Iquitos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Iquitos
Koordinaten: 3° 45′ S, 73° 15′ W
Karte: Peru
marker
Iquitos
Iquitos auf der Karte von Peru
Basisdaten
Staat Peru
Region Loreto
Stadtgründung 1764
Einwohner 437.376 (2012 [1])
   – im Ballungsraum 457.865
Stadtinsignien
Bandera de Iquitos.png
Detaildaten
Höhe 106 m
Stadtgliederung 4 Stadtteile
Gewässer Amazonas
Vorwahl 65
Zeitzone UTC−5
Stadtvorsitz Adela Jiménez[2][3][4]
(als vorläufige Vertretung für)
Charles Zevallos
(2011—2014)
Website www.munimaynas.gob.pe munimaynas.gob.pe
Das ehemalige Hotel Palace
Das ehemalige Hotel Palace

Iquitos ist mit über 400.000 Einwohnern (Schätzung 2011) die größte Stadt im tropischen Regenwald des südamerikanischen Anden-Staates Peru und die Hauptstadt der Region Loreto sowie der Provinz Maynas. Die Stadt ist per Straße von der Außenwelt abgeschnitten und nur mit dem Flugzeug oder mit dem Boot über den Amazonas zu erreichen. Sie liegt 125 km unterhalb des Zusammenflusses der beiden Hauptquellflüsse des Amazonas, Río Ucayali und Río Marañón.

Im Stadtteil San Juan Bautista liegt der internationale Flughafen Coronel FAP Francisco Secada Vignetta.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Stadt vom Amazonas in den 1920er Jahren.

Die Stadt wurde um 1750 als Mission der Jesuiten gegründet. Ursprünglich war sie eine Verteidigungsbastion gegen Indios, die sich der Bekehrung widersetzten. Die kleine Siedlung mit 1500 Einwohnern entwickelte sich ab dem Ausbruch des Kautschukbooms, der zwischen 1870 und 1880 einsetzte, wirtschaftlich enorm weiter. In den folgenden 30 Jahren galt Iquitos als das Zentrum der Kautschukgewinnung und des -handels. Während die Indios gezwungen wurden, auf den Plantagen zu arbeiten und dabei wie Sklaven behandelt wurden, erwirtschafteten die "Kautschukbarone" in dieser Zeit erheblichen Gewinn und entsprechendes Vermögen. Dieser Boom endete abrupt, als es dem Briten Henry Wickham gelang, Samen der Kautschukpflanze aus Brasilien nach Asien zu schmuggeln. In Malaysia wurden daraufhin Plantagen errichtet, deren Kautschuk wesentlich billiger und leichter zu ernten war. Daraufhin war Iquitos jahrzehntelang wirtschaftlich nahezu bankrott. Versuche, neue Geschäftsmöglichkeiten zu ergründen wie durch den Anbau von Tabak und Bananen, scheiterten, wie auch die Ideen, den Barbasco (eine giftige, flüssige Zusammensetzung, das die Indios zum Fischfang verwendeten) als Insektizid einzusetzen oder exotische Tiere an Zoos in aller Welt zu verkaufen.

Im Jahre 1900 wurde Iquitos zum Sitz einer Apostolischen Präfektur, die 1921 zum Apostolischen Vikariat erhoben wurde. Seit 1945 heißt dieser Apostolisches Vikariat Iquitos.

Die Entdeckung von Erdöl und dessen Förderung sowie die Holzwirtschaft ließen Iquitos seit Anfang der 1960er Jahre zu einer modernen Stadt werden. Seit den 1980er Jahren entwickelt sich auch der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Zu besichtigen sind die restaurierten Häuser aus der Boomzeit mit ihren Jugendstilfassaden. Darüber hinaus ist Iquitos ein Ausgangspunkt für Touren in den Regenwald. Da die gesamte Umgebung von Iquitos heute erschlossen ist, ist „echter“ Dschungel im Umkreis von fast 100 Kilometern nicht mehr zu erleben. Dagegen ist das Naturschutzgebiet Pacaya-Samiria ein beliebtes Ziel des Ökotourismus.

Distrikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Iquitos ist in vier Distrikte unterteilt:

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Iquitos nahe am Äquator liegt, herrscht dort ein tropisch-regnerisches Klima, mit Temperaturen von 20 °C bis 36 °C. Die Durchschnittstemperatur beträgt 28 °C bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit.

Iquitos
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
256
 
32
22
 
 
276
 
31
21
 
 
349
 
32
22
 
 
306
 
31
22
 
 
271
 
32
22
 
 
199
 
31
21
 
 
165
 
31
20
 
 
157
 
32
20
 
 
191
 
33
21
 
 
214
 
33
22
 
 
244
 
33
22
 
 
217
 
32
22
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Iquitos
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 31,8 31,4 31,8 31,2 31,5 31,1 30,8 32,1 32,9 33,0 32,9 32,1 Ø 31,9
Min. Temperatur (°C) 21,7 21,4 21,8 21,7 21,8 21,1 20,3 20,3 21,0 21,5 21,9 22,0 Ø 21,4
Niederschlag (mm) 256 276 349 306 271 199 165 157 191 214 244 217 Σ 2.845
Sonnenstunden (h/d) 5,4 5,3 4,9 5,3 5,6 6,3 6,9 7,3 7,1 6,4 6,0 5,1 Ø 6
Regentage (d) 14 13 12 13 13 13 12 11 10 12 12 13 Σ 148
Luftfeuchtigkeit (%) 80 81 80 83 83 81 81 80 77 78 79 80 Ø 80,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
31,8
21,7
31,4
21,4
31,8
21,8
31,2
21,7
31,5
21,8
31,1
21,1
30,8
20,3
32,1
20,3
32,9
21,0
33,0
21,5
32,9
21,9
32,1
22,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
256
276
349
306
271
199
165
157
191
214
244
217
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverbindungen bestehen ausschließlich in einem inselartig vom Urwald eingeschlossenen Gebiet. So ist das ca. 100 km südlich gelegene Nauta oder das nördlich am Río Napo gelegene Mazán über eine Straße erschlossen.

Iquitos in Film und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 drehte Werner Herzog hier seinen Film Fitzcarraldo mit Klaus Kinski in der Hauptrolle, der die typische Urwaldatmosphäre gut einfängt. Einen besonderen Akzent setzte Herzog mit dem Einsatz des einheimischen Laiendarstellers Huerequeque.

Der 2010 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete peruanische Autor Mario Vargas Llosa setzte der Stadt Iquitos bzw. der Provinz Loreto mit seinen Romanen La casa verde (deutscher Titel: Das grüne Haus) und Pantaleón y las Visitadoras (deutscher Titel: Der Hauptmann und sein Frauenbataillon) ein zeitloses Denkmal.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Februar 2007 erreichte der Slowene Martin Strel im Rahmen seiner Amazonas-Durchschwimmung[5] die Stadt. Der Ultra-Langstreckenschwimmer begann seine Durchschwimmung am 1. Februar 2007 im peruanischen Atalaya und beendete[6] sie am 7. April 2007 im brasilianischen Belém. Die gesamte zurückgelegte Strecke beträgt 5268 Kilometer.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Iglesia Matriz („Mutterkirche“, nämlich für das Apostolische Vikariat Iquitos)

Auf der Plaza de Armas steht die imposante Kirche von Iquitos. Das katholische Gotteshaus ist zugleich auch das höchste Gebäude der Stadt. An der östlichen Ecke der Plaza de Armas wurde die Casa de Hierro, das Eisenhaus, errichtet, ein nur aus Metall gebautes Gebäude, das der französische Architekt Gustave Eiffel entworfen hat.

Der Stadtteil Belén (dt.: Bethlehem) am Amazonasufer ist zum Teil auf Stelzen gebaut. Hier wohnen die verarmten Indios der Stadt.

Kulinarische Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Küche von Iquitos ist durch die besondere Lage der Stadt am Amazonas bzw. im Amazonasbecken geprägt und bietet daher, neben den üblichen peruanischen Gerichten und einer großen Vielfalt tropischer Früchte, einige besondere Speisen: Fischgerichte, Paiche (Arapaima) oder den Piranha (Piranhas) gibt es in vielen Variationen. Kochbananen und Yuca (Maniok) werden als Beilage angeboten, aber auch als ein Tacachos genanntes Zwischendurchgericht. Man bekommt auch - meist gegrillt - Alligatoren, Suri-Maden (Larve einer Art der Rüsselkäfer) vom Holzspieß und verschiedene Insekten, vorzugsweise Ameisen. Bei Einheimischen beliebt sind Schildkröten und Schildkröteneier.

Ureinwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Situation der indigenen Einwohner, Nachfahren der Indio-Stämme am Amazonas, ist durch Bodenexploration, Rodung der Wälder und Tourismus prekär. Auch Schmuggel und Grenzkonflikte zu Ecuador schränken den Lebensraum der Indios immer weiter ein. Die CETA, ein Zentrum zur Kultivierung der indigenen Sprachen und Kultur unter dem Jesuitenpater Joaquin Garcia Sanchez, gibt den Ur-Einwohnern Stimme und Hilfe.

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder aus Iquitos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simone Breton (1897–1980), französische Frauenrechtlerin und Galeristin
  • Mario Peña (1952–2008), peruanischer Politiker

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://proyectos.inei.gob.pe/web/biblioineipub/bancopub/Est/Lib1020/cuadros/c0206.xls geschätzte Einwohnerzahlen von 2012-2015
  2. Resolucion-JNE-suspension-de-Charles-Zevallos editorial=Scribd fechaacceso=11 de septiembre de 2012.
  3. La primera alcaldesa de Maynaseditorial=La Región fecha=12 de septiembre de 2012 fechaacceso=13 de septiembre de 2012.
  4. No se harán cambios radicaleseditorial=La Región,fecha=12 de septiembre de 2012,fechaacceso=13 de septiembre de 2012.
  5. Website von Martin Strel über seine Amazonas-Durchschwimmung
  6. Bericht auf der Website der BBC vom 7. April 2007: "Slovenian completes Amazon swim". Abgerufen 18. Juli 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Iquitos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien