Luise Büchner

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Luise Büchner um 1870

Luise Büchner (* 12. Juni 1821 in Darmstadt; † 28. November 1877[1] ebenda) war eine deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland“,
Illustration aus Die Gartenlaube 1894

Luise Büchner war die Tochter des Chirurgen Ernst Büchner und seiner Frau Caroline, geb. Reuß, Georg Büchners, Mathilde Büchners, Wilhelm Büchners, Ludwig Büchners und Alexander Büchners Schwester. Durch einen Unfall im Kindesalter zog sie sich eine Rückenverkrümmung zu, die sie zeitlebens behinderte. Autodidaktisch hatte sie sich umfangreiches Wissen vor allem in Literatur, Mythologie, Geschichte und Fremdsprachen angeeignet. Nach dem Tod der Eltern lebte sie zusammen mit ihrer ebenfalls ledigen Schwester Mathilde (1815–1888) im eigenen Haushalt, im selben Haus wie ihr Bruder, der Arzt Ludwig Büchner.

1855 erschien anonym ihr meistzitiertes Werk Die Frauen und ihr Beruf, in dem sie sich für bessere Mädchenbildung einsetzte. Schon 1856 erschien eine erweiterte zweite Auflage, in der ihr Name als Verfasserin genannt wurde. Ihre späteren Überarbeitungen spiegeln ihre Erfahrungen in der Frauenbewegung. Sie verfasste Romane, Reisebeschreibungen und Gedichte, zusammen mit ihrem Bruder Alexander gab sie eine umfangreiche Gedichtsammlung heraus. Ihre unvollendete Erzählung Ein Dichter (erst posthum erschienen) gilt als eines der wichtigen Zeugnisse über Georg Büchners Schulzeit im Darmstädter Elternhaus.

Seit Ende 1866 gehörte Luise Büchner zu den engsten Mitarbeiterinnen von Großherzogin Alice von Hessen und bei Rhein. Daraus entstanden ab 1867 mehrere Frauenvereine im Großherzogtum Hessen-Darmstadt; darunter der Alice-Frauenverein für Krankenpflege, der es sich zur Aufgabe machte, junge Frauen zur Krankenschwester ohne konfessionelle Bindung auszubilden. Ziel dieses Vereins war, die bisher nur karitativ ausgeübte Pflege von Kranken und Verwundeten zum bezahlten Frauenberuf zu machen. Daraus ging das Alice-Hospital Darmstadt hervor. Außerdem der Verein für Förderung weiblicher Industrie (ab 1872 Alice-Verein für Frauenbildung und -Erwerb), der neben einer Verkaufsstelle für Heimarbeiterinnen (Alice-Basar) die Alice-Schule, eine Berufsfachschule für Mädchen (heute Alice-Eleonoren-Schule) gründete. Daneben entstand unter der Leitung von Luise Büchner eine Art Volkshochschule für Frauen, das sogenannte Alice-Lyceum.

In den 1870er Jahren vertrat sie auf überregionalen Konferenzen die Alice-Frauenvereine und berichtete in der Presse regelmäßig über ihre Arbeit. Die erste Generalversammlung der Frauenbildungsvereine, des Lette-Verbandes, fand im Oktober 1872 auf Einladung von Prinzessin Alice und Luise Büchner in Darmstadt statt. Aus Anlass einer Konferenz des preußischen Kultusministeriums wurde Büchner 1873 als erste Frau gebeten, zu den Unterrichts- und Erziehungsfragen in der Mädchenschulbildung eine Stellungnahme vorzulegen.

Luise Büchner wird heute noch neben Luise Otto oder Fanny Lewald als eine der bahnbrechenden Frauen der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts angesehen. Büchner verstarb in Darmstadt und wurde auf dem dortigen Alten Friedhof beigesetzt (Grabstelle: I A 16).

Grab von Luise Büchner auf dem Alten Friedhof in Darmstadt

Nach ihr ist die Darmstädter Luise Büchner-Bibliothek benannt. Diese ist auch die Anlaufstelle für Interessenten an der neu gegründeten Luise Büchner-Gesellschaft e. V. Die Gesellschaft vergibt in der Tradition des kritischen Journalismus den Luise Büchner-Preis für Publizistik. Preisträgerinnen waren 2012 Bascha Mika, 2013 Julia Voss und 2014 Lisa Ortgies.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Frauen und ihr Beruf: Ein Buch der weiblichen Erziehung.In zusammenhängenden Aufsätzen niedergeschrieben von Frauenhand, Frankfurt (Meidinger)1855 (anonym).Weitere Auflagen mit Autorinname:1856, 1860, 1872 (überarb.. und erw.), 1884 (posthum).
  • Dichterstimmen aus Heimath und Fremde. Für Frauen und Jungfrauen ausgewählt, Hamm (G. Grote'sche Buchhandlung)1859.
  • Aus dem Leben. Erzählungen aus Heimath und Fremde. Leipzig (Thomas) 1861. (Digitalisat).
  • Frauenherz. Gedichte. Berlin (Hirsch) 1862.
  • Das Schloß zu Wimmis. Roman, Leipzig (Thomas)1864.
  • Weihnachtsmärchen, Glogau (Flemming)1868.Weitere Auflagen: 1882, 1927.
  • Weihnachtsmärchen aus Darmstadt und dem Odenwald. Hrsg. von Hans-Dietrich Megede, Darmstadt (zur Megede) 1980.
  • Praktische Versuche zur Lösung der Frauenfrage. 1870
  • Ein Dichter. Novellenfragment.Mit Georg Büchners Kato-Rede, Anmerkungen und Nachwort, hrsg. Anton Büchner, Darmstadt (Justus-Liebig Verl.) 1965.
  • Gebildet, ohne gelehrt zu sein: Essays, Berichte und Briefe, hrsg. von Margarethe Dierks, Darmstadt (Justus-von-Liebig-Verl.) 1991.
  • "Feder und Wort sind Euch gegeben, so gut wie dem Manne!": Studien und Briefe zu Luise Büchners Leben und Werk, hrsg. von Elke Hausberg und Agnes Schmidt, Darmstadt (Justus-von-Liebig-Verl.) 2004.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cordelia Scharpf: Luise Büchner und die Forderung nach "Freiheit, Bildung und Wohlstand für alle" und zwei Aufsätze aus dem Jahre 1869, in: Matthias Gröbel u.a.: "Fortschritt der Menschheit in der Entwicklung des Menschen". Georg Büchners Geschwister in ihrem Jahrhundert. Darmstadt 2013. ISBN 978-3-88443-322-5.
  • Cordelia Scharpf: Luise Büchner : eine evolutionäre Frauenrechtlerin des 19. Jahrhunderts, Oxford; Bern; Berlin [u.a.] (Peter Lang) 2013, ISBN 978-3-0343-0704-8
  • Cordelia Scharpf: Luise Büchner. A Nineteenth-Century Evolutionary Feminist. Oxford, Bern, Berlin [u.a.] 2008,(Women in German Literature; 9), ISBN 978-3-03910-325-6.
  • Heiner Boehncke, Peter Brunner, Hans Sarkowicz: Die Büchners oder der Wunsch, die Welt zu verändern,Frankfurt am Main (Societäts-Verlag)2008, ISBN 978-3-7973-1045-3.
  • Wolfgang Rasch: Freundschaftsdienst und Auftragswerk. Luise Büchners Gutzkow-Essay im Lichte ihrer ungedruckten Briefe an Eduard Hallberger. In: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft. Bd. 17. Berlin, 2005. S. 13-23.
  • Gerhard K. Friesen (Hrsg.): „Wir können alle gar nicht genug Respect vor Ihnen haben.“ Der Briefwechsel zwischen Karl Gutzkow und Luise Büchner 1859-1876. In: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft. Bd. 8/9. Berlin, 1997. S. 75-138., abgedruckt in "Feder und Wort..." S. 33-106 S.

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Schanz: Luise & Mathilde. Ein Kammer-Spiel um Georg Büchners Schwestern(uraufgeführt 2012 am Staatstheater Darmstadt).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Luise Büchner – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Hessisches Staatsarchiv Marburg (HStAMR Best. 901 Nr. 287 S. 402)