Michael Unterguggenberger

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Michael Unterguggenberger (* 15. August 1884 in Hopfgarten im Brixental; † 19. Dezember 1936 in Wörgl) war ein österreichischer Kommunalpolitiker (SPÖ) und von 1931 bis 1934 Bürgermeister von Wörgl (Tirol).

Beruf[Bearbeiten]

Unterguggenberger, nach der Schulzeit zunächst Sägewerks-Hilfsarbeiter, begann 1899 eine Lehre zum Mechaniker in Imst. 1905 erhielt er nach absolvierter Gesellenzeit eine Anstellung bei der Bahn als Lokomotivführer, später Revident und Maschinenmeister. Als er 1931 zum Bürgermeister von Wörgl gewählt wurde, trat er bei der Bahn in den Ruhestand.

Politische Karriere[Bearbeiten]

1-Schilling-Schein mit am rechten Rand sichtbaren Klebemarken.
Einheitliche Rückseite mit Aufruf Unterguggenbergers, sich am Experiment zu beteiligen.

Seine politische Karriere begann 1912 mit dem Eintritt in die Sozialdemokratische Partei und die Personalkommission der österreichischen Staatsbahnen. 1919 entsandte ihn die Partei in den Gemeinderat von Wörgl und bereits 1920 wurde er Vizebürgermeister. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister 1931. Der Österreichische Bürgerkrieg im Februar 1934, der zum Verbot aller Linksparteien führte, beendete Unterguggenbergers politische Laufbahn.

Experiment von Wörgl[Bearbeiten]

Als Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929 war die Wirtschaftslage in der Region um Wörgl 1931 geprägt von einer Deflation. Eine Schuldenlast in Höhe von 1,3 Millionen Schilling und 1.500 Arbeitslose, von denen etwa die Hälfte auf die Armenfürsorge der Gemeinde angewiesen war, machten es unmöglich, auch nur die notwendigsten Investitionen zu tätigen. Die in Umlauf befindliche, an die Goldreserven gebundene Geldmenge verkleinerte sich zusehends.

Vor diesem Hintergrund arbeitete Michael Unterguggenberger ein Nothilfe-Programm aus, umlaufgesichertes Freigeld als Komplementärwährung im Wert von 34.500 Schillingen für die Region Wörgl auszugeben. Ideenlieferant war ihm dabei die Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells. Am 8. Juli 1932 wurde das Geldexperiment vom Wörgler Gemeinderat einstimmig angenommen.

Unterguggenbergers Nothilfe-Programm wirkte. Wachsende Bautätigkeit und Konsumfreude ließ bis 1933 die Arbeitslosenzahl in der Region um ein Viertel sinken, während sie sonst in Österreich weiter stieg. Das Experiment fand weltweite Beachtung. Im September 1933 wurde der Umlauf des Wörgl-Schillings per Gerichtsbeschluss auf Betreiben der Oesterreichischen Nationalbank AG beendet.[1]

Musiker[Bearbeiten]

Michael Unterguggenberger war neben seiner Tätigkeit bei der Bahn und später als Bürgermeister bei der Gemeinde musikbegeistertes Mitglied der Arbeitermusikkapelle von Wörgl. Er spielte mehrere Instrumente und komponierte 1912 den Erinnerungs-Festmarsch anlässlich des zehnjährigen Bestehens seiner Kapelle und einige volkstümliche Stücke für den Hausgebrauch.

Ehrung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wörgl setzte ihm für seine Verdienste ein Denkmal. 2007 wurde Michael Unterguggenberger postum zum Ehrenbürger der Stadt Wörgl ernannt. Die Asche Unterguggenbergers ist in der nord-östlichen Ecke des Waldfriedhofes in Wörgl begraben (Freilandwanderweg).

Zu Ehren Unterguggenbergers wurde 2007 in Wörgl die Theaterperformance Unterguggenberger & das Freigeldexperiment uraufgeführt.[2]

Weitergehende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Schwarz: Das Experiment von Wörgl. Synergia, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-9810894-5-5 (überarb. Neuauflage, Original: Bern 1951).
  • Klaus Rohrbach: Freigeld. Michael Unterguggenberger und das „Währungswunder von Wörgl“. Möllmann, Schloß Hamborn 2001, ISBN 3-931156-71-0
  • Wolfgang Broer: Schwundgeld. Bürgermeister Michael Unterguggenberger und das Wörgler Währungsexperiment 1932/33. Studien-Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2007, ISBN 978-3-7065-4472-6
  • Gerhard Drekonja-Kornat: Weist Wörgl den Weg? Oder wie kommen wir zu einem verantwortungsvollen Kapitalismus? In: Américas. 7. Jg, Band 25, Heft 1, Wien 2003, S. 7–13.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Wunder von Wörgl. In: Die Zeit, Nr. 52/2010
  2. Wörgl im Freigeldjahr, Unterguggenberger-Institut, abgerufen am 14. Dezember 2011