Nargess Eskandari-Grünberg

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Nargess Eskandari-Grünberg (* 20. Februar 1965 in Teheran) ist eine deutsche Kommunalpolitikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie ist ehrenamtliche Stadträtin der Stadt Frankfurt am Main. Von 2001 bis 2008 war sie dort Stadtverordnete. Seit 2008 ist sie Mitglied des Frankfurter Magistrats, von 2008 bis 2016 als Dezernentin für Integration. Sie bewarb sich für Bündnis 90/Die Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt am Main am 25. Februar 2018 um das Amt der Frankfurter Oberbürgermeisterin und erreichte im ersten Wahlgang mit 9,3 % der Stimmen den dritten Platz hinter Peter Feldmann und Bernadette Weyland.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 flüchtete Eskandari als Verfolgte des islamischen Regimes aus dem Iran nach Deutschland und lebt seitdem in Frankfurt. Sie studierte Psychologie und wurde promoviert. Sie führt eine eigene Praxis als psychologische Psychotherapeutin. Für das Deutsche Rote Kreuz leitet sie die Beratungsstelle für ältere Migrantinnen und Migranten HIWA![3]

Nargess Eskandari-Grünberg ist verheiratet mit dem Psychoanalytiker Kurt Grünberg.

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadtverordnetenversammlung, dem Stadtparlament von Frankfurt, dem Eskandari-Grünberg von 2001 bis 2008 für die Grünen angehörte, war sie vier Jahre lang Vorsitzende des Integrationsausschusses. Am 24. April 2008 wurde sie als Nachfolgerin des verstorbenen Jean Claude Diallo zur Stadträtin und Dezernentin für Integration gewählt.

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritischer Dialog mit Muslimen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eskandari-Grünberg wurde wegen ihrer Opposition gegen das Mullah-Regime im Iran politisch verfolgt. Sie setzt sich für freie Religionsausübung und einen kritischen Dialog mit Muslimen ein.

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Aufmerksamkeit erregte Eskandari-Grünberg durch eine Äußerung im Bildungs- und Integrationsausschuss am 5. November 2007:

„Migration ist in Frankfurt eine Tatsache. Wenn Ihnen das nicht passt, müssen Sie woanders hinziehen.“

Mit der Äußerung nahm Eskandari-Grünberg in der Sitzung des Bildungsausschusses der Stadtverordnetenversammlung Bezug auf die Aussage eines Hausener Bürgers zum Einwandereranteil an der dortigen Kerschensteinerschule. Die anwesenden Mitglieder der Bürgerinitiative fassten die Äußerung als persönliche Aufforderung zum Auswandern auf. Es kam zum Tumult und die Ausschussvorsitzende Bernadette Weyland (CDU) unterbrach die Sitzung. Die FR berichtete am 7. November 2007, dass Eskandari-Grünberg nach eigenen Angaben wegen ihrer Äußerung bedroht worden sei:

„In der Ausschuss-Sitzung musste sich Eskandari-Grünberg gegen wüste Beschimpfungen der Bürgerinitiative wehren. Sie sei sogar bedroht worden, berichtete sie am Dienstag: ‚Einer hat mir die Faust vors Gesicht gehalten und gesagt: Ihnen werden wir's noch zeigen.‘“

– FR am 7. November 2007[5]

Am 7. November 2007 erläuterte Eskandari-Grünberg ihre Äußerung in einem Interview mit der FR:

„Diese Aussage muss im Zusammenhang betrachtet werden. Dem ist ja eine andere Äußerung vorangegangen. Da hat jemand sich darüber beklagt, dass der Migrantenanteil an Schulen zu hoch sei. Das hörte sich so an, als seien die Kinder Ungeziefer. Darauf habe ich emotional reagiert. In den Reaktionen zu meiner Äußerung taucht das nicht mehr auf. Es wird so interpretiert, als hätte ich gesagt, die Deutschen sollen auswandern. Das ist doch Quatsch, so etwas habe ich nicht gesagt und nicht gemeint. Es ist absurd, mir so etwas in den Mund zu legen. Was ich sagen wollte ist: Einwanderer gehören zu Frankfurt. Wer in dieser internationalen Stadt lebt, muss sich dieser Realität stellen und es positiv betrachten.“

– Interview mit der FR am 7. November 2007[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. OB-Kandidatin der Grünen: Nargess Eskandari-Grünberg: Migrantin will an Frankfurts Stadtspitze. In: Frankfurter Neue Presse vom 10. März 2017. Abgerufen am 22. September 2017
  2. Vorläufiges Endergebnis: OB-Stichwahl in Frankfurt - Irritation um Wahlbeteiligung. In: hessenschau.de. 25. Februar 2018 (hessenschau.de [abgerufen am 25. Februar 2018]).
  3. Vita von Nargess Eskandari-Grünberg auf der Website der Stadt Frankfurt am Main.
  4. Wie eine Gebetsmühle, Frankfurter Rundschau am 13. November 2007
  5. Raue Töne. Im Moscheestreit lassen Bürger ihren Gefühlen freien Lauf., Frankfurter Rundschau am 7. November 2007
  6. „Wir gehören zu dieser Stadt“. Nargess Eskandari-Grünberg im Interview mit Canan Topçu, Frankfurter Rundschau am 7. November 2007