Nogent-le-Rotrou

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Nogent-le-Rotrou
Wappen von Nogent-le-Rotrou
Nogent-le-Rotrou (Frankreich)
Nogent-le-Rotrou
Region Centre-Val de Loire
Département Eure-et-Loir
Arrondissement Nogent-le-Rotrou
Kanton Nogent-le-Rotrou (Hauptort)
Gemeindeverband Communauté de communes du Perche
Koordinaten 48° 19′ N, 0° 49′ OKoordinaten: 48° 19′ N, 0° 49′ O
Höhe 97–213 m
Fläche 23,49 km2
Einwohner 9.956 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 424 Einw./km2
Postleitzahl 28400
INSEE-Code

Nogent-le-Rotrou – Ortsansicht

Nogent-le-Rotrou ist eine Kleinstadt und eine Gemeinde mit 9.956 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im nordfranzösischen Département Eure-et-Loir im äußersten Nordwesten der Region Centre-Val de Loire. Nogent-le-Rotrou war einst die historische Hauptstadt der Grafschaft Perche.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nogent-le-Rotrou liegt am Fluss Huisne im Regionalen Naturpark Perche in einer Höhe von ca. 115 m.[1] Nächstgrößere Städte sind Chartres (ca. 60 km nordöstlich), Le Mans (ca. 65 km südwestlich) und Alençon (ca. 65 km nordwestlich). Das Klima ist in hohem Maße vom Meer beeinflusst und deshalb nahezu frostfrei; Regen (ca. 655 mm/Jahr) fällt verteilt übers ganze Jahr.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1800 1851 1901 1954 1999
Einwohner 6.514 6.983 8.415 8.765 11.524

Das Bevölkerungswachstum der Kleinstadt im 20. Jahrhundert ist im Wesentlichen auf die Mechanisierung der Landwirtschaft, den damit einhergehenden Verlust von Arbeitsplätzen und die daraus resultierende Migration zurückzuführen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nogent-le-Rotrou hatte schon im Mittelalter eine regionale Bedeutung als Markt-, Handwerks- und Handelsplatz. In den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts ist die Arbeitslosigkeit (chômage) jedoch deutlich angestiegen und liegt über dem französischen Durchschnitt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nogent gehörte zum Siedlungsgebiet der gallischen Karnuten. Ausgrabungen haben ergeben, dass der inmitten ausgedehnter Wälder gelegene Platz in gallorömischer Zeit besiedelt war. Im Jahr 955 übergab Theobald I., der Vizegraf von Blois und Tours, den Platz an seinen Vasallen Rotrou, dessen Nachkommen noch weitere 270 Jahre lang die Stadt und deren Umgebung beherrschten. Nach dem Aussterben der Grafenlinie (1227) wurde der gesamte Perche in die Krondomäne überführt.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Château Saint-Jean
Église Saint-Laurent
Église Saint-Hilaire
  • Der ca. 35 m hohe Kernbau (donjon) des Château Saint-Jean stammt aus der Zeit um 1040; seine Mauern sind bis zu 3,50 m dick. Im 12./13. Jahrhundert entstanden die von einem Wassergraben (fosses) zusätzlich gesicherte Torburg sowie die Fundamente weiterer nicht vollendeter Seitentürme. Aus dem 15./16. Jahrhundert stammt ein angrenzender Wohntrakt. Die Burg ist seit dem Jahr 1948 als Monument historique anerkannt.[4][5] Sie beherbergt auch ein kleines Stadtmuseum.
  • Das im Stadtzentrum gelegene Hôtel-Dieu geht zurück auf eine Stiftung des ausgehenden 12. Jahrhunderts zugunsten der Versorgung der Jakobspilger. Die Anlage wurde mehrfach umgebaut und ist heute eine weitläufige spätbarocke Anlage mit getrenntem Männer- und Frauentrakt aus dem 18. Jahrhundert.[6]
  • Die im 12./13. Jahrhundert erbaute, ehemals einschiffige, aber im 15. Jahrhundert um zwei Seitenschiffe erweiterte Église Notre-Dame war ehemals die Kapelle des Hôtel-Dieu. Über dem mit Zackenornamenten in spätnormannischer Manier geschmückten Portal befindet sich ein Dreifachfenster in Triumphbogenoptik. Zur Ausstattung der Kirche gehört eine krippenähnliche Figurengruppe mit der Szenerie der Geburt Christi. Die beiden auf einem Kenotaph knienden Marmorfiguren des Herzogs Sully und seiner Frau befinden sich in der an die Apsis angrenzenden achteckigen Grabkapelle. Die Kirche ist seit dem Jahr 1907 als Monument historique anerkannt.[7]
  • Die Église Saint-Hilaire ist die älteste und größte Kirche des Ortes; der Ursprungsbau aus dem 11. Jahrhundert wurde jedoch mehrfach verändert. Heutiges Wahrzeichen ist der im 16. Jahrhundert erbaute Glockenturm (clocher); aus derselben Zeit stammt auch das Maßwerk der Kirchenfenster. Das Stuckgewölbe des Kirchenschiffs wurde im 19. Jahrhundert eingezogen. Der Bau ist seit dem Jahr 2003 als Monument historique anerkannt.[8]
  • Die spätgotische Église Saint-Laurent wurde im 14./15. Jahrhundert erbaut. Zur Innenausstattung gehört eine Grablegung Christi aus dem 17. Jahrhundert. Der Kirchenbau ist seit dem Jahr 1927 als Monument historique anerkannt.[9]
  • Die Gebäude der bereits im 13. Jahrhundert existierenden Ancienne abbaye Saint-Denis stehen trotz teilweiser Ergänzungen und Zerstörungen des 18. und 19. Jahrhunderts ebenfalls unter Denkmalschutz.[10]
  • Das imposante Maison du Bailli stammt aus dem Jahr 1542 und dient heute als Schulgebäude. Es ist seit dem Jahr 1926 als Monument historique anerkannt.[11]
  • Das im 16. Jahrhundert erbaute, aber im 18. Jahrhundert teilweise neugestaltete Stadtpalais La Grande Maison steht ebenfalls unter Schutz.[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nogent-le-Rotrou – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nogent-le-Rotrou – Karte mit Höhenangaben
  2. Nogent-le-Rotrou – Klimatabellen
  3. Nogent-le-Rotrou – Geschichte
  4. Nogent-le-Rotrou – Château in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  5. Nogent-le-Rotrou – Château
  6. Nogent-le-Rotrou – Hôtel-Dieu in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  7. Nogent-le-Rotrou – Église Notre-Dame in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  8. Nogent-le-Rotrou – Église Saint-Hilaire in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  9. Nogent-le-Rotrou – Église Saint-Laurent in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  10. Nogent-le-Rotrou – Ancienne Abbaye Saint-Denis in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  11. Nogent-le-Rotrou – Maison du Bailli in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  12. Nogent-le-Rotrou – La Grande Maison in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)