Handorf (Münster)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Münster-Handorf)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Handorf
Stadt Münster
„Geteilt durch einen Wellenschnitt in Rot und Gold (Gelb), oben im linken Obereck ein schwebendes goldenes (gelbes) Kreuz, unten ein bogenförmiger roter Weidengeflechtzaun.“
Koordinaten: 51° 59′ 20″ N, 7° 42′ 20″ O
Höhe: 50 m
Fläche: 30,68 km²
Einwohner: 8000 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 261 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 48157
Vorwahl: 0251
Karte
Handorf in Münster

Handorf ist ein Stadtteil von Münster in Westfalen im Stadtbezirk Ost. Er hat eine lange Geschichte, wie z. B. die mittelalterliche Burganlage Haskenau an der Mündung der Werse in die Ems zeigt. Aufgrund seiner Lage an der Werse war Handorf im 19./20. Jahrhundert ein beliebter Ausflugsort und wird noch heute als Dorf der großen Kaffeekannen bezeichnet. Inzwischen hat sich Handorf zu einer Schlafstadt von Münster gewandelt, die mit ihren zahlreichen Einfamilienhäusern im Grünen vor allem bei Familien mit Kindern beliebt ist. In Handorf haben in den letzten Jahren viele traditionsreiche Kaffeewirtschaften geschlossen (Hugerlandshof, Hubertushof-Kavermann, Wildpark Haus Pröbsting, Haus Vennemann und Bitter/Handorfer Hof), ohne dass Ersatz hinzugekommen wäre.

Exponat auf dem Handorfer Krippenweg 2017

Dorfpatronin von Handorf ist St. Petronilla, nach der auch die katholische Dorfkirche benannt ist. Seit 2008 beginnt an der Kirche ein Krippenweg, der zur Kirche St. Maria Himmelfahrt, auch Dyckburg-Kirche genannt, führt. 2017 waren in Handorf bei der Pfarrkirche 118, entlang dem Weg zur Dyckburg 72 Krippen installiert.[2]

In Handorf gibt es auch eine evangelische Kirche („Zionskirche“). Die Handorfer Heriburg-Hauptschule wurde inzwischen wegen Schülermangel geschlossen; es gibt aber immer noch zwei städtische Grundschulen: eine katholische (Kardinal-von-Galen-Schule) und eine konfessionsübergreifende (Matthias-Claudius-Schule).

Außerdem gibt es in Handorf ein Sportzentrum, bestehend aus einem als Bürgerbad geführten Hallenbad – das Wellenfreibad wurde zum Ende der Saison 2006 von der Stadt Münster geschlossen und abgerissen –, Turnhalle und mehreren Fußballfeldern, deren Bau die bis 1974 selbständige Gemeinde Handorf noch kurz vor der Eingemeindung nach Münster, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat,[3] in Auftrag gab.

Der zu Handorf gehörige Ortsteil Dorbaum wird durch Einfamilienhaussiedlungen und eine Kaserne samt Standortübungsplatz geprägt. Dieser ist als Naherholungsgebiet beliebt. Der im Norden von Dorbaum gelegene Truppenübungsplatz, der 2013 von den Briten an die Bundeswehr übergeben wurde[4], ist dagegen wegen der Gefahr von Blindgängern und Munition seit 2003 für die Öffentlichkeit gesperrt. Beide Truppenübungsplätze sind wertvolle Naturschutzgebiete und beherbergen u. a. eines der größten Laubfrosch-Vorkommen im Münsterland und seltene Tierarten wie Wespenbussard und Knoblauchkröte. Der nördliche TrÜbPl grenzt an die Naturschutz-Weidelandschaft Emsaue Vadrup der NABU-Naturschutzstation Münsterland, die sich mit freilebenden Konik-Pferden und Heckrindern zu einem überregionalen Tourismusziel entwickelt.

Münstersche Parklandschaft auf dem Truppenübungsplatz Dorbaum

Im Mai 2013 gab das Justizministerium bekannt, dass bis zum Jahr 2019 auf dem Gelände der Neubau der Justizvollzugsanstalt Münster errichtet werden soll.[5] Dagegen, vor allem gegen die damit verbundene Zerstörung der Naturlandschaft, richten sich zahlreiche lokale Gruppen, die örtliche Jägerschaft, eine Bürgerinitiative und der NABU-Ortsverband.[6][7] Am 12. September 2014 teilte Justizminister Thomas Kutschaty den Landtagsabgeordneten in Düsseldorf und schließlich Oberbürgermeister Markus Lewe mit, dass Handorf als Standort für einen Neubau der Justizvollzugsanstalt Münster (JVA) endgültig ausscheidet.

In der Lützowkaserne auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Münster-Handorf ist die Lehrgruppe B der Unteroffizierschule des Heeres untergebracht. Früher waren dort einige tausend Soldaten stationiert, jetzt wohnen dort nur noch ein paar hundert Lehrgangsteilnehmer. Weiterhin ist hier ein Teil des 1. Deutsch-Niederländischen Korps stationiert. Angrenzend an das Militärgelände befindet sich das Außenübungsgelände des Instituts der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF).[8] Das IdF ist die größte Feuerwehrausbildungsstätte in Deutschland.[9]

In Dorbaum befindet sich mit der Fachklinik Hornheide ein interdisziplinäres und überregionales Zentrum für die Behandlung von Tumoren der Haut, des Kopf-Hals-Bereichs sowie chirurgischer Rekonstruktion.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Handorf (Münster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1], Stadt Münster
  2. St. Petronilla-Kirche: Handorfer Krippenweg. November 2017
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 311.
  4. Lukas Speckmann: Spaziergang zwischen Bomben, Westfälische Nachrichten, 18. Februar 2014, abgerufen am 24. April 2014.
  5. Stefan Bergmann: Standort steht fest: Neues Gefängnis wird in Handorf gebaut, muensterschezeitung.de, 8. Mai 2013, abgerufen am 13. August 2013.
  6. Nabu möchte Truppenübungsplatz unversehrt erhalten, Westfälische Nachrichten, 21. Dezember 2013, abgerufen am 24. April 2014.
  7. Bürgerinitiative JvA Münster, abgerufen am 24. April 2014.
  8. Außenübungsgelände des Instituts der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (Memento des Originals vom 9. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.idf.nrw.de auf der Seite des IdF
  9. Über das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (Memento des Originals vom 5. Juni 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.idf.nrw.de auf der Seite des IdF

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Dobelmann: Handorf gestern und heute. Geschichte einer dörflichen Siedlung, Münster in Westfalen 1974