Magical Girl

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Magical Girl (japanisch 魔法少女 mahō shōjo auch 魔女っ子 oder 魔女っ娘, majokko, je dt. „magisches Mädchen“) bezeichnet sowohl ein Genre von Animes und Mangas, als auch dessen Heldinnen. Diese sind gewöhnliche Schulmädchen, die magische Fähigkeiten erlangen, um damit das Böse zu bekämpfen und die Welt zu retten. Magical-Girl-Produktionen richten sich vorwiegend an weibliches, jugendliches Publikum (Shōjo). Sie sind allerdings nicht auf diese Zielgruppe beschränkt, sondern erreichen beispielsweise auch männliches, erwachsenes Publikum.[1]

Motive und Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Charakteristika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Genre ist ein Untergenre der Fantastik beziehungsweise der Fantasy. Es kann als komplexere, weibliche Variante der amerikanischen Superhelden-Comics verstanden werden.[2] Hauptfigur der Werke des Genres ist ein Mädchen – oder eine Gruppe – das meist Schülerin zwischen 8 und 16 Jahren ist und sich mit Hilfe eines magischen Gegenstands wie einem Zepter verwandeln kann. In dieser anderen Gestalt bekämpft sie meist die Kräfte des Bösen. In ihrem Alltag ist sie aber eher durchschnittlich, naiv, faul, tollpatschig oder schlecht im Sport, jedenfalls fällt sie nicht besonders positiv auf. Gruppen von Magical Grils, die seit Sailor Moon vorkommen, entstanden aus der Übernahme dieses Konzepts aus Super-Sentai-Serien wie Power Rangers. Sowohl die zunächst eher als durchschnittlich gezeichneten Charaktere als auch die Vielfalt innerhalb einer Gruppe von Heldinnen und damit vielfältige Identifikationsangebote erleichtern die Identifikation bei den Rezipientinnen.[3][2] Das Magical Girl ist auf seinen Abenteuern auch selten ohne Unterstützung in Form eines kleinen, übernatürlichen Wesens wie beispielsweise einer Fee oder Katze,[1] die als Berater, Trainer und als Helferfigur bei der Erlangung der Kräfte und oft auch den Verwandlungen spielt. Die nach der Verwandlung beginnenden Kämpfe finden oft in sekundären, magischen Welten statt. Nach dem Ende des Kampfes kehren die Protagonisten in ihre, die „reale“ Welt zurück.Die Verwandlungssequenzen können auch als Repräsentanz dieser Erwachsenwerdung der Protagonistin gesehen werden. Die im Kampf eingesetzten Kräfte werden oft nicht weiter oder nur rudimentär erklärt, bisweilen werden plötzlich neue Kräfte in Form eines deus ex machina aingeführt.[2]

Ein oft wiederkehrendes Thema des Magical-Girl-Genre ist unschuldige Liebe entweder auf platonischer Ebene zwischen den Magical Girls, oder als Konzept und Quelle der magischen Kräfte der Mädchen.[4] In jüngerer Zeit wird in einigen Texten als Gegenstück zum traditionellen Magical Girls das Dark Magical Girl beschrieben: Durch Eifersucht auf die Heldin und der Suche nach Anerkennung getrieben. Das Dark Magical Girl ist meist durch seine traumatische Vergangenheit (z. B. physische- oder emotionale Gewalt oder sogar sexuelle Übergriffe) geprägt und ist deshalb abweisend, distanziert und unhöflich sowie einsam.[5][6] „Magical Boys“, die als männliches Äquivalent der Mädchen auftreten, sind eher selten. Einige treten als Helfer der Magical Girls auf. In D.N.Angel ist der Protagonist ein Magical Boy.[2]

Transformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typisch für Magical Girl sind sich wiederholende Verwandlungssequenzen (henshin) sowie das Spiel mit den sich daraus ergebenden mehreren Identitäten.[7] Diese sind im Anime mehr als im Manga von hohem Wiedererkennungswert und stellen einen Wendepunkt in einem Handlungsbogen dar.[2] Die Verwandlung von Schulmädchen zum Magical Girl wird oft mit Hilfe eines Transformationsobjekts durchgeführt und durch magische Worte begleitet. Die Transformation geschieht unabhängig von Situation und Zeit, so werden Heldinnen beispielsweise nie während ihrer Transformation von ihren Gegnern angegriffen. Die Verwandlungssequenz (auch Magical-Girl-Transformation) wiederholt sich mit jeder Verwandlung und stellt eine Folge von Veränderungen während der Verwandlung dar. Oft zeigt sie das Mädchen und einzelne Körperteile des Mädchens (z. B. Augen, Oberkörper, Arme, Beine) vor oder nach der Verwandlung und endet in einer dynamischen, signatur Pose der Heldin in voller Magical-Girl-Montur. Manche Transformationen enthalten kurze nackt Aufnahmen der Heldin, wobei primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale oft durch Hände, Haare, Blütenblätter, oder ähnliches verdeckt werden. Die magische Atmosphäre wird durch Themensong, Glitzer, Blumen und sonstige feminine Aspekte geschaffen. Selten gibt es auch Sequenzen, die die Rückverwandlung von Magical Girl in Schulmädchen zeigen. Meistens wird stattdessen aber Gebrauch von sofort Transformationen gemacht, die die Verwandlung in einer einzigen Sequenz darstellen.[8] In den Verwandlungsszenen kann auch ein Einfluss des Tokusatsu-Genres gesehen werden, in dem mit umfangreichem Einsatz an Spezialeffekten Kämpfe gegen Monster inszeniert werden.[3]

Das Genre behandelt darüber hinaus die Entwicklungen des kindlichen Körpers, sowie der Psyche während der Pubertät. So soll der Zielgruppe die Möglichkeit gegeben werden sich mit den Problemen der Heldinnen zu identifizieren und ihre Reifung mitzuverfolgen. Dazu wird zum einen der Wunsch nach Selbstinszenierung behandelt, indem die monotone Schuluniform gegen das knallige Magical-Girl-Outfit getauscht wird. Andererseits wird auch das körperliche Reifen während der Pubertät behandelt, indem die Heldinnen nach getaner Verwandlung gereifte Körper und styling Elemente erwachsener Frauen wie Stöckelschuhe und Make-Up aufweisen.[4] Auch psychisch verändert sich die Heldin: So ist sie zumeist zu Beginn ihrer Geschichte kindisch, sogar tollpatschig und auf unterhaltsame Tätigkeiten mit ihren Freundinnen fokussiert. Während die Heldinnen zunächst Angst vor ihren magischen Kräften haben, lernen sie im Laufe der Handlung selbstsicherer mit ihren Kräften umzugehen und das Schicksal des Universums ohne Klagen auf ihren Schultern zu tragen. Die geistige Entwicklungen des Magical Girls wird oft auch durch die Veränderungen ihres Outfits visualisiert, die immer aufwändiger und prächtiger werden und spiegelt sich auch in ihren ständig wachsenden magischen Fähigkeiten wieder.[4] Die Verwandlungssequenzen können auch als Repräsentanz dieser Erwachsenwerdung und charakterlichen Weiterentwiclungen der Protagonistin gesehen werden.[2]

Girl-Power[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Genre beschreibt die Geschichten junger Mädchen, die zu Großem auserkoren sind, sich furchtlos Herausforderungen stellen und gegen das Böse kämpfen – ein Narrativ, das in Form von Superhelden Comics (z. B. Spiderman, Batman, oder Iron Man) vorwiegend Jungen vorbehalten war. Für die Heldinnen ist ihre Weiblichkeit (mit Ausnahme der Magical Boys Produktionen) die Voraussetzung um ein Magical Girl zu werden und magischen Kräfte zu erlangen. Männliche Charaktere sind in der Regel nur im Kontext von unterstützenden Partnern, oder Gegnern vorhanden, denen gegenüber sich die Heldin beweisen muss. Dies wird weiter durch Handlungen unterstrichen, in denen das Magical Girl ihren Partner beschützen, oder aus der Gewalt ihrer Gegner befreien muss.[9]

Aber nicht nur der Konflikt zwischen Mädchen und Jungen wird durch das Magical-Girl-Genre behandelt, auch der Konflikt mit erwachsenen Bezugspersonen (z. B. der Mutter) wird behandelt. Dazu wird betont, dass die Kraft der Magical Girls in seiner Jugend liegt. In manchen Produktionen verliert das Magical Girl sogar seine Kräfte sobald es erwachsen wird. Weiters sind die Gegnern der Magical Girls in der Regel erwachsen aussehende Charaktere – oftmals Hexen die durch ihre kurvige Körperform und ihr starkes Make-up charakterisiert sind.[9][4] Sugawa Akiko stellt fest, dass Magical Girls im Gegensatz zu westlichen Heldinnen viele als weiblich konnotierten Eigenschaften behalten oder gar besonders betonen. Sie sind fürsorglich und werden oft als besonders niedlich dargestellt. So seien sie zudem weniger bedrohlich für Männer.[3]

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erster Magical-Girl-Anime gilt Mahōtsukai Sally. Die auf dem gleichnamigen Manga von Mitsuteru Yokoyama basierende Produktion wurde von 1966 bis 1968 ausgestrahlt. Sowohl Manga als auch seine Anime-Adaption wurden durch die US-Sitcom Verliebt in eine Hexe inspiriert und handelt von einer Magierin, die aus dem Magischen Königreich auf die Erde gekommen ist.[10][3] Den ersten Magical-Girl-Manga gab es schon davor: Himitsu no Akko-chan von Fujio Akatsuka erschien zwischen 1962 und 1965 und erzählt von einem Mädchen, das durch eine gute Tat magische Kräfte verliehen bekam. Beide Serie begründeten verschiedene Typen von Magical Girls: Die von außen auf die Erde kommende und Wunder bringende und das wohltätige Mädchen, das mit Magie belohnt wird und weitere gute Taten tut.[11][3] Die Ursprünge des Genres werden von einigen Autoren auch im damaligen Shōnen-Manga mit Superhelden gesehen, wie Golden Bat und Astro Boy.[2]

Es folgten weitere Serien in den 1970er Jahren, drunter Majokko Megu-chan, aus der die Bezeichnung „Majokko“ („kleine Hexe“ oder „Hexenmädchen“) für die Protagonistinnen des Genres entstand. Die Serien des Jahrzehnts brachten mehr Fokus auf Freundschaft zwischen Mädchen und die Figuren wurden stärker als selbstständige Charaktere portraitiert, was einen Einfluss der wachsenden Frauenbewegung zeigt. Auf Seiten der Produktion wurde das Genre in dieser Zeit von Tōei dominiert.[3] Die Bezeichnung „mahō shōjo“ („Magical Girl“) wurde zum ersten Mal 1980 in Tōeis Produktion Mahō Shōjo Lalabel genutzt.[12] Ab den 1980ern traten weitere Studios hinzu, bei denen Serien entstanden, die auch ein männliches Publikum fanden. Darunter die Werke Mahō no Princess Minky Momo (1982) und Mahō no Tenshi Creamy Mami (1983). Beide verwandelten sich in erwachsene Frauen, wenn sie ihre Kräfte einsetzen.[3] Letztere Serie war die erste in einer Reihe von explizit als „Magical Girl“ bezeichneten Animes.[12]

Die Entwicklung zu selbstständigeren Protagonistinnen setzt sich fort und an die Stelle der früher trotz magischer Kräfte eher passiven, überfemininen Mädchen traten von männlichen Charakteren autonome Figuren, die weniger an weibliche Stereotype gebunden waren, ohne Weiblichkeit aufzugeben.[2] Seine Hochphase erlebte das Genre 1991 mit der Veröffentlichung von Sailor Moon von Naoko Takeuchi. Der Manga und seine Anime-Adaption revolutionierten das Magical-Girl-Genre und führten erstmals eine Gruppe von Magical Girls ein, die gemeinsam dem Bösen und ihren Alltagsproblemen gegenüberstehen. Inspiriert durch Tokusatsu- und Super-Sentai-Serien entstand eine heute für das Magical-Girl-Genre charakteristische Transformationssequenz, in der sich das einfache Schulmädchen in ein Magical Girl verwandelt. Die Geschichte von Sailor Moon verband zudem die beiden Typen aus Akko-chan und Sally: Die Protagonistin ist sowohl eine Schülerin aus dem Alltag, die magische Kräfte für gute Taten erhält, als auch eine magische Prinzessin eines fremden Reiches.[3] Damit zählt die Serie zu den bedeutendsten Werken des Genres im klassischen Sinne und kam 1998 als erster auf den deutschen Markt. Zur Verbreitung der Magical Girl-Anime im deutschen Sprachraum trug vor allem der deutsche Fernsehsender RTL II bei. So erfolgte die Erstausstrahlung der Sailor Moon Anime-Adaption am 13. Oktober 1995 auf ZDF, ab der zweiten Staffel übernahm RTL II aber die Ausstrahlung der insgesamt 200 Episoden. RTL II verschaffte auch weiteren Magical-Girl-Animes wie Wedding Peach (2001), Doremi (2001) und Kamikaze Kaito Jeanne (2001) zur deutschen Ausstrahlung. ProSieben zeigte 2003 Card Captor Sakura.[13]

Nach dem Erfolg von Sailor Moon entstanden viele weitere Werke des Genres und nach 2000 setzte eine Entwicklung zu mehr inhaltlicher Vielfalt einschließlich anspruchsvollerer Themen ein. 2004 erschien die Serie Mahō Shōjo Lyrical Nanoha, die die gleichen stilistischen Mittel verwendet wie bisherige Magical-Girl-Serien, jedoch physische Gewalt zeigt und sich an älteres männliches Publikum richtet. Puella Magi Madoka Magica, ebenfalls von Akiyuki Shimbō, greift das Genre auf, stellt es jedoch mit seiner düsteren Handlung und erwachsenen Themen auf den Kopf.[14][15][3] In Serien wie Little Witch Academia lebt dagegen das Thema der jungen Hexe wieder auf.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Genre dreht sich um junge, feminine Kämpferinnen und wurde in westlichen Ländern immer wieder für seine feministische Botschaft gelobt. Diese Ansicht wird durch Studien unterstützt, die zeigen, dass weibliche Fans in ihrem Konsum der Magical-Girl-Produktionen vor allem auf individuelle Eigenschaften der Heldin fokussiert sind und dadurch positive Selbstwahrnehmung und Ermächtigung erfahren. Andererseits argumentieren einige, dass die von Magical Girls ausgehende Fixierung auf Weiblichkeit traditionelle Geschlechterrollen verfestigt, anstatt sie aufzulösen. So könnten Elemente wie klassisch weibliche Transformationsobjekte und die femininen Kostüme der Mädchen die Botschaft senden, dass nur die, die traditionelle Weiblichkeit leben, Macht erlangen können. Weiters könnte die Fixierung auf die Jugend der Heldinnen und der enge Zusammenhang zwischen Jugend und magischen Kräften Altersdiskriminierung vermitteln.[16][17]

LGBT-Repräsentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem in der LGBT-Gemeinschaft (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender) finden Magical-Girl-Produktionen wegen ihrem Fokus auf gleichgeschlechtliche Beziehungen Anklang. Zwar sind die Beziehungen der Magical Girls untereinander nicht ausdrücklich sexueller Natur, sie enthalten jedoch oft romantische Elemente. Aufgrund dessen waren sie laut vieler Angehöriger der LGBT-Gemeinschaft augenöffnend für ihre sexuelle Orientierung. Einige Magical-Girl-Produktionen kommen sogar gänzlich ohne männliche Charaktere aus und zeigen eine pseudo-lesbische Utopie, in der Frauen ohne Männer zusammenleben. Auch gleichgeschlechtliche Paare oder Cross-Dressing werden in Werken des Genres auf nicht sexualisierte Weise, als üblicher Teil der Realität dargestellt und normalisiert.[17]

Sexualisierung Minderjähriger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das klassische Magical-Girl-Genre zeigt minderjährige Schulmädchen beim Kampf um Gerechtigkeit. Dabei tragen sie in der Regel Schuluniformen mit kurzen Miniröcken. Eine Sexualisierung, die von vielen Konsumenten, aber auch der Medienforschung kritisiert wird. Einige Produktionen treiben diese Tendenz weiter und zeigen in Form von Fan-Service die Unterwäsche oder die Beine der Mädchen. Manche Transformationssequenzen zeigen weiters Nahaufnahmen der sekundären Geschlechtsmerkmale der Heldin. Tatsächlich zeigen Studien, dass männliche Fans sexuelle Anziehung zu Heldinnen von Animationsserien, wie beispielsweise Sailor Moon empfinden. Diese Sexualisierung Minderjähriger, genauso wie das Verlangen nach derartigen Darstellungen, werden in Japan als Lolita-Komplex oder Lolicon bezeichnet und sind Anlass für Kritik. Andererseits zeigen Studien eine deutliche Diskrepanz männlicher und weiblicher Blickweisen. So werden Eigenschaften, die von männlich-identifizierenden Personen als „sexy“ eingestuft werden, durch jungen Mädchen oftmals als „niedlich“ wahrgenommen. Bisherige Forschung auf dem Gebiet der Rezeption wurde bisher vorwiegend durch männliche Forscher basierend auf Einschätzungen männlicher Konsumenten und Kritiker durchgeführt und die eigentliche Zielgruppe minderjähriger Mädchen wurde außer Acht gelassen.[16][18]

Fandom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cosplay[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cosplay, das Verkleiden als Charaktere aus Anime oder Manga, spielt im Bereich Magical Girls eine große Rolle. Auch männlich aussehende Personen sind vom Cosplayen als Magical Girl nicht ausgeschlossen. Das „Crossplay“ eines Charakters des anderen Geschlechts ist ein traditioneller Teil der Verkleidungspraxis. Dabei kann Crossplay ernsthaft, oder aber als Element der Komik oder Kunst durchgeführt werden und zum Beispiel in einem Magical Girl mit Minirock und Schminke, aber behaarten Beinen und bärtigem Kinn resultieren. In Japan werden solche Männer in Mädchen-Schuluniformen als „Lady Beards“ bezeichnet oder, im speziellen Fall von Sailormoon-Crossplay, als „Sailor Suit Ojisans“. Einer der bekanntesten Crossplayer machte in den frühen 2000ern auf der Anime Central in Amerika sein Debüt, wo er als „Sailor Bubba“, einer Sailor-Moon-Variante mit Ziegenbart und kurzen gelben Zöpfchen auftrat.[4]

Merchandise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Magical-Girl-Produktionen werden zusammen mit Merchandising vermarktet, das nicht nur auf junge Mädchen, sondern auch auf älter werdende und männliche Fans ausgelegt ist. Das Merchandise kann von Spielfiguren, Stofftieren und Nachbildungen der Transformationsobjekte bis hin zu Postern und menschengroßen Kissen der Magical Girls gehen. So bietet Sailor Moon-Merchandise beispielsweise Replikas der Kristalle, aber auch Dessous. Das erste Beispiel für Magical-Girl-Merchandise ist die Merchandise-Linie zu Himitsu no Akko-chan.[4]

Westliche Produktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die westliche Kultur behandelte Mädchen mit übernatürlichen Kräften lange nur im Kontext von Besessenheit und thematisierte die Instabilität ihrer Persönlichkeit als Grund für die Besitznahme ihres Körpers durch böse Geister. Die Rolle weiblicher Heldinnen war erwachsenen Frauen vorbehalten, deren starke Sexualisierung durch enge, erotische Kleidung, männliche Konsumenten zufriedenstellen sollte und darauf ausgelegt war, sie von männlichen Superhelden abzugrenzen. So konnten wegen ihrer erwachsenen Protagonistinnen weder Wonder Woman noch Xena – Die Kriegerprinzessin oder Lara Croft als Magical Girls bezeichnet werden. Westliche Produktionen, die in die Definition des Magical-Girl-Genres fallen, sind beispielsweise die Fernsehserie Sabrina – Total Verhext!, Buffy – Im Bann der Dämonen oder der italienische Comic W.i.t.c.h.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Andrea Ossmann: Phänomen Manga. Die Entstehungsgeschichte japanischer Comics und ihre Bedeutung für deutsche Verlage und Bibliotheken. Hrsg.: Diplomarbeit an der Fachhochschule Stuttgart – Hochschule der Medien. 2004, S. 49 f.
  2. a b c d e f g h Kristin Eckstein: Shojo Manga. Universitätsverlag Winter Heidelberg, Heidelberg 2016, S. 36–38.
  3. a b c d e f g h i j k Sugawa Akiko: Children of Sailor Moon: The Evolution of Magical Girls in Japanese Anime. In: Nippon.com. 26. Februar 2015, abgerufen am 23. Januar 2021 (englisch).
  4. a b c d e f J. Berndt, K. Nagaike, F. Ogi: Shōjo Across Media: Exploring „Girl“ Practices in Contemporary Japan. Hrsg.: Springer International Publishing. 2019, doi:10.1007/978-3-030-01485-8.
  5. Rise of the Dark Magical Girls. Anime News Network, abgerufen am 23. Januar 2021 (englisch).
  6. Henderson: The Problem with the Dark Magical Girl Genre. In: Anime Feminist. 9. März 2017, abgerufen am 24. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  7. Ga-netchû! Das Manga-Anime-Syndrom S. 267. Henschel Verlag, 2008.
  8. Yarbrough: Releasing The Power Within: Exploring The Magical Girl Transformation Sequence With Flash Animation. 2014.
  9. a b N’Donna Rashi Russell: Make-Up!: The Mythic Narrative and Transformation as a Mechanism for Personal and Spiritual Growth in Magical Girl (Mahō Shōjo) Anime. Hrsg.: University of Victoria. 2017.
  10. Patricia Duffield: Witches in Anime. Hrsg.: Animerica Extra. 3. Auflage. Nr. 11, Oktober 2000.
  11. Masanao Amano: Manga Design. Taschen Verlag, Köln 2004, ISBN 3-8228-2591-3, S. 30.
  12. a b Aihara Ruriko: '80s &'90s 魔女っ子おもちゃブック ['80s & '90s Majokko Toy Book]. Hrsg.: Graphicsha. 2020, ISBN 978-4-7661-3346-2.
  13. Sumi-Chan: 100 Jahre Anime - Magical Girls: Die 80er- und 90er-Jahre. In: Sumikai. 26. Februar 2012, abgerufen am 24. Januar 2021 (deutsch).
  14. Jonathan Clements, Helen McCarthy: The Anime Encyclopedia: A Century of Japanese Animation. 3. Auflage. Stone Bridge Press, 2015, ISBN 978-1-61172-909-2, Eintrag: Puella Magi Madoka Magica.
  15. Jonathan Clements, Helen McCarthy: Lyrical Nanoha. In: Stone Bridge Press (Hrsg.): The Anime Encyclopedia: A Century of Japanese Animation. 3. Auflage. 2015, ISBN 978-1-61172-909-2.
  16. a b Musings II: Magical Girls, or, Empowerment VS Sexism. In: Japan Powered. 8. November 2015, abgerufen am 24. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  17. a b Kumiko Saito: Magic, Shōjo, and Metamorphosis: Magical Girl Anime and the Challenges of Changing Gender Identities in Japanese Society. In: The Journal of Asian Studies. Band 73, Nr. 1, Februar 2014, ISSN 0021-9118, S. 143–164, doi:10.1017/S0021911813001708.
  18. Akiko Sugawa-Shimada: Shōjo in Anime: Beyond the Object of Men’s Desire. In: Shōjo Across Media. Springer International Publishing, Cham 2019, ISBN 978-3-03001484-1, S. 181–206, doi:10.1007/978-3-030-01485-8_8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]