Lovoo

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Lovoo
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Entwickler LOVOO GmbH
Erscheinungsjahr 27. Oktober 2011[1]
Aktuelle Version 3.1.2 (Android
Google Play Store)
(Version variiert je nach Gerät.)
13. Mai 2015[2]

3.3 (iOS)
16. September 2015[3]

Betriebssystem Android, iOS
Kategorie Soziales Netzwerk, Flirt
deutschsprachig ja
www.lovoo.com

Lovoo (Eigenschreibweise: LOVOO) ist ein Soziales Netzwerk, das über die gemeinsame Nutzung einer App das Kennenlernen von Menschen aus der Umgebung ermöglicht. Lovoo basiert auf standortbezogenen Daten und wird vom gleichnamigen Unternehmen Lovoo GmbH betrieben. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Dresden, Lovoo beschäftigt über 140 Mitarbeiter.[4]

Die App gehört im deutschen Apple App Store, Amazon App Shop und in Google Play zu den meistheruntergeladenen der Kategorie „Soziale Netzwerke“.[5] Einige Funktionen der App sind kostenlos, andere kostenpflichtig.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weltweit agierende Plattform wurde von einer Gruppe aus acht Personen entwickelt und erstmals unter dem Namen „Lovoo“ am 27. Oktober 2011 als Mobile-Dating-Anwendung veröffentlicht.[1] Ursprünglich war der Name „Kiss2go“ für die App vorgesehen, der schon kurz nach dem Start geändert werden musste, weil der Berliner Radiosender Kiss FM den Machern eine Markennamen-Verletzung vorgeworfen hatte. Die Gründer der App entschieden sich gegen einen Rechtsstreit und kreierten binnen 20 Tagen die neue Marke „Lovoo“.[7][8]

Der Name setzt sich zusammen aus „love“ (englisch Liebe) und zwei Os, die angeblich einem Zufall zu verdanken sind: Inspirationsgeber sei ein Hund aus einem Webvideo, dessen Laut sich beim Hinhören wie Lovoo angehört habe.[9] Am 2. Februar 2012 wurde Lovoo mit dem Publikumspreis als beste deutsche Mobile App beim „Show your App Award“, im Rahmen der M-Days in Frankfurt am Main, ausgezeichnet. Grundlage war eine Onlineabstimmung.[10]

Das Start-up-Unternehmen wurde am 12. April 2013 als Teilnehmer in das „Silicon Valley Accelerator Program“ aufgenommen. Seit September 2013 bereitet die Lovoo GmbH in diesem Zusammenhang ihre Internationalisierung, mit Fokus auf den Markt der Vereinigten Staaten, vor.[11] Anfang März 2014 hat Lovoo seine „Matching-Funktion“ unter dem Namen „Voo“ als eine eigenständige App herausgebracht. Bezüglich der Funktionen ähnelt Lovoo stark der US-amerikanischen Dating-Applikation „Tinder“.[12]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lovoos Funktionen entsprechen in weiten Teilen denen anderer Social Software. Zentrale Funktion ist das Live-Radar, das in der Umgebung des Nutzers nach anderen sucht, um mit ihnen ggf. Kontakt aufzunehmen. Die Suchergebnisse werden mit Entfernung und Richtung dargestellt.[13]

Der sogenannt „Feed“ ist neben dem Live-Radar eine weitere Möglichkeit, Menschen aus der Umgebung zu finden. In chronologischer Reihenfolge werden Fotos aufgeführt, die von Personen aus der Umgebung oder von eigenen Kontakten veröffentlicht wurden. Rückmeldungen erhalten Nutzer dabei in Form von Likes („gefällt mir“), sogenannten „Followings“ (eine andere Person abonniert Beiträge) oder Chat-Anfragen.

Die Nutzer können auch durch sogenanntes Social Tagging interagieren, dabei können Nutzer nach anderen Nutzern oder nach Fotos zu bestimmten Themen suchen.

Das Match (engl. für „Übereinstimmung“, aber auch „Wettkampf“) ist eine spielerische Funktion der App, bei der Profilfotos anderer Mitglieder gezeigt werden, die auf dem Gerät mit einer Wischbewegung oder einer Berührung („tap“) bewertet werden können. Sobald eine neue Bewertung vorliegt, werden Mitglieder per Push-Mitteilung darüber informiert. Bei gegenseitigem Interesse entsteht eine Übereinstimmung (engl. „match“), eine direkte Kontaktaufnahme über Chat bzw. Nachrichtensystem ist möglich.

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lovoo-App selbst ist, solange man sich auf die Grundfunktionen (Nutzen der Suchfunktion, Interessante Leute anzeigen lassen, drei Nachrichten) beschränkt, zunächst kostenlos. Kostenpflichtig werden aber sogenannte „In-App-Credits“ und „VIP-Abos“, die man benötigt[14][15][16], z. B. um „Matches“ zu de-anonymisieren, d. h. das Profil der Person zu sehen, mit der eine Übereinstimmung festgestellt wurde.

Betrugsvorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2015 wurden in der Zeitschrift c’t und der Nachrichten-Website Heise online umfangreiche Artikel zu möglichen unlauteren Praktiken durch den Betreiber der Plattform veröffentlicht.[17][18] Dem Verlag waren über 50 Gigabyte Daten aus E-Mail-Postfächern, Screenshots und Quellcode-Ausschnitte zugespielt worden, die darauf hindeuten, dass gezielt und automatisiert Profile mit erfundenen weibliche Personen erstellt wurden, die anschließend programmgesteuert echten Nutzern Interesse vorgaben[19] und sie animierten, gegen eine Gebühr den Kontakt herzustellen.

In einer Stellungnahme bezeichnet das Unternehmen die Herkunft der dem Artikel zugrundeliegenden Unterlagen als dubios und verweist darauf, dass gemeldete Fake-Profile gelöscht würden, ohne dem Vorwurf zu widersprechen, Fake-Profile selbst erstellt zu haben.[20] Zur Echtheit der Dokumente hat das Unternehmen ebenfalls keine Stellung genommen.[18]

Im Oktober 2015 veröffentlichte die c’t eine erweiterte Analyse der ihr zugespielten E-Mail-Postfächer. Danach betrieb Lovoo unter dem Namen „Chat Banana“ über 16.000 mit dem Chatverlauf echter Nutzer trainierte Chatbots.[21]

Am 8. Juni 2016 kam es zu einer Durchsuchung der Firmenräume durch das Landeskriminalamt Dresden. Gegen die beiden Unternehmensgründer und Kaufleute Benjamin Bak und Alexander Friede aus Dresden lagen Untersuchungshaftbefehle vor. [22] Die Staatsanwaltschaft warf den Beschuldigten gewerbsmäßigen Betrug vor.[23] Insgesamt wurden 16 Privatwohnungen und Firmenräume durchsucht. [24]

Das Verfahren wurde am 30. September 2016 gegen Zahlung hoher Geldauflagen durch die Staatsanwaltschaft Dresden eingestellt.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Flirt-App Kiss2go wird zu Lovoo und bringt exklusive Funktionen für sicheres Dating, auf: Inside LOVOO. Pressemitteilung vom 27. Oktober 2011, abgerufen am 23. September 2013.
  2. Die App bei play.google.com, abgerufen am 31. Mai 2015.
  3. LOVOO – Neue kostenlose Chat App zum Leute kennenlernen, Freunde finden und Entdecken von Dating und Liebe. App Store (iOS), abgerufen am 18. September 2015.
  4. Unternehmen. LOVOO, abgerufen am 29. Oktober 2015.
  5. Martin Weigert: LOVOO wächst rasant, auf: netzwertig.com. 10. April 2013, abgerufen am 20. September 2013.
  6. Martin Weigert: Lovoo macht Badoo Konkurrenz, auf: netzwertig.com. 22. Januar 2013, abgerufen am 20. September 2013.
  7. Christina Cassala: 15 Fragen an Alexander Friede von Lovoo. In: deutsche-startups.de. 1. Februar 2013, abgerufen am 29. Oktober 2015.
  8. Flirt-App Kiss2go wird zu Lovoo und bringt exklusive Funktionen für sicheres Dating, In: frische-fische.com. 27. September 2011, abgerufen am 2. Mai 2015.
  9. Interview mit Tobias Börner – LOVOO App CMO & Co-Founder, 16. Januar 2014, abgerufen am 31. März 2014
  10. Der Markt ist reif für Flirt-Apps, auf: gfm-nachrichten.de, 14. Januar 2013, abgerufen am 23. September 2013.
  11. Yvonne Ortmann: German Silicon Valley Accelerator: Diese 12 deutschen Start-ups mischen bald das Silicon Valley auf!, auf: deutsche-startups.de, 15. April 2013, abgerufen am 23. September 2013.
  12. FLIRT-APP VOO: Tinder bekommt Konkurrenz aus Deutschland, 6. März 2014, abgerufen am 31. März 2014.
  13. Flirten via Smartphone: 'Lovoo'-App bringt Singles an Ort und Stelle zusammen, In: Inside LOVOO. Pressemitteilung vom 2. August 2011, abgerufen am 23. September 2013.
  14. http://praxistipps.chip.de/tinder-badoo-oder-lovoo-vergleich-der-dating-apps_35553
  15. http://date-guide.de/lovoo-test/
  16. https://www.heise.de/ct/ausgabe/2015-21-Dating-Plattform-Lovoo-im-Fake-Verdacht-2819596.html
  17. Holger Bleich, Ronald Eikenberg, Heiko Frenzel und Torsten Kleinz: Dating-Plattform Lovoo im Fake-Verdacht. In: c’t. 18. September 2015, abgerufen am 20. Oktober 2015.
  18. a b Holger Bleich: Verdacht auf Abzocke bei Dating-Plattform Lovoo. In: Heise online. 18. September 2015, abgerufen am 20. Oktober 2015.
  19. Holger Bleich: Abzock-Verdacht gegen Flirt-Plattform Lovoo erhärtet sich. In: Heise online. 25. September 2015, abgerufen am 20. Oktober 2015.
  20. LOVOO-Kommentar auf c’t-Artikel. In: Lovoo. 18. September 2015, abgerufen am 20. Oktober 2015.
  21. „Promote-Bitches“ - Interne Mails bekräftigen Abzock-Verdacht gegen Dating-Plattform Lovoo, c't 22/15, S. 26 (erschienen am 1. Oktober 2015)
  22. heise online: Razzia und Festnahmen beim Dating-Dienst Lovoo. In: heise online. Abgerufen am 8. Juni 2016 (de-de).
  23. Holger Bleich: Razzia und Festnahmen beim Dating-Dienst Lovoo. Heise online, 8. Juni 2016, abgerufen am 8. Juni 2016 (deutsch).
  24. Betrugsvorwürfe: Razzia bei Flirt-Portal Lovoo, Spiegel online, 8. Juni 2016. Abgerufen am 9. Juni 2016.
  25. Dating-App: Ermittlungen gegen Lovoo eingestellt. In: Die Zeit. 30. September 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. September 2016]).