Nassauische Kleinbahn

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Nassauische Kleinbahn AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 9. Juli 1898
Auflösung 1975
Auflösungsgrund Umwandlung in eine GmbH
Sitz Nastätten
Branche Verkehr
Nassauischen Kleinbahn
Aktie von 1953
Nassauische Kleinbahn
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
St. Goarshausen–Zollhaus
Streckenlänge: 43,9 km
Betriebsstellen und Strecken[1]
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Rechte Rheinstrecke von Wiesbaden
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St. Goarshausen Hafen
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0,0 St. Goarshausen Kleinbf/Staatsbf 69 m
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BSicon xSTR+1u.svgBSicon STRl+4.svg
Rechte Rheinstrecke nach Oberlahnstein
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0,7 Hasenbach
   
1,2 Lohmühle
   
3,3 Schmidtsmühle
   
4,1 Reichenberg (Bz. Wiesbaden)
   
9,7 Bogel
   
12,0 Niederwallmenach
   
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16,1 Nastätten 248 m
BSicon exdBS2c1.svgBSicon exBS2+rxc.svgBSicon exdSTRl+4h.svg
ehem. Strecke nach Oberlahnstein (s.u.)
   
21,8 Martenroth
   
22,8 Holzhausen
   
24,9 Römerkastell
   
27,8 Berndroth-Rettert 420 m
   
31,8 Mittelfischbach
   
34,4 Katzenelnbogen
   
36,2 Allendorf
   
Taberg
   
37,2 Maiblumenlai
   
38,3 Dachskaute
   
39,8 Hohlenfels
   
41,5 Mudershausen
   
Mudershausen Landgrabental
   
43,9 Zollhaus Kleinbahnhof Übergang zur Aartalbahn
Oberlahnstein–Nastätten
Streckenlänge: 16,9 km
Betriebsstellen und Strecken[1]
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Rechte Rheinstrecke von Niederlahnstein
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0,0 Oberlahnstein Kleinbf/Staatsbf
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0,5 Viktoriabrunnen
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1,7 Rhenser Fähre
BSicon exBHF.svgBSicon BHF.svg
3,5 Braubach Kleinbf/Staatsbf
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BSicon STRr+1.svgBSicon xSTR+4u.svg
Rechte Rheinstrecke nach St. Goarshausen
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Braubach Neutor
   
5,0 Silberhütte
   
8,4 Zollgrund
   
13,5 Becheln
   
15,3 Hinterwald
   
17,8 Dachsenhausen
   
18,3 Oberbachheim
   
19,9 Winterwerb
   
20,8 Eschbacher Weg
   
22,0 Gemmerich
   
24,7 Ehr
   
27,1 Marienfels
   
2,8 Knabs Mühle
   
29,5 Miehlen 222 m
   
31,2 Schneidemühle
   
33,1 Nastätten 248 m
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ehem. Strecken nach St. Goarshausen
  bzw. Zollhaus (s.o.)

Die Nassauische Kleinbahn war eine Schmalspurbahn im Taunus zwischen Lahn, Aar und Rhein im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nassauische Kleinbahn AG wurde am 9. Juli 1898 gegründet unter finanzieller Beteiligung des Königreichs Preußen, des Bezirksverbandes Wiesbaden, der Landkreise Sankt Goarshausen und Unterlahn sowie der Allgemeinen Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft (ADKA). Diese übernahm die Betriebsführung bis 1926. Dann ging sie auf deren Tochter, die Allgemeine Deutsche Eisenbahn-Betriebs-GmbH (ADEG) über.

Strecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahn sollte das verkehrsferne Hintertaunusland mit den Verkehrsadern im Rhein- und im Aartal verbinden. Die Bahnverwaltung hatte ihren Sitz in der (ehemals nassauischen) Kleinstadt Nastätten im Taunus. Von hier nahmen drei Kleinbahnen mit Meterspur ihren Ausgang:

Nastätten–St. Goarshausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Bahnhofsgebäude der Nassauischen Kleinbahn in Sankt Goarshausen

Die erste, 16 km lange Strecke führte in westlicher Richtung zur Kreisstadt St. Goarshausen am Rhein. Ab dem 18. September 1900 fuhren die Züge dort bis Lohmühle, ab 1. Mai 1901 bis Hasenbach und erst ab 5. Juli 1903 zum Rheinbahnhof. Ab dem 16. Oktober 1903 wurde für den Güterverkehr noch ein Gleis zum Hafen geführt, dort konnten die Güter durch den Häuser Kran auf die Rheinschifffahrt umgeladen werden.

Nastätten–Zollhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nächsten Jahr folgte am 1. Mai 1901 in östlicher Richtung die Strecke nach Holzhausen an der Haide und am 1. November 1901 wurde an der Station Zollhaus (28 km) die Staatsbahn Diez – Bad Schwalbach im Aartal erreicht.

Nastätten–Oberlahnstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls am 1. Mai 1901 begann der Betrieb in nordwestlicher Richtung nach Miehlen. Am 10. Juli 1902 wurde die Silberhütte in Braubach erreicht, am 5. März 1903 die Stadt Braubach sowie am 16. Oktober 1903 der Kleinbahnhof und der Rheinhafen des Städtchens unter der Marksburg. Zwei Tage später eröffnete man noch die von Braubach parallel zur Staatsbahn nach Oberlahnstein führende Strecke.

Damit hatte das Netz mit einer Länge von 77 km seine größte Ausdehnung erreicht.

Niedergang und Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriftzug der Nassauischen Kleinbahn Aktiengesellschaft an der Denkmallok in Nastätten
Denkmallok in Nastätten: Henschellok mit der Betriebsnummer 16. Unter der Betriebsnummer 2 war sie zunächst im Betrieb der Kleinbahn Selters–Hachenburg.

Neben dem fast immer schwachen Personenverkehr mit drei bis vier Zugpaaren täglich spielte der Transport von Eisenerz, Kalkstein und Holz eine Rolle. Der finanzielle Erfolg währte jedoch nur wenige Jahre. Das lag neben der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung an der kurvenreichen Trassierung im hügeligen Hintertaunus, aber auch an der bald aufkommenden Konkurrenz der Kraftfahrzeuge.

Schon am 1. März 1917 endete der Personenverkehr (1919/20 auch der Güterverkehr) von Braubach nach Oberlahnstein und am 15. Mai 1929 – nach einer Unterbrechung von 1920 bis 1926 – auch von Braubach nach Nastätten. Die Kraftpost übernahm 1929 die Personenbeförderung. Infolge der Wirtschaftskrise wurde 1932/33 auch der Güterverkehr zwischen der Silberhütte und Miehlen eingestellt und die Strecke abgebaut.

Dann aber war das Ende unaufhaltsam geworden. Seit 1938 versuchte man, durch eigene Omnibuslinien Anteil am sich auf die Straße verlagernden Verkehrsaufkommen zu erlangen. Diese Bemühungen wurden nach 1948 fortgesetzt, unter anderem durch Busverbindungen nach Diez an der Lahn und Wiesbaden. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges und danach nahm die Nachfrage am schienengebundenen Verkehr – vor allem im Personenverkehr – vorübergehend noch einmal zu. Zwischen Miehlen und Nastätten fuhren noch bis 1955 Güterzüge, in den Jahren nach 1945 sogar auch wieder Personenzüge.

Auch die beiden anderen Strecken überlebten nicht mehr lange. Von Nastätten nach St. Goarshausen endete der Personenverkehr 1952 und der Güterverkehr 1956/57.

Nach Zollhaus fuhr ab 1953 kein Personenzug mehr und der Güterverkehr beschränkte sich ab 1957 auf die Abfuhr vom Kalksteinbruch Hibernia bei Hohlenfels zum Bundesbahnhof Zollhaus, der nach dem 1. Juni 1962 ebenfalls der Vergangenheit angehörte. Damals besaßen die Dyckerhoff-Zementwerke in Wiesbaden 85 % der Aktien der Bahn. Die Betriebsführung lag seit 1959 in den Händen der Deutschen Eisenbahn-Gesellschaft GmbH. Im Jahre 1975 wurde die Nassauische Kleinbahn-Gesellschaft in eine GmbH umgewandelt.

Am längsten hielt sich der Bahnbetrieb auf der Strecke vom Hafen zur Silberhütte in Braubach, wo das Gleis mit seiner Spurweite von 750 mm mitten auf der Hauptstraße lag. Bis 1958/59 war durch ein Dreischienengleis auch die Meterspur vertreten. Hier kam erst am 30. September 1977 das Ende des Bahnbetriebs, der zugleich das Ende der Nassauische Kleinbahn-Gesellschaft GmbH bedeutete. 1997 wurden beim Ausbau der Oberalleestraße die letzten 200 Meter Rillenschienen entfernt und im Frankfurter Feldbahnmuseum sowie im Emser Bergbaumuseum einer neuen Verwendung zugeführt.

Zur Weiterführung des Busbetriebs wurde eine neue Gesellschaft gegründet, die sich Nassauische Verkehrs-GmbH nennt. An ihr war auch die AG für Verkehrswesen beteiligt, von der die Anteile an die Veolia Verkehr GmbH übergegangen sind.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Eröffnung erhielt die Bahn acht dreifach gekuppelte Nassdampf-Tenderlokomotiven aus dem Hause Henschel. Weitgehend baugleiche Maschinen wurden an die Kleinbahn Selters-Hachenburg und an die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft geliefert. Von letzterer kam eine als DR 99 5811 noch in den Besitz der Deutschen Reichsbahn.[2] Die letzten dieser Maschinen bei der Nassauischen Kleinbahn waren bis Ende der 1950er im Einsatz.

Eine der Maschinen der Kleinbahn Selters-Hachenburg kam 1957 noch als Nummer 16 in zweiter Besetzung in den Besitz der Nassauischen Kleinbahn, wurde 1963 schon wieder an eine Recyclingfirma Schury in Limburg verkauft und überlebte bis heute als Denkmal in Nastätten.

Für den verbleibenden Verkehr erhielt man 1951 noch eine zweiachsige Jung-Diesellok (Jung 11503) in 1000 mm Spurweite. Nach wenigen Jahren ging die Maschine an die Plettenberger Kleinbahn als Nr. 11 und in den 1970er Jahren über die Baufirma STRABAG nach Togo zum Hafenbau in Lomé, wo sie noch eine Zeitlang bei der CFT abgestellt vorhanden war.[3]

Für den Werkbahnbetrieb von der Silberhütte zum Hafen unter Regie der NK erwarb man 1957 zwei gebrauchte HF 130 C in 750 mm Spurweite als V 17 (Gmeinder 2822) und V 18 (Gmeinder 3143), die bis zur Einstellung der Bahn die letzten Einsatzloks waren und 1978 beide nach Österreich gingen. [4] Heute fährt erstere bei einer Privatfeldbahn in Emmerich und die andere bei der Steiermärkische Landeseisenbahn. [5]

Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma BEMO Modelleisenbahnen kündigte 2016 das Modell der ehemaligen Heeresfeldbahnlok V18 der Nassauischen Kleinbahn an. [6]

Umwandlung in Rad- und Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nassauische Kleinbahn: Wandermarkierung

Seit einigen Jahren werden Streckenteile der ehemaligen Bahntrasse teils durch Privatinitiativen in Rad- und Wanderwege umgewandelt. Manche Strecken sind markiert, bei anderen ist der Streckenverlauf auf topographischen Karten gut zu erkennen.[7][8]

Nastätten–Bogel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ca. 6 km langer Wanderweg beginnend am Lok-Denkmal in Nastätten (nicht markiert).

Bogel–St. Goarshausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ca. 9 km langer, sehr gut ausgebauter Rad- und Wanderweg, markiert als Teil des Loreley-Aar-Radweges.

Miehlen–Dachsenhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ca. 12 km. Hier ist der Bahndamm bis auf kürzere Unterbrechungen fast durchgehend begehbar (nicht markiert).

Dachsenhausen–Braubach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ca. 13 km langer Rad- und Wanderweg gekennzeichnet durch eine silberne Lokomotive oder eine weiße Lokomotive auf blauem Grund. Zusätzlich informieren hier Hinweistafeln über die Nassauische Kleinbahn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Winfried Ott: Einsteigen bitte!: Erinnerungen an die Nassauische Kleinbahn. Verlag Heimatpflegeverein Blaues Ländchen, "Blaue Blätter" Band 15, Nastätten 2004, ISBN 3-9812486-0-0
  • Hans Renker: Nicht kleckern - klotzen - Geschichte der Nassauischen Kleinbahnen, Teil 1. In: EisenbahnGeschichte 66 (2014), S. 34-43
  • Hans Renker: Man sparte, wo man konnte - Geschichte der Nassauischen Kleinbahnen, Teil 2. In: EisenbahnGeschichte 67 (2014), S. 30-35
  • Rolf Löttgers: Privatbahnen in Deutschland: Die Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft 1960 - 1969, Franckh, Stuttgart 1983, S. 137ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nassauische Kleinbahn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eisenbahnatlas Deutschland 2007/2008. 6. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2007, ISBN 978-3-89494-136-9.
  2. Nassauische Kleinbahn bei Beiträge zur Lokomotiv- und Eisenbahngeschichte, abgerufen am 25. Mai 2016
  3. Schmalspur-Lok für Togo auf www.drehscheibe-online.de/foren, abgerufen am 25. Mai 2016
  4. Werkbahnen Nassauische Kleinbahn (Braubach) von Joachim Schmitz, abgerufen am 25. Mai 2016
  5. HF130C - Gmeinder 3143/1940 auf heereseldbahn.de, abgerufen am 26. Mai 2016
  6. Neuheitenprospekt 2016 der Firma Bemo Modelleisenbahnen, abgerufen am 26. Mai 2016
  7. Topographische Freizeitkarte Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal 2 Loreley-Boppard. 1:25 000 beim Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz
  8. Kompass-Karte Nr. 839 Westlicher Taunus 1:50 000