Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot

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Filmdaten
OriginaltitelMein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot
ProduktionslandDeutschland,
Frankreich,
Schweiz
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2018
Länge174[1] Minuten
Stab
RegiePhilip Gröning
DrehbuchPhilip Gröning,
Sabine Timoteo (Co-Autorin)
ProduktionPhilip Gröning,
Matthias Esche,
Philipp Kreuzer,
Emmanuel Schlumberger
KameraPhilip Gröning[2]
SchnittPhilip Gröning,
Hannes Bruun
Besetzung

Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot ist ein Spielfilm von Philip Gröning aus dem Jahr 2018. Das Drama, mit Julia Zange und Josef Mattes in den Hauptrollen, basiert auf einem Originaldrehbuch des Regisseurs, der den Film auch produzierte. Im Mittelpunkt der Handlung stehen 48 Stunden im Leben eines jugendlichen Zwillingspaares, dessen Trennung bevorsteht. Ihr Verhältnis zueinander nimmt bald inzestuöse Formen an und das gemeinsam verbrachte Wochenende mündet in einen Mord.

Der Film wurde am 21. Februar 2018 im Wettbewerb der 68. Berlinale uraufgeführt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Süddeutschland, im Sommer: An einem Wochenende bereitet sich die 19-jährige Elena auf ihre mündliche Abiturprüfung im Fach Philosophie vor. Unterstützt wird sie dabei von ihrem zweieiigen Zwillingsbruder Robert, der dafür Bier spendiert bekommt. Als Lernort dient eine ländliche Tankstelle, in der beide aufgewachsen sind und viel Zeit verbracht haben. Die Geschwister verbindet eine Hassliebe miteinander. Elena ist intelligent und beherrschend und bezeichnet ihren Bruder als blöd oder dumm. Robert, der in der Schule sitzen geblieben ist, sehnt sich danach, die deutsche Provinz zu verlassen. Das Verhältnis der beiden wird noch durch Roberts Liebe zu Cecilia verkompliziert, Elenas bester Freundin. Elena ist eifersüchtig und fragt Robert, ob er mit Cecilia geschlafen habe. Er verweigert die Antwort. Rituale, Zwillingsspiele, Wetten, Ausbrüche von Hass und zärtlicher Nähe, gemeinsame Bäder in einem Waldsee, ein Besuch des jüngeren Bruders Florian sowie ein philosophischer Diskurs, speziell zu den Thesen Martin Heideggers, wechseln sich in den zwei Tagen ab. Sowohl Elena als auch Robert ist bewusst, dass der bisherige Lebensabschnitt bald enden wird und sich ihre Wege trennen werden.[3][4][5]

Elena provoziert Robert und schlägt als Wetteinsatz vor, noch an diesem Wochenende Sex mit einem Mann zu haben. Sollte Elena die Wette verlieren, gibt sie Robert das Auto, das sie zur bestandenen Reifeprüfung bekommen soll. Sollte sie gewinnen, muss er sich von ihr etwas wünschen. Egal was, ausgenommen Gegenstände. Elena beginnt Tankstellenkunden anzuflirten. Ein Versuch mit einem übergewichtigen Mann in der Tankstellentoilette endet fast in einer Vergewaltigung. Elena kann sich aus eigener Kraft befreien, während Robert tatenlos vor der Tür Ohrenzeuge wird. In der Nacht ist Robert so stark betrunken, dass er sich übergibt und einschläft. Elena unternimmt einen Ausflug mit dem Tankstellenangestellten Erich auf dem Moped, der ein väterliches Verhältnis zu den beiden hat. Ein erster Versuch, Erich zu verführen, schlägt fehl. Der zurückgelassene Robert wird eingeschlossen in der Tankstelle Zeuge, wie Cecilia mit Freunden erscheint und einen Jungen küsst.

Die Ereignisse überstürzen sich, als Elena und Robert in ihrem jugendlichen Leichtsinn Erich versehentlich verletzen und ihn daraufhin fesseln und knebeln. Sie erpressen von ihm den Kassencode der Tankstelle. Elena hat vor den Augen Roberts Sex mit Erich und gewinnt die Wette. Robert findet in der Kasse eine geladene Pistole und schießt damit auf vorbeifahrende Autos. Schließlich ziehen sich die beiden Geschwister aus und haben in der Tankstelle gemeinsam Sex. Als der gefesselte Erich Robert ermahnt, dass es „genug sei“ übergibt er seiner Schwester die Waffe. Elena spielt Erich noch ihren Lieblingssong, ein französisches Chanson, vor und tötet ihn dann mit der Pistole auf der Toilette. Die Geschwister machen sich vor, dass die Pistole nicht echt sei, und schießen in der Tankstelle abwechselnd aufeinander, bis das Magazin leer ist, verfehlen sich aber. Am nächsten Tag raubt Robert einem Tankstellenkunden einen Sportwagen und verschwindet. Elena erscheint übermüdet zu ihrer mündlichen Abiturprüfung, in der sie über Das Thema „Was ist eine Melodie?“ sowie den Zeitbegriff referiert.

Produktionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drehbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot realisierte Philip Gröning seinen sechsten Langfilm. Wie bei fast allen seinen vorherigen Werken war er neben der Regie auch am Drehbuch, der Produktion, der Kameraarbeit und Teilen des Schnitts beteiligt. Das Skript verfasste Gröning gemeinsam mit der Schweizer Schauspielerin Sabine Timoteo, der er die Hauptrolle in seinem Roadmovie L’amour, l’argent, l’amour (2000) anvertraut hatte.[6] Gröning fasste die Handlung als „eine Geschichte über Zwillinge und Zeit“ zusammen.[7] Dabei ließ er sich auch durch die Zeittheorien des Philosophen Martin Heidegger aus dessen Hauptwerk Sein und Zeit (1927) inspirieren.[3]

Suche nach Drehorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorbereitungen zum Film (ursprünglicher Arbeitstitel: Mein Bruder Robert) lassen sich bis Ende 2007 zurückverfolgen.[8] Der Beginn der Dreharbeiten verzögerte sich u. a. durch die monatelange[9] Suche nach geeigneten Drehorten.[4] „Ich glaube, wir habe uns so gut wie jede Landstraße in Baden-Württemberg angesehen“, so Philip Gröning, der nach einem einzigartigen, abgeschiedenen Ort suchte.[10] Nachdem das Kleine Wiesenthal unterhalb des Belchens und die Gemeinde Hasel als Drehorte im Gespräch waren, entschied man sich stattdessen für Leipferdingen, einen Ortsteil der Stadt Geisingen, als Hauptdrehort.[4] Gröning hatte dort die Wahl zwischen der Hochfläche bei den Windrädern an der Kreisstraße 5926/6129[11] nach Engen-Stetten oder dem Breitental in Richtung Tengen. „Zwei sehr unterschiedliche Orte. Einer weit oben mit Aussicht auf die Schwäbische Alb und die Schweizer Berge und einer ganz unten im Tal“, so Gröning. Er entschied sich für die beeindruckendere Aussicht auf der Hochfläche, da im Tal eine „ganz andere Stimmung“ geherrscht hätte.[10] Dafür musste im August 2012 an der Kreisstraße nach Engen-Stetten bei den Windrädern die im Film auftauchende Avia-Tankstelle erst als Kulisse aus Sperrholz[12] errichtet werden. Für Gröning symbolisierte die Tankstelle die „Freiheit“ und er nahm damit Bezug auf sie als beliebter Treffpunkt von Jugendlichen in ländlichen Regionen. „Sie glauben nicht, wieviel samstagabends an einer Tankstelle los ist“, so Gröning.[10] Die Produktionsgesellschaft hatte wegen dieser Inanspruchnahme von Landschaft und Landwirtschaft den Leipferdinger Ortschaftsrat vorab bei ihren Überlegungen miteingebunden. Darüber hinaus musste das Regierungspräsidium Freiburg den Landwirten vor Ort bescheinigen, dass sie keine Nachteile bei den Fördermitteln erleiden, wenn sie Flächen zur Verfügung stellen.[4]

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten sollten ursprünglich im Sommer 2012 stattfinden. Aufgrund der Erkrankung einer Mitarbeiterin konnte aber das Szenenbild nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Daraufhin entschied Gröning die Dreharbeiten in den Sommer 2013 zu verlegen,[10] da erntereife Felder eine Voraussetzung für Aufnahmen der im Sommer spielenden Geschichte waren.[13] Da Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot an einem einzigen Wochenende spielt, durfte sich die Natur und Umgebung während der Dreharbeiten nicht offensichtlich verändern.[10] Die Tankstellen-Kulisse verblieb mit Genehmigung der Stadt Geisingen, dem Landratsamt und den örtlichen Landwirten und wurde den Winter 2012/13 über mit einem Zelt gesichert. Gröning lobte die Beteiligten für die „gute Zusammenarbeit“.[10] Nachdem die Kulisse den Winter bis auf kleinere Reparaturarbeiten gut überstanden hatte,[9] fanden die Dreharbeiten über elf Wochen vom 5. August bis 25. Oktober 2013[1] in Leipferdingen sowie Nordrhein-Westfalen statt. Wegen schlechten Wetters hatten die Aufnahmen nicht wie ursprünglich geplant im Juni beginnen können.[3] Um die Tankstellen-Kulisse wurden über mehrere Hektar Winterweizen und Triticale angebaut. Im Gegenzug mussten die örtlichen Landwirte für ihre abgetretenen Flächen mit 3,5 Hektar Silomais als Viehfutter entschädigt werden.[9] Gröning arbeitete in Leipferdingen mit einem ca. 15- bis 20-köpfigen Filmteam zusammen.[3][13] Im Mai 2014 wurde des Nachts eine Szene auf dem Areal am Wertachsender im bayerischen Ettringen nachgedreht.[11]

Die Produktionskosten für den Film wurden auf drei Mio. Euro beziffert.[13] Ursprünglich war ein Kinostart für 2015/16 geplant,[3] Gröning benötigte aber wie schon bei seinem vorangegangenen Spielfilm Die Frau des Polizisten (2013) viel Zeit für die Postproduktion[13] und stellte den Film erst Anfang 2018 fertig. Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot wurde mit 457.000 Euro von der Filmstiftung NRW gefördert. Neben der Philip Gröning Filmproduktion und der französischen L Films[14] waren als Koproduzenten Bavaria Film, WDR und Bayerischer Rundfunk beteiligt.[6]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grönings Regiearbeit erhielt im internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift Screen International 2,8 von vier möglichen Sternen und belegte den 5. Platz unter allen 19 Berlinale-Wettbewerbsfilmen. Wes Andersons Animationsfilm Isle of Dogs – Ataris Reise (3,3) führte die Rangliste an.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot konkurrierte Philip Gröning zum ersten Mal bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin um den Goldenen Bären, den Hauptpreis des Festivals. Der Film blieb unprämiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot bei crew united (abgerufen am 14. Januar 2018).
  2. Full Cast & Crew. In: Internet Movie Database (abgerufen am 15. Januar 2018).
  3. a b c d e Limberger-Andris, Stefan: Blumberg: Die Sehnsucht nach der Ferne In: schwarzwaelder-bote.de, 16. August 2013 (abgerufen am 14. Januar 2018).
  4. a b c d Kleibauer, Dieter: Gröning dreht in Leipferdingen. In: Heuberger Bote, 16. August 2012, S. 1.
  5. Haug, Paul: Letzte Klappe für Filmprojekt gefallen. In: Südkurier / Donaueschingen, 11. Januar 2014, S. 26.
  6. a b Zwei filmstiftungsgeförderte Wettbewerbsfilme bei der Berlinale. In: filmstiftung.de, 20. Dezember 2017 (abgerufen am 14. Januar 2018; ursprüngliche Artikelversion via Internet Archive).
  7. Nassoufis, Aliki: Film mit fundamentaler Frage. In: Westdeutsche Zeitung, 9. September 2013 (abgerufen via Datenbank Wiso Presse).
  8. Philip Gröning. In: die tageszeitung, 24. Dezember 2007, S. 36.
  9. a b c Fröhlein, Christina: Drehort übersteht die Winterpause. In: Südkurier, 13. Mai 2013, S. 26.
  10. a b c d e f Kübler, Lisa: Filmkulisse im Winterschlaf. In: Südkurier, 14. Dezember 2012, S. 19.
  11. a b Stegen, Reinhard: Wenn Ettringen plötzlich im Schwarzwald liegt. In: augsburger-allgemeine.de, 27. Mai 2017 (abgerufen am 14. Januar 2018).
  12. "Lore' tritt ans Licht. In: Heuberger Bote, 24. Dezember 2012, S. 23.
  13. a b c d Dreyer, Franz: Tanken geht hier nicht. In: Südkurier, 28. August 2013, S. 29
  14. Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot bei filmportal.de (abgerufen am 14. Januar 2017).
  15. Dalton, Ben: 'Isle Of Dogs' tops Screen's final Berlin Jury Grid; Golden Bear winner 'Touch Me Not' scores low. In: screendaily.com, 26. Februar 2018 (abgerufen am 8. März 2018).