Liste von Bergwerken im Spessart

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Der Bergbau im Spessart wurde erstmals um 1400 für die Gemeinde Hailer erwähnt. Abgebaut wurden Eisen, Kupfer, Silber und Blei, später auch Kobalt, Mangan und Schwerspat. Die größte Metallerzlagerstätte war bei Biebergemünd. Bergbau spielte immer nur eine regionale Rolle, die Vorkommen waren gering.

Die Bergwerke der nicht im Spessart befindlichen Gemeinde Gründau werden mit aufgeführt, da sie die gleiche stratiforme Kupferlagerstätte ausbeuteten, wie die Gruben in Kahl, Huckelheim und Biebergemünd. Zudem bestand ein direkter betrieblicher Zusammenhang. Die Lagerstätte beinhaltet Flöze von Kupferletten und führt Kupfer-Arsen-Sulfide (Tennantit, Enargit, Silber-führend), Kupfer-Eisen-Sulfide (Kupferkies, Bornit) und Arsenide (Löllingit, Arsenkies).[1]

Tabelle der Bergwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Stadt/Gemeinde Bemerkung Lage Bild
Unterer Liebesgrund Laufach Eisen, bis 1870, nahe Schloss Weyberhöfe, im unteren Liebesgrund, [2][3] Eisenhütte und Hammer: Lage Lage (ca.)
Wilhelmine Sommerkahl Kupfer; Besucherbergwerk Lage Grube Wilhelmine 2.jpg
Matthäus-Stollen Sommerkahl Kupfer[4] Lage
Clara-Stollen Sommerkahl Kupfer[4] Lage
Am Lettenberg Sommerkahl Kupfer; Pingenfelder[4] Lage
Maximilian-Stollen Kleinkahl Kupfer; angeschlagen: ca. 1820; Länge: 434 m[4] Lage
Oberer Kahler Stollen Kleinkahl Kupfer; angeschlagen: ca. 1916; Länge: 180 m[4] Lage
Grube Segen Gottes, Schönborn-Stollen Huckelheim Kobalt; Kupfer; ab 1719 Abbau östlich von Huckelheim durch die Freiherren von Groschlag, ab 1759 wird der Abbau durch die von Schönborns betrieben; Grubenriß von 1782 ist erhalten geblieben[5] Schönborn Stollen: angeschlagen 1766; Länge: 520 m[4] Lage
Grube am Sonnenberg Gelnhausen Bergbau bei Hailer erwähnt seit 1400[6] Lage
Grube am Grauer-Berg Gelnhausen Bergbau bei Hailer erwähnt seit 1400; auch Bergmannsloch[6] Lage
Roßbacher Stollen Biebergemünd Kobalt; Eisen; Mangan; angeschlagen: 1741; Länge: 2800 m; eingebrachte Teufe: 40-60 m[7] Lage
Röhriger Stollen Biebergemünd Kobalt; Eisen; Mangan; angeschlagen: 1731; Länge 860 m; eingebrachte Teufe: 40 m[7] Lage
Radstubenstollen Biebergemünd Kobalt; Eisen; Mangan; angeschlagen nach 1748; Länge: ca. 1100 m; eingebrachte Teufe: 60 m[7] Lage
Lochborner Kunstschacht (Nr. 12) Biebergemünd Kobalt; Eisen; Mangan[7] Lage
Webersfeld Biebergemünd Zechenhaus; Eisen; Mangan[7] Lage
Grube Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Grube Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Grube Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Erichstollen Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Grube Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Grube Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Grube Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Grube Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Grube Partenstein Schwerspat; von 1840 bis 1948[8] Lage
Grube Neuhütten Schwerspat; von 1830 bis 1962[9] Lage
Kupfergrube Hain-Gründau Kupfer[10][11] Lage
Kupfergrube Hain-Gründau Kupfer[10][11] Lage
Kupfergrube Hain-Gründau Kupfer[10][11] Lage
Kupfergrube Hain-Gründau Kupfer[10][11] Lage
Kupfergrube Hain-Gründau Kupfer[10][11] Lage

Kupferbergbau bei Hain-Gründau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbau auf Kupferschiefer fand bei Hain-Gründau in mindestens fünf nördlich und nordwestlich der ehemaligen Gemeinde (heute Ortsteil von Gründau) liegenden Gruben statt. Es gab vier urkundlich belegbare Bergbauperioden: von 1610 bis ca. 1635 durch die Grafen von Isenburg-Büdingen, von 1680 bis 1700 durch die erste Isenburger Gewerkschaft, von 1700 bis 1713 durch die Isenburger und die Ilmenauer Gewerkschaft schließlich von 1758 bis 1773 durch die zweite Isenburger Gewerkschaft.

1610 bis ca. 1635 - Grafen von Isenburg und Büdingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens ab 1610 betrieb Graf Wolfgang Ernst I. von Isenburg Gruben in Hain-Gründau und im benachbarten Hailer. Im Jahr 1610 wurde eine Schmelzhütte östlich von Hain-Gründau in Betrieb genommen (Lage), die neben den lokalen Kupfererzen auch solche aus Cleeberg im Taunus einschmolz. Ab 1615 wurden die Führungskräfte (Steiger und Verwalter) aus Ilmenau, Schmalkalden und Mansfeld eingeworben, die Berg- und Hüttenknechte kamen aus der näheren Umgebung. Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 verfielen die Kupferpreise und ein Abbau war nicht mehr rentabel, die Landesherren zu Isenburg hielten den Betrieb noch einige Jahre aufrecht, obwohl er keinen Gewinn abwarf. In den 1630er Jahren wurde der Betrieb dann eingestellt. Nach Kriegsende kam es vorerst nicht zu einer Wiederaufnahme des Bergbaus. Acht Jahre nach Kriegsende (1656) gab es einen erfolglosen Versuch, der an den zu hohen Förderkosten scheiterte[12][13].

1680 bis 1700 - erste Isenburger Gewerkschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1680 erwachte das Interesse am Bergbau wieder. 1682 und 1683 veranlassten die Grafen zu Isenburg-Büdingen umfangreiche Untersuchungen, Prospektionen und Versuchsgrabungen wurden durchgeführt. Die hohen Investitionskosten und der geringe Erfolg führten 1697 dazu, dass die Grafen das finanzielle Risiko nicht weiter tragen wollten, es wurde die aus 16 Gewerken bestehende Isenburger Gewerkschaft gegründet, die auch die Bergwerke in Sommerkahl betrieb. Ab 1699 erreichten zwei Schächte das Kupferflöz in 24 m Teufe, drei Bergleute aus der Region und ein Steiger aus Sachsen verrichteten die Arbeiten. Zeitgleich wurde die Schmelzhütte bei Hain-Gründau in Betrieb genommen. Die Ausbeute blieb jedoch stark unter den Erwartungen, deshalb wurde Bergmeister Wild, der Leiter der Gruben in Hain-Gründau Anfang 1700 entlassen[14].

1700 bis 1713 - Ilmenauer Gewerkschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im April 1700 konnte die Isenburger Gewerkschaft einen neuen Berg- und Hüttenverwalter engagieren, G. S. Trier aus Ilmenau, der als ausgewiesener Kupferschieferexperte galt. Die Grube Zum Georg Albrecht in Hain-Gründau wurde zusammen mit der Grube in Hailer betrieben, beschäftigt waren auf beiden Gruben 10 bis 15 Bergleute. Die Verhüttung des gewonnen Erzes erwies sich als technisch sehr aufwändig, da es nur mit teuren Zuschlagstoffen gelang, das Kupfererz aufzubereiten. Ab 1709 wurde eine neu gegründete Ilmenauer Gewerkschaft von den Grafen Ernst Casimir I. zu Ysenburg-Büdingen-Büdingen und Georg Albrecht zu Ysenburg-Büdingen-Meerholz mit dem Abbau beauftragt. Hohe Kosten und Streitigkeiten über Verhüttungsfragen brachten den Betrieb jedoch bereits 1713 wieder zum Erliegen[15].

1758 bis 1773 - zweite Isenburger Gewerkschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst 1758 wird der Abbau wieder aufgenommen, es wird eine zweite Isenburger Gewerkschaft gegründet. Unter der Leitung von J. H. Cancrin, dem Vater des später gleichfalls beteiligten F. L. von Cancrin wurden in den folgenden fünf Jahren 17 Schächte niedergebracht. Betrieben wurden folgende Gruben: Kreischbergstollen (später: Geräuschbergstollen; heute in der Nähe des Nordportals des Eisenbahntunnels), die Grube am Wolfsgraben und die Grube an der Fuchshecke. Die durchschnittliche Erzförderung betrug 3200 Zentner pro Jahr. Der Kupfergehalt des gewonnen Erzes schwankte beträchtlich zwischen 1,5 % und 8,5 %. Jahrelange Streitigkeiten über die Höhe des Kupfergehaltes und Betrugsvorwürfe bei Erzlieferungen führten schließlich zum Ende der Gruben im Jahr 1773[16].

Die kupferführenden Schichten der Hain-Gründauer Zechsteinformationen mit Blei, Nickel, Wismut, Kobalt, Eisen, Zink, Gips, Kalkstein, Steinsalz und Schwerspat zogen im 20. Jahrhundert viele Professoren und Studenten zu Exkursionen an die Reste von Stollen und Schächten im "Im Wolfsgraben", "Kreischberg" (später Geräuschberg) und "Auf der Fuchshecke". Das Hain-Gründauer Erz war ertragreich[17], aus 157 Zentnern Erz wurden 13¾ Lot Silber, ein Zentner 61½ Pfund Kupfer, drei Zentner 79¼ Pfund Blei gewonnen; gefördert wurde aus 17 Schächten[18].

Nutzung dieser Liste offline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Freymann: Der Metallerzbergbau im Spessart. Dissertation, Mineralogisches Institut der Universität Würzburg, 1987, publiziert durch Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg e. V., 1991. ISBN 3-879-65054-3

Einzelnachweise und Details[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. Schumacher, F.-P.Schmidt: Kupferschieferexploration in Osthessen und Nordbayern. Erzmetall (38), S. 428-432, Weinheim, 1985
  2. Freymann, 1991, S. 108
  3. Webseite der Gemeinde Laufach, abgerufen am 28. Juni 2014
  4. a b c d e f Freymann, 1991, Tab. 34, Abb. 8, Abb. 12 und Abb. 19
  5. Grube Gottes Segen - Grubenriss und Informationen, private Webseite, abgerufen am 27. September 2014
  6. a b Fritz Spruth: Die Bergbauprägungen der Territorien an Eder, Lahn und Sieg. Bochum, 1974
  7. a b c d e Freymann, 1991, S. 126ff
  8. a b c d e f g h i Kulturweg Partenstein, Archäologisches Spessartprojekt e.V. - Institut an der Universität Würzburg, online, abgerufen am 28. Juni 2014
  9. Kulturweg "von Hütte zu Hütte" Neuhütten Tafel 2, Archäologisches Spessartprojekt e.V. - Institut an der Universität Würzburg, online, abgerufen am 02. September 2016
  10. a b c d e Freymann, 1991, S. 2 und S. 7
  11. a b c d e C. Köbrich: Kupferschiefer und Kupferletten am Vogelsberge. In: Handbuch der hessischen Bodenschätze, Hessische Erzvorkommen. Darmstadt, 1936
  12. Freymann, 1991, S. 45-46
  13. Gerhard Hundt: Zur Geschichte des Kupferschieferbergbaus bei Hain-Gründau in Hessen. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischem Staate, Band 82, 1934, S. 201-207
  14. Freyman, 1991, S. 47-48
  15. Freyman, 1991, S. 51-53
  16. Freymann, 1991, S. 69-71 und Tab. 16, S. 371
  17. Karl Weinel: In Hain-Gründauer Erde befindet sich ein Sammelsurium von Metallen – Bis vor wenigen Jahren produzierte eine Hütte hochwertige Produkte aus Kalk, Gelnhäuser Neue Zeitung (GNZ) v. 3. September 1994
  18. Heinrich P. Goebel Kupfer und Silber im Gründautal in Zwischen Vogelsberg und Spessart, Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch 1986, S. 98 ff., später abgedruckt in Grindaha 21, Jahreshefte des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 2011, S. 104