Marienkapelle (Beselich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Maria Hilf

Kapelle Beselich.jpg

Konfession: römisch-katholisch
Patrozinium: Sieben Schmerzen Mariens
Weihedatum: 08. 09 1767
Rang: Wallfahrtskapelle
Pfarrgemeinde: St. Johannes Nepomuk Hadamar
Anschrift: Schlossgasse 11, 65589 Hadamar

Koordinaten: 50° 27′ 2,7″ N, 8° 8′ 31,4″ O

Die Kapelle Maria Hilf ist seit ihrer Erbauung und Einweihung im September 1767 eine katholische Marien-Wallfahrtskapelle auf dem Beselicher Kopf in der gleichnamigen hessischen Gemeinde Beselich im Landkreis Limburg-Weilburg. Sie ist ein bedeutender Wallfahrtsort in der heimischen Region und in der Volksfrömmigkeit fest verankert. Sie befand sich seit Herbst 1802 bis zum Jahresende 2019 im Eigentum der katholischen Kirchengemeinde St. Ägidius Beselich-Obertiefenbach im Bistum Limburg. Seit Jahresanfang 2020 gehört sie zur Kirchengemeinde St. Johannes Nepomuk Hadamar.

Die sieben Kapellchen, die an die Sieben Schmerzen Mariens erinnern, am Betweg im Wald von Obertiefenbach zur Kapelle, gehören nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1877 zu dem Ensemble der Wallfahrtskapelle.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beselicher Kopf, auf dessen Kuppe sich die Kapelle befindet, ist mit 296 m die höchste Erhebung in der Gemeinde Beselich am Rande des Limburger Beckens. Er befindet sich landschaftlich reizvoll gelegen in zentraler Lage dieser Gemeinde, dem bei ihrer am 30. Dezember 1970 erfolgten Gründung durch den Zusammenschluss von vier ehemals selbstständigen Gemeinden ihren Namen verdankt. Die Kapelle ist über die beiden Straßen zwischen den Beselicher Ortsteilen Obertiefenbach und Schupbach sowie Niedertiefenbach und Schupbach erreichbar. Neben der Wallfahrtskapelle befindet sich die denkmalgeschützte Klosterruine Beselich mit dem landwirtschaftlich genutzten ehemaligen Klosterhof.

Gebäude und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marmoraltar mit Altarfenster; im Mittelpunkt Hl. Maria mit Jesuskind

Die Kapelle besteht aus einem Längsschiff und einem über dem Eingang befindlichen geschieferten Kirchturm, in dem sich drei Glocken befinden. Am Turm ist eine große Außenkanzel für Predigten integriert. Beidseitig neben dem Haupteingang befinden sich zwei Nischen mit geschieferten Vordächern. Im Chorraum befindet sich der Marmoraltar auf dem in der Mitte die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind dargestellt ist. Die beiden Altarfenster zeigen die Geburt Christi und Jesus im Tempel von Jerusalem. Im Chorraum sind an beiden Frontseiten die Figuren der Vierzehn Nothelfer angebracht. An den Außenwänden sind verschiedene Statuen, eine Darstellung der Dreifaltigkeit Gottes sowie Jesus und Maria mit ihren weltlichen Vorfahren zu sehen. Darüber hinaus ist eine überwältigende Anzahl von meist aus Marmor bestehenden Votiv- und Danktafeln angebracht. Die historische Kommunionbank mit neogotischem Blattwerkornament aus dem Anfang der 1880er Jahre schließt den Chorraum ab. Die Pfeifenorgel, die sich auf der über eine Holztreppe zu erreichenden Empore befindet, erklingt bei feierlichen Gottesdiensten. Im Inneren der Wallfahrtskapelle ist auf den Kirchenbänken Platz für etwa 100 Personen. Bei den Abschlussgottesdiensten der Wallfahrten wird der gepflasterte Vorplatz, der von einer kleinen Parkanlage umsäumt ist, genutzt. Hierbei versammeln sich meist mehrere hundert Gläubige.

Direkt an die Kapelle angebaut ist ein Satteldachhaus[1], das als Küsterwohnung dient.

Die Kapelle wurde im Jahr 2002 durch Spenden der Bevölkerung und mit Unterstützung des Bistums Limburg innen renoviert und größtenteils im ursprünglichen Zustand wiederhergestellt. Eine Neueindeckung des Kirchendaches erfolgte im Frühjahr 2013. Der komplette Außenanstrich im Frühjahr 2017 versetzte die Kapelle im Jubiläumsjahr in vollen Glanz.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Orgel der Kapelle wurde am 15. Mai 1994 in Dienst gestellt. Es handelte sich um ein über 300 Jahre altes barockes Instrument, das von Elsoff–Mittelhofen im Westerwaldkreis in die Kapelle überführt wurde.[2] Der Orgelbauer Hans Peter Mebold hatte 1992/1993 das auf dem Dachboden der dortigen Kapelle aufgefundene Werk restauriert.[3]

Die heutige, auf der Empore befindliche Orgel wurde 1990 von Gerhard Schmid erbaut und über den Instrumentenhandel Ladach in Wuppertal beschafft. Die Aufstellung und Intonation wurde von der Erbauerwerkstatt durchgeführt, die Weihe fand in einer feierlichen Zeremonie am 11. Mai 2014 statt.[4][5] Sie ist mit Wechselschleifen ausgestattet und verfügt über sieben Register, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind. Die Disposition lautet wie folgt:[6]

I Manual C–g3
1. Gedackt 8′
2. Prinzipal 4′
3. Rohrflöte 4′
4. Kleinpommer 2′
5. Sifflöte 1′
II Manual C–g3
Gedackt 8′ (aus I)
Prinzipal 4′ (aus I)
Rohrflöte 4′ (aus I)
Kleinpommer 2′ (aus I)
6. Quinte 223
Tremulant
Pedal C–f1
7. Subbaß 16′

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle im Januar 2019

Die Kapelle ‒ zu Ehren der Vierzehn Nothelfer benediziert ‒ verdankt ihren Ursprung der Initiative eines Franziskaner-Eremiten, des Ordensbruders Leonhard (bürgerlicher Name: Georg Niederstraßen). Er wird im Jahr 1709 geboren und baut nach einem ausgedehnten Wanderleben in der Nähe des ehemaligen Klosters Beselich zunächst 1763 ein Einsiedlerhäuschen. Im Folgejahr erfolgt die Grundsteinlegung der Kapelle durch Pfarrer Johannes Schuld aus Obertiefenbach. Das Baugelände haben die Eigentümer, der Fürst von Salm und der Graf von Westerloo, zur Verfügung gestellt. Die Finanzierung des Kapellenbaus erfolgt durch Schenkung des Baumaterials von der Gemeinde Obertiefenbach und durch einige großzügige Geldspenden. Mit tatkräftiger Unterstützung der Bevölkerung aus Obertiefenbach wird die Kapelle erstellt und am 8. September 1767 vom Obertiefenbacher Pfarrer Löhr nach dem Wunsch von Niederstraßen auf den Namen Maria Hilf und zu Ehren der Heiligen Vierzehn Nothelfer geweiht.

Im Jahr 1768 wird die Kapelle von Rom mit einem vollkommenen Ablass auf das Fest Mariä Geburt begnadet, der 1786 auf Mariä Himmelfahrt verlegt wird. 1769 erhält Beselich einen Stationsablass durch den Provinzial der Eremitenprovinz. Im Koblenzer Eremitenkapitel ist dem Franziskaner Georg Niederstraßen der Ordensname Leonhard gegeben worden und er wird im Jahr 1770 von Beauftragten dieses Kapitels feierlich in Beselich als Eremit eingesetzt. Georg Niederstraßen stirbt am 23. Dezember 1787 in Beselich; sein Grabstein befindet sich an der Außenseite der Kapelle.

In der Folgezeit ist die Marienkapelle Beselich nicht nur Wallfahrtskapelle, sondern auch Zufluchtsstätte für eine Reihe vertriebener Ordensgeistlicher, die aufgrund politischer Veränderungen und der Säkularisation ihre Wirkungsstätten verlassen müssen. Die Prozessionen zur Wallfahrtskapelle, die an verschiedenen christlichen Feiertagen stattfinden, erfolgen zunächst von Obertiefenbach aus. Später werden sie, teilweise mit abschließender Predigt von der Außenkanzel der Kapelle, auch von vielen verschiedenen katholischen Pfarreien aus der Umgebung durchgeführt und bis heute beibehalten. In den Jahren 1815 bis 1848 sind Wallfahrten verboten. Lediglich die Prozessionen am Markustag, an den Bitttagen und die Fronleichnamsprozession innerhalb der Gemarkung werden geduldet. Der Bischof von Limburg Peter Joseph Blum sucht in der Zeit des Kulturkampfes kurz vor seiner Flucht ins Exil im Jahr 1876 die Kapelle Beselich auf und kniet vor dem Gnadenbild nieder, um zu beten. Beim Verlassen der Marienkapelle lauten seine Abschiedsworte „Erhaltet mir Beselich!“.

Im Jahr 1984 wird der „Freundeskreis zur Erhaltung der Kapelle Beselich“ gegründet, der sich zur Aufgabe macht, in enger Abstimmung mit der Katholischen Kirchengemeinde Obertiefenbach, die Kapelle und den Betweg mit seinen sieben Kapellchen instand zu halten.

Das große Jubiläumsfest zum 250-jährigen Bestehen der Kapelle fand im September 2017 unter Mitwirkung des Limburger Bischofs Georg Bätzing und mehr als tausend Besuchern statt.[7]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist die Marienkapelle täglich das Ziel vieler Pilger und Beter. In den Monaten Mai bis August jeweils am ersten Sonntag des Monats und am letzten Sonntag im September finden um 10:45 Uhr eine Eucharistiefeier und um 17:00 Uhr eine Marienandacht mit Predigt und Sakramentalem Segen statt. Im Marienmonat Mai finden sonntags jeweils um 17:00 Uhr Andachten statt. Zum Gebet ist die Kapelle ganzjährig geöffnet. Auch die Kapellchen werden teilweise in die Wallfahrten einbezogen. Die im Altarraum befindlichen zahlreichen Votiv- und Danktafeln zeugen von der inneren Überzeugung der erfolgten Hilfe durch die Gottesmutter. Oft wird die Kapelle wegen ihrer reizvollen Lage und anheimelnden Atmosphäre als Ort von Eheschließungen gewählt. Hier finden im Rahmen vieler Jahrgangstreffen begleitende Gottesdienste statt.[8]

Stiftung für den Erhalt der Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der Stiftung

Im Oktober 2012 erkennt das Regierungspräsidium Gießen die rechtsfähige kirchliche Stiftung Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich an, nachdem das Bischöfliche Ordinariat Limburg die Genehmigung zur Errichtung erteilt hat. Damit wird die Unterhaltung der Kapelle dauerhaft gesichert werden können.

Das Stiftungsziel ist die Förderung der Religion und des römisch-katholischen Glaubens, sowie seine öffentliche Bekundung. Dies soll verwirklicht werden durch Unterstützung, Förderung und Unterhaltung der Kapelle, der dazugehörenden sieben Kapellchen und des Betweges, der Pflege der liturgischen Gegenstände einschließlich der Paramente und Ausstattung der Kapellchen, Unterhaltung und Erneuerung der Orgel und Pflege der Wallfahrtstradition für dieses Ensemble.

Damit das Stiftungsziel dauerhaft erreicht werden kann, braucht es engagierte Menschen, aber auch ein sicheres finanzielles Fundament. Die finanzielle Unterstützung kann in Form einer Spende erfolgen, die steuerlich geltend gemacht werden kann. Es besteht auch die Möglichkeit einer Zustiftung. Hierbei bleibt der zugewandte Betrag als Stiftungskapital erhalten; die daraus entstehenden Zinserträge dienen dem Stiftungszweck.

Die Einweihung der Orgel im April 2014 ist der erste Höhepunkt in der jungen Geschichte der Stiftung. Durch großzügige Spenden, Zuschüsse und Finanzerträge wurden die notwendigen Mittel für diese Pfeifenorgel des Orgelbauers Gerhard Schmid, einen Schrank und ein Liedanzeiger im Wert von über 40000 Euro aufgebracht, ohne das Stiftungsvermögen anzutasten. In den Folgejahren wurden die Sanitäranlagen wetterfest gestaltet und den Erfordernissen bei Außenanlagen nachgekommen. Im Jubiläumsjahr 2017 erfolgte ein kompletter Außenanstrich der Kapelle. Im Frühjahr 2020 erfolgte die Restaurierung der historischen Kommunionbank.

Besondere Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sieben Kapellchen zum Gedächtnis der Schmerzen Mariens am Betweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Wagner: Kloster- und Wallfahrtsstätte Beselich. Wiesbaden-Dotzheim 1935.
  • Georg Wagner: Obertiefenbach in seiner Vergangenheit. Gemeinde Obertiefenbach, Wiesbaden-Dotzheim 1954.
  • Kirchengemeinde St. Ägidius Obertiefenbach (Hrsg.): 100 Jahre Pfarrkirche St. Ägidius Obertiefenbach. Beselich 1988.
  • Franz-Josef Sehr: Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich. In: 125 Jahre Pfarrkirche St. Ägidius Obertiefenbach. Kirchengemeinde St. Ägidius Obertiefenbach, Beselich 2013.
  • Franz-Josef Sehr: 250 Jahre Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2017. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 2016, ISBN 3-927006-54-8, S. 137–141.
  • Kirchengemeinde St. Ägidius Obertiefenbach und St. Marien Niedertiefenbach (Hrsg.): 250 Jahre Wallfahrtskapelle Beselich. Beselich 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Saint Mary of Help Chapel (Beselich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Marienkapelle Beselich In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  2. Hedi Sehr: Renovierte Orgel in der Kapelle eingeweiht. Hrsg.: Nassauische Neue Presse. Limburg 18. Mai 1994.
  3. Website Orgelbau Mebold mit Foto und Disposition.
  4. Franz-Josef Sehr: Stiftung Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich. In: 250 Jahre Wallfahrtskapelle Beselich. Kirchengemeinde St. Ägidius Obertiefenbach und St. Marien Niedertiefenbach, Beselich 2017, S. 78–81.
  5. Dorothee Henche: Neue Orgel für die Wallfahrer. Hrsg.: Weilburger Tageblatt. Weilburg 14. Mai 2014.
  6. Schmid-7-II-P (Memento vom 26. Februar 2021)
  7. 250 Jahre Kapelle Beselich im September 2017. In: Webseite der Stiftung Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich. Abgerufen am 31. Dezember 2018.
  8. Zahlreiche Fotos in der Dauerausstellung der Heimatstube Beselich-Obertiefenbach