Musikvertrieb

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Ein Musikvertrieb oder Vertriebslabel ist ein Unternehmen zur Distribution von Tonträgern. Dieses ist entweder als organisatorischer Teilbereich eines der marktführenden Major-Labels (Major-Vertrieb) oder als eigenständiger, also unabhängiger Vertrieb (Independent-Vertrieb) organisiert.[1] Neben der Distribution physischer Ton- und Datenträger wie CDs, Schallplatten und DVDs gewinnt der digitale Musikvertrieb zunehmend an Bedeutung.[2]

Physischer Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein klassischer Musikvertrieb kümmert sich um die logistische Abwicklung physischer Tonträger. Während sich das Kerngeschäft der Plattenindustrie vornehmlich auf das Artist and Repertoire, die Produktion und die Vermarktung von Musik bezieht, sorgt das Vertriebsunternehmen dafür, dass die Neuveröffentlichungen in die Kataloge und Bestände der Plattenläden, Warenhäuser und Versandhändler aufgenommen werden. Der Musikvertrieb ist darüber hinaus zuständig für die Lagerung, Kommissionierung und den Transport der Tonträger.

Major-Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassischerweise haben alle großen Tonträgerunternehmen (genannt Majors) hausinterne Vertriebsabteilungen. Da neben der Distribution von eigenen Vertragskünstlern auch zunehmend Künstler kleinerer, unabhängiger Labels in die Vertriebswege integriert worden waren, erhielten die Vertriebsabteilungen in ihrer Funktion als Dienstleister eine zunehmend eigenständigere Bedeutung. Vor allem Indie-Labels mit vergleichsweise hohen Produktions- und Verkaufszahlen konnten dadurch von der über die Jahre gewachsenen Vertriebsstruktur der etablierten Plattenfirmen profitieren. Indie-Labels mit nur geringen erwartbaren Plattenverkäufen arbeiten dagegen in der Regel mit Independent-Vertrieben zusammen.[3][4]

Alle drei derzeit größten Major-Plattenfirmen unterhalten eigene Vertriebssparten, unter deren Dachlabel sowohl alle Veröffentlichungen der hauseigenen Unterlabels als auch Fremdveröffentlichungen vertrieben werden:

Independent-Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um auch den meist finanzschwächeren Labels mit kleineren Auflagen eine professionelle Logistik abseits der von den Majors dominierten Musikindustrie zu bieten, entstanden ab den frühen 1980er Jahren die ersten unabhängigen Musikvertriebe. So konnten sich die Labels auf die Künstlerbetreuung und Vermarktung ihrer Veröffentlichungen konzentrieren, während die Indie-Vertriebe durch die wachsende Anzahl kleinerer Labels in der Summe höhere Stückzahlen erreichen und damit ein eigenständiges Vertriebsnetz aufbauen konnten. Viele der Indie-Vertriebe entwickelten sich nicht zuletzt aus Szene-Mailordern oder lokalen Plattenläden heraus.

Bedeutende Independent-Vertriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Independent-

Vertrieb

Aktiver

Zeitraum

Labels im Vertrieb

(Auswahl)

Katalog /

Webseite

Alive unbekannt Blu Noise

Redfield Records

XNO Records

Labelliste auf alive-ag.de
Broken Silence ab 2004 Audiolith

Nasty Vinyl

Nix-Gut Records

Impact Records

Plastic Bomb

Labelliste auf brokensilence.de
Cargo Records ab 1992 Alternative Tentacles

Grover Records

Hyperdub

Nuclear Blast

Roadrunner Records

Rookie Records

Sounds of Subterrania

Katalog auf cargo-records.de
EFA 1982 bis 2004 Glitterhouse

Mille Plateaux

Force Inc.

Vielklang

EFA auf discogs
Groove Attack 1990 Aggro Berlin

Alles oder Nix Rec.

Maskulin Music Group

Tontraeger Records

Labelliste auf grooveattack.com
Indigo ab 1993 Glitterhouse

Grand Hotel van Cleef

Tapete Records

Weird System

Weser Label

ZickZack Records

Katalog auf indigo.de
Rough Trade Distribution ab 1982 Black Hole

Cherry Red

Drag City

Netmusiczone

Pias

Südpolrecords

Labelliste auf roughtrade.de

Digitalvertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Digitalisierung mussten die Plattenfirmen neue Vertriebswege und Einnahmequellen für den Bereich Recorded Music finden. So entstanden neben dem klassischen physischen Vertrieb Kooperationen mit Digitaldistributoren, Internet-Konzernen, aber auch zwischen den Major-Labels selbst, die sich – um ihre schwindende Marktmacht besorgt – zum Teil zu Partner-Netzwerken zusammenschlossen.[5]

Weiterhin gründeten sich zahlreiche Digital-Vertriebe (z. B. Believe Digital, Finetunes), die in erster Linie als Dienstleister dafür Sorge tragen, dass die Musikveröffentlichungen in den relevantesten Download- und Streaming-Diensten platziert werden, z. B. bei Apple Music, Musicload, Google Play, Amazon, Spotify oder im iTunes-Store.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. lucas fester | www.phonector.com: Phonector | Online-Musikvertrieb | Digitalvertrieb Musik | CD-Vertrieb | Musik im Internet verkaufen | Musik digital vertreiben | Music Distribution. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 21. April 2017; abgerufen am 20. April 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.phonector.com
  2. Digital Music Report 2014: Der digitale Musikmarkt holt den physischen ein. Abgerufen am 20. April 2017.
  3. RZ-recordingz Musikvertrieb. Abgerufen am 20. April 2017.
  4. Thomas Winkler: EFA, EFA, alles ist vorbei. In: die tageszeitung. (taz.de [abgerufen am 27. April 2017]).
  5. Musikmarkt GmbH & Co. KG: Warner Music verlagert Digitalvertrieb zu Sony DADC. In: Musikmarkt. (musikmarkt.de [abgerufen am 20. April 2017]). Warner Music verlagert Digitalvertrieb zu Sony DADC (Memento des Originals vom 21. Juli 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.musikmarkt.de
  6. Musikvertrieb: Die 5 besten Aggregatoren im Vergleich. Abgerufen am 27. April 2017.