Max Lebsche

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Porträt von Max Lebsche (auf einer Gedenktafel in Glonn)
Gedenktafel in Glonn
Marienbrunnen in Glonn mit Gedenktafeln
Straßenschild in Glonn

Max Lebsche (* 11. September 1886 in Glonn; † 22. September 1957 in München) war ein deutscher Arzt und Gegner des Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebsches Vater war der Sanitätsrat und Bezirksarzt Max Lebsche (1858–1940), ein oberbayerischer Landarzt, der 1881 zu den Gründern der katholischen Studentenverbindung KBStV Rhaetia München gehörte. Seine Mutter Barbara, geborene Graf, Tochter eines Gastwirtsehepaars, lernte Max Lebsche sen. im Stammlokal der Rhaetia kennen und heiratete ihn 1885. Max Lebsche jun. war das älteste Kind der beiden, er hatte zwei jüngere Schwestern, Klara und Mathilde.

Max Lebsche besuchte die Volksschule in Glonn und danach das Wilhelmsgymnasium München, wo er 1905 das Abitur ablegte. Noch im selben Jahr trat er ebenfalls in die Rhaetia ein. Er studierte nun Medizin in München und Würzburg und absolvierte 1910 in München das Staatsexamen. Nach einigen Monaten als Medizinalpraktikant am Landeshospital Paderborn kehrte er nach München zurück und promovierte an der dortigen medizinischen Fakultät über das Thema Klinische und experimentelle Untersuchungen über den Wert der modernen Wunddesinfektion. Die Dissertation wurde mit „summa cum laude“ bewertet. 1912 erhielt Lebsche seine Approbation, und Ottmar von Angerer holte ihn als Assistenten an die Chirurgische Universitätsklinik in München.[1]

Den Ersten Weltkrieg verbrachte Lebsche in einer Sanitätskompanie an der Westfront. Er publizierte in dieser Zeit auch zum Thema der Anforderungen an die Chirurgie auf dem Kriegsschauplatz. 1918 kehrte Lebsche an die Universitätsklinik in München zurück und soll dort Angerers Tod nach einem Herzinfarkt am Operationstisch miterlebt haben. Nachfolger Angerers als Ordinarius wurde Ernst Ferdinand Sauerbruch, der Lebsche eine Sonderstellung an der Klinik einräumte und eng mit ihm zusammenarbeitete.[2] 1921 leitete Lebsche eine Sanitätskompanie des Freikorps Oberland bei der Niederschlagung des Oberschlesischen Aufstands und den Kämpfen um den St. Annaberg.[3]

In der Folge veröffentlichte Lebsche eine Reihe wissenschaftlicher Schriften zur Chirurgie, unter anderem gemeinsam mit Sauerbruch einen Beitrag zur Behandlung bösartiger Tumoren. 1922 wurde er Oberarzt der Klinik, im selben Jahr habilitierte er sich bei Sauerbruch mit einem herzchirurgischen Thema: Versuche über Ausschaltung und Ersatz der Aorta (publiziert 1925)[4]. Er arbeitete auch an Sauerbruchs Buch Chirurgie der Brustorgane mit. 1926 bekam Lebsche den Titel eines außerordentlichen Professors verliehen, 1928, etwa ein Jahr nach Sauerbruchs Abgang an die Berliner Charité, erhielt er eine Stelle als außerordentlicher Professor für spezielle Chirurgie an der medizinischen Fakultät und wurde Vorstand der Chirurgischen Universitäts-Poliklinik als Nachfolger von Erich von Redwitz.[5]

Im Jahr 1930 gründete Lebsche zusätzlich eine Privatklinik mit 35 Betten[6], die Maria-Theresia-Klinik, in einem Gebäude am Bavariaring, das dem jüdischen Philanthropen James Loeb gehörte. Dieser hatte das Haus zunächst als Wohnhaus errichtet und später zunächst Emil Kraepelin für ein Forschungsinstitut zur Verfügung gestellt; zum Zeitpunkt von Lebsches Interessenbekundung 1929 beherbergte es ein Sanatorium. Mithilfe von Krediten Loebs konnte das Gebäude umgebaut und die Klinik im März 1930 eröffnet werden, mit Lebsche als Leiter. Als Ärzte fungierten Mitarbeiter Lebsches aus dem poliklinischen Institut der Universität. Die Pflege der Kranken oblag den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul.[7]

1932 übernahm Lebsche in seiner Studentenverbindung das Amt des Philisterseniors. Er soll gemäß seiner Biografin Lucia Beer in dieser Funktion versucht haben, den Erklärungen der deutschen Bischöfe von 1932 zur Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in nationalsozialistischen und katholischen Organisationen in der Rhaetia Nachdruck zu verleihen. Nach eigenen späteren Angaben glaubte er, als Kriegsteilnehmer und Freikorpskämpfer von der nationalen Seite her kaum angreifbar zu sein.[8] Am 2. April 1936 teilte ihm der Dekan der medizinischen Fakultät mit, dass er emeritiert und als Professor entlassen sei; ein Jahr später erhielt er die schriftliche Bestätigung, dass man ihn aufgrund § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den vorzeitigen Ruhestand versetzt habe. Diese Maßnahme wird von Lucia Beer in Verbindung gebracht mit seinen Aktivitäten als Philistersenior 1932. Sie vermutet, dass das ehemalige Rhaetia-Mitglied Friedrich Wilhelm Starck dabei die Hände im Spiel hatte.[9] Lebsche konzentrierte sich nunmehr auf seine Privatklinik. 1939 kaufte er das Gebäude den Erben Loebs ab,[10] offenbar im Zusammenhang der Arisierung. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs meldete sich Lebsche freiwillig zum Kriegsdienst. Man übertrug ihm die Leitung der chirurgischen Abteilung des Standortlazaretts München I. 1944 musste dieses wegen Bombenschäden in das Schloss Fürstenried verlegt werden, weiterhin unter Leitung von Lebsche.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Lebsche bald alle seine Funktionen und Ämter zurück. Zum 1. Januar 1947 wurde er auf eine ordentliche Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität berufen und leitete nun die Chirurgische Universitätsklinik. Er blieb zugleich Leiter der Maria-Theresia-Klinik und des Fürstenrieder Lazaretts. Im Laufe des Jahres trat er aber nach einer schweren Krankheit von seinen öffentlichen Ämtern zurück und konzentrierte sich erneut auf die Leitung seiner Privatklinik. Die Jewish Restitution Successor Organization beanstandete den 1939 erfolgten Kauf des Gebäudes am Bavariaring. Lebsche hielt den Kauf für rechtmäßig und ging vor Gericht, jedoch erfolglos. Das Ergebnis war, dass die Klinik 1952 an die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul überging, Lebsche aber die ärztliche Leitung behalten konnte.

Zudem begründete Lebsche mit Gleichgesinnten die Bayerische Heimat- und Königspartei, die 1946 von der Militärregierung für einige Monate zugelassen, dann aber wieder verboten wurde. Lebsche blieb bis zu seinem Tod Vorsitzender dieser Partei, die jedoch nie politische Bedeutung erringen konnte.

1954 wurde Lebsche emeritiert. Er erlitt 1955 einen ersten Herzinfarkt, arbeitete aber weiter. 1957 ereilte ihn ein zweiter Herzinfarkt in seinem Arbeitszimmer in der Maria-Theresia-Klinik, an dem er starb. Er wurde im Familiengrab in Glonn beigesetzt.

1957 wurde er von Kardinal-Großmeister Nicola Kardinal Canali zum Ritter des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 30. April 1957 in München durch Lorenz Jaeger, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert.[11] Er war zudem Malteserritter.

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Erfolge in der Chirurgie, seine militärischen Einsätze, sein politisches Wirken und sein Engagement für Bedürftige erhielt er mehrere Orden, Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften. Nach Lebsche sind mehrere Straßen und Plätze in Oberbayern, wie z. B. der „Max-Lebsche-Platz“ vor dem Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München benannt. In seinem Heimatort Glonn ist die Hauptstraße nach ihm benannt, zu seinem Gedenken wurde dort an der Ecke Prof.Lebsche-Str./Feldkirchner Str. (seinem Wohnhaus) ein kleiner Marien-Brunnen mit zwei Gedenktafeln erweitert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lucia Beer: Der Chirurg Prof. Dr. Max Lebsche (1886–1957). Leben und Werk. Dissertation an der Universität Regensburg. 2015. Online
  • Lebsche, Max, Internationales biographisches Archiv 48/1957 vom 18. November 1957, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Hans Obermair: Glonner Geschichte und Geschichten. 1999, Herausgeber im Selbstverlag: CSU Glonn
  • Martin Friedrich Karpa: Die Geschichte der Armprothese unter besonderer Berücksichtigung der Leistung von Ferdinand Sauerbruch (1875–1951) Med. Diss., Ruhr-Universität Bochum 2005
  • Festschrift 75-Jahr-Feier Maria-Theresia-Klinik, Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, München 2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Max Lebsche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lucia Beer: Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 21–24.
  2. Lucia Beer: Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 27.
  3. Siehe neben Lucia Beer: Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 27, auch etwa Günther Körner: Einsatz des Selbstschutzes in Oberschlesien, 1981, S. 106, sowie Anton Joachimsthaler: Hitlers Liste, 2003, S. 56.
  4. Siehe den DNB-Eintrag
  5. Lucia Beer: Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 27–31.
  6. Lucia Beer: 'Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 49
  7. Lucia Beer: 'Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 82–84.
  8. Lucia Beer: Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 31f.; vgl. ferner S. 89 und S. 94.
  9. Lucia Beer: Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 32.
  10. Lucia Beer: Der Chirurg Prof. Dr. med. Max Lebsche, 2015, S. 85.
  11. Hans Jürgen Brandt: Jerusalem hat Freunde. München und der Ritterorden vom Heiligen Grab, EOS 2010, Seite 98