Mädchen

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Mädchen im Monsunregen, Nepal (2007)
Mädchen in Ouro Preto, Brasilien (2006)

Ein Mädchen, umgangssprachlich auch Mädel, ist ein Kind weiblichen Geschlechts oder allgemeiner eine junge weibliche Person (unverheiratet).[1][2] Früher stand das Wort auch kurz für das Hausmädchen.[1] Mit Mädchen befassen sich wissenschaftlich Biologie, Medizin, Entwicklungspsychologie, Pädagogik, Kulturanthropologie, Sozialgeschichte, Sozialwissenschaften, Kulturgeschichte und Kulturwissenschaft. Um Interdisziplinarität bemüht sich die Mädchenforschung.

Wortgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mädchen

Die Bezeichnung Mädchen für „Jugendliche, Kind weiblichen Geschlechts, Freundin eines jungen Mannes“, verwendet das Diminutivsuffix -chen und ist eine Verkleinerungsform des mittelalterlichen Wortes Magd → Mä[g]dchen. Zunächst wurde im 15. Jahrhundert im Mittelniederdeutschen mēgedeken verwendet sowie im Obermitteldeutschen Medichen Anfang des 16. Jahrhunderts, woraus Mägdchen im 17. Jahrhundert und schließlich Mädchen entstand.[2] Martin Luther verwendete in seiner Bibelübersetzung noch die Ausdrücke Meidlin (Mägdlein), Jungfraw (Jungfrau) und Dirne. Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Bezeichnung Mädchen häufig auch für eine Hausangestellte verwandt. Darauf bezieht sich der Duden seit 2011 und noch stärker hervorgehoben ab Oktober 2020 in einer Ergänzung:

„Im modernen Sprachgebrauch sollte das Wort Mädchen nur noch in der Bedeutung Kind weiblichen Geschlechts verwendet werden. In den weiteren veraltenden oder veralteten Bedeutungen gilt die Bezeichnung Mädchen zunehmend als diskriminierend.“

Duden online (Oktober 2020)[1]

Die schweizerische Bundeskanzlei schreibt 2009 in ihrem bis heute teilweise verbindlichen Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren im Deutschen in Bezug auf Wortzusammensetzungen mit -mädchen:

„Bei Zimmermädchen, Dienstmädchen, Hausmädchen, Kindermädchen usw. lässt das Wort -mädchen an eine nicht erwachsene, unmündige Frau denken. Diese Ausdrücke können deshalb abwertend wirken. Zudem gibt es für Männer kaum entsprechende Formen, es besteht eine Asymmetrie (vgl. auch Krankenschwester/Krankenpfleger; Hebamme/Entbindungspfleger; Hostess). Als Ersatzbezeichnungen bieten sich je nach Zusammenhang an: Hotelangestellte (allenfalls Zimmerfrau), Raumpflegerin, Hausangestellte, Haushaltshilfe, Pflegerin, Betreuerin, Kinderbetreuerin, Kinderfrau, Babysitterin.[3]

Mädel

Daneben wurde, vom Oberdeutschen ausgehend, die Bezeichnung Mädel mit dem Diminutivsuffix -el gebildet.[4] Die Bezeichnung Mädel wurde in der Vergangenheit zum Teil propagandistisch genutzt. So nannten die Nationalsozialisten (1933–1945) die Nachwuchsorganisation für Frauen Bund Deutscher Mädel. Er wurde daher vorübergehend im Wörterbuch des Unmenschen 1957 als einer von 28 Ausdrücken geführt, die nach Ansicht der Autoren aus dem deutschen Sprachschatz gestrichen werden sollten, weil sie den „Wortschatz der Gewaltherrschaft“ verkörperten.[5] Seine Verwendung wird mitunter von der heutigen rechtsextremistischen Szene wieder aufgegriffen (vergleiche Mädelring Thüringen). Mädel ist laut Duden aber in der Umgangssprache verbreitet, häufiger in ironischer Form.[6]

Maid

Die Bezeichnung Maid entstand im Mittelhochdeutschen aus mait, meit, das ursprünglich „Jungfrau, unfreies Mädchen, Dienerin“ bedeutet und die kontrahierte Form von mittelhochdeutsch maget, frühneuhochdeutsch Meid (diminutiv: Meidlein) darstellt. Nachdem sich die Bedeutung im Laufe des 16. Jahrhunderts verloren hatte, wurde sie in der romantischen Dichtung neu belebt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff auf die Schülerinnen landwirtschaftlicher Haushaltsschulen bezogen.[7] Als Arbeitsmaid wurden weibliche Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes im NS-Staat bezeichnet. Der Duden nennt den Gebrauch heute als „veraltet, noch spöttisch“.[8]

Ikonografie und Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Judentum und Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jesus erweckt die Tochter des Jaïrus von den Toten, ein Mädchen von 12 Jahren (kolorierte Zeichnung von Friedrich Overbeck, 1815)

Zu den Begriffen, mit denen Mädchen im Alten Testament assoziiert werden, zählen Anmut und Schönheit,[9] Schmuck,[10] das Spielen von Musikinstrumenten und der Gesang von Hochzeitsliedern,[11] Tanz,[12] Jungfräulichkeit[13] und Brautwerbung,[14] aber auch Brautraub,[15] Vergewaltigung[16] und Trauer.[17] Mädchen unterliegen in der Bibel keinen besonderen Geboten, die nur für sie gelten.

Das Alte Testament ist reich an einprägsamen Frauengestalten; darunter sind etwa Abrahams spätere Schwiegertochter Rebekka,[18] Jakobs Tochter Dina,[19] Mirjam, die Schwester des Mose,[20] König Davids junge Pflegerin Abischag,[21] die spätere Königin Ester und die gelegentlich als Sulamith bezeichnete Liebende im Hohelied Salomos.[22]

Im orthodoxen Judentum gelten für Mädchen andere rituelle Gesetze als für Jungen. Während Jungen bald nach der Geburt im Rahmen eines Ritus (Brit Mila) beschnitten werden, beschränken sich die Riten bei der Geburt eines Mädchens meist darauf, dass der Vater bei der nächsten Tora-Lesung in der Synagoge den Namen der Tochter bekannt gibt. Da weder die Mischna noch der Talmud Vorschriften zu dieser Frage enthalten, wird die Namensgebungszeremonie für neugeborene Mädchen (Zeved habat, Simchat bat) innerhalb der verschiedenen Strömungen des Judentums sowie historisch und regional uneinheitlich gehandhabt.[23] Ebenso wie Jungen studieren Mädchen auch im orthodoxen Judentum das jüdische Schrifttum, und zwar insbesondere die Gesetze, die die von Frauen zu erfüllenden Mitzwot regeln, z. B. Sabbat, Kashrut und Familienreinheit betreffend.[24] Einen der Bar Mitzwa entsprechender Übergangsritus für Mädchen, Bat Mitzwa genannt, gibt es nur außerhalb des orthodoxen Judentums.[25]

Die Rede über Mädchen im Neuen Testament ist sparsamer und weniger poetisch als die des Alten Testaments. Die bekannteste Gestalt ist die Jungfrau Maria, zur Zeit der Verkündigung ein junges Mädchen. Darüber hinaus berichtet das Neue Testament auch über Salome, die Tochter der Herodias, die als Lohn für ihren Tanz den Kopf des Johannes fordert.[26] Aber auch in den Wundern Jesu treten Mädchen hervor, darunter die zwölfjährige Tochter des Jaïrus, die durch Jesus vom Tode erweckt wird,[27] und die kleine Tochter einer Griechin, der Jesus einen Dämon austreibt.[28]

Das Christentum kennt grundsätzlich keine verschiedenen Riten für Mädchen und Jungen. In der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen können manche Sakramente und Sakramentalien allerdings nur von Männern oder Frauen empfangen werden.

Mädchen in Jugendkulturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch wurde Mädchen in Deutschland erst 1911 gesetzlich gestattet, sich aktiv an den Anfang des 20. Jahrhunderts neu aufkommenden Jugendbewegungen wie den Wandervögeln zu beteiligen, wobei es innerhalb der Organisationen auch Vorbehalte gab. So nannte etwa Hans Breuer das Gemischtwandern die Buben verweichlichend und die Mädchen verbengelnd und verwildernd.[29] Nach Klaus Farin seien gegenwärtige Jugendkulturen, die in der Jugendarbeit seiner Meinung nach an Bedeutung verlören, weitgehend immer noch männlich dominiert. Dennoch hätten Mädchen trotz ihrer geringeren Anzahl durchaus auch aktive Rollen inne und seien keineswegs nur „Mitläuferinnen“. Mädchenorientierte Szenen sieht er etwa in der Cosplay-Kultur.[30] Angela McRobbie sah die Girlie-Kultur als eine von Mädchen allein getragene moderne Bewegung der Popkultur.[31] Jonas Engelmann nannte Emo dagegen die erste Jugendkultur, in der sich auch Jungen an Mädchen angepasst hätten.[32]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wissenschaftlichen Erfassung der wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Faktoren, welche die Lebensbedingungen von Mädchen bestimmen, widmet sich seit dem späten 20. Jahrhundert die Mädchenforschung, ein Zweig der Frauenforschung. Angeregt wurde der wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurs um Mädchen unter anderem durch Elena Gianini Belottis 1973 in Italien publizierten Essay Was geschieht mit kleinen Mädchen?[33]

In Deutschland gab es in den 1980er Jahren erste Ansätze hinsichtlich einer geschlechtsdifferenzierenden Mädchenforschung. Die damalige Ausweitung und verstärkte Förderung von Frauenstudien und -projekten fand auch Niederschlag in Projekten und Lehrveranstaltungen speziell zu Mädchenarbeit an universitären Einrichtungen. Der 6. Jugendbericht 1984 lieferte durch 39 Expertisen zu Lebenswelten von Mädchen und deren Perspektiven eine fundierte Basis. Es leitete sich die Forderung nach einer zielgerichteten Förderung von Mädchen in sämtlichen Bereichen der Jugendhilfe ab.[34] 1991 hat die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Claudia Franziska Bruner eine erste Übersicht über Ergebnisse der noch jungen Mädchenforschung veröffentlicht.[35] 2008 folgte ein Übersichtsartikel von Helga Kelle.[36]

In den Vereinigten Staaten, wo Studien- und Forschungszentren für Girls’ Studies u. a. an der University of Missouri–Kansas City,[37] der State University of New York in Cortland[38] und an der University of Illinois at Urbana-Champaign[39] zu finden sind, veröffentlichte Elline Lipkin (damals UC Berkeley) im Jahre 2006 ihren Übersichtsband Girls’ Studies: Seal Studies.[40]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mädchen (girls) – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Mädchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Mädchen – Zitate

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lara Cardella: Ich wollte Hosen. Fischer, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-596-10185-9.
  • Marlis Hellinger: Kontrastive feministische Linguistik: Mechanismen sprachlicher Diskriminierung im Englischen und Deutschen. MaxHuebner, Ismaning 1999, ISBN 3-19-006605-1.
  • Norbert Kühne: Mädchen und Jungen: Entwicklung, Erziehung, Identität. In: Praxisbuch Sozialpädagogik. Eins, Troisdorf 2010, ISBN 978-3-427-75416-9.
  • Meike Lauggas: Mädchenbildung bildet Mädchen: Eine Geschichte des Begriffs und der Konstruktionen (= Feministische Theorie. Band 40). Milena, Wien 2000, ISBN 3-85286-075-X.
  • Ingeborg Weber-Kellermann: Die Kindheit: Kleidung und Wohnen, Arbeit und Spiel. Eine Kulturgeschichte. Insel, Frankfurt/M. 1979, ISBN 3-458-05095-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Worteintrag: Mädchen, das. In: Duden online. Abgerufen am 17. Mai 2021; Zitat: „Bedeutung 1 a): Kind weiblichen Geschlechts; 1 b): junge, jüngere weibliche Person; 2.: Freundin (eines jungen Mannes); 3.: Hausangestellte, Hausgehilfin“;
    ebenda: Mädchen, das. (Memento vom 15. Juni 2011 im Internet Archive) Stand: Juni 2011.
  2. a b Mädchen. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 17. Mai 2021; Zitat: „Bedeutungsübersicht 1: Kind weiblichen Geschlechts oder junge weibliche Person bis zur Verheiratung; 2.: Geliebte, Freundin“.
  3. Schweizerische Bundeskanzlei, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW): Geschlechtergerechte Sprache: Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren im Deutschen. 2., vollständig überarbeitete Auflage 2009, S. 132, Randnummer 7.61 (Version vom 31. Juli 2013: PDF: 1,1 MB, 192 Seiten auf bk.admin.ch; Infoseite).
  4. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen nach Pfeifer, online auf DWDS, abgerufen am 23. November 2011.
  5. Ruth Schneeberger: Nazi-Worte im Sprachgebrauch: Mädel verpflichtet. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 7. Dezember 2020.
  6. Worteintrag: Mädel, das. In: Duden online. Abgerufen am 7. Dezember 2020.
  7. Worteintrag: Maid. In: DWDS.de. Abgerufen am 3. November 2016.
  8. Worteintrag: Maid, die. In: Duden online. Abgerufen am 7. Dezember 2020.
  9. Ester 2.3ff; Amos 8.13; Sacharja 9.17
  10. Jeremia 2.32
  11. Psalm 68.26; Psalm 78.63
  12. Richter 21.21ff; Jeremia 31.13
  13. 4. Mose 31.35; Richter 21.12; Hesekiel 44.22
  14. 1. Mose 24.55; 1. Mose 34.4; Ester 2.4; Jesaja 62.5
  15. Richter 21.21; Richter 5.30; 2. Könige 5.2
  16. 5. Mose 22.28; Klagelieder 5.11
  17. Klagelieder 2.10ff
  18. 1. Mose 24.15ff
  19. 1. Mose 34.1ff
  20. 2. Mose 2.4ff
  21. 1. Könige 1.3ff
  22. Hohelied 8.13
  23. Jennifer Breger, Lisa Schlaff: The Orthodox Jewish Woman and Ritual: Options and Opportunities: Birth. Herausgegeben von der Jewish Orthodox Feminist Alliance, New York 2008 (englisch; PDF: 2,6 MB, 24 Seiten auf jofa.org (Memento vom 22. September 2011 im Internet Archive)).
  24. Do women study Torah?
  25. What Is a Bat Mitzvah?
  26. Markus 6.22ff; Matthäus 14.6ff
  27. Matthäus 9.18ff; Markus 5.35ff; Lukas 8.41ff
  28. Markus 7.25ff
  29. Wilfried Ferchhoff: Jugend an der Wende des 20. Jahrhunderts: Lebensformen und Lebensstile Springer-Verlag 2013, S. 21; online in Google Bücher
  30. Geschlechtsspezifische Aspekte in Jugendkulturen – Mädchen und Jungen in ihren Peergroups (Memento des Originals vom 9. Dezember 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gender-nrw.de; Interview mit Klaus Farin, Archiv der Jugendkulturen e.V.
  31. Angela McRobbie: Muskelpakete und Schwänze. Die Bedeutung der Girlie Kultur. In: Anette Baldauf, Katharina Weingartner (Hrsg.): Lips Tits Hips Power? Popkultur und Feminismus. Folio, Wien, Bozen, ISBN 3-85256-077-2, S. 278.
  32. Carola Padtberg: Jugendkultur Emo – entdeck das Mädchen in dir vom 11. März 2010, aufgerufen am 25. November 2011 bei Spiegel online
  33. Margitta Kunert-Zier: Erziehung der Geschlechter: Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialpädagogischen Feldern. Springer VS, Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14657-2, S. 28.
  34. Margitta Kunert-Zier: Erziehung der Geschlechter – Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialpädagogischen Feldern. : Die achtziger Jahre – Mädchenarbeit sichtbar machen, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 2005, ISBN 3-531-14657-2, S. 30ff.
  35. Claudia Franziska Bruner: Mädchenforschung in der Bundesrepublik Deutschland: eine Literaturdokumentation. Weinheim, München: DJI Verlag, 1991, ISBN 3-87966-327-0.
  36. Helga Kelle: Mädchen: Zur Entwicklung der Mädchenforschung. In: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie. 3. Auflage. Springer VS, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17170-8, S. 418–427.
  37. Women’s & Gender Studies: Certificate in Girls’s Studies
  38. Reimagining Girlhood: Communities, Identities, Self-Portrayals.
  39. Dr. Ruth Nicole Brown, Assistant Professor
  40. Elline Lipkin (Memento vom 24. Dezember 2011 im Internet Archive)