Menck & Hambrock

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Menck & Hambrock

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Rechtsform GmbH
Gründung 1868
Auflösung 1978
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Hamburg-Altona

Menck & Hambrock (oft verkürzt zu Menck) war ein deutsches Maschinenbauunternehmen mit Sitz in Hamburg-Altona, das insbesondere Bagger herstellte.

Dampfmaschine in einer Anzeige von Menck & Hambrock im Kladderadatsch 28. November 1869 mit Hinweis auf den Zollverein

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampfbagger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma wurde 1868 durch Johannes Menck und Diedrich Hambrock im damaligen Dorf Ottensen gegründet. Sie war zunächst im Kessel- und Dampfmaschinenbau tätig, ehe 1888 der erste Bagger konstruiert wurde. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gehörte Menck zu den weltweit führenden Baggerproduzenten. So stellte das Werk 1901 den ersten eigenen Hochlöffelbagger der Welt vor. Menck & Hambrock besaßen eine Sondergenehmigung der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahngemeinschaft, Großbagger mit Dampfbetrieb, die fest auf einem Flachwagen montiert waren, als Eisenbahnfahrzeuge zu befördern. Von der nächstgelegenen Bahnstrecke wurde in jedem Einzelfall ein provisorisches Gleis zur Einsatzstelle gelegt.[1]

Ab 1923 entstanden mit der Serie M II, M III und M IV die ersten Raupenbagger Europas.

Dieselbagger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raupenbagger M60
(Bestand Hafenmuseum)

1933 konstruierte die Firma in Kooperation mit Hanomag die erste deutsche Planierraupe, sowie die erfolgreiche Universaldieselseilbaggerserie Mo, Ma, Mb, Mc und Md. Die Bagger schaufelten Salpeter in Chile, Asbest in russischen Gruben, sie hoben in Schweden Kanäle aus und bewegten Felsbrocken in Steinbrüchen auf den Kanaren. Beim Bau von Reichsautobahnen kamen sie ebenso zum Einsatz wie beim Wiederaufbau des vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Deutschland.

Auch die Rammtechnik und die Entwicklung von Flachbaggergeräten (Menck-Bezeichnung für Schürfwagen/Scraper) nahm großen Raum ein. So entwickelte Hugo Cordes 1939 die weltweit erste Schürfraupe mit der Typenbezeichnung SR39. Insgesamt 8 Maschinen von diesem Typ wurden an die Pioniertruppen der Wehrmacht ausgeliefert. 1943 folgte die SR43 als Weiterentwicklung des Vorgängermodells SR39. Von diesem Typ wurden 30 Maschinen durch das Stahlbau-Unternehmen Benteler produziert (daher auch die Bezeichnung Benteler-Menck-Schürfraupe).[2]

Nachdem während des Zweiten Weltkriegs ein Großteil der Kapazität für die Produktion von Rüstungsgütern eingesetzt wurde, setzte Menck & Hambrock nach dem Krieg den Bau der dringend benötigten Bagger fort, zunächst mit der oben genannten Serie, ab 1948 dann mit völligen Neukonstruktionen wie M152, M75, M60, M250 und M90. Ein weiteres Standbein des Unternehmens in der Nachkriegszeit waren Leichtkräne wie der LK46, der kleinste je von Menck gebaute Maschinentyp, und der LK50.[3]

Auch die Produktion von Schürfraupen wurden nach dem Krieg wieder aufgenommen. Unter der Anleitung von Hugo Cordes und Günter Kühn entstanden zunächst ab 1953 jährlich 24 Maschinen vom Typ SR53. Später entwickelte das Hamburger Unternehmen noch leistungsfähigere Maschinen, wie etwa die Typen SR65 und SR85. Insgesamt wurden bis zum Konkurs von Menck & Hambrock rund 350 Schürfraupen in Hamburg gebaut. Darüber hinaus erfolgte die Fertigung von Schürfraupen auf Grundlage von Lizenzvereinbarungen in Japan und der Schweiz, bis sie durch Eigenentwicklungen der jeweiligen Unternehmen ersetzt wurden.[2]

Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menck zählte über Jahrzehnte zu Europas bedeutendsten Baggerherstellern. Die Langlebigkeit der Menck-Maschinen zeigt sich durch eine hohe Zahl der immer noch in Betrieb stehenden Geräte der 1950er bis 1970er Jahre. Seit den frühen 1960er Jahren zeichnete sich bei Baggern jedoch ein grundlegender Technologiewechsel ab, weg von den traditionellen Seilgeräten hin zu den bei vielen Einsätzen weit leistungsfähigeren und genauer steuerbaren Hydraulikbaggern.

Die Firma erkannte den Umbruch nicht rechtzeitig und hielt zu lange an den herkömmlichen Seilgeräten fest, während innovativere Hersteller, insbesondere Orenstein & Koppel, Liebherr, Poclain, Demag und Atlas der Hydraulik konsequent zum Durchbruch verhalfen. In der Folge verlor Menck Marktanteile und geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

1966 wurde Menck deshalb durch den US-Konzern Koehring übernommen, der das Menck-Programm durch seine damals bereits technisch überholten amerikanischen Hydraulikbagger erweiterte. Diese Geräte waren gegen zeitgenössische europäische Hydraulikbagger jedoch nicht wettbewerbsfähig. Eigene Menck-Hydraulikbagger nach fortschrittlichen europäischen Konstruktionsprinzipien wurden später zwar entwickelt und angeboten. Das aber kam zu spät, der Markt war inzwischen an andere Hersteller verloren, das traditionsreiche Unternehmen musste 1978 Insolvenz anmelden. Einige Menck-Entwicklungen wurden indes von anderen Konzernen (z. B. Liebherr) übernommen, insbesondere die letzte Generation von modernen Menck-Seilbaggern mit damals innovativer hydraulischer Kraftübertragung und Steuerung bildete den Grundstein für die späteren Liebherr-Seilmaschinen.

Der Bereich Rammen wurde nach 1978 weitergeführt und firmiert heute als Menck GmbH.[4]

Ein ursprünglich in der Fabrik in Hamburg-Altona genutzter 15 Tonnen schwerer Lastkran ist seit 1979 das Wahrzeichen der Kultureinrichtung Fabrik (Hamburg).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bagger der Fa. Menck
Menck-Bagger Museum der Arbeit Hamburg.jpg
Hersteller
Menck & Hambrock GmbH, Hamburg-Altona, 1937
Typ Mb
Seriennummer: 23193
Inventarnummer MA.O 1992/018
Technische Daten
Gewicht einschließlich
Ausleger und Greifer
40 Tonnen
Motor 3-Zylinder-Deutz, 107 PS
Maße Länge 16,70 m
Breite 3,00 m
Höhe 4,05 m
Letzte Nutzung
Die Firma Lauster Steinbau GmbH in
Stuttgart-Bad Cannstatt setzte den Bagger
bis Ende der 1980er Jahre in ihren Steinbrüchen ein.
Von dort holte ihn das Museum der Arbeit
nach Hamburg und nahm ihn in die Sammlung auf.
  • Leo Helmschrott: Menck Seilbagger Album, Podszun-Verlag, 2010.
  • Georg Loehr: Menck-Baumaschinen-Prospekte 1960–1990, Podszun-Verlag, 2000.
  • Heinz-Herbert Cohrs: Baumaschinen-Geschichte(n), Menck-Album, Giesel-Verlag, 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Menck & Hambrock – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 29. Juli 1911, Nr. 38. Bekanntmachung Nr. 477, S. 284.
  2. a b Max Scholz: Jahrbuch Baumaschinen 2019. Podszun-Verlag, 2018, ISBN 978-3-86133-894-9, Seite 105 ff.
  3. LK 46/50. Abgerufen am 20. April 2019.
  4. HISTORY. Abgerufen am 20. April 2019.