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Schwa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Mittlerer Zentralvokal)
IPA-Zeichen ə
IPA-Nummer 322
IPA-Zeichen-Beschreibung lateinische Minuskel Schwa
Unicode U+0259
X-SAMPA @
Kirshenbaum @

Das Schwa oder e-Schwa (zu unterscheiden vom a-Schwa [ɐ]) bezeichnet einen Laut, der auch mittlerer Zentralvokal genannt wird. Dieser befindet sich artikulatorisch und akustisch im Vokaltrapez im Zentrum zwischen den anderen Vokalen. Im Deutschen erscheint er nur in unbetonten Silben (z. B. bereit, viele) und wird mit dem Buchstaben <e> schriftlich dargestellt. Er wird nicht selten schwächer artikuliert als Vollvokale und kann deshalb gegebenenfalls auch ganz wegfallen (Elision), wie das im Deutschen und Hebräischen, aus dem das Wort Schwa stammt, der Fall ist.

In vielen europäischen Sprachen erscheint das Schwa nur unbetont. Es gibt jedoch Ausnahmen wie das Albanische, Rumänische und viele slawische Sprachen:

  • Im Deutschen wird in vielen unbetonten Silben ein Vokal Schwa gesprochen, zum Beispiel in viele [ˈfi:lə]. Umstritten ist, ob die Schwa-Laute (das hier thematisierte e-Schwa und auch das verwandte a-Schwa wie in Lehrer [ˈleːʀɐ]) im Deutschen Phonemstatus haben (vgl. hierzu Wiese 1986 und Staffeldt 2010 (s. u.)). In Reduktionssilben (wie gelegen) wird das Schwa häufig zugunsten eines als silbisch realisierten Folge-Konsonanten elidiert; beispielsweise wird Tafel gesprochen zu Tafl [ˈtaːfl̢] oder Dschungel [ˈd͡ʒʊŋəl] zu Dschungl [ˈd͡ʒʊŋ]. Obwohl es häufig vorkommt, wird das Schwa in der Orthographie des Deutschen nie als solches gekennzeichnet; weder mit einem eigenen Lautzeichen noch mit einem diakritischen Zeichen wie in der luxemburgischen Sprache.
  • Im Englischen ist das Schwa der häufigste Vokal, da sämtliche einfachen und mehrfach zusammengesetzten Vokalgrapheme in unbetonten Silben diesen Lautwert annehmen können. Es ist in einigen Fällen durch [ɪ] ersetzbar. Beispiele:
  • Im Französischen ist das unbetonte akzentlose ‚e‘ meist ein (allerdings gerundetes) Schwa mit einem Anklang, der schon fast zu einem – wenn auch gehauchten, kurzen und offenen - ‚ö‘ hin tendiert. Beispiele:
  • Im Armenischen gibt es den Buchstaben ‚ը‘ für das Schwa. Er wird nur am Anfang einiger Wörter geschrieben (auch in zusammengesetzten Wörtern), und auch am Ende der Wörter, wo das Schwa den bestimmten Artikel bildet. In den übrigen Fällen wird das Schwa in der Schreibung nicht wiedergegeben.
    • ընկեր – ënker – [ənˈkeɹ] – Kamerad, Freund
    • դասընկեր – dasënker – [dasənˈkeɹ] – Schulkamerad, Schulfreund
    • անունը – anunë – [aˈnunə] – der Name
    • փսփսալ – p’sp’sal – [əspʰəˈsal] – flüstern
    • սանր – sanr – [ˈsanəɹ] – Kamm
    • սպիտակ – spitak – [əspiˈtak] – weiß (Adj.)
  • Im Russischen kommt dieser Laut als Realisierung der Phoneme /o/ und /a/ in unbetonten Silben (außer unmittelbar vor der betonten Silbe) vor:

Begriffsherkunft

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Das Wort Schwa (hebräisch שווא) stammt aus dem Hebräischen, wo es das gleichnamige diakritische Zeichen, ◌ְ – z. B. in אְ, also ein vertikales Punktpaar unter einem Konsonanten bezeichnet.

Das Zeichen selbst ist im modernen Ivrit unüblich. Zu finden ist es im Bibelhebräischen in der masoretischen Vokalisation des Tanach. Das Wort שָׁוְא bezeichnet hier "das Gehaltlose, Eitle, ein Nichts".[2]

  • Bestandsaufnahme zum Status der Schwa-Laute im Deutschen: Staffeldt, Sven (2010): Zum Phonemstatus von Schwa im Deutschen – Eine Bestandsaufnahme. - In: Studia Germanistica 7. S. 83–96.
  • Matthias Hahn / Beat Siebenhaar: „Schwa unbreakable – Reduktion von Schwa im Gebrauchsstandard und die Sonderposition des ostoberdeutschen Sprachraums“, In: Kürschner, Sebastian, Mechthild Habermann und Peter O. Müller (Hg.): Methodik moderner Dialektforschung: Erhebung, Aufbereitung und Auswertung von Daten am Beispiel des Oberdeutschen. Hildesheim: Olms 2019, S. 215–236.
  • Richard Wiese: Phonetik und Phonologie. Brill/Fink (utb) 2010, Kap. 8.5, S. 106–109.

Einzelnachweise

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  1. Lewis Glinert: The Grammar of Modern Hebrew. Cambridge University Press, New York/Port Chester/Melbourne/Sydney 1989, S. 10.
  2. Siehe Gesenius zur Stelle, oder Frank Matheus: Kompaktwörterbuch Althebräisch. Pons, Stuttgart 2015, S. 331.