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Metro Pjöngjang

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Logo der Metro Pjöngjang
Metro Pjöngjang
Pyongyang metro 20070321.png
Basisdaten
Staat Nordkorea
Stadt Pjöngjang
Eröffnung 6. September 1973
Linien 2
Streckenlänge 22,5 km
Stationen 16
Tunnelstationen 16
Nutzung
Kürzester Takt 2 min.
Passagiere 98.600 täglich (2009)[1]
Bewohner im Einzugsbereich ca. 2 Millionen
Fahrzeuge D („Dora“), Kim-Chŏng-tae-Triebwagen
Spurweite 1435 mm
Stromsystem 750 V DC (Stromschiene)[2]

Die Metro Pjöngjang (평양 지하철) ist das U-Bahn-System in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, das aus zwei Linien besteht. Sie wurde am 6. September 1973 eröffnet und war die erste U-Bahn auf der Koreanischen Halbinsel. Zusammen mit dem Oberleitungsbus Pjöngjang und der Straßenbahn Pjöngjang wird ein Großteil der Einwohner Pjöngjangs befördert.

Streckennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau des Netzes begann 1968. Ein schwerer Unfall ereignete sich 1971 während der Bauphase in einem Tunnel unter dem Taedong-Fluss. Einigen Quellen zufolge kamen dabei mehr als 100 Arbeiter zu Tode. Dieser Teilabschnitt wurde niemals vollendet und das gesamte U-Bahn-Netz befindet sich heute auf der westlichen Seite des Flusses.

Die Stationen tragen keine Ortsbezeichnung, sie sind stattdessen nach Themen der nordkoreanischen Revolution benannt.

Das Streckennetz verläuft komplett unterirdisch und die Linienführung erfolgte nach dem Vorbild von Metronetzen in anderen kommunistischen Ländern, insbesondere der Metro Moskau. Beide Strecken haben viele Gemeinsamkeiten, darunter den Verlauf in großer Tiefe (bis zu 110 Meter) und die großen Abstände zwischen den Haltestellen. Einige Beispiele sozialistischer Kunst können in den Bahnhöfen gefunden werden.

In Kriegszeiten können die U-Bahn-Haltestellen als Schutzbunker verwendet werden. Für diesen Zweck sind große Stahltore installiert. Spekulationen zufolge sind große Militäranlagen mit den Haltestellen verbunden, aber es konnte niemals ein Beweis hierfür erbracht werden. Nach anderen Spekulationen soll es neben den beiden offiziellen Linien zusätzlich (wie in Moskau angeblich auch) eine unbekannte Zahl von geheimen Linien für militärische und Regierungszwecke geben.

Das Metronetz besteht aus zwei Linien:

Chŏllima-Linie     [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie ist nach einem sehr schnellen Pferd (Ch’ŏllima = Tausend-Ri-Pferd; ein Ri sind etwa 0,39 km) in der koreanischen Mythologie benannt. Die Gesamtlänge beträgt etwa 14 km. Baubeginn war 1968, die Inbetriebnahme zwischen Ponghwa und Pukkŭnbŏl am 6. September 1973. 1987 wurde die Strecke bis Puhŭng verlängert.

Hyŏksin-Linie     [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtlänge etwa 10 km, regulärer Passagierbetrieb seit Oktober 1975. Die Gesamtstrecke wurde 1978 in Betrieb genommen. Einige Stationen dienen als Atombunker und liegen mehr als 100 m unter der Erdoberfläche.

  • Kwangbok (광복 = Wiederkommendes Licht, Befreiung), Depot (Kwangbok-dong)
  • Kŏn'guk (건국 = Staatsgründung), Bahnhof Pot’onggang der P'yŏngnam-Eisenbahnlinie
  • Hwanggimbŏl (황금벌 = Goldenes Feld)
  • Kŏnsŏl (건설 = Aufbau)
  • Hyŏksin (혁신 = Erneuerung)
  • Chŏnseung (전승 = Kriegssieg), Umsteigestation zur Chŏllima-Linie (Chŏnu)
  • Samhŭng (삼흥 = Drei Erweckungen; gemeint ist die Erziehung der Schüler durch Wissen, Moral und Sport), Umstieg zur Straßenbahnlinie 3 möglich
  • Kwangmyŏng (광명 = Helles Licht), Mausoleum Kim Il-sung (Kumsusan-Palast); derzeit geschlossen
  • Rakwŏn (락원 = Paradies)

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrt mit der Metro Pjöngjang

Ursprünglich war ein Betrieb von 5:30 bis 23:30 Uhr geplant, mit 4-Wagen-Zügen und einer Zugfolge von etwa fünf Minuten tagsüber und zwei Minuten in der Hauptverkehrszeit. Der Betrieb findet mittlerweile nur noch von 6:00 bis 21:30 Uhr statt. Jeden ersten Montag im Monat findet auf der Metro kein Betrieb statt.

Die Triebwagen verfügen über die Möglichkeit zum Abspielen von Musik oder anderen Aufnahmen.

Die Metro Pjöngjang ist eine der billigsten der Welt, mit nur fünf Won (im Wert von einem halben US-Cent) pro Ticket. Anstelle von Papiertickets verwendete die Metro früher einen Aluminium-Token, auf dem das Emblem der Metro und das koreanische „지“ geprägt waren. Sie verwendet jetzt ein Papierticketsystem mit „지“, das mit blauer Tinte bedruckt ist. Tickets werden an Stationsständen gekauft und Scanner sind vorhanden, aber nicht funktionsfähig. Rauchen und Essen im Metro-System sind verboten und werden mit einer hohen Geldstrafe geahndet.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Allgemeinen ist der Tourismus in Nordkorea nur in geführten Gruppen erlaubt, wobei keine Abänderung von vorher geplanten Routen erlaubt ist. Ausländische Touristen durften nur zwischen Puhŭng und Yŏnggwang fahren. Allerdings durften ausländische Studenten das gesamte Metrosystem frei benutzen. Seit 2010 dürfen Touristen an sechs Stationen die U-Bahn benutzen, und 2014 wurden alle U-Bahn-Stationen für Ausländer geöffnet. Universitätsstudenten, die mit dem Pjöngjang-Projekt reisten, berichteten auch, dass sie jede Station besuchten.

Ab 2014 ist es für Touristen auf speziellen öffentlichen Transport-Touren möglich, U-Bahn-Fahrten durch beide Linien zu nehmen, einschließlich Besuche in allen Stationen. Im April 2014 besuchte die erste Touristengruppe Stationen auf beiden U-Bahn-Linien, und es wird erwartet, dass solche erweiterten Besuche beider U-Bahn-Linien für zukünftige Touristengruppen möglich bleiben werden.

Der zuvor beschränkte touristische Zugang führte zu einer Verschwörungstheorie, wonach die U-Bahn nur zur Schau gestellt wurde. Es wurde behauptet, dass es nur aus zwei Haltestellen bestand und dass die Passagiere Schauspieler waren.

Fahrzeugpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typ Bild Einsatzzeit Besonderheiten Anzahl Triebwagen
DK4 1973–2007 Nordkorea behauptet, diese Wagen hergestellt zu haben.

Nachgewiesen wurde, dass sie in China gefertigt wurden.

Als der reguläre Betrieb 1973 aufgenommen wurde, fuhren Neufahrzeuge des Typs DK4 auf den Strecken. Obwohl Nordkorea offiziell behauptet, ein Teil der Triebwagen seien im Inland und der Rest des gleichen Typs in Berlin gebaut worden, wurden diese jedoch bei der Changchun Car Company in China gebaut. 1998 wurden einige an die U-Bahn Peking verkauft, wo sie auf der Linie 13 in Betrieb waren. Diese wurden 2002 wieder ausgemustert. Die Fahrzeuge sind 2,7 Meter breit, pro Wagen 18,8 Meter lang und fahren mit 750 Volt Gleichstrom, der von einer seitlichen Stromschiene abgenommen wird. Die in Pjöngjang verbliebenen Wagen waren bis etwa 2007 im regulären Einsatz, mittlerweile wurden die meisten Fahrzeuge für den Eisenbahnverkehr umgerüstet. Einige verbleibende Wagen wurden noch bis zur Inbetriebnahme der Neufahrzeuge im Berufsverkehr eingesetzt.

345 – davon im Einsatz: 0
GI ("Gisela") 1997–2001 Die schmaleren Kleinprofil-Fahrzeuge wurden von LEW Hennigsdorf zwischen 1978 und 1982 gebaut und waren auf der Ost-Berliner U-Bahn im Kleinprofil im Einsatz, zwischenzeitlich waren die Fahrzeuge auch auf der Metro Athen im Betrieb. Nachdem zwischen 1987 und 1989 weitere Fahrzeuge des Typs GI hergestellt wurden, welche aus technischen Gründen nicht mit der ersten Fahrzeugserie zusammengekoppelt werden konnten, wurden die älteren Züge zwischen 1993 und 1996 ausgemustert und anschließend an die Metro Pjöngjang verkauft, wo sie ab 1997 eingesetzt wurden. Mittlerweile sind die Fahrzeuge von der Metro abgezogen worden und fahren nun auf der Koreanischen Staatsbahn als Vorortbahn (ähnlich einer S-Bahn) unter Oberleitung. Dazu hat man bei einem Vier-Wagen-Zug einen führenden Triebwagen mit je einem Gestell an den Enden ausgerüstet, das einen Bügelstromabnehmer aufnimmt. Außerdem ist in Wagenmitte ein großer Kasten installiert, der einen Umformer aufnimmt, um die Züge für 750 Volt unter 3000 Volt Fahrleitungsspannung fahren zu lassen. Auf dem Dach befindet sich zusätzlich eine Lüftungsanlage für den Umformer.[4] Diese waren als Vorortzüge in Pjöngjang im Einsatz, seit 2013 werden umgebaute GI-Beiwagen auch außerhalb von Pjöngjang eingesetzt. Dazu wurden an den führerstandslosen Beiwagen an jeweils einem Ende ein Führerstand angebaut, sodass in kleineren Städten Zwei-Wagen-Züge eingesetzt werden können. 60 – davon im Einsatz: 0
D („Dora“)
MetroPyongyang.jpg
seit 1999 Diese Wagen wurden zwischen 1956 und 1965 hergestellt und waren auf der U-Bahn in West-Berlin im Einsatz. In den Jahren 1998 und 1999 wurden die Fahrzeuge an die Metro Pjöngjang verkauft und sind dort bis heute im Einsatz.

Die Züge erhielten eine neue rot/cremefarbene Lackierung, alle Werbeanzeigen wurden entfernt. In den Wagen sind Porträts der Führer Kim Il-sung und Kim Jong-il aufgehängt. Teilweise sind die Fensterscheiben noch durch für Berlin typische Scratchings beschädigt. Im Januar 2014 sind die Fahrzeuge des Typs D ertüchtigt worden und wurden mit einer Matrixanzeige im Fahrgastraum ausgestattet, außerdem erhielten die Wagen neue Scheinwerfer. Etwa ein Drittel der Fahrzeuge wird nicht mehr eingesetzt; diese Fahrzeuge waren probeweise bis 2000 im Einsatz und behielten die originale BVG-Lackierung, teilweise mit Graffiti. Diese Fahrzeuge sind verteilt auf den Gleisen der beiden Depots in Pjöngjang abgestellt.

108 – davon im Einsatz: c.a. 72
Kim-Chŏng-tae-Triebwagen seit 2015 Die Fahrzeuge des Wagentyps D von der BVG werden neuerdings von den Kim-Chŏng-tae-Elektrolokomotivwerken erneuert.[5] Obwohl Nordkorea behauptet, dass es komplette Neubauten sind, erkennt man an vielen Details, dass es nur erneuerte Wagen des Typs D sind. So sind die Drehgestelle und die Wagengrundplatte zur Baureihe D absolut identisch, auch die Anordnung und Größe der Fenster und Türen sind 1:1 die der Baureihe D. Geändert wurde lediglich der neu designte Fahrzeugkopf und der Aufbau für die Klimaanlage etc. auf dem Dach, auch die Inneneinrichtung ist komplett erneuert worden. Der Prototyp des restaurierten Zuges wurde während der betriebsfreien Zeit im gesamten Netz der Metro ausführlich getestet. Kim Jong-un nahm am 19. November 2015 an einer solchen Testfahrt teil.[6] Die Züge werden seit dem 1. Januar 2016 im regulären Betrieb eingesetzt.[7] unbekannt
Ein umgebautes ehemaliges Metro-Fahrzeug des Typs DK4

Briefmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich der Metro-Eröffnung erschienen im Folgejahr 1974 drei Briefmarken. Die Motive zeigen einen U-Bahn-Wagen mit einsteigenden Fahrgästen (Michel-Nummer 1223), einen U-Bahnhof (1224) und hinauf führende Rolltreppen (1225).

Auf einer weiteren Serie mit Verkehrsmittel-Motiven aus dem Jahr 1984 existieren zwei Marken mit einem U-Bahn-Zug und Fahrer (2871) und der U-Bahn-Station Yŏnggwang und Schaffnerin (2872).[8]

Metro-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteil Moranbong-guyŏk befindet sich das 1973 eröffnete Metro-Museum Pjöngjang.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pyongyang Metro, Pyongyang: Foreign Languages Publishing House, 1980

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: U-Bahn Pjöngjang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://mic-ro.com/metro/metrocity.html?city=Pyongyang
  2. http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?30,4829439
  3. Metro depot – Wikimapia. In: wikimapia.org. Abgerufen am 28. Dezember 2015.
  4. Bilder der auf Oberleitungsbetrieb umgerüsteten BVG-Baureihe GI
  5. Dave Burke for Metro.co.uk: Kim Jong Un looks pleased with himself as underground train is produced. In: Metro. Abgerufen am 26. Oktober 2015.
  6. Kim Jong Un Rides the PY Subway. In: North Korea Leadership Watch. Abgerufen am 20. Dezember 2015.
  7. New metro cars with video screens start running in N. Korean capital | Photos | Kyodo News. In: english.kyodonews.jp. Abgerufen am 6. Januar 2016.
  8. North Korea Specimens, stampsbythemes.com