Neonsalmler

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Neonsalmler
Paracheirodon innesi neon tetra.jpg

Neonsalmler (Paracheirodon innesi)

Systematik
Unterkohorte: Ostariophysi
Otophysa
Ordnung: Salmlerartige (Characiformes)
Familie: Echte Salmler (Characidae)
Gattung: Paracheirodon
Art: Neonsalmler
Wissenschaftlicher Name
Paracheirodon innesi
(Myers, 1936)
Neonsalmler Längssicht
Gruppe von Neonsalmlern im Aquarium
Größere Ansammlung von Neonsalmlern

Der Neonsalmler (Paracheirodon innesi, Synonyme: Cheirodon innesi, Hyphessobrycon innesi), auch Neontetra oder Neonfisch genannt, ist ein Süßwasserfisch aus dem oberen Amazonasbecken. Er kommt im Río Putumayo, im oberen Amazonas in der Region Loreto bei Iquitos bis São Paulo de Olivenca und in Teilen des Rio Purus vor. Nach dem Goldfisch und dem Guppy gehört er zu den bekanntesten Süßwasserzierfischen und zahlenmäßig meistgehandelten Aquarienfischen.

Die 3,5 bis 4 cm langen Tiere bilden Schwärme. Der Neonsalmler ernährt sich von kleinen Wirbellosen.

Sein Art-Epitheton innesi bezieht sich auf William T. Innes (1874–1969), den ehemaligen Herausgeber der früher führenden US-amerikanischen Aquaristikzeitschrift The Aquarium.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das charakteristische, irisierende, blau-grüne Band reicht lateral von der Nase bis zur Basis der Fettflosse. Das Abdomen ist silber-weiß. Die rote Färbung reicht von der Körpermitte bis zur Basis der Schwanzflosse. Die blau-grüne Farbe des Leuchtstreifens ändert sich nachts in dunkelviolett, der rote Streifen verblasst. Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass die Verfärbung der Tarnung bei Inaktivität dient.[1] Die Änderungen begrunden sich an jalousieförmigen Iridophoren.[2][3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neonsalmler gehört zur Gattung Paracheirodon und in die Familie der Echten Salmler (Characidae). Die Gattung Paracheirodon wird aktuell keiner Unterfamilie zugeordnet. Sie gehört mit einigen anderen nah verwandten Gattungen der Unterfamilie Stethaprioninae an.

Verbreitung und Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paracheirodon innesi kommt im nördlichen und westlichen Amazonasgebiet, häufig in kühleren Bächen und im Oberlauf großer langsam fließender Regenwaldflüsse wie dem Orinoco[4], dem Oberen Amazonasbecken[5], den Quellflüssen des Amazonas, dem Río Ucayali, Río Putumayo, Río Marañon, Rio Japurá/Río Caquetá, Río Napo[6] und anderen Gewässern in Peru, Kolumbien und Brasilien vor. In den Gewässern der Três Fronteiras-Region bei Leticia/Kolumbien und Tabatinga/Brasilien ist der Neonsalmler die meist vertretene Fischspezies. Die farbenfrohe Fischart bevorzugt Schwarzwasserflüsse, kommt aber auch im Klarwasser vor. Dafür fehlt sie in Weißwasserflüssen. Sein natürlicher Lebensraum ist von Regen- und Trockenzeiten, Starkregenfällen und Niedrigwasser beeinflusst. Der Neonsalmler toleriert daher eine breite Temperaturspanne von 20 bis 28 °C sowie leicht saures Wasser mit pH-Werten von 4,0 bis 7,5 bei einer zumeist geringen Wasserhärte. In Flüssen bevorzugt der Neonsalmler schattige Uferbereiche unter überhängenden Bäumen und einem starken Bewuchs von Wasserpflanzen.

Aquaristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neonsalmler gehört zu den kommerziell bedeutendsten Zierfischarten, die im Aquarienhandel meist preiswert in großer Stückzahl erhältlich ist.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA werden ca. zwei Millionen Exemplare pro Monat verkauft. Sie stammen meist aus Zuchtbetrieben aus Südostasien[7][8] wie z. B. Hongkong, Singapur (in den 1960er Jahren eingeführt[9]) und Thailand und zu gewissen Teilen auch von Wildfängen aus ihren südamerikanischen Heimatländern Kolumbien, Peru und Brasilien. Pro Monat werden etwa zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Fische mit einem geschätzten Marktwert von 175.000 USD importiert. Weitere Nachzucht kommt von Hobbyaquarianern aus separaten Zuchtbecken. Im Aquarienhandel sind außerdem noch Schleierformen, Diamantkopf-Neonsalmler (Paracheirodon innesi var. Diamant)[10], sowie goldene und Albinofarbvarietäten erhältlich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auguste Rabaut[11][12] war der erste Naturkundler, der Paracheirodon innesi in den 1930er Jahren aus dem Amazonas bei Iquitos nach Europa importierte. Die Erfolgsgeschichte begann mit 13 lebendigen Neonsalmlern, die auf diesen Weg zur Firma Lepant nach Paris gelangten. 1935 wurden sie für 6.500 USD[13] an die Aquarianer Hugo Schnell und Walter Griem in Hamburg[11] verkauft. 1936 wurden fünf dieser Tiere mit dem Zeppelin „Hindenburg“ für das Shedd Aquarium in Chicago in die USA verbracht. 1936 wurde der Neonsalmler erstmals von George Sprague Myers[11] beschrieben. Bald darauf wurde der Neonsalmler zu einem begehrten Zierfisch, der aufgrund der Schwierigkeiten des Transportes zu einem hohen Preis gehandelt wurde. Werner Ladiges nannte ihn aufgrund seines hohen Wertes das „Schwimmendes Gold vom Rio Ukayali“[11][14]. Probleme bereitete damals die Nachzucht[11]. Die Fische laichten ab, doch es gelang aus Unkenntnis der spezifischen Brutbedingungen nicht, die Larven überleben[11] zu lassen. Später gelangen in Thüringen die ersten Zuchterfolge und der Neonsalmler wurde zu einem „Massenfisch“, der überall in der Aquaristik seine Verbreitung fand.

Haltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Farbkleid von Paracheirodon innesi ist durch seine Anpassung an Schwarzwasserflüsse und Signalwirkung für Artgenossen bedingt. Grelles Licht verträgt er schlecht und es bewirklt eine gewisse Schreckwirkung. Dem ist durch eine gedämpfte Beleuchtung, starkem Wasserpflanzenbestand (z. B. bedeckte Oberfläche mit Schwimmpflanzen wie Südamerikanischer Froschbiss) und Rückzugsmöglichkeiten Rechnung zu tragen. Neonsalmler können in unbeheizten Becken gehalten werden. Dabei kommt die Kleinfischart mit zehn, fünfzehn, zwanzig Exemplaren für 50-Liter-Becken bis hin zu großen Schauaquarien von mehreren hundert Fischen in Zoologischen Gärten, Ausstellungen u. a. in Frage. In seinem natürlichen Habitat ist Paracheirodon innesi eine annuelle Art, in Gefangenschaft kann sie bei optimalen Bedingungen eine Lebenserwartung bis maximal sechs Jahre erreichen.

Verhalten in Gefangenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neonsalmler sind von Natur aus keine typischen Schwarmfische, sondern verteilen sich im Aquarium in kleinen Trupps oder Einzeltieren. Dabei halten sie aber untereinander Sichtkontakt. Erst bei einer äußeren Bedrohung zeigen sie dieses Verhalten vor allem beim Auftauchen von Fressfeinden. In ihrem natürlichen Habitat findet man Neonsalmler jedoch häufig in größeren Ansammlungen. Die auffallend leuchtenden Seitenstreifen dienen dabei der Markierung und des Gruppenzusammenhaltes. Die Körperzeichnung ist eine Anpassung an dunklen Bodengrund und dunkel gefärbtes Wasser. Im Aquarium halten sich Neonsalmler bevorzugt im Mittelwasser auf. Männchen tragen, vor allem bei mangelndem Raum, untereinander häufig ritualisierte Rangkämpfe um temporäre Kleinreviere und Weibchen aus. Sie sind jedoch in der Regel verträglich und können mit einer Vielzahl friedlicher Fischarten wie z. B. Antennenwelse und friedliche Barbenarten gut vergesellschaftet werden. Konkurrenzstarke Blutsalmler oder Trauermantelsalmler hingegen sind weniger geeignet, da sie den kleinen Neonsalmlern bei der Futtersuche überlegen sind und diese verdrängen können. Während der Balzzeit verstärkt sich die Leuchtkraft der Männchen, die dann ein ausgeprägtes Imponierverhalten an den Tag legen. Männchen rivalisieren untereinander, verfolgen sich gegenseitig, schwimmen frontal aufeinander zu oder umschwimmen sich in engen Kurven. Die Balzkämpfe drücken sich durch gegenseitiges Schütteln und das seitliche Drücken der Körper gegeneinander aus[15].

Fütterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neonsalmler ist ein Allesfresser, der in seinem natürlichen Habitat jedoch tierische Nahrung wie Kleinstlebewesen bevorzugt, die er mit seinem kleinen Maul bewältigen kann. In Aquarien kann er mit Trocken- und Lebendfutter wie Artemia, Mückenlarven und Daphnien gefüttert werden. In der Aquarienhaltung sollten kleinere Portionen über den Tagesverlauf verteilt werden.

Vermehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vermehrung des Neonsalmler als Freilaicher gelingt meist nur unter speziellen Umweltverhätnissen. In seiner Heimat leiten Wolkenbrüche und die damit verbundenen extremen Temperaturschwankungen die Laichbereitschaft ein. Neonsalmler, die eine Zeitlang in hartem Wasser gelebt haben, können häufig keine Nachkommen mehr produzieren. Diese Laichbereitschaft kann in separierten Becken mit Eichenextrakt, Tanninen, Huminsäuren, sowie Anteilen von torfgefiltertem und destilliertem Wasser stimuliert werden. Für Zuchtzwecke müssen folgende Umweltbedingungen[11] herrschen: sehr weiches Wasser mit KH unter 0,3° dH, das Vorhandensein von Huminsäuren, pH-Wert wischen 6,2 und 6,8 und Laichtemperaturen zwischen 23 und 24 °C – wobei die Hälterungstemperatur zwischen 18 bis 22 °C betragen sollte. Der Laichvorgang findet häufig nachts oder bei Dämmerung statt. Optimal sind feingliedrige Wasserpflanzen wie Javamoos, wo die Eier vor Fressfeinden geschützt sind. Danach kann man die Eltern entfernen, da sie keine Brutpflege betreiben.

Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als typische Krankheit gilt die sogenannte Neonkrankheit oder Pleistophora-Krankheit (Pleistophora hyphessobryconis), die von parasitären Zysten bzw. Mikrosporidien übertragen wird. Die ersten Symptome dieser Infektionskrankheit zeigen eine Unterbrechung der leuchtend blau-türkisfarbenen Längsbinde beziehungsweise Seitenstreifen. Der Befall äußert sich durch weiße Flecken, ein starkes Nachlassen der kräftigen Färbung und eine Verkrümmung des Rückgrats. Eine medikamentöse Behandlung ist noch nicht bekannt. Um eine Ausbreitung zu verhindern, müssen die befallenen Fische separiert und in einem Quarantänebecken isoliert werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diel colour changes in the neon tetra Paracheirodon innesi (englisch), John N. Lythgoe und Julia Shand, doi:10.1007/BF00001090 (abgerufen am 16. Dezember 2009)
  2. S. Yoshioka, B. Matsuhana, S. Tanaka, Y. Inouye, N. Oshima, S. Kinoshita: Mechanism of variable structural colour in the neon tetra: quantitative evaluation of the Venetian blind model. In: Journal of the Royal Society, Interface. Band 8, Nummer 54, Januar 2011, S. 56–66, doi:10.1098/rsif.2010.0253, PMID 20554565, PMC 3024824 (freier Volltext).
  3. Light-reflecting properties of the iridophores of the neon tetra, Paracheirodon innesi, Hiroshi Nagaishi, Noriko Oshima, und Ryozo Fujii, doi:10.1016/0300-9629(90)90229-L
  4. Shirlie Sharpe: Neon Tetra Fish Species Profile Characteristics, Origin, and Helpful Information for Hobbyists. 2021
  5. Neon Tetra (Paracheirodon innesi). Ecological Risk Screening Summary. U.S. Fish and Wildlife Service, Web-Version vom 3. August 2018
  6. Cluster Maps von Neon Tetra Paracheirodon innesi (Myers 1936) auf Encyclopedia of Life
  7. Frank A. Chapman, Douglas E. Colle, Roger W. Rottmann u. Jerome V. Shireman: Controlled Spawning of the Neon Tetra. The Progressive Fish-Culturist. 1998
  8. Peter K.L. Ng u. Heok Hui Tan: Freshwater fishes of Southeast Asia: potential for the aquarium fish trade and conservation Issues. Aquarium Science and Conservation. 1997
  9. Neon Tetra (Paracheirodon innesi) Ecological Risk Screening Summary U.S. Fish and Wildlife Service
  10. Diamantkopf-Neonsalmler auf Aquarium Guide
  11. a b c d e f g Der Neonsalmler – ein Fisch, der die Welt veränderte. 13. September 2019
  12. Kathleen DeMarre: The Travels of Auguste Rabaut. Hunter, Fisherman, Adventurer, Collector of Flora and Fauna.
  13. Walter Warecka: Bunte Amazonienser erobern die Welt. Aquaristische Betrachtung über Neonfische.
  14. Werner Ladiges: Schwimmendes Gold vom Rio Ukayali. Die abenteuerliche Entdeckung des Neon-Fisches. Lux Verlag 1956 und Pfriem Verlag 1973. ISBN 978-3921677018.
  15. Neonsalmler – Roter Neon – Zucht und Aufzucht. Aquaristik Online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neonsalmler (Paracheirodon innesi) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien