Tomsk

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Stadt
Tomsk
Томск
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Sibirien
Oblast Tomsk
Stadtkreis Tomsk
Gegründet 1604
Stadt seit 1782
Fläche 294,6 km²
Bevölkerung 524.669 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1781 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 110 m
Zeitzone UTC+7
Telefonvorwahl (+7) 3822
Postleitzahl 634000–634069
Kfz-Kennzeichen 70
OKATO 69 401
Website www1.admin.tomsk.ru
Geographische Lage
Koordinaten 56° 30′ N, 84° 58′ O56.584.966666666667110Koordinaten: 56° 30′ 0″ N, 84° 58′ 0″ O
Tomsk (Russland)
Red pog.svg
Lage in Russland
Tomsk (Oblast Tomsk)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Tomsk
Liste der Städte in Russland

Tomsk (russisch Томск) ist eine Großstadt in der Oblast Tomsk im Westteil Sibiriens und im Mittelteil Russlands. Sie hat 524.669 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010),[1] davon etwa 85.000 Studenten und 13.000 Russlanddeutsche. Die Stadt liegt am rechten Ufer des Flusses Tom 60 km vor dessen Einmündung in den Ob, 3500 Kilometer östlich von Moskau.

Stadtbezirke (Einwohner 2009)[Bearbeiten]

  • Kirowski Rajon – 128.517 Einwohner
  • Leninski Rajon – 113.616 Einwohner
  • Oktjabrski Rajon – 153.098 Einwohner
  • Sowjetski Rajon – 106.553 Einwohner

Klima[Bearbeiten]

Die Stadt hat ein kontinentales Klima mit einer Temperatur von -1,3 °C im Jahresdurchschnitt. Im Winter sind Werte von -21 °C bis -19 °C (Mittelwerte im Januar) üblich, im Sommer +17 °C bis +18 °C (Durchschnitt im Juli). Die niedrigste gemessene Temperatur in Tomsk betrug -55 °C und wurde im Januar 1969 gemessen.

Tomsk
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
32
 
-13
-22
 
 
21
 
-11
-22
 
 
22
 
-2
-13
 
 
27
 
7
-4
 
 
46
 
16
4
 
 
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22
10
 
 
73
 
25
13
 
 
71
 
21
10
 
 
43
 
15
5
 
 
51
 
5
-3
 
 
52
 
-5
-13
 
 
41
 
-11
-20
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tomsk
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −13,3 −11,3 −2,3 6,5 15,8 22,3 24,9 21,3 15,1 4,6 −4,9 −11,2 Ø 5,7
Min. Temperatur (°C) −22,0 −21,6 −13,3 −4,0 3,5 10,1 13,3 10,4 4,9 −2,5 −12,5 −19,7 Ø −4,4
Niederschlag (mm) 32 21 22 27 46 60 73 71 43 51 52 41 Σ 539
Regentage (d) 10 7 7 7 9 9 10 10 9 12 13 11 Σ 114
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−13,3
−22,0
−11,3
−21,6
−2,3
−13,3
6,5
−4,0
15,8
3,5
22,3
10,1
24,9
13,3
21,3
10,4
15,1
4,9
4,6
−2,5
−4,9
−12,5
−11,2
−19,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
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c
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a
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32
21
22
27
46
60
73
71
43
51
52
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Roshydromet

Geschichte[Bearbeiten]

Holzarchitektur in Tomsk

Tomsk wurde im Jahr 1604 auf Befehl des Zaren Boris Godunow am Ufer des Flusses Tom als Militärstützpunkt gegründet. Die Bedeutung von Tomsk nahm im 17. und 18. Jahrhundert vor allem durch den Bau des sibirischen Trakts zu, welcher durch Tomsk führte. Im Jahr 1804 wurde Tomsk die Hauptstadt des Gouvernements Tomsk, eines riesigen Verwaltungsgebiets, welches halb Westsibirien umfasste. Das Wachstum der Stadt erhielt in den 1830er Jahren weiteren Auftrieb durch die Goldgewinnung in der Region, welche viele Menschen anzog.

Tomsk wurde zum Bildungszentrum Sibiriens, zum so genannten „Sibirischen Athen“. 1880 wurde hier die erste sibirische Universität gegründet, 1896 eröffnete das erste Technische Institut Sibiriens.

Mit dem Bau der transsibirischen Eisenbahn verlor Tomsk allmählich an Bedeutung, da man sich mit dem Bau der Brücke über den Fluss Ob, die 1898 fertiggestellt wurde, für einen Ort einige hundert Kilometer weiter südlich entschied. Aus diesem damals unbedeutenden Ort entwickelte sich dann die Großstadt Nowosibirsk und Tomsk, welches somit nicht direkt, sondern nur durch eine Stichstrecke an die transsibirische Eisenbahn angeschlossen war, verlor an Bedeutung. Dieser Bedeutungsverlust zeigt sich auch in der Umstrukturierung der Verwaltung. So wurde Tomsk nach der Oktoberrevolution von 1917 ein Teil der Region Sibirien, später dann eine Stadt innerhalb der Oblast Nowosibirsk.

Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 30 Betriebe aus dem europäischen Teil Russlands nach Tomsk verlegt, um die Produktion aufrechterhalten zu können. Auch hier drückt sich die wiedergewonnene Bedeutung abermals durch eine Verwaltungsreform aus, da im Jahre 1944 die Oblast Tomsk gegründet wurde.

Während des Kalten Kriegs war Tomsk, wie viele andere Städte auch, eine geschlossene Stadt, so dass vor allem Ausländern der Zutritt in der Regel nicht gestattet war. 1949 wurde mit Tomsk-7 (oder auch: Postfach 5) sogar eine geheime Stadt nur wenige Kilometer von Tomsk entfernt gegründet, um hier die kerntechnische Anlage Tomsk zu bauen. Aus Tomsk-7 wurde später die Stadt Sewersk.

1970 wurde Tomsk zur historischen Stadt ernannt, in der Zeit der Perestroika wurde sie schließlich wieder geöffnet. 2004 wollte die Stadt ihr 400jähriges Bestehen feiern. Diese Feierlichkeiten wurden aber von der Geiselnahme von Beslan überschattet und abgesagt.

Am 26. und 27. April 2006 war Tomsk Austragungsort der 8. deutsch-russischen Regierungskonsultationen, an denen auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin teilnahmen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1699 2.000
1801 7.125
1866 22.753
1897 52.210
1911 111.417
1926 92.485
1939 145.060
1959 248.823
1970 338.389
1979 420.730
1989 501.963
2002 487.838
2010 524.669

Anmerkung: 1897, ab 1926 Volkszählungsdaten

Verkehr[Bearbeiten]

Oberleitungsbusse in Tomsk
Bahnhof von Tomsk

Tomsk verfügt über einen (Haupt-)Bahnhof und ist so an die Eisenbahnstrecke TaigaBely Jar angeschlossen. Es gibt außerdem einige weitere Haltepunkte der Vorort- und Regionalzüge im Stadtgebiet. In Taiga besteht Anschluss an die transsibirische Eisenbahn.

Im Jahre 1967 eröffnete der Tomsker Flughafen Bogaschowo, welcher heute von mehreren Fluggesellschaften bedient wird.

Die russische Staatsstraße („Automagistrale der Russischen Föderation“) M53 „Baikal“ von Nowosibirsk nach Irkutsk führt durch Tomsk.

Der Verkehr innerhalb der Stadt erfolgt durch Oberleitungsbusse (Trolleybusse) und normale Busse sowie wenige Straßenbahnlinien, vor allem aber durch Mikrobusse, also kleinere Busse, die ebenfalls einem bestimmten Linienweg folgen und etwas teurer sind als die Trolleybusse. Diese Busse halten auf Wunsch von Fahrgästen, die aus- oder auf Handzeichen von Menschen, die einsteigen wollen, zumeist an festen Haltestellen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Heute ist Tomsk ein Wissenschafts- und Kulturzentrum Sibiriens und Heimatstadt der Fluggesellschaft Tomsk Avia. Aufgrund der großen Ölvorkommen im Gebiet haben sich in Tomsk viele Ölfördernde- und verarbeitende Unternehmen angesiedelt. Bedeutung für die Stadt hat außerdem die IT-Industrie und hier wiederum speziell der Bereich der Softwareentwicklung.

Weiterführende Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Universität

Mit zwei großen Hochschulen mit jeweils über 25.000 Studenten und zahlreichen kleineren Hochschulen oder Zweigstellen von diesen hat die Stadt Tomsk im Bildungsbereich eine besondere Bedeutung innerhalb Russlands.

Große Hochschulen[Bearbeiten]

Weitere Hochschulen[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Im Fußball ist die Stadt durch den Verein Tom Tomsk vertreten.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Tomsk ist Partnerstadt von:

  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Monroe, Vereinigte Staaten, seit 1995
  • GeorgienGeorgien Tiflis, Georgien, seit 2002
  • Korea SudSüdkorea Ulsan, Südkorea, seit 2003
  • RusslandRussland Noworossijsk, Russland, seit 2008
  • RusslandRussland Smolensk, Russland, seit 2009

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Blaser: Tomsk. Texture in Wood - Texture en Bois - Textur in Holz, Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1994.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tomsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien