Michail Timofejewitsch Kalaschnikow

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Michail Timofejewitsch Kalaschnikow (2009)

Michail Timofejewitsch Kalaschnikow (russisch Михаи́л Тимофе́евич Кала́шников, wiss. Transliteration Michail Timofeevič Kalašnikov; * 10. November 1919 in Kurja, Gouvernement Altai, Russische SFSR; † 23. Dezember 2013[1] in Ischewsk, Udmurtien, Russland) war ein russischer Waffenkonstrukteur und Generalleutnant. Er entwarf das vollautomatische sowjetische Gewehr AK-47, mit geschätzt bis zu 100 Millionen Stück eine der meistproduzierten Waffen der Welt. Die Abkürzung AK-47 steht für Awtomat Kalaschnikowa obrasza 1947. Kalaschnikow wurde zweimal als Held der sozialistischen Arbeit und außerdem als Held der Russischen Föderation ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1930 wurde Kalaschnikow mit seiner Familie vom stalinistischen Regime im Zuge der Repression gegen die sogenannten Kulaken in das Gebiet von Tomsk deportiert. 1936 verließ er die Schule und begann eine technische Ausbildung bei der Turkestan-Sibirischen Eisenbahn, bei der er als Techniker arbeitete. Mit 19 Jahren wurde er zur Roten Armee eingezogen und diente anfangs in der Fahrschule und der Instandhaltung. In der Anfangsphase des Deutsch-Sowjetischen Krieges kämpfte Kalaschnikow als Panzerkommandant, bis sein Panzer im Herbst 1941 in der Schlacht bei Brjansk in Brand geschossen und er an der Schulter schwer verletzt wurde. Im Lazarett hörte er, wie sich Infanteristen über die russischen Waffen beklagten, und begann daraufhin, erste Konzepte für ein neues Gewehr zu entwerfen.

Kalaschnikow stieg danach zum führenden Waffenkonstrukteur der UdSSR auf. 1947 präsentierte er als Prototyp das Sturmgewehr AK, das die Sowjetarmee ab 1949 einführte. 1959 wurde es, um die Herstellung zu vereinfachen, modernisiert und fortan unter der Bezeichnung AKM (M für modernisirowannyj, modernisiert) geführt.

Die Waffenfabrik von Ischewsk im mittleren Ural ist die Geburts- und Produktionsstätte der Kalaschnikow. Kein anderes russisches Fabrikat hat so weitgehend den Weltmarkt erobert wie diese Waffe. Sie wurde in den folgenden Jahrzehnten von zahlreichen Ländern weltweit nachgebaut und modifiziert; sie diente als Standardbewaffnung der Infanterie vieler Armeen, darunter in sieben der acht Mitgliedstaaten des Warschauer Vertrages (nur die Tschechoslowakei ging mit dem Sturmgewehr Sa vz. 58 eigene Wege). Der Automat Kalaschnikow wurde an viele kommunistisch orientierte Länder der Dritten Welt geliefert und findet nicht zuletzt deshalb bei vielen Guerilla-Truppen bis heute Verwendung. Das AK-47, einschließlich aller Weiterentwicklungen und Versionen (beispielsweise AK-74), wurde bisher etwa 80 bis 100 Millionen Mal gebaut.

Bis zu seinem Tod lebte er zurückgezogen in Ischewsk von einer bescheidenen Pension. Nach dem Erfolg einer Wodka-Marke Kalaschnikow, an der der Waffenkonstrukteur nicht beteiligt ist, bot Kalaschnikow in Zusammenarbeit mit der Firma Marken Marketing International aus Solingen unter seinem Namen Konsumartikel wie Taschenmesser und Uhren an.

Anlässlich einer UNO-Konferenz zum Thema Kleinwaffen äußerte Kalaschnikow in einer Erklärung „Bestürzung“ darüber, „dass gerade seine Gewehre überall auf der Welt so viel Unheil anrichteten“, und kritisierte das Fehlen einer wirksamen internationalen Kontrolle des Waffenhandels.[2] Allerdings ließ er sich zu runden Geburtstagen seiner Erfindung regelmäßig gerne feiern, so auch 2007, als die Kalaschnikow 60 Jahre alt wurde.[3]

Im November 2013 erlitt Kalaschnikow einen Schwächeanfall, er wurde in eine Klinik nach Ischewsk, Udmurtien, gebracht. Dort verstarb er am 23. Dezember 2013.[4]

Michail Kalaschnikow wurde am 27. Dezember 2013 im Heldenpantheon des Militärgedenkfriedhofs der Russischen Föderation in Mytischtschi bei Moskau beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalaschnikow erhielt für seine Erfindung zweimal den Titel Held der sozialistischen Arbeit (1958 und 1976), den Stalinpreis (1949) und den Leninorden (1964). 1971 wurde ihm der Doktortitel für Technische Wissenschaften verliehen. Der russische Präsident Boris Jelzin verlieh Kalaschnikow 1994 anlässlich seines 75. Geburtstages den Orden Für hervorragende Dienste für das Vaterland zweiter Klasse und ernannte ihn zum Generalmajor. 1999 wurde er zum Generalleutnant befördert.[5]

Anlässlich seines 90. Geburtstages wurde Michail Timofejewitsch Kalaschnikow am 10. November 2009 durch einen Erlass des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew die Auszeichnung „Held der Russischen Föderation“ verliehen.[6]

Am 19. September 2017 wurde in Moskau von Kulturminister Wladimir Medinski ein von dem Bildhauer Salawat Schtscherbakow geschaffenes Denkmal eingeweiht, das eine überlebensgroße Statue Kalaschnikows darstellt, mit dem berühmten Sturmgewehr AK-47 in den Händen.[7] Auf der Rückseite des Sockels befindet sich ein Relief, das verschiedene andere Waffen Kalaschnikows zeigt. Durch eine Verwechslung des Bildhauers gelangte darunter eine Explosionszeichnung des deutschen StG 44, die nach der Einweihung wieder entfernt wurde.[8][9][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edward Clinton Ezell: Kalaschnikow: Das Genie und sein Lebenswerk. DWJ, Blaufelden 2011, ISBN 978-3-936632-70-5 (englisch: The AK 47 Story. Übersetzt von Bernd Rolff).
  • Michail Kalaschnikov, Elena Joly: Mein Leben. Kunstmann, München 2004, ISBN 978-3-88897-369-7 (französisch: Ma vie en rafales. Übersetzt von Bernd Wilczek).
  • Kalaschnikow: der Konstrukteur und seine Waffen. vom AK 47 zum PK (= Visier Special. Band 25). Vogt-Schild, Bad Ems 2002, ISBN 978-3-9807787-3-2.
  • Oliver Rohe: Meine jüngste Erfindung ist eine Maulwurfsfalle. Michail Kalaschnikow, sein Leben, sein Werk. eine Erzählung. Matthes & Seitz, Berlin 2014, ISBN 978-3-88221-952-4 (französisch: Ma derniére création est un piége á taupes. Übersetzt von Till Bardoux).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Michail Kalaschnikow – Sammlung von Bildern

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Swetlana Kalmykowa: Калашникова похоронят в Ижевске (deutsch: Kalaschnikow wird in Ischewsk begraben). In: Stimme Russlands. 23. Dezember 2013; abgerufen am 25. Dezember 2013 (russisch, Deutsche Ausgabe der Seite).
  2. Deutschlands unrühmliche Spitzenposition. In: Spiegel Online. 27. Juni 2006; abgerufen am 25. Dezember 2013.
  3. DW-TV: Journal Reporter vom 26. August 2007, ein Beitrag zum 60. Geburtstag der Kalaschnikow
  4. Erfinder der Sturmgewehrs AK-47 – Michail Kalaschnikow ist tot. Süddeutsche Zeitung, 23. Dezember 2013; abgerufen am 24. Dezember 2013.
  5. Biografie Kalaschnikows im Portal warheroes.ru (russisch)
  6. RIA Novosti: Kalaschnikow zum 90. als Held Russlands geehrt 10. November 2009
  7. Michail Kalaschnikow – Moskau enthüllt Denkmal für Gewehr-Erfinder. In: Spiegel Online. 19. September 2017; abgerufen am 19. September 2017.
  8. Streit um Moskauer Kalaschnikow-Denkmal. In: Der Standard. 22. September 2017; abgerufen am 23. September 2017.
  9. Kalashnikov statue changed because of German weapon. In: bbc.com. 22. September 2017; abgerufen am 23. September 2017 (englisch).
  10. Scandal erupts after blueprint of Nazi rifle found on newest Kalashnikov monument. In: rt.com. 22. September 2017; abgerufen am 23. September 2017 (englisch).