Oberholzklau

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Oberholzklau
Koordinaten: 50° 55′ 35″ N, 7° 56′ 4″ O
Höhe: 359 m
Fläche: 1,6 km²
Einwohner: 628 (30. Jun. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 393 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1969
Postleitzahl: 57258
Vorwahl: 02734
Hauptstraße von Oberholzklau

Oberholzklau ist ein Stadtteil von Freudenberg im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen.

Er grenzt an die Freudenberger Stadtteile Niederholzklau und Bühl, sowie an den Siegener Stadtteil Meiswinkel. Durch den Ort führt die Landesstraße L 564.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes unter dem Namen Holzeclaen datiert aus dem Jahre 1079.[2] Die Pfarrei Oberholzklau wurde erstmals 1329 erwähnt.[3]

In der Ersterwähnung aus dem Jahr 1079 heißt es:

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit sei allen verkündet, die zur heiligen Glaubensgemeinschaft gehören, dass ich, Heribert, und mein Bruder Gerung – besorgt um das Heil unserer Seelen und von Gott durch seinen heiligen Geist aufgefordert , ein Gelübde erfüllend und Gott dankend – der heiligen Mutter Gottes, der ewigen Jungfrau Maria und dem Hlg. Heribert ein gewisses, in Holzklau gelegenes Gut übertragen haben durch das daraufliegende Gesetz des Servituts, wozu uns ein bestimmtes Erbschaftsgesetz berechtigt.[4]

Im Jahr 1392 wird Oberholzklau erstmals als Kirchspiel erwähnt. In einer Urkunde heißt es, dass die Gebrüder Johannes und Ensfried den Hof Dröningen im Kirchspiel Holzklau gelegen, vom Kloster Stift Keppel pachtweise übernehmen.

1345 verkaufte Otto II. Graf von Nassau unter anderem das Kirchspiel Oberholzklau an den Erzbischof Walram zu Köln. Damit lebten die Oberholzklauer vorübergehend unter einer Doppelherrschaft. Im Jahr 1360 nahm Graf Ottos Sohn, Johann I., die verkauften Kirchspiele wieder in seinen Besitz. Oberholzklau gehörte nun wieder zum Erzbistum Mainz. Im Jahr unterstellte sich der Holzklauer Pfarrer in unruhigen Zeiten unter dem Schutz von Erzbischof Gerlach Graf von Nassau.

Nach der Reformation führte Wilhelm der Reiche Graf von Nassau 1531/31 die lutherische Lehre ein, die damit auch für das Kirchspiel Oberholzklau verbindlich wurde. Im Jahr 1578 führte Johann VI. Graf von Nassau die evangelisch-reformierte Lehre ein, die er zuvor in den Niederlanden kennengelernt hatte.

Stadtteile von Freudenberg

Zum Kirchspiel Oberholzklau gehörten Freudenberg, der Büschergrund, Alchen, Lindenberg, Bottenberg, Bühl, Niederholzklau, Meiswinkel, Oberhees, Mittelhees und Langenholdinghausen. Jedoch erhielt Freudenberg im Jahr 1585 vom Fürstenhaus die Genehmigung, zusammen mit Büschergrund, eine eigene Kirchengemeinde zu gründen.

Oberholzklau hatte unter häufig auftretenden Seuchen wie Pest und Ruhr zu leiden. So starben im Jahr 1742 insgesamt 27 Kinder unter acht Jahren an den Blattern.

In der Franzosenzeit hatte Oberholzklau 1799 unter dem Durchzug französischer, österreichischer und preußischer Truppen zu leiden. Von 1806 bis 1815 gehörte das Kirchspiel zu dem von Napoleon gegründeten Großherzogtum Berg. Nach dem Wiener Kongress wurde Oberholzklau dem Königreich Preußen zugeteilt.

Um 1900 wurde ein neues Schulgebäude errichtet, das Kinder aus Oberholzklau, Niederholzklau, Bühl, Meiswinkel und dem oberen Heestal besuchten.

Zu Beginn der 1920er Jahre wurde Oberholzklau an das Stromnetz angeschlossen. Im Jahr 1924 wurde die Freiwillige Feuerwehr Oberholzklau/Bühl gegründet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Struktur des Dorfes stark. Die meisten Einwohner verdienten ihren Lebensunterhalt nicht mehr in der Landwirtschaft, sondern in der Industrie und im Bergbau. Land- und Forstwirtschaft waren meist nur noch eine Nebenerwerb. Bis 1965 entstanden 40 neue Wohnungen und es wurden zahlreiche Flüchtlinge einquartiert.

In den 1950er Jahren bekam Oberholzklau eine Wasserleitung.

Am 1. Januar 1969 wurde Oberholzklau ein Stadtteil der Stadt Freudenberg.[5]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname regt zu manchen Spekulationen an. Ein Fernsehteam des WDR ging 2011 in der Serie „Lustige Ortsnamen“ der Frage nach, woher der Name rührt. Mit „Klauen“ hat er nichts zu tun, denn die Silbe „klau“ wurde frühe „claw“ geschrieben. In der Ersterwähnung im Jahr 1079 wurde der Ortsname „Holzeklaen“ geschrieben.

Der Versuch, die Silbe „klau“ auf das keltische Wort „glen“ (Furt) zurückzuführen, ist nicht plausibel. Zwar lebten Kelten im Siegerland, doch dann war die Gegend Jahrhunderte lang unbewohnt, sodass sie keine keltischen Namen an die später siedelnden germanischen Stämme weitergeben konnten.

Der Ursprung des Ortsnamens bleibt also im Dunkeln. Immerhin konnten die verschiedenen Schreibweisen rekonstruiert werden:

Holzeklaen (1079)
Holzcla (1329)
Holzclae (14. / 15. Jahrhundert)
Holtzglan (1632)
Holtzglaen (17. / 18. Jahrhundert)
Holzklau

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil hat zurzeit 672 Einwohner (Stand 30. Juni 2019). (Quelle: www.freudenberg-stadt.de)

Einwohnerzahlen des Ortes:[6][7]

Jahr Einwohner
1818 92
1885[8] 126
1895[9] 130
1905 149
1910[10] 154
1925[11] 197
Jahr Einwohner
1933[12] 196
1939[12] 196
1950 316
1961[13] 395
1967 410
1994[14] 588
Jahr Einwohner
2000[15] 603
2003[16] 634
2009 626
2010 624
2011 627
2019 672

Anmerkung: Einwohnerzahl 2010: 30. Juni.

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1983 wurde der Heimat- und Verschönerungsverein Oberholzklau e. V. gegründet, der heute um die 200 Mitglieder hat. Dieser Verein stellte den historischen Grenzübergang „Holzklauer Schlag“ wieder her und brachte ihn mit verschiedenen Aktionen ins Bewusstsein der Einheimischen.

Zu den wiederkehrenden Festen gehört die Maifeier. Am 1. Mai ziehen Mädchen als „Maikinder“ geschmückt durch das Dorf und singen das Lied „Der Mai ist gekommen“.

In der Osternacht wird ein großes Osterfeuer abgebrannt.

Zu Pfingsten ziehen die „Pengstelömmel“ (Pfingstlümmel) von Haus zu Haus und bitten um Eier oder Geld. Dabei tragen sie einen alten Spruch vor:

„He kömmt’n ahler Pengstemah,
dä kai Broad mee bisse ka,
krufft e’n Nest, wo kän Schelling es,
gäe os drei o’r vier, die annern, die behalt ihr.
Eier o’r Geld, da zeh‘ m’r wierer e de Wäld.“[17]

Im Herbst gibt es dann noch das Kartoffelbratfest.

Die Tradition des Brotbackens wurde durch den Bau eines Backhauses wiederbelebt.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hammel, Eike Otto: Ein Grenzort am "Kölschen Heck" – Das alte Kirchspiel Oberholzklau: Ein Kapitel Siegerländer Geschichte. Oberholzklau, Herausgegeben vom Heimat- und Verschönerungsverein Oberholzklau e.V., 2015. 235 Seiten
  • Hammel, Eike Otto: Orwerholzklauer Duffelboch – Interessantes und Wissenswertes über die tolle Knolle; über 130 Kartoffelrezepte aus dem Siegerland und der restlichen Welt. Oberholzklau: Hammel, 1995 .127 Seiten

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oberholzklau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Freudenberg: Einwohnerverteilung, abgerufen am 25. August 2017
  2. Internetseite freudenberg-oberholzklau.de
  3. Freudenberg - Stadt mit Tradition und Zukunft auf freudenberg-stadt.de (Memento des Originals vom 27. Oktober 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.freudenberg-stadt.de
  4. Eike Otto Hammel: Ein Grenzort am "Kölschen Heck. Heimat- und Verschönerungsverein Oberholzklau e.V., Oberholzklau 2015, S. 9.
  5. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Ein Handbuch zum kommunalen Neugliederung mit systematischen Übersichten und Verzeichnissen der neuen und der aufgelösten (= Kommunale Schriften für Nordrhein-Westfalen. 32, ISSN 0454-2584). Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 70.
  6. Otto Schaefer: Der Kreis Siegen. Siegen 1968.
  7. freudenberg-stadt.de: Einwohnerverteilung (regelmäßig aktualisiert)
  8. Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen. Verlag des Königlich Statistischen Bureaus, Berlin 1887, ZDB-ID 1458761-0, S. 110/111.
  9. Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen. Verlag des Königlich Statistischen Bureaus, Berlin 1897, S. 114/115.
  10. gemeindeverzeichnis.de: Landkreis Siegen
  11. genealogy.net: Amt Freudenberg
  12. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Siegen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  13. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 232.
  14. Bernhard Oltersdorf: Freudenberg, Stadt (Memento des Originals vom 21. Oktober 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lwl.org (PDF; 6,6 MB), ca. 1995
  15. Freudenberg: Ortsteile
  16. "Einwohnerzahl 2003"
  17. Eike Otto Hammel: Ein Grenzort am "Kölschen Heck. Heimat- und Verschönerungsverein Oberholzklau e.V., Oberholzklau 2015, S. 49.