Myron Ebell

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Myron Ebell (* 1953 in Baker County, Oregon) ist ein US-amerikanischer Lobbyist. Er arbeitete für verschiedene libertäre bzw. konservative Think Tanks wie z.B. das Competitive Enterprise Institute und wird zu den zentralen Köpfen der organisierten Klimawandelleugnerszene gezählt.[1] Er besitzt keine naturwissenschaftliche Ausbildung; stattdessen bezeichnet er seine abweichende Meinung bezüglich der globalen Erwärmung als die „Perspektive eines informierten Laien“.[2] Im November 2016 wurde bekannt, dass er Chef des Übergangsteams des neu gewählten US-Präsidenten Donald Trumps würde, um die US-Umweltbehörde E.P.A. nach dessen Plänen umzubauen.[3] Anschließend nahm er seine Aufgabe am CEI wieder auf.[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebell wuchs auf einer Farm im US-Bundesstaat Oregon auf und studierte anschließend Philosophie, das er mit dem Master-Abschluss beendete. Nach dem Studium war er als Lobbyist für verschiedene Think Tanks tätig[3] und arbeitete unter anderem auch für die Tabakindustrie.[5] Erste Erfahrungen sammelte er bei der von dem republikanischen Senator Malcolm Wallop gegründeten Einrichtung Frontiers of Freedom, die sich für einen minarchistischen Staat (Nachtwächterstaat) einsetzte. Später arbeitete er dann für den republikanischen Kongressabgeordneten John Shadegg, wo er gegen ein Gesetz zum Schutz bedrohter Tierarten kämpfte. Unter anderem arbeitete er für das Competitive Enterprise Institute,[3] eine Denkfabrik, die eine wichtige Rolle bei der Leugnung der globalen Erwärmung spielt.[6] Ziel des Competitive Enterprise Institute ist es unter anderem, die in der wissenschaftlichen Forschung einhellig vertretene Ansicht, dass die globale Erwärmung menschengemacht ist, als Unsinn darzustellen.[7][8] Finanziert wird sie maßgeblich durch Industriezuwendungen, sowohl direkt von der Kohleindustrie[3] als auch indirekt von der fossilen Energiebranche, wobei insbesondere der Donor's Trust eine wichtige Rolle spielt, der wiederum in enger Beziehung mit Koch Industries steht.[9]

Ebell ist zudem Leiter der Cooler Heads Coalition, einem Zusammenschluss von konservativen Think Tanks, die sich selbst dem Ziel verschrieben hat, „die Mythen der globalen Erwärmung offenzulegen, indem sie die fehlerhaften ökonomischen, wissenschaftlichen und risikoanalytischen Annahmen offenlegt“.[3] Die Cooler Heads Coalition ist eine Frontgruppe der organisierten Klimaleugnerindustrie, die 1997 entstand und unter anderem aus dem Competitive Enterprise Institute, dem Committee for a Constructive Tomorrow (CFACT), dem Heartland Institute und dem George C. Marshall Institute besteht, die alle Zuwendungen von Seiten der Industrie sowie konservativer Vereinigungen erhalten.[1]

Für den zukünftigen US-Präsidenten Trump soll Ebell die Umstrukturierung der Umweltbehörde E.P.A. leiten, insbesondere, um unter der Präsidentschaft Obamas beschlossene Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen wieder abzuschaffen.[7] Trump hatte im Wahlkampf unter anderem gesagt, dass Umweltschutz Geldverschwendung sei, dass gewaltige Budgetkürzungen für die Umweltschutzbehörde E.P.A nötig seien und dass diese es unmöglich für das Land mache, wettbewerbsfähig zu sein.[10] Anschließend kehrte er wieder auf seinen Posten beim CEI zurück.[4]

Positionen und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebell gilt als einer der wichtigsten[1] und sichtbarsten[3] Klimaleugner der USA. Er ist fachfremd und selbst nicht in der Forschung tätig. Stattdessen zweifelt er ihm missliebige Ergebnisse der Klimaforschung pauschal an bzw. unterstellt Klimaforschern Manipulation der Klimadaten (vgl. Fear, Uncertainty and Doubt).[8] Über die Cooler Heads Coalition und das Competitive Enterprise Institute verbreitet er unter anderem eine Vielzahl an Materialien, in denen die globale Erwärmung geleugnet wird, und hält Pressekonferenzen und Briefings für Kongressabgeordnete ab; zudem hat er eine wichtige Funktion bei der (medialen) Verstärkung der Botschaften klimaskeptischer Wissenschaftler. Gemeinsam mit Christopher Horner war er zudem eine entscheidende Figur bei der Diffamierung des IPCCs und der Propagierung des Hackerzwischenfall am Klimaforschungszentrum der University of East Anglia als angeblicher Climategate-Skandal.[1] Ebell ist zudem bekannt dafür, immer wieder verbale Attacken auf Klimaforscher zu starten,[1] insbesondere auf James E. Hansen.[2] Den Klimaforscher Kevin Trenberth bezeichnete er als „Mitglied einer Gang“ und warf ihm vor, seit Jahren Klimadaten zu manipulieren.[3]

Bezüglich der globalen Erwärmung behauptete Ebell, dass der wissenschaftliche Konsens eine Fälschung sei und stattdessen nur ein politischer Konsens sei, dem sich auch manche Klimaforscher angeschlossen hätten,[9] dass das Hockeyschläger-Diagramm falsch sei, die globale Erwärmung keine Grund für Besorgnis sei, da die Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Erdatmosphäre in der Vergangenheit bereits höher gewesen sei, die Erde eine Abkühlungsphase analog der Kleinen Eiszeit eingetreten sei, die Ozeane sich nicht erwärmen würden und die derzeitige Emissionen nur dafür sorgten, dass die Erde ein angenehmer Platz zum Leben bliebe. Klimamodelle würden nicht einmal einen Lachtest bestehen; durch die Erwärmung würden sich keine Lebensräume für Tiere verschieben und Daten, die eine Erwärmung der Arktis zeigten, seien gefälscht.[11]

Die Klimaschutzbewegung bezeichnet Ebell als „Kräfte der Dunkelheit“, da es angeblich ihr Ziel sei, überall auf der Welt die Lichter ausgehen zu lassen. Die 2015 von Papst Franziskus verfasste Enzyklika Laudato si’ nannte er unter anderem „wissenschaftlich schlecht informiert, ökonomisch analphabetisch, intellektuell inkohärent und moralisch stumpfsinnig“, zudem sei sie auch „theologisch suspekt und große Teile davon ein linkes Gegeifere“.[3] Den US-Senat rief er auf, das auf der UN-Klimaschutzkonferenz 2015 beschlossene Übereinkommen von Paris abzulehnen.[9]

Ein weiteres wichtiges Ziel ist es für Ebell, den Klimaschutzplan Barack Obamas rückgängig zu machen, der die Emissionsreduktion der amerikanischen Kraftwerksflotte vorsieht. So solle die neue Regierung die Richtlinien der Umweltschutzbehörde E.P.A. abschaffen, die sich wirtschaftsschädlich auswirken könnten.[7] Den ursprünglichen Clean Power Plan Obamas hält er für illegal, er solle auch vielmehr „costly power plan“ heißen.[9] Der beste Weg, auf die globale Erwärmung zu reagieren, sei es, mehr fossile Energieträger zu verbrennen, da die Energieindustrie umso schneller neue Technologien einführen könne, je besser es ihr wirtschaftlich ginge. Selbst wenn die globale Erwärmung sich tatsächlich als Bedrohung herausstellen sollte, sei es besser abzuwarten um dann später in der Zukunft mit besseren Methoden einzugreifen als heute etwas zu tun.[11] Daneben solle der Staat bundeseigene Flächen für die Ausweitung von Kohle, Öl- und Gasförderung sowie Waldrodung bereitstellen.[9]

Die Umweltschutzbewegung hält Ebell für "die größte Bedrohung für Freiheit und Wohlstand". In der Wahl Donald Trumps sieht er eine Abwahl des Expertentums, das seiner Ansicht nach in vielerlei Aspekten versagt habe, unter anderem auch in der Klimapolitik. Fachleute seien zudem voller Arroganz und Hybris. Die Tatsache, dass die Volksrepublik China nun ebenfalls auf eine ambitionierte Klimaschutzpolitik sowie den Ausbau der erneuerbaren Energie setzt, erklärt Ebell mit Wirtschaftspolitik. China investiere deshalb so stark in regenerative Energientechnik wie Windkraftanlagen und Photovoltaik, um diese an "leichtgläubige Verbraucher in der westlichen Welt" zu verkaufen, damit dort die Strompreise stiegen und die chinesische Wirtschaft konkurrenzfähiger werde.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial, in: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.). The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144-160, insb. 151.
  2. a b James Lawrence Powell: The Inquisition of Climate Science. New York 2012, S. 108f.
  3. a b c d e f g h Trump’s Climate Contrarian: Myron Ebell Takes On the E.P.A.. In: The New York Times, 11. November 2016. Abgerufen am 13. November 2016.
  4. a b Donald Trump to sack climate change scientists and slash Environmental Protection Agency budgets, says official. In: The Independent, 27. Januar 2017. Abgerufen am 29. Januar 2017.
  5. Wie Trump das Klima vergiften will. In: Spiegel Online, 11. November 2016. Abgerufen am 13. November 2016.
  6. Riley E. Dunlap and Peter J. Jacques: Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 699–731; hier S. 700., doi:10.1177/0002764213477096.
  7. a b c Ein Leugner des Klimawandels für die Umweltschutzbehörde. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. November 2016. Abgerufen am 13. November 2016.
  8. a b Leugner des Klimawandels. In: Die Welt, 12. November 2016. Abgerufen am 13. November 2016.
  9. a b c d e Trump’s transition team has tapped a longtime climate skeptic to set environmental policy. In: The Washington Post, 26. September 2016. Abgerufen am 13. November 2016.
  10. Republican candidates' calls to scrap EPA met with skepticism by experts . In: The Guardian, 26. Februar 2016. Abgerufen am 16. November 2016.
  11. a b James Lawrence Powell: The Inquisition of Climate Science. New York 2012, S. 108.
  12. Green movement 'greatest threat to freedom', says Trump adviser. In: The Guardian, 30. Januar 2017. Abgerufen am 30. Januar 2017.