1870 betrieben, als eine südhessische Firma den bis dahin wenig bedeutenden Ahlbacher Steinbruch kaufte. Anfang der 1970er Jahre wurde die Produktion eingestellt. Der ehemalige Steinbruch hat den Käfernberg nördlich des Orts weitgehend abgetragen. Der Hügel mit dem gefluteten Steinbruch ist heute Naturschutzgebiet, an das sich eine Naherholungsfläche mit Grillplatz anschließt. In geringem Umfang wurden bei Ahlbach auch Ton, Ocker, Brauneisenstein und Phosphorit abgebaut.

1925 wurde der Ort ans Elektrizitätsnetz angeschlossen und 1953 mit fließendem Wasser ausgestattet.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Ahlbach am 31. Dezember 1971 in die Kreisstadt Limburg an der Lahn eingegliedert.[4] Seit 1972 verfügt Ahlbach über ein Dorfgemeinschaftshaus.

Kirchengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich im 12. Jahrhundert wurde die erste Kapelle im Dorf als Eigenkirche der Frei von Dehrn errichtet. Kirchlich war Ahlbach dem Lubentiusstift in Dietkirchen zugeordnet. Urkundlich sicher fassbar ist die Kapelle erstmals 1366. Es handelte sich um ein einschiffiges, romanisches Gebäude mit Dachreiter statt eines Turms. 1564 wurde Ahlbach der neu gegründeten Pfarrei in Oberweyer angeschlossen. Erst 1871 bekam Ahlbach einen eigenen Pfarrer, blieb aber Pfarrvikarie von Oberweyer. 1873 wurde der Friedhof vom Gelände um die Kirche an den heutigen Platz am Ortsrand verlegt. Dabei entstand an der Kapelle eine Sakristei, auf deren massiv ausgelegten Mauern 1880 ein Turm aufgesetzt wurde. Im Verlauf dieser Arbeiten wurde die Kapelle zu einer Kirche im neoromanischen Stil erweitert. Von der alten Bausubstanz blieb kaum etwas erhalten. Neue Erweiterungspläne für die Kirche in den 1920er Jahren scheiterten daran, dass die gesammelten Spenden durch die Inflation im Zuge der Weltwirtschaftskrise wertlos wurden.

1959 wurde ein größerer Neubau nach Plänen des Wiesbadener Architekten Paul Johannbroer fertiggestellt. Die heute denkmalgeschützte Kirche[5] fällt durch ihr offenliegendes Mauerwerk aus Schalstein auf. Die Glasfenster wurden vom Künstler Johannes Beeck geschaffen. Altäre, Kanzel und Taufbecken sind aus grauem Wirbelau-Marmor gefertigt. 1964 wurde auch formal eine eigene Ahlbacher Pfarrei geschaffen. 1967 war die neue Grundschule fertiggestellt. Das alte Schulgebäude wurde zum Pfarrzentrum.

Niederahlbach und der Urselthaler Hof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feldkreuz am Weg zum Urselthaler Hof. Die Bäume im Hintergrund markieren den Verlauf der Langen Meil.

Um 1550 fiel das südwestlich benachbarte Dorf Niederahlbach wüst. 1633/34 kaufte Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar das gesamte Land, das zu dem ehemaligen Dorf gehört hatte, und ließ dort einen Gutshof anlegen, der nach seiner Frau „Urselthaler Hof“ genannt wurde. Der Hof wird heute als Staatsdomäne bewirtschaftet.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Ahlbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[6][7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste "Einwohnerstatistik" stammt von 1518 und berichtet über 69 Bewohner des Orts. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten nur noch 14 Menschen in Ahlbach. 1750 wurden 156 Einwohner gezählt und 1840 waren es wieder 486 Einwohner.

Ahlbach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2014
Jahr  Einwohner
1834
  
422
1840
  
469
1846
  
520
1852
  
575
1858
  
584
1864
  
610
1871
  
589
1875
  
583
1885
  
634
1895
  
606
1905
  
610
1910
  
629
1925
  
709
1939
  
704
1946
  
861
1950
  
849
1956
  
860
1961
  
908
1967
  
961
1970
  
1.011
1974
  
978
1987
  
1.044
1994
  
1.149
2014
  
1.244
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1885: 2 evangelische, 632 katholische Einwohner
• 1961: 55 evangelische, 853 römisch-katholische Einwohner

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Turn- und Sportverein 1919 e.V. (Fußball)
  • Freiwillige Feuerwehr Ahlbach e.V., gegründet 1908 (seit 6. Oktober 1979 mit ihrer Jugendfeuerwehr und seit 2. April 2011 mit Kinderfeuerwehr)
  • Kultur- und Brauchtumsausschuss
  • Männergesangverein Harmonie 1873 e.V.
  • Gymnastikverein
  • Katholische Frauengemeinschaft
  • Frauensingkreis

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Bartholomäus
  • Freiwillige Feuerwehr Ahlbach, gegründet 1908 (seit 6. Oktober 1979 mit Jugendfeuerwehr und seit 2. April 2011 mit Kinderfeuerwehr)
  • Katholischer Kindergarten
  • Grundschule
  • Sportplatz (Kunstrasen)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Limburg-Ahlbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haushaltssatzung – Haushaltsjahr 2013. Limburg a. d. Lahn, abgerufen im Dezember 2018.
  2. Wirtschaftsdaten im Internetauftritt der Stadt Limburg, abgerufen im Juli 2016.
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 5), Urkunde 3170, 12. August 772 – Reg. 792. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 107, abgerufen am 17. Februar 2016.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  5. Kath. Pfarrkirche St. Bartholomäus auf DenkXweb
  6. a b c Ahlbach, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).