Münchhausen-Stellvertretersyndrom

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Klassifikation nach ICD-10
F68.1 Artifizielle Störung (absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen Symptomen oder Behinderungen)
T74.8 Sonstige Formen des Missbrauchs von Personen
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (engl. MSBP Munchausen Syndrome by Proxy, Munchausen by Proxy Syndrome oder FDP Factitious Disorder by Proxy), benannt nach Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, ist das Erfinden, Übersteigern oder tatsächliche Verursachen von Krankheiten oder deren Symptomen bei Dritten, mehrheitlich Kindern, meist um anschließend eine medizinische Behandlung zu verlangen und/oder um selbst die Rolle eines scheinbar liebe- und aufopferungsvoll Pflegenden zu übernehmen. Es handelt sich um eine subtile Form der Kindesmisshandlung, die bis zum Tod des Opfers führen kann.[1][2][3] Die Täterinnen, 90–95 % sind Frauen, sind meistens die leiblichen Mütter.[2][4][5] Handelt es sich bei dem Opfer um einen Erwachsenen, so spricht man auch vom Münchhausen by Adult Proxy Syndrom.

Die Störung gehört wie das sogenannte Münchhausen-Syndrom zu den artifiziellen Störungen[6] und wurde als eigener Subtyp „nicht näher bezeichnete vorgetäuschte Störung“ im psychiatrischen Klassifikationssystem ICD-10 definiert.[7][8] Die vorgetäuschte Störung by proxy wurde zunächst nicht ins DSM-IV (1994) aufgenommen, da dies dazu benutzt werden könnte, Personen, die Kinder misshandeln, zu entlasten.[9] In der aktuellen Version des DSM-5 ist sie jedoch unter dem Begriff „Factitious Disorder Imposed on Another“ (301.51) spezifiziert.[10][11] Auch für die künftige ICD-11 werden derzeit Diagnosekriterien diskutiert.[12][13]

Epidemiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Störung ist relativ selten. Allerdings werden vorgetäuschte Störungen als solche als „wahrscheinlich das häufigste nicht erkannte psychische Leiden“ definiert.[9] Die erste Beschreibung erfolgte im Jahr 1977 durch den Kinderarzt Roy Meadow von der Universität Leeds im Fachblatt The Lancet. Seitdem sind weltweit mehrere hundert Fälle dokumentiert und veröffentlicht worden.[14][15] Auffällig ist, dass dieses Verhalten fast ausschließlich Frauen – zumeist Mütter – zeigen, die in ihrem sonstigen Erziehungsverhalten als liebevoll und fürsorglich beschrieben werden.[2][16][17][18][19] Laut des Rechtsmediziners Martin Krupinski von der Universität Würzburg gehen konservative Schätzungen von 0,2 bis 0,4 Missbrauchsfällen pro 100.000 Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahren aus. Andere Quellen schätzen bis zu 3 Fälle pro 100.000 Kinder.[20] Die Mortalitätsrate der Opfer liege je nach Studie zwischen 5 % und 35 %.[21]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine allgemein anerkannte Erklärung für diese Verhaltensweise gibt es in der medizinischen Fachliteratur bisher nicht. Meadow vermutete als Motiv die durch eine herbeigeführte Erkrankung des Kindes erzielte Aufmerksamkeit für sowie Zuwendung zur Täterin seitens der Angehörigen und des medizinischen Personals[4][5][22][23] (zu weiteren, möglichen Motiven, siehe unter Münchhausen-Syndrom).[24] Oftmals übten die Täterinnen in ihrer Lebensgeschichte vorher bereits selbstverletzendes Verhalten aus.[23][25] Auf Grund dessen ist es denkbar, dass die Täterinnen dazu übergehen, Kinder zu misshandeln, um sich nicht weiterhin selbst verletzten zu müssen. Die Übergänge zwischen Münchhausen-Syndrom und Münchhausen-by-proxy-Syndrom können auch fließend sein und beide Formen nebeneinander vorliegen oder lebensgeschichtlich ineinander übergehen.[23][5] In manchen Fällen konnte sogar eine intergenerationelle Weitergabe des Münchhausen-by-proxy-Syndroms belegt werden.[A 1] Charakteristisch scheint dabei eine sehr enge, „symbiotische“ Beziehung zu dem Kind zu sein.[5][23][26]

Psychopathologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Donna Rosenberg (1987) müssen vier Merkmale zutreffen:

  • Erkrankungen eines Kindes werden durch eine nahe Bezugsperson, beispielsweise die Mutter, fälschlich angegeben, vorgetäuscht oder künstlich erzeugt bzw. aufrechterhalten.
  • Das Kind wird, häufig wiederholt, zu medizinischen Untersuchungen und Behandlungen vorgestellt.
  • Die wahren Ursachen für das angegebene oder vom Kind gezeigte Beschwerdebild werden bei medizinischen Vorstellungen nicht angegeben.
  • Eventuell vorhandene akute Symptome oder Beschwerden beim Kind bilden sich zurück, wenn es zur Trennung von der verursachenden Person kommt.[27][28]

Zu den vorgetäuschten Krankheiten gehören häufig vom Arzt nicht oder nur schwer nachweisbare Symptome bzw. Erkrankungen wie z. B. epileptische Anfälle, Schizophrenie, Bulimie. Eine beinahe unbegrenzte Anzahl von vorgetäuschten Erkrankungen ist denkbar.

Es wurde auch beschrieben, dass Täterinnen ihre Opfer bewusst vergiften, z. B. mit Medikamenten, um bestimmte Symptome hervorzurufen.[2][29] Nach der vorherrschenden Meinung haben viele der meist weiblichen Täter ein relativ gutes medizinisches Fachwissen, sind oftmals Angehörige einer medizinischen Berufsgruppe und können zu der erfundenen Krankheit auch auf Befragung die dazugehörigen Anzeichen nennen,[3] sodass der Charakter der „Krankheit“ nicht auffällt und nur die Häufung der Arztbesuche und die Beharrlichkeit, mit der eine Behandlung eingefordert wird, oder die Beobachtung der Reaktion der Mutter auf die Mitteilung von guten oder schlechten Befundergebnissen schließlich zu Misstrauen führt.[2][23]

Die Opfer werden nach den bisherigen Beschreibungen oft unter Druck gesetzt, so dass sie häufig Beobachtungen des Täters bei Arztbesuchen bestätigen. Gelegentlich drohen die Täter dem Opfer mit Selbsttötung (Suizid). Sollte das Opfer aus dem engen und durch solche Drohungen belasteten Verhältnis zum Täter ausbrechen, fällt dieser häufig in Depressionen.

Kaum strittig erscheint laut ASD-Handbuch Kindeswohlgefährdung, dass Kinder mit erfundenen, vorgetäuschten oder künstlich erzeugten Beschwerden nicht nur bei medizinischen Fachkräften, sondern auch wiederholt bei anderen mit Autorität ausgestatteten Stellen (z. B. Staatsanwaltschaft, Schule, Jugendamt, Gericht) vorgestellt werden.[A 2] Auch Falschanschuldigungen in Familiengerichtsverfahren wie der unbegründete Vorwurf sexuellen Missbrauchs von Kindern werden dem Münchhausen-by-proxy-Syndrom zugerechnet.[A 3] Das ASD-Handbuch Kindeswohlgefährdung empfiehlt in Fällen von Münchhausen-by-proxy-Syndrom eine zumindest vorübergehende Trennung des Kindes vom verursachenden Elternteil (häufig bessern sich dann schlagartig die Beschwerden des Kindes) sowie einen zumindest zeitweisen Eingriff in das elterliche Sorgerecht. Auch ein Sorgerechtswechsel kann indiziert sein.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine etablierte und zuverlässige Diagnostik oder klinisch erprobte Behandlung des Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms gibt es angesichts der geringen Fallzahlen nicht. Aufgrund der relativ großen Gefahr von Falschbeschuldigungen wird die Störung häufig nicht bekannt bzw. die Diagnose zurückgehalten.[30] Als sicherste Diagnosemöglichkeit gilt die Videoaufzeichnung, die allerdings nur im klinischen Bereich praktizierbar ist.[16][17][18] Der österreichische Kinder- und Jugendpsychiater Max Friedrich lehnt die Videoüberwachung ab.[17] Außerhalb ärztlicher Observation getätigte Übergriffe sind schwer nachweisbar.[16][31]

Typischerweise wird ein Täter so lange Ärzte und andere Spezialisten aufsuchen, bis eine Bestätigung der angestrebten eigenen Diagnose erfolgt und eine entsprechende Behandlung beginnt.

Gefährdet ein Elternteil durch Vortäuschen oder Erzeugen von Krankheiten beim Kind das Kindeswohl (Münchhausen–by–proxy–Syndrom), ist der Entzug des Sorgerechts angezeigt (OLG Celle, 3. Februar 2006, FamRZ 06, S. 1478).

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Experten vermuten eine hohe Zahl von Fehldiagnosen des Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms, vereinzelt wird auch die Existenz des Krankheitsbildes als solchem bezweifelt.[32][33]

Eine der bekanntesten und für die Beschuldigte fatalsten Fehlbeurteilungen war dabei der Gerichtsfall Sally Clark, wo der Kinderarzt Roy Meadow mit nachweisbar falschen Wahrscheinlichkeitsaussagen wesentlich zur Verurteilung der Mutter wegen zweifachen Kindsmordes beitrug.[34]

Meadow musste sich 2004 einer Untersuchung durch die britischen Aufsichtsbehörden stellen, da ihm falsche Schlussfolgerungen in gerichtlichen Gutachten vorgeworfen wurden. Die Untersuchung bezog sich auf Gerichtsgutachten, die die Wahrscheinlichkeit von zwei Fällen von plötzlichem Kindstod in einer Familie beinhalteten.[35] In England wurden daher 258 Fälle von Kindstötung (nicht speziell MSBP) neu aufgerollt, in denen er als Gutachter tätig war.[36][37]

Einige Urteile gegen angebliche Täterinnen wurden in der Folge aufgehoben. Meadow wurde 2006 wegen der fehlerhaften Analyse der statistischen Wahrscheinlichkeiten vom britischen General Medical Council gerügt, seine vorherige Streichung aus dem medizinischen Register jedoch aufgehoben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roy Meadow: Munchausen syndrome by proxy: The hinterland of child abuse. In: The Lancet. Bd. 310, Nr. 8033, 1977, S. 343–345, doi:10.1016/S0140-6736(77)91497-0.
  • J. O. Warner, M. J. Hathaway: Allergic form of Meadow’s syndrome (Munchhausen by proxy). In: Archives of Disease in Childhood. Bd. 59, Nr. 2, 1984, S. 151–156, (Digitalisat (PDF; 924,73 KB)).
  • Ralph-Martin Schulte (Hrsg.): Intrakorporale Fremdkörper und Münchhausen Syndrom. Spielarten, Motivation und Komplikationen von Selbstbeschädigungen. W. Zuckschwerdt, München u. a. 1988, ISBN 3-88603-231-0.
  • D. Roth: How „Mild“ is Mild Munchausen Syndrome by Proxy. In: Israel Journal of Psychiatry and Related Sciences. Bd. 27, Nr. 3, 1990, ISSN 0333-7308, S. 160–167.
  • A. B. Prakken, L. den Hartog, J. J. Waelkens: Een nieuwe variant van het syndroom van Münchhausen by proxy: de vader in een actieve rol. In: Tijdschrift voor Kindergeneeskunde. Bd. 59, Nr. 3, 1991, ISSN 0376-7442, S. 91–94.
  • Toni Single, Richard Leigh Henry: An unusual case of Munchausen syndrome by proxy. In: Australian & New Zealand Journal of Psychiatry. Bd. 25, Nr. 3, 1991, ISSN 0004-8674, S. 422–425, doi:10.3109/00048679109062646.
  • Abdul Kader Souid, Ken Korins, David Keith, Stephen Dubansky, P. David Sadowitz: Unexplained Menorrhagia and Hematuria: Case Report of Munchausen’s Syndrome by Proxy. In: Pediatric Hematology and Oncology. Bd. 10, Nr. 3, 1993, ISSN 0888-0018, S. 245–248, doi:10.3109/08880019309029491.
  • Herbert A. Schreier, Judith A. Libow: Munchausen by proxy Syndrom: A Modern Pediatric Challenge. In: The Journal of Pediatrics. Bd. 125, Nr. 6, Tl. 2, 1994, ISSN 0022-3476, S. S110–S115, doi:10.1016/S0022-3476(05)82934-8.
  • Stephen J. Boros, Janice P. Ophoven, Robin Andersen, Lauren C. Brubaker: Munchausen syndrome by proxy: a profile for medical child abuse. In: Australian Family Physician. Bd. 24, Nr. 5, 1995, ISSN 0300-8495, S. 768–769, 772–773.
  • Judith A. Libow: Munchausen by proxy victims in adulthood: a first look. In: Child Abuse & Neglect. Bd. 19, Nr. 9, 1995, ISSN 0145-2134, S. 1131–1142, doi:10.1016/0145-2134(95)00073-H.
  • Paul DiBiase, Hilary Tirnmis, Jose A. Bonilla, Wasyl Szeremeta, J. Christopher Post: Munchausen syndrome proxy complicating ear surgery. In: Archives of Otolaryngology – Head & Neck Surgery. Bd. 122, Nr. 12, 1996, ISSN 0003-9977, S. 1377–1380, doi:10.1001/archotol.1996.01890240083018.
  • Jenny Gray, Arnon Bentovim: Illness Induction Syndrome. In: Child Abuse & Neglect. Bd. 20, Nr. 8, 1996, S. 655–673, doi:10.1016/0145-2134(96)00055-5.
  • Annegret Eckhardt: Artifizielle Störungen. In: Deutsches Ärzteblatt. Bd. 93, Nr. 24, 1996, S. 1622–1626, (Digitalisat (PDF; 201,2 KB)).
  • Roy Meadow: Munchausen Syndrome by Proxy. In: Roy Meadow (Hrsg.): ABC of Child Abuse. 3. Auflage. BMJ, London 1997, ISBN 0-7279-1106-6, S. 47–50.
  • Michelle Bryk, Pamela T. Siegel: My mother caused my illness: The story of a survivor of Münchausen by proxy syndrome. In: Pediatrics. Bd. 100, Nr. 1, 1997, S. 1–7, doi:10.1542/peds.100.1.1.
  • Klaus M. Keller, Meinolf Noeker, C. Hilliges, Hans-Gerd Lenard, Michael J. Lentze: Münchhausen-by-proxy-Syndrom. In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Bd. 145, Nr. 11, 1997, S. 1156–1162, doi:10.1007/s001120050211.
  • Kenneth W. Feldman, Robert O. Hickman: The Central Venous Catheter as a Source of Medical Chaos in Munchausen Syndrome by Proxy. In: Journal of Pediatric Surgery. Bd. 33, Nr. 4, 1998, ISSN 0022-3468, S. 623–627, doi:10.1016/S0022-3468(98)90329-3.
  • Roy Meadow: Munchausen syndrome by proxy abuse perpetrated by men. In: Archives of Disease in Childhood. Bd. 78, Nr. 3, 1998, S. 210–226, (Digitalisat (PDF; 80,40 KB)).
  • Roy Meadow: Unnatural sudden infant death. In: Archives of Disease in Childhood. Bd. 80, Nr. 1, 1999, S. 7–14, (Digitalisat (PDF; 124,35 KB)).
  • David E. Hall, Laura Eubanks, Swarnalatha Meyyazhagan, Richard D. Kenney, Sherry Cochran Johnson: Evaluation of Covert Video Surveillance in the Diagnosis of Munchausen Syndrome by Proxy: Lessons From 41 Cases. In: Pediatrics. Bd. 105, Nr. 6, 2000, S. 1305–1312, doi:10.1542/peds.105.6.1305.
  • S. J. Denny, C. C. Grant, R. Pinnock: Epidemiology of Munchausen syndrome by proxy in New Zealand. In: Journal of Paediatrics and Child Health. Bd. 37, Nr. 3, 2001, S. 240–243, doi:10.1046/j.1440-1754.2001.00651.x.
  • Herbert Schreier: On the importance of motivation in Munchausen by Proxy: the case of Kathy Bush. In: Child Abuse & Neglect. Bd. 26, No 5, 2002, S. 537–549, doi:10.1016/S0145-2134(02)00329-0.
  • Mary E. Helfer, Ruth S. Kempe, Richard D. Krugman (Hrsg.): Das mißhandelte Kind. Körperliche und psychische Gewalt, sexueller Mißbrauch, Gedeihstörungen, Münchhausen-by-proxy-Syndrom, Vernachlässigung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-58358-1.
  • Volker Laubert: Vorsicht mit dem Münchhausen-by-proxy-Syndrom – auch Mütter sind keine Hexen (= Aktion Rechte für Kinder. Schriftenreihe. Nr. 5). (online).
  • Julie Gregory: Du hast mich krank gemacht. Meine Mutter ließ mich leiden. Ehrenwirth, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-431-03602-3.
  • Marc D. Feldman: Wenn Menschen krank spielen. Münchhausen-Syndrom und artifizielle Störungen. Reinhardt, München u. a. 2006, ISBN 3-497-01836-8.
  • Heinz Kindler, Susanna Lillig, Herbert Blüml, Thomas Meysen, Annegret Werner (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach §1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). DJI – Abteilung Familie, München 2006, ISBN 3-935701-22-5 (Digitalisat (PDF; 7,16 MB)).
  • Mary W. Lindahl: Beyond Munchhausen by proxy: a proposed conceptualization for cases of recurring, unsubstantiated sexual abuse allegations. In: Journal of Child Sexual Abuse. Bd. 18, Nr. 2, 2009, ISSN 1053-8712, S. 206–220, doi:10.1080/10538710902758576.
  • Verena Mertens: Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom und seine zivil- und strafrechtliche Bedeutung. In: Neue Juristische Online-Zeitschrift. Nr. 20, 2009, ZDB-ID 2082767-2, S. 1665–1681.

Thematik in der populären Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In dem Thriller Devil´s Waltz (1993) (deutsch Exit, 1994) des US-Autors Jonathan Kellerman wird das Thema behandelt.
  • In dem Thriller Hilsen fra Rexville (2011) (deutsch Blutfrost, 2013) der dänischen Autorin Susanne Staun spielt diese Störung eine zentrale Rolle.
  • Die Krankheit wurde 2003 in der Folge Der schwarze Troll (533) der ARD-Serie Tatort thematisiert.
  • Auch in der Episode Sorgen einer Mutter der dritten Staffel der RTL-Serie Die Cleveren wird das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom aufgegriffen.
  • Im Film Glass House - The Good Mother 1 & 2 (2006) wird nach und nach erkennbar, dass die Mutter von der Störung betroffen ist und zur Gefahr der beiden Pflegekinder wird.
  • In dem japanischen Horrorfilm The Call taucht die Störung bei der Mutter der Protagonistin sowie der Mutter der Antagonistin auf.
  • Im Buch Die Therapie von Sebastian Fitzek stellt sich heraus, dass der Protagonist von der Störung betroffen ist und sein Kind vergiftet hat.
  • Das Buch Es geschah nebenan (1994, Heyne- Verlag) der Autorin Joyce Egginton ist ein Tatsachenbericht über eine Mutter, die ihre 8 Kinder und ein Adoptivkind auf Grund der Störung tötete.
  • Im Buch ES von Stephen King leidet die Mutter von Eddie Kaspbrak, einem der Protagonisten, an der Störung und redet Eddie infolgedessen ein, ein Asthma-Spray zu brauchen, das sich im Verlauf des Buches als Placebo herausstellt.
  • Der Rapper Eminem beschrieb in mehreren Liedertexten, dass er unter einer solchen Störung seiner Mutter litt.[38]
  • Die (fiktive) Band im Film Der Ja-Sager heißt „Munchausen By Proxy“
  • Der Horrorfilm Proxy (2014) erzählt die Geschichte zweier Mütter, von denen eine ihr Kind verloren hat, während die andere behauptet, Mann und Kind verloren zu haben.
  • Die Störung wurde 2013 in Staffel 2 der dänisch-schwedischen Serie Die Brücke – Transit in den Tod thematisiert.
  • Auch in dem Roman Kürzere Tage wird das Phänomen berührt: Anna Katharina Hahn, Kürzere Tage, Frankfurt am Main 2009
  • In dem Roman Cry Baby von Gillian Flynn aus dem Jahre 2006 wird ebenfalls diese Störung thematisiert.
  • Im Film The Sixth Sense (1999) wird das Mädchen Kyra von ihrer Mutter mit Gift künstlich krank gemacht und stirbt schließlich. Die Tat wird durch die übernatürlichen Kräfte des Protagonisten aufgeklärt.
  • In der Serie Hautnah – Die Methode Hill Episode Die Spur ins Nichts aus Staffel 5 ist Münchhausen Stellvertreter der Schlüssel zur Tat.
  • In Criminal Minds: Team Red Episode Nichts sehen, nichts hören aus Staffel 1 ist das Münchhausen-Stellvertretersyndrom das Täterprofil zu einer Krankenschwester, die Patienten absichtlich mit MRSA infiziert, um auf Missstände aufmerksam zu machen.
  • Der 2007 erschienene Spielfilm Schattenkinder von Claudia Prietzel und Peter Henning thematisiert umfassend das Münchhausen-Stellvertretersyndrom.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. Kindler: Was ist unter dem Münchhausen-by-proxy-Syndrom zu verstehen? In: H. Kindler, S. Lillig, H. Blüml, T. Meysen, A. Werner (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach §1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). 2006, S. 7-1–7-5, hier S. 7-2.
  2. H. Kindler: Was ist unter dem Münchhausen-by-proxy-Syndrom zu verstehen? In: H. Kindler, S. Lillig, H. Blüml, T. Meysen, A. Werner (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach §1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). 2006, S. 7-1–7-5, hier S. 7-1.
  3. H. Kindler: Was ist über den Zusammenhang zwischen intellektuellen Einschränkungen der Eltern und der Entwicklung von Kindern bekannt? In: H. Kindler, S. Lillig, H. Blüml, T. Meysen, A. Werner (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach §1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD). 2006, S. 32-1–32-9, hier S. 32-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verena Mertens: Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom und seine zivil- und strafrechtliche Bedeutung. In: Neue Juristische Online-Zeitschrift. Nr. 20, 2009, S. 1665–1681, hier S. 1665.
  2. a b c d e Die fürsorgliche Täterin. Neue Zürcher Zeitung (NZZ), Nr. 43, Zürich (Schweiz), 26. Oktober 2003, abgerufen: 30. Januar 2018. (Webarchiv: https://archive.is/46tts)
  3. a b „Ich war süchtig danach, mein Kind krank zu machen“ – Was geht in einer Mutter vor, die ihre Tochter immer wieder in Lebensgefahr bringt, damit sie sich kümmern kann? Die Geschichte einer Frau mit Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. In: Brigitte. 26/2015. (Webarchiv)
  4. a b R. Meadow: Munchausen Syndrome by Proxy. In: R. Meadow (Hrsg.): ABC of Child Abuse. 3. Auflage. 1997, S. 47–50, hier S. 48.
  5. a b c d Ulrich Sachsse (Hrsg.): Proxy – dunkle Seite der Mütterlichkeit. Schattauer, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7945-3153-0.
  6. Therapie-Handbuch: Q 7.2 Artifizielle Störungen (H. J. Freyberger)
  7. Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen. DSM-IV. Übersetzt nach der vierten Auflage des Diagnostic and statistical manual of mental disorders der American Psychiatric Association. Hogrefe, Göttingen u. a. 1996, ISBN 3-8017-0810-1, S. 541.
  8. Diagnostic and statistical manual of mental disorders. DSM-IV-TR. 4th edition, text revision. American Psychiatric Association, Washington DC 2000, ISBN 0-89042-024-6, S. S. 517.
  9. a b Allen Frances, Ruth M. A. Ross: DSM-IV und ICD-10 Fallbuch. Fallübungen zur Differentialdiagnose nach DSM-IV und ICD-10. Hogrefe, Göttingen u. a. 2000, ISBN 3-8017-0916-7, S. 309 f.
  10. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM–5): „Factitious Disorder Imposed on Another“ (301.51)
  11. Guy E. Brannon, Glen L. Xiong, Ibrahim Abdulhamid, Michael P. Poirier: Factitious Disorder Imposed on Another (Munchausen by proxy). eMedscape, New York, 11 November 2015, (online).
  12. Hans-Peter Kapfhammer: Artifizielle Störungen. In: Der Nervenarzt. Bd. 88, Nr. 5, 2017, S. 549–570, doi:10.1007/s00115-017-0337-8.
  13. ICD-11: 6D71 Factitious disorder imposed on another: ICD-11 Beta Draft – Mortality and Morbidity Statistics. icd.who.int, abgerufen am 30. Januar 2018 (englisch).
  14. Gregory P. Yates, Marc D. Feldman: Factitious disorder: a systematic review of 455 cases in the professional literature. In: General Hospital Psychiatry. Bd. 41, 2016, S. 20–28, doi:10.1016/j.genhosppsych.2016.05.002.
  15. M. Caroline Burton, Mark B. Warren, Maria I. Lapid, J. Michael Bostwick: Munchausen syndrome by adult proxy: A review of the literature. J. Hosp. Med. 2015 January; 10(1): 32–35.
  16. a b c VOX: Grausame Mutterliebe, 17. März 2002. youtube.de, abgerufen am 28. Januar 2018.
  17. a b c ORF: Betrifft - Wenn Eltern zur Gefahr werden, 4. Juli 2001. youtube.de, abgerufen am 28. Januar 2018.
  18. a b ABC: Munchausen by Proxy Syndrome, November 1997. youtube.de, abgerufen am 28. Januar 2018.
  19. Prof. Ulrich Sachsse über das „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Schattauer Verlag auf youtube.de, abgerufen am 28. Januar 2018.
  20. Verena Mertens: Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom und seine zivil- und strafrechtliche Bedeutung. In: Neue Juristische Online-Zeitschrift. Nr. 20, 2009, S. 1665–1681, hier S. 1666.
  21. Marion Hofmann-Aßmus: Münchhausen-by-proxy-Syndrom. Die Mutter als Täterin. In: Pharmazeutische Zeitung. Nr. 4, 2005, (online).
  22. Die fürsorgliche Täterin. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 43, 26. Oktober 2003, S. 87 (Online [abgerufen am 30. Januar 2018]).
  23. a b c d e Volker Faust: Vorgetäuschte Gesundheitsstörungen. Psychiatrie heute, Kap. 1, 2017, Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Gesundheit, abgerufen am 10. Februar 2018, (PDF 42 Seiten, 320 kB).
  24. Sammelreferenz, siehe: Dulz et al. (2011), Faust (2017), Institut für Rechtsmedizin (2017), Feldman (2004), Bools et al. (1994), Meadow (2002), Hamilton (2008), Noeker (2002), Sachsse (2005), Nowara (2005), Schreier (2004), Schreier & Libow (1993), Bools et al. (1994), Degener & Körner (2005), Sigal et al. (1991), Burton et al. (2015), Burton et al. (2015), Adams & Sutker (2001).
  25. Birger Dulz, Sabine C. Herpertz, Otto F. Kernberg (Hrsg.): Handbuch der Borderline-Störungen. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schattauer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-7945-2472-3.
  26. Institut für Rechtsmedizin der Universität Leipzig (Memento vom 26. Juni 2007 im Internet Archive)
  27. Meinolf Noeker, Klaus M. Keller: Münchhausen-by-proxy-Syndrom als Kindesmisshandlung. In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Bd. 150, Nr. 11, 2002, S. 1357–1369, doi:10.1007/s00112-002-0608-7, (Digitalisat (PDF; 378,32 KB)).
  28. Donna Andrea Rosenberg: Munchausen Syndrome by Proxy: medical diagnostic criteria. In: Child Abuse & Neglect. Bd. 27, Nr. 4, 2003, S. 421–430, doi:10.1016/S0145-2134(03)00029-2.
  29. Kind mit verseuchtem Wasser gespritzt: Junge Mutter wegen Kindesmisshandlung angeklagt. ra-online GmbH, 18. September 2015, abgerufen am 23. September 2015: „Die 30-Jährige soll ihrem Sohn Substanzen verabreicht haben, die mit Speichel, Fäkalien, Blumenwasser und anderen Fremdstoffen vermischt waren. Der Junge über Monate im Krankenhaus. Zeitweise schwebte er demnach auf der Intensivstation in Lebensgefahr. Die Ärzte hätten eine Leukämie-Erkrankung vermutet, bis Flaschen mit der Bakterien verseuchten Lösung gefunden wurden.
  30. siehe zu den Problematiken der Beweisführung Verena Mertens: Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom und seine zivil- und strafrechtliche Bedeutung. In: Neue Juristische Online-Zeitschrift. Nr. 20, 2009, S. 1665–1681, hier S. 1678 ff.
  31. M. Bryk, P. T. Siegel: My mother caused my illness: The story of a survivor of Münchausen by proxy syndrome. In: Pediatrics. Bd. 100, Nr. 1, 1997, S. 1–7.
  32. David B. Allison, Mark S. Roberts: Disordered Mother or Disordered Diagnosis? Munchausen Syndrome by Proxy. The Analytic Press, Hillsdale NJ 1998, ISBN 0-88163-290-2.
    Loren Pankratz: Persistent Problems With the Munchausen Syndrome by Proxy Label. In: The Journal of the American Academy of Psychiatry and the Law. Bd. 34, Nr. 1, 2006, ISSN 0091-634X, S. 90–95, (Digitalisat (PDF; 53,76 KB)).
  33. Helen Hayward-Brown: False and highly Questionable Allegations of Munchhausen Syndrome by Proxy. 7th Australasian Child Abuse and Neglect Conference in Perth 1999.
  34. John Batts: Stolen Innocence. A Mother's Fight for Justice. The Story of Sally Clark. Ebury Press, London 2005, ISBN 0-09-190569-9.
  35. Wissenschaft.de: Statistik im Namen des Volkes
  36. Laura Nelson: Quashed convictions reignite row over British cot deaths. In: Nature. Bd. 427, 2004, S. 384, doi:10.1038/427384a.
  37. Sabine Rennefanz: Roy Meadow und die Mütter. In: Berliner Zeitung. 5. April 2004, abgerufen am 31. Oktober 2011.
  38. Songtext von Cleanin' Out My Closet mit Übersetzung arabrab.ch.
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