Mozart (Zug)

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Der Gare de'l Est in Paris
Der Wiener Westbahnhof

Der Mozart war ein nach dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart benannter internationaler Fernzug, der von 1964 bis 2002 zwischen Paris und Wien verkehrte. Zuvor war unter diesem Namen seit 1954 ein Vorläuferzug zwischen Straßburg und Salzburg eingesetzt. Neben dem nachts fahrenden Orient-Express stellte der „Mozart“ als Tageszug über Jahrzehnte die wichtigste Schienenverbindung zwischen Paris und Wien dar.

Geschichte[Bearbeiten]

Den Vorschlag einer Tagesverbindung zwischen Paris und Wien hatte der Stuttgarter „Fahrplan-Pastor“ Richard Ottmar nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt.[1] Die Deutsche Bundesbahn griff den Vorschlag rasch auf, nachdem durch die schrittweise Beseitigung der Kriegsschäden eine Tagesverbindung hinsichtlich der erforderlichen Fahrtzeiten möglich wurde. Sie konnte sich damit aber gegenüber SNCF und ÖBB zunächst nicht durchsetzen, auch ein Kurswagen von Paris nach München wurde abgelehnt.[2]

Die Deutsche Bundesbahn führte daher zum Sommerfahrplan 1954 den „Mozart“ als F-Zug mit ausschließlich Wagen 2. Klasse zwischen Straßburg und Salzburg ein. In Straßburg bestand Anschluss mit einem Rapide von bzw. nach Paris, einen Kurswagenübergang hatte die SNCF abgelehnt. Der Zug fuhr in Straßburg am frühen Nachmittag ab und war abends in Salzburg. In der Gegenrichtung verkehrte er ab Salzburg am späten Vormittag und war am frühen Abend in Straßburg. Den Namen „Mozart“ hatte zuvor kurz nach dem Krieg ein ausschließlich Angehörigen der US-Besatzungsmacht vorbehaltener Schnellzug zwischen Wien und München bzw. Salzburg getragen. In Wien hatte der Zug nicht den Westbahnhof, sondern Wien Franz-Josefs-Bahnhof bedient, da dieser im amerikanischen Sektor Wiens lag.[3]

Zum Winterfahrplan 1955/56 entfiel der Abschnitt zwischen München und Salzburg. Ein Jahr später wurde der Zug im Rahmen der europaweiten Klassenreform zum 3. Juni 1956 als reiner Zug der 1. Klasse eingestuft. Er wurde, zunächst nur in Richtung Westen, im gleichen Jahr wieder ab Salzburg geführt, 1958 aber erneut bis München verkürzt. 1961 erhielt er den schon länger von der DB gewünschten Kurswagen bis bzw. ab Paris. Dieser wurde sogar bis Salzburg geführt, nominell verkehrte der „Mozart“ aber weiterhin nur zwischen Straßburg und München. 1962 folgte ein Kurswagen Wien - Straßburg. Das führte zu der ungewöhnlichen Situation, dass zwar tatsächlich mit einem Zug eine Tagesreise von Paris nach Wien möglich war, zwischen Straßburg und München mussten Fahrgäste, die die Verbindung nutzen wollten, allerdings innerhalb des Zugs den Wagen wechseln. 1963 wurde der „Mozart“ in einen D-Zug umgewandelt, in Frankreich wurde er weiterhin als „Rapide“ geführt.

Ein Jahr später wurde der Zug von einer Kurswagenverbindung in einen durchgehenden Zug Paris – Wien umgewandelt. Die Reisezeit von Paris Gare de l’Est bis Wien Westbahnhof über Nancy, Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart, München, Salzburg und Linz betrug bspw. im Sommerfahrplan 1971 14 Stunden und 40 Minuten, in der Gegenrichtung benötigte der Zug 13 Minuten mehr.[4] Mit der Wiedereinführung des FernExpress (FD) 1983 wurde der „Mozart“ als solcher eingestuft. Die Zuggattung war etwas ungewöhnlich, umfasste die Gattung „FD“ ansonsten fast ausschließlich Züge aus Richtung Norddeutschland und Ruhrgebiet mit Zielen in Urlaubsregionen in Süddeutschland und Österreich. Zeitweise führte der Zug auch Kurswagen von Salzburg nach Port Bou.

1987 führten die europäischen Bahnverwaltungen als Nachfolger der früheren Trans-Europ-Express-Züge die neue Zuggattung Eurocity für hochwertige internationale Züge ein. Der „Mozart“ wurde allerdings erst 1989 als Eurocity eingestuft. Zum gleichen Zeitpunkt wurde er mit neuen klimatisierten Eurofima-Wagen der ÖBB ausgestattet.[5] 1992 betrug die Reisezeit von Paris nach Wien nurmehr 13 Stunden und 13 Minuten, in der Gegenrichtung noch drei Minuten weniger. Ab 1991 hatte der Zuglauf zudem Kurswagen von Paris nach Graz und zurück erhalten.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2002 entfiel der „Mozart“ als durchgehende Verbindung zwischen Wien und Paris.[6] Der Zugname blieb mit einem EC-Paar zwischen München und Wien zunächst erhalten, bis dieses 2009 durch einen Railjet ersetzt wurde. Die EC-Züge zwischen Paris und München wurden schließlich mit Inbetriebnahme der LGV Est européenne 2007 eingestellt und durch ein TGV-Zugpaar ersetzt.

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten]

In den ersten Jahren wurde der „Mozart“ ausschließlich mit Fahrzeugen der DB bedient. Der Wagenpark bestand aus blauen F-Zug-Wagen der 2., ab 1956 der 1. Klasse, überwiegend noch der Vorkriegsbauarten. Die Nachfrage war allerdings vergleichsweise schwach, teilweise bestand der Zug nur aus einem Halbspeisewagen und einem Abteilwagen.[7] 1958 wurde der Zug in einen zweiklassigen F-Zug umgewandelt. Seither bestand er aus den üblichen D-Zug-Wagen der DB. In späteren Jahren erhielt er auch Wagen der SNCF und ÖBB. Der Speisewagen wurde seit der Verlängerung nach Paris bzw. Wien durch die CIWL gestellt, bis diese 1971 ihre letzten eigenen Wagen abgab. Die Bewirtung der nun den Staatsbahnen gehörenden Wagen übernahm bei französischen und österreichischen Wagen die CIWL, bei deutschen Wagen die DSG und ab 1994 die Mitropa.

Mit Umwandlung in einen Eurocity bekam der „Mozart“ klimatisierte Eurofima-Wagen der ÖBB. In den Folgejahren kamen auch klimatisierte IC-Garnituren der DB und Corail-Wagen der SNCF zum Einsatz.

Eine E 16 (neu 116) der DB um 1970 in München Hbf
Eine BB 15000 im Gare de l'Est

Bereits bei Einführung des Zuglaufs war ein Großteil der bedienten Strecke elektrifiziert. Lediglich zwischen Straßburg und Stuttgart bespannten in den ersten Jahren noch Dampflokomotiven den „Mozart“, in der Regel die DR-Baureihe 39. Östlich von Stuttgart setzte die DB Lokomotiven der Baureihen E 18 und E 17 ein. Zwischen München und Salzburg bespannte die E 16 den Zug. Mit fortschreitendem Ausbau des elektrischen Netzes reduzierte sich der Anteil der Dampftraktion, der Lokwechsel verschob sich von Stuttgart zunächst nach Mühlacker und ab 1958 war der komplette DB-Abschnitt unter Fahrdraht. Die Vorkriegsloks wurden zu diesem Zeitpunkt durch die neue DB-Baureihe E 10 ersetzt.

Der deutsche Abschnitt des 1964 verlängerten Zuglaufs wurde weiterhin von der E 10 bewältigt, erst in den 1970er Jahren kamen auch die neueren Baureihen 103 und 111 zum Einsatz. Mit Einführung der Zweisystemloks der DB-Baureihe 181.2 übernahm diese 1975 den Abschnitt zwischen Stuttgart und Straßburg, auf den zuvor nötigen Lokwechsel im Grenzbahnhof Kehl konnte verzichtet werden. Zuletzt setzte die DB AG bis 2002 zwischen Stuttgart und München die DB-Baureihe 101 ein.

Mit Einführung durchgehender Lokumläufe zwischen DB und ÖBB übernahm die ÖBB auch die Lokbespannung zwischen München und Salzburg. Über Jahrzehnte setzte sie dabei die ÖBB 1042 ein, zuletzt abgelöst durch die ÖBB 1044.[8] Zunächst wurde der Zug ab 1964 allerdings von der ÖBB 4061 bespannt.

Die SNCF setzte auf der 1964 bereits vollständig elektrifizierten Bahnstrecke Paris–Strasbourg zunächst die SNCF BB 16500 ein, zuletzt bespannte die SNCF BB 15000 den „Mozart“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Stöckl: Europäische Eisenbahnzüge mit klangvollen Namen. Carl Röhrig Verlag, Darmstadt 1958
  • Peter Goette: Leichte F-Züge der Deutschen Bundesbahn. EK-Verlag, Freiburg, ISBN 978-3-88255-729-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fritz Stöckl: Europäische Eisenbahnzüge mit klangvollen Namen. Carl Röhrig Verlag, Darmstadt 1958, S. 194
  2. Peter Goette: Leichte F-Züge der Deutschen Bundesbahn. EK-Verlag, Freiburg, S. 125
  3. Fritz Stöckl: Europäische Eisenbahnzüge mit klangvollen Namen. Carl Röhrig Verlag, Darmstadt 1958, S. 175
  4. Deutsche Bundesbahn (Hrsg.): Kursbuch Gesamtausgabe, Sommer 1971, Tabellen D2 und F3
  5. trains-en-voyage.com, Les EuroCity Paris-München, abgerufen am 14. September 2013
  6. Eurocity 2003 auf fernbahn.de, abgerufen am 14. September 2013
  7. Peter Goette: Leichte F-Züge der Deutschen Bundesbahn. EK-Verlag, Freiburg, S. 126
  8. Lok-Magazin: Österreicher in München