Ober-Breidenbach

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Ober-Breidenbach
Stadt Romrod
Koordinaten: 50° 40′ 41″ N, 9° 13′ 49″ O
Höhe: 393 m ü. NHN
Fläche: 8,92 km²[1]
Einwohner: 324[2]
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36329
Vorwahl: 06636

Ober-Breidenbach ist ein Stadtteil von Romrod im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt südlich des Hauptortes. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3070. Sie verbindet Ober-Breidenbach mit Nieder-Breidenbach und Windhausen. Ober-Breidenbach ist der höchstgelegene Stadtteil. Er hatte 1993 insgesamt 493 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche in Ober-Breidenbach

Der Ort wurde wahrscheinlich im 10./11. Jahrhundert zum Ende der ersten Rodungsperiode besiedelt. Erstmals schriftlich erwähnt wird im Jahre 1266 der Ort Bredenbach. Die Unterscheidung zwischen Ober- und Nieder-Breitenbach erfolge erstmals 1397, als der Ortsname Obirn Brydenbach genannt wurde. Im Mittelalter lag Ober-Breidenbach etwas westlicher als der eigentliche Ort heute. Als zu dieser Zeit die Pest umging, traf sie auch das alte Ober-Breidenbach. Fast alle Einwohner erkrankten damals und verstarben. Nachdem das Dorf ausgerottet war, gab es dort längere Zeit keine Besiedlung. Erst am Ende des Mittelalters haben Siedler angefangen, sich wieder in Ober-Breidenbach zu sammeln und das Dorf etwa 300 Meter weiter östlich erneut zu gründen. Heute ist vom alten Ober-Breidenbach kaum noch etwas zu sehen. Bis auf ein paar alte Mauerreste ist das alte Dorf völlig verschwunden.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 wurde Ober-Breidenbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Romrod eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Ober-Breidenbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Ober-Breidenbach durch das Amt Romrod. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das für Ober-Breidenbach zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[9] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

  • 1961: 449 evangelische (= 89,26 %), 53 katholische (= 10,54 %) Einwohner
Ober-Breidenbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 1970
Jahr  Einwohner
1791
  
456
1834
  
546
1840
  
543
1846
  
553
1852
  
551
1858
  
533
1864
  
520
1871
  
524
1875
  
523
1885
  
518
1895
  
541
1905
  
544
1910
  
554
1925
  
502
1939
  
500
1946
  
632
1950
  
630
1956
  
519
1961
  
503
1967
  
469
1970
  
497
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1];1791:[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ober-Breidenbach, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Stadtteil im Internetauftritt der Stadt Romrod, abgerufen im September 2015.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 347.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 179, 276 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 422 (online bei Google Books).
  8. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 6 ff. (online bei Google Books).
  9. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ober-Breidenbach – Sammlung von Bildern