Miklós Nyiszli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Miklós Nyiszli (17. Juni 1901 in Szilágysomlyó (Schomlenmarkt) – 5. Mai 1956 in Oradea) war ein rumänischer Mediziner und Buchautor jüdischer Herkunft. Er war Überlebender des Holocaust.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Miklós Nyiszli wurde als Sohn eines Kaufmanns in Siebenbürgen geboren. Nach einem Medizinstudium in Klausenburg, Kiel und Breslau praktizierte er in seiner Heimat als Gerichtsmediziner und Allgemeinarzt.

Ende Mai 1944 deportierte das Eichmann-Kommando Nyiszli mit seiner Frau und 15-jährigen Tochter in das KZ Auschwitz-Birkenau, wo er zunächst im KZ Auschwitz-Monowitz Zwangsarbeit im Buna-Zweigwerk der I.G. Farben leisten musste. Ende Juni 1944 wurde er in den Häftlingskrankenbau nach Auschwitz-Birkenau überstellt und vom ersten Lagerarzt Josef Mengele als Pathologe in dem neu eingerichteten Sektionsraum des Krematorium II eingesetzt. Bei der Evakuierung des Lagers Mitte Januar 1945 mit einem folgenden Todesmarsch in Richtung KZ Mauthausen überlebte Nyiszli im Nebenlager KZ Ebensee, wo er Anfang Mai von amerikanischen Truppen befreit wurde.

Nach der Rückkehr in seine Heimat verfasste Nyiszli innerhalb weniger Monate seinen Erinnerungsbericht. Er wurde 1946 in ungarischer Sprache unter dem Titel Ich war der Pathologe von Dr. Mengele im Auschwitzer Krematorium veröffentlicht. Nyiszlis Memoiren waren der erste Bericht über die tragische Zwangsarbeit der jüdischen „Sonderkommandos“ in Auschwitz-Birkenau und über den bewaffneten Häftlingsaufstand in Auschwitz. Diesem Sonderkommando war auch Alberto Errera zugeteilt. Dessen heimlich gemachte Aufnahmen nackter Menschen vor der Vergasung und von Leichenverbrennungen stellen wichtige Zeugnisse des Holocaust dar. Miklós Nyiszli war auch Augenzeuge der Todesumstände Erreras, der KZ-Wächter überwältigt und auf seiner Flucht die Weichsel durchschwommen hatte. Er berichtete in seinem 1946 erschienenen Buch über ihn. Wesentliche Teile seiner Berichte wurden im Film von B. NelsonDie Grauzone (Orig: The Grey Zone)“ (USA 2001) verarbeitet.

Im Oktober 1947 sagte Nyiszli als Zeuge vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg über seine Zeit im Sonderkommando im KZ Auschwitz-Birkenau aus. Nyiszli starb 1956 nach langer Krankheit an einem Herzinfarkt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dr. Mengele boncolóorvosa voltam az auschwitz-i krematóriumban. Debrecen 1946 (Ungarisch und Rumänisch; 1951 ins Französische, 1960 ins Englische und 2004 ins Deutsche übersetzt).
    • englische Übersetzung: Auschwitz. An eyewitness account of Mengele’s infamous death camp. Translated by Tibère Kremer and Richard Seaver. Seaver, New York 1986 (Erstauflage 1960).
    • deutsche Übersetzung: Ich war Doktor Mengeles Assistent. Ein Gerichtsmediziner in Auschwitz. Übersetzt von Angelika Bihari. Frap-Books, Oświęcim 2004.
  • Sonderkommando. In: Hans Günther Adler, Hermann Langbein, Ella Lingens-Reiner (Hrsg.): Auschwitz. Zeugnisse und Berichte. 2., überarbeitete Auflage. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1979 (Erstauflage 1962), ISBN 3-434-00411-4, S. 64–73.
  • Im Jenseits der Menschlichkeit. Ein Gerichtsmediziner in Auschwitz. Hrsg. von Friedrich Herber. Dietz, Berlin 2005, ISBN 3-320-02061-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eric Friedler, Barbara Siebert, Andreas Kilian: Zeugen aus der Todeszone. Das jüdische Sonderkommando in Auschwitz. dtv, München 2005, ISBN 3-423-34158-0.
  • Gideon Greif: Stufen der Auseinandersetzung im Verständnis und Bewusstsein der Shoah in der israelischen Gesellschaft, 1945–2002. In: Psychosozial. Nr. 93 (Heft 3/2003).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]