Marcel Dupré

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Marcel Dupré

Marcel-Jean-Jules Dupré (* 3. Mai 1886 in Rouen; † 30. Mai 1971 in Meudon) war ein französischer Organist, Komponist, Musikpädagoge, Musikschriftsteller und Herausgeber. Er genoss vor allem als Improvisator weltweites Ansehen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marcel Dupré vor seiner Orgel in Meudon
Die Orgel von Marcel Dupré im Musiksaal seines ehemaligen Wohnhauses in Meudon, 40 boulevard Anatole France. Sie wurde von Aristide Cavaillé-Coll ursprünglich für Duprés Lehrer Alexandre Guilmant gebaut. Das Instrument, das Dupré aus seinen Studienjahren gut kannte, wurde 1926 aus Guilmants ehemaliger Villa in Duprés Wohnung gebracht und nach seinen Vorgaben erweitert, u. a. durch ein 4. Manual.
Offizielles Portraitfoto von Marcel Dupré an der Orgel von Saint-Sulpice in Paris kurz nach Antritt seines neuen Amtes als Nachfolger von Charles-Marie Widor im Januar 1934.

Marcel Dupré wurde in Rouen als Sohn von Albert Dupré und Marie-Alice Chauvière geboren. Der Vater, Schüler von Alexandre Guilmant, lehrte als Musiklehrer am Lycée Corneille und war Organist an der Kirche St-Ouen de Rouen. Die Mutter war Pianistin und Schülerin von Aloys Klein. 1893 erhielt Dupré durch seinen Vater den ersten Musikunterricht. Drei Monate später spielte er zum ersten Mal öffentlich bei einer Hochzeit in Elbeuf die Orgel. 1894 hatte er als Achtjähriger eine Begegnung mit dem Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll, der gemeinsam mit ihm einen Spaziergang an der Seine unternahm, während die Eltern für eine Orgelweihe probten.1896 wurde Louis Vierne in Saint-Valéry-en-Caux Zeuge seines Orgelspiels.[1] 1902 – im Alter von 16 Jahren – begann Dupré sein Studium am Pariser Konservatorium. Er studierte zunächst Klavier bei Louis Diémer (1843–1919) und später Orgel bei Alexandre Guilmant, der bereits seinen Vater Albert Dupré (1860–1940) ausgebildet hatte. Dupré studierte außerdem Komposition bei Charles-Marie Widor. 1934 wurde er Widors Nachfolger als Organist an der großen Cavaillé-Coll-Orgel von Saint-Sulpice in Paris. Ab 1956 war Dupré als Nachfolger von Marcel Samuel-Rousseau Mitglied der Académie des Beaux-Arts.

Er schuf ein umfangreiches Werk für Orgel, wurde Lehrer vieler bekannter Organistenpersönlichkeiten wie Olivier Messiaen, Marie-Claire Alain, Pierre Cochereau, Jeanne Demessieux und Jean-Jacques Grunenwald, und prägte den Orgelstil und die Qualität der Organisten seiner Zeit.
Seine Umgebung nahm ihn als einen einfachen und guten Menschen wahr („un homme simple et bon“), der seine Schüler hilfsbereit und ermutigend förderte.

Marcel Dupré wurde auf dem Cimetière des Longs Réages in Meudon beigesetzt.

Duprés Gesamtwerk umfasst rund einhundert Werke für Klavier, Orgel, Orchester, Chor und Kammermusik, wobei einige Jugendwerke bisher nicht veröffentlicht wurden. Sein kompositorischer Schwerpunkt war jedoch die Orgel. Als brillanter Konzertorganist und Improvisator unternahm Dupré zahlreiche weltweite Konzerttourneen. Einige seiner wichtigsten Orgelwerke waren ursprünglich Improvisationen, die vom Komponisten nachträglich aufgeschrieben wurden, so etwa op. 18, 23, 29 und 57.

Außer als Komponist und Autor von Lehrwerken über Orgelspiel, Musiktheorie (Kontrapunkt, Fuge) und Improvisation, trat er auch als Herausgeber und Bearbeiter der Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, César Franck, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und einer Anthologie von Einzelstücken alter Meister (darunter auch Arrangements von Werken Wolfgang Amadeus Mozarts) hervor. Diese Ausgaben[2] zeichnen sich durch genaueste Bezeichnung mit Fingersätzen und Fußsätzen aus. Sie waren ursprünglich, besonders die Bachausgabe, für die eigene Praxis konzipiert. Da Dupré das Gesamtwerk Bachs auswendig beherrschte und in Konzerten spielte, war die genaue Bezeichnung des Textes eine Notwendigkeit. Dazu kommt, dass im Gegensatz zur heutigen Auffassung für Dupré das strenge Legato die durchgängige Artikulationsart beim Spiel der Bachschen Orgelwerke war. Dies erklärt die vielen Substitutionsfingersätze, die die Realisierung des Legatospiels gewährleisten sollen.
Die oft anzutreffende, weitgehend negative Beurteilung der Ausgaben Duprés durch heutige Organisten als überladen und nicht im Sinne der historischen Aufführungspraxis, verkennt zum Teil ihren ursprünglichen Sinn als persönliches Arbeitsmaterial des Künstlers und die zeitgebundene Dimension des Spiels von Marcel Dupré, das wie das Spiel der anderen großen Interpreten der Vergangenheit unter historischen Gesichtspunkten gesehen und beurteilt werden muss. Das gilt auch für deren Ausgaben klassischer Musik (vergleiche z.B. die Ausgaben von Hans von Bülow, Ferruccio Busoni, Eugen d'Albert, Alfred Cortot, Karl Straube u.a., die natürlich nicht den Anforderungen entsprechen, die man heute an eine Urtext-Ausgabe stellt, aber die Geschichte der Interpretation klassischer Instrumentalmusik wesentlich mitbestimmten).

Kompositionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel solo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elévation op. 2 (1912; erste veröffentlichte Orgelkomposition)
  • Trois Préludes et Fugues op. 7 (1912) (Prélude et fugue en Si majeur)
  • Scherzo op. 16 (1919)
  • 15 Versets pour les Vêpres du Commun des Fêtes de la Sainte Vierge op. 18 (1919)
  • Cortège et Litanie op. 19 Nr. 2 (Bearbeitung der Klavierfassung, 1921)
  • Variations sur un Noël op. 20 (1922)
  • Suite Bretonne op. 21 (1923)
  • Symphonie-Passion op. 23 (1924)
  • Lamento op. 24 (1926)
  • Deuxième Symphonie op. 26 (1929)
  • Sept Pièces op. 27 (1931)
  • Seventy-Nine Chorales op. 28 (1931)
  • Le Chemin de la croix op. 29 (1931)
  • Trois Élevations op. 32 (1935)
  • Angélus op. 34 Nr. 1 (1936)
  • Trois Préludes et Fugues op. 36 (1938)
  • Évocation op. 37 (1941)
  • Le Tombeau de Titelouze op. 38 (1942)
  • Suite op. 39 (1944)
  • Offrande à la Vierge op. 40 (1944)
  • Trois Esquisses op. 41 (1945)
  • Paraphrase on the Te Deum op. 43 (1945)
  • Vision op. 44 (1947)
  • Eight Short Gregorian Preludes op. 45 (1948)
  • Épithalame ohne op. (1948)
  • Miserere Mei op. 46 (1948)
  • Psaume XVIII op. 47 (1949)
  • Six Antiennes pour le Temps de Noël op. 48 (1952)
  • Vingt-Quatre Inventions op. 50 (1956)
  • Triptyque op. 51 (1957)
  • Nymphéas op. 54 (1959)
  • Annonciation op. 56 (1961)
  • Choral et Fugue op. 57 (1962)
  • Trois Hymnes op. 58 (1963)
  • Two Chorales op. 59 (1963)
  • In Memoriam op. 61 (1965)
  • Méditation ohne op. (1966)
  • Entrée, Canzona et Sortie op. 62 (1967)
  • Quatre Fugues Modales op. 63 (1968)
  • Regina Coeli op. 64 (1969)
  • Vitrail op. 65 (1969)
  • Variations sur „Adeste fideles“ o.O.(1929; nach einem von Dupré bespielten Lochstreifen rekonstruierte Improvisation)
  • Offertoire: Variations sur Il est né, le divin enfant

Orgel mit anderen Instrumenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cortège et Litanie op. 19 für Orgel und Orchester (Bearbeitung der Klavierfassung, 1921)
  • Symphonie g-Moll op. 25 für Orgel und Orchester (1927)
  • Ballade op. 30 für Orgel und Klavier (1932)
  • Concerto e-Moll op. 31 für Orgel und Orchester (1934)
  • Poème héroïque op. 33 für Orgel, 3 Trompeten, 3 Posaunen und Field Drum (1935)
  • Variations on two themes op. 35 für Orgel und Klavier (1937)
  • Sinfonia op. 42 für Orgel und Klavier (1946)
  • Quartet op. 52 für Violine, Viola, Cello und Orgel (1958)
  • Trio op. 55 für Violine, Cello und Orgel (1960)
  • Sonate a-Moll op. 60 für Cello und Orgel (1964)

Chormusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Les Normands op. 1 für Chor und Orchester (1911)
  • Psyché op. 4 für Singstimmen und Orchester (1914)
  • Quatre Motets op. 9 für Singstimmen und zwei Orgeln (1916)
  • De Profundis op. 17 für Soli, Chor, Orgel und Orchester (1917)
  • Ave Verum op. 34 Nr. 2 für Singstimmen und Streicher (1936)
  • La France au Calvaire op. 49 für Soli, Chor, Orgel und Orchester (1953)
  • Deux Motets op. 53 für Sopran und Chor (1958)

Klavier solo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Six Préludes op. 12 (1916)
  • Marche militaire op. 14 (1915)
  • Quatre Pièces op. 19 (1921)
  • Variations cis-Moll op. 22 (1924)

Kammermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sonate g-Moll op. 5 für Violine und Klavier (1909)
  • Quatre Mélodies op. 6 für Singstimme und Klavier (1913)
  • Deux Pièces op. 10 für Klarinette und Klavier (1917)
  • À l'amie perdue op. 11 für Singstimme und Klavier (1911)
  • Deux Pièces op. 13 für Cello und Klavier (1916)

Sonstige Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Élevation op. 2 für Harmonium (1913)
  • Fantaisie h-Moll op. 8 für Klavier und Orchester (1912)
  • Marche militaire op. 14 für Orchester (Bearbeitung der Klavierfassung, 1915)
  • Orientale op. 15 für Orchester (1916)

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Delestre: L’oeuvre de Marcel Dupré. Paris: Éditions "Musique Sacrée", 1952.
  • Jeanne Demessieux: L’art de Marcel Dupré. Études (Paris, April 1950).
  • Rolande Falcinelli: Marcel Dupré, 1955: Quelques oeuvres. Paris: Alphonse Leduc, 1955.
  • Bernard Gavoty: Marcel Dupré. Les grands Interprètes. Genève, Suisse: Éditions René Kister, 1955.
  • Michael Murray: French Masters of the Organ. New Haven: Yale University Press, 1998.
  • Michael Murray: Marcel Dupré: The Work of a Master Organist. Boston: Northeastern University Press, 1985.
  • Michael Murray: Marcel Dupré: Leben und Werk eines Meisterorganisten. Übersetzt von Hans Uwe Hielscher. Langen bei Bregenz: Edition Günter Lade, 1993. ISBN 3-9500017-3-5.
  • Graham Steed: The Organ Works of Marcel Dupré. Hillsdale, NY: Pendragon Press, 1999.
  • Bruno Chaumet. Marcel Dupré, Souvenirs, Paris: Association des Amis de l'Art de Marcel Dupré, 2006.
  • Marcel Dupré. Marcel Dupré raconte... , Bornemann, Paris 1972. (dt. unter dem Titel: Marcel Dupré: Erinnerungen : Marcel Dupré raconte. Übersetzt und kommentiert von Hans Steinhaus. Verlag Merseburger, Berlin und Kassel, 1981. Edition Merseburger 1195. (Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde;79). ISBN 3-87537-180-1)
  • Annie Puthod. Marcel Dupré, L'organiste et ses élèves, Mémoire de maîtrise, Paris-IV-Sorbonne, 1973, 96 p.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Murray: Marcel Dupré
  2. Sie erscheinen im Verlag S. Bornemann, Paris.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbeispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Charles-Marie Widor Titularorganist der Kirche Saint-Sulpice (Paris)
1934–1971
Jean-Jacques Grunenwald