Mädchen

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Dieser Artikel behandelt junge weibliche Menschen; weitere Bedeutungen siehe unter Mädchen (Begriffsklärung).
Nepalesische Mädchen im Monsun

Ein Mädchen ist ein Kind weiblichen Geschlechts oder (veraltend[1]) eine junge weibliche Person bis zur Verheiratung.[2] Früher stand das Wort auch für das Hausmädchen.[1] Mit Mädchen befassen sich Biologie, Medizin, Entwicklungspsychologie, Pädagogik, Kulturanthropologie, Sozialgeschichte, Sozialwissenschaft, Kulturgeschichte und Kulturwissenschaft. Um Interdisziplinarität bemüht sich die Mädchenforschung.

Wortgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Mädchen als Bezeichnung für „Jugendliche, Kind weiblichen Geschlechts, Freundin eines jungen Mannes“, verwendet ein Diminutivsuffix und ist etymologisch eine Verkleinerungsform des mittelalterlichen Wortes Magd. Es wurde zunächst im 15. Jahrhundert im Mittelniederdeutschen mēgedeken verwendet, sowie im Obermitteldeutschen Medichen Anfang des 16. Jahrhunderts, woraus Mägdchen im 17. Jahrhundert und schließlich Mädchen entstand.[2] Martin Luther verwendete in seiner Bibelübersetzung noch die Ausdrücke Meidlin (Mägdlein), Jungfraw (Jungfrau) und Dirne. Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Bezeichnung Mädchen häufig auch für Hausangestellte oder die Freundin eines jungen Mannes verwandt. In einer Ergänzung weist der Duden darauf hin: „Im modernen Sprachgebrauch sollte das Wort Mädchen nur noch in der Bedeutung Kind weiblichen Geschlechts verwendet werden. In den weiteren veraltenden oder veralteten Bedeutungen gilt die Bezeichnung Mädchen zunehmend als diskriminierend.“[1]

Das Wort Maid entstand im Mittelhochdeutschen aus mait, meit, welches ursprünglich ‘Jungfrau, unfreies Mädchen, Dienerin’ bedeutet und die kontrahierte Form von mhd. maget, frühneuhochdeutsch Meid (deminutiv Meidlein) darstellt. Nachdem sich die Bedeutung im Laufe des 16. Jahrhunderts verlor, wurde sie in der romantischen Dichtung neu belebt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff auf die Schülerinnen landwirtschaftlicher Haushaltsschulen bezogen.[3] Als Arbeitsmaid wurden weibliche Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes im NS-Staat bezeichnet. Der Duden nennt den Gebrauch heute als „veraltet, noch spöttisch“.[4]

Daneben wurde, vom Oberdeutschen ausgehend, Mädel mit dem Diminutivsuffix -el gebildet.[5] Die Bezeichnung Mädel wurde in der Vergangenheit zum Teil propagandistisch genutzt. So nannten die Nationalsozialisten die Nachwuchsorganisation für Frauen Bund Deutscher Mädel. Er wurde daher vorübergehend im Wörterbuch des Unmenschen 1957 als einer von 28 Ausdrücken geführt, die nach Ansicht der Autoren aus dem deutschen Sprachschatz gestrichen werden sollten, weil sie den „Wortschatz der Gewaltherrschaft“ verkörperten.[6] Seine Verwendung wird mitunter von der heutigen rechtsextremistischen Szene wieder aufgegriffen (vgl. Mädelring Thüringen), ist aber in der Umgangssprache, häufig auch in ironischer Form, verbreitet.[7]

Ikonografie und Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Andere Kulturen und Religionen, Rolle bzw. Status von Mädchen etwa in China oder Indien (etwa Ein-Kind-Politik oder Kastenwesen) bzw. historisch auch in Europa (sprich: Kulturgeschichte), Belege bisher nur aus der Bibel (mind. 40 Einzelnachweise, was alleine wenig enzyklopädisch ist, da lediglich Primärquelle); Zu Primär- vs. Sekundarquellen generell vgl. auch WP:Richtlinien Geschichte
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Judentum und Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jesus erweckt die Tochter des Jaïrus, ein Mädchen von 12 Jahren, von den Toten. Kolorierte Zeichnung von Friedrich Overbeck (1815)

Zu den Begriffen, mit denen Mädchen im Alten Testament assoziiert werden, zählen Anmut und Schönheit[8], Schmuck[9], das Spielen von Musikinstrumenten und der Gesang von Hochzeitsliedern[10], Tanz[11], Jungfräulichkeit[12] und Brautwerbung[13], aber auch Brautraub[14], Vergewaltigung[15] und Trauer.[16] Mädchen unterliegen in der Bibel keinen besonderen Geboten, die nur für sie gelten.

Das Alte Testament ist reich an einprägsamen Frauengestalten; darunter sind etwa Abrahams spätere Schwiegertochter Rebekka[17], Jakobs Tochter Dina[18], Mirjam, die Schwester des Mose[19], König Davids junge Pflegerin Abischag[20], die spätere Königin Ester und die gelegentlich als Sulamith bezeichnete Liebende im Hohelied Salomos.[21]

Im orthodoxen Judentum gelten für Mädchen andere rituelle Gesetze als für Jungen. Während Jungen bald nach der Geburt im Rahmen eines Ritus (Brit Mila) beschnitten werden, beschränken sich die Riten bei der Geburt eines Mädchens meist darauf, dass der Vater bei der nächsten Tora-Lesung in der Synagoge den Namen der Tochter bekannt gibt. Da weder die Mischna noch der Talmud Vorschriften zu dieser Frage enthalten, wird die Namensgebungszeremonie für neugeborene Mädchen (Zeved habat, Simchat bat) innerhalb der verschiedenen Strömungen des Judentums sowie historisch und regional uneinheitlich gehandhabt.[22] Ebenso wie Jungen studieren Mädchen auch im orthodoxen Judentum das jüdische Schrifttum, und zwar insbesondere die Gesetze, die die von Frauen zu erfüllenden Mitzwot regeln, z. B. Sabbat, Kashrut und Familienreinheit betreffend.[23] Einen der Bar Mitzwa entsprechender Übergangsritus für Mädchen, Bat Mitzwa genannt, gibt es nur außerhalb des orthodoxen Judentums.[24]

Die Rede über Mädchen im Neuen Testament ist sparsamer und weniger poetisch als die des Alten Testaments. Die bekannteste Gestalt ist die Jungfrau Maria, zur Zeit der Verkündigung ein junges Mädchen. Darüber hinaus berichtet das Neue Testament auch über Salome, die Tochter der Herodias, die als Lohn für ihren Tanz den Kopf des Johannes fordert.[25] Aber auch in den Wundern Jesu treten Mädchen hervor, darunter die zwölfjährige Tochter des Jaïrus, die durch Jesus vom Tode erweckt wird[26], und die kleine Tochter einer Griechin, der Jesus einen Dämon austreibt.[27]

Das Christentum kennt grundsätzlich keine verschiedenen Riten für Mädchen und Jungen. In der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen können manche Sakramente und Sakramentalien allerdings nur von Männern oder Frauen empfangen werden.

Mädchen in Jugendkulturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emo-Girl

Historisch wurde Mädchen in Deutschland erst 1911 gesetzlich gestattet, sich aktiv an den Anfang des 20. Jahrhunderts neu aufkommenden Jugendbewegungen wie den Wandervögeln zu beteiligen, wobei es innerhalb der Organisationen auch Vorbehalte gab. So nannte etwa Hans Breuer das Gemischtwandern die Buben verweichlichend und die Mädchen verbengelnd und verwildernd.[28] Nach Klaus Farin seien gegenwärtige Jugendkulturen, die in der Jugendarbeit seiner Meinung nach an Bedeutung verlören, weitgehend immer noch männlich dominiert. Dennoch hätten Mädchen trotz ihrer geringeren Anzahl durchaus auch aktive Rollen inne und seien keineswegs nur „Mitläuferinnen“. Mädchenorientierte Szenen sieht er etwa in der Cosplay-Kultur.[29] Angela McRobbie sah die Girlie-Kultur als eine von Mädchen allein getragene moderne Bewegung der Popkultur.[30] Jonas Engelmann nannte Emo dagegen die erste Jugendkultur, in der sich auch Jungen an Mädchen angepasst hätten.[31]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wissenschaftlichen Erfassung der wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Faktoren, welche die Lebensbedingungen von Mädchen bestimmen, widmet sich seit dem späten 20. Jahrhundert die Mädchenforschung, ein Zweig der Frauenforschung. Angeregt wurde der wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurs um Mädchen unter anderem durch Elena Gianini Belottis 1973 in Italien publizierten Essay Was geschieht mit kleinen Mädchen?[32]

In Deutschland gab es in den 1980er Jahren erste Ansätze hinsichtlich einer geschlechtsdifferenzierenden Mädchenforschung. Die damalige Ausweitung und verstärkte Förderung von Frauenstudien und -projekten fand auch Niederschlag in Projekten und Lehrveranstaltungen speziell zu Mädchenarbeit an universitären Einrichtungen. Der 6. Jugendbericht 1984 lieferte durch 39 Expertisen zu Lebenswelten von Mädchen und deren Perspektiven eine fundierte Basis. Es leitete sich die Forderung nach einer zielgerichteten Förderung von Mädchen in sämtlichen Bereichen der Jugendhilfe ab.[33] 1991 hat die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Claudia Franziska Bruner eine erste Übersicht über Ergebnisse der noch jungen Mädchenforschung veröffentlicht.[34] 2008 folgte ein Übersichtsartikel von Helga Kelle.[35]

In den Vereinigten Staaten, wo Studien- und Forschungszentren für Girls’ Studies u. a. an der University of Missouri–Kansas City[36], der State University of New York in Cortland[37] und an der University of Illinois at Urbana-Champaign[38] zu finden sind, veröffentlichte Elline Lipkin (damals UC Berkeley) im Jahre 2006 ihren Übersichtsband Girls’ Studies: Seal Studies.[39]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lara Cardella: Ich wollte Hosen. Fischer, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-596-10185-9.
  • Marlis Hellinger: Kontrastive feministische Linguistik. Mechanismen sprachlicher Diskriminierung im Englischen und Deutschen. Verlag MaxHuebner, Ismaning 1999, ISBN 3-19-006605-1.
  • Norbert Kühne: Mädchen und Jungen - Entwicklung, Erziehung, Identität; in: Praxisbuch Sozialpädagogik, Bildungsverlag EINS, Troisdorf 2010; ISBN 978-3-427-75416-9.
  • Meike Lauggas: Mädchenbildung bildet Mädchen. Eine Geschichte des Begriffs und der Konstruktionen. Milena-Verlag, Wien 2000, ISBN 3-85286-075-X (Feministische Theorie; 40).
  • Ingeborg Weber-Kellermann: Die Kindheit. Kleidung und Wohnen, Arbeit und Spiel. Eine Kulturgeschichte. Insel, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-458-05095-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Bedeutungsübersicht in duden.de, abgerufen am 12. November 2016
  2. a b Mädchen, DWDS abgerufen am 2. Dezember 2016
  3. Maid im DWDS, abgerufen am 3. November 2016
  4. Maid in duden.de, abgerufen am 4. November 2016
  5. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen nach Pfeifer, online auf DWDS, abgerufen am 23. November 2011
  6. Nazi-Worte im Sprachgebrauch: Mädel verpflichtet, süddeutsche.de vom 25. Juli 2008
  7. Mädel in duden.de, abgerufen am 23. November 2011
  8. Ester 2.3ff; Amos 8.13; Sacharja 9.17
  9. Jeremia 2.32
  10. Psalm 68.26; Psalm 78.63
  11. Richter 21.21ff; Jeremia 31.13
  12. 4. Mose 31.35; Richter 21.12; Hesekiel 44.22
  13. 1. Mose 24.55; 1. Mose 34.4; Ester 2.4; Jesaja 62.5
  14. Richter 21.21; Richter 5.30; 2. Könige 5.2
  15. 5. Mose 22.28; Klagelieder 5.11
  16. Klagelieder 2.10ff
  17. 1. Mose 24.15ff
  18. 1. Mose 34.1ff
  19. 2. Mose 2.4ff
  20. 1. Könige 1.3ff
  21. Hohelied 8.13
  22. Welcoming all of our children (PDF; 2,7 MB)
  23. Do women study Torah?
  24. What Is a Bat Mitzvah?
  25. Markus 6.22ff; Matthäus 14.6ff
  26. Matthäus 9.18ff; Markus 5.35ff; Lukas 8.41ff
  27. Markus 7.25ff
  28. Wilfried Ferchhoff: Jugend an der Wende des 20. Jahrhunderts: Lebensformen und Lebensstile Springer-Verlag 2013; S. 21; online in Google Bücher
  29. Geschlechtsspezifische Aspekte in Jugendkulturen - Mädchen und Jungen in ihren Peergroups; Interview mit Klaus Farin, Archiv der Jugendkulturen e.V.
  30. Angela McRobbie: Muskelpakete und Schwänze. Die Bedeutung der Girlie Kultur. In: Anette Baldauf, Katharina Weingartner (Hrsg.): Lips Tits Hips Power? Popkultur und Feminismus. Folio, Wien, Bozen, ISBN 3-85256-077-2, S. 278.
  31. Carola Padtberg: Jugendkultur Emo – entdeck das Mädchen in dir vom 11. März 2010, aufgerufen am 25. November 2011 bei Spiegel online
  32. Margitta Kunert-Zier: Erziehung der Geschlechter: Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialpädagogischen Feldern, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 2005, ISBN 3-531-14657-2, S. 28
  33. Margitta Kunert-Zier: Erziehung der Geschlechter - Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialpädagogischen Feldern, : Die achtziger Jahre - Mädchenarbeit sichtbar machen, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 2005, ISBN 3-531-14657-2 Seite 30ff
  34. Claudia Franziska Bruner: Mädchenforschung in der Bundesrepublik Deutschland: eine Literaturdokumentation, Weinheim, München: DJI Verlag, 1991, ISBN 3-87966-327-0
  35. Helga Kelle: Mädchen: Zur Entwicklung der Mädchenforschung, in: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie, Wiesbaden: Springer, 3. Auflage 2010, ISBN 978-3-531-17170-8, S. 418‒427
  36. Women’s & Gender Studies: Certificate in Girls’s Studies
  37. Reimagining Girlhood: Communities, Identities, Self-Portrayals.
  38. Dr. Ruth Nicole Brown, Assistant Professor
  39. Elline Lipkin