Otto Glagau

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Otto Glagau (Mitte) und weitere Antisemiten der „Berliner Bewegung“, ca. 1880

Otto Glagau (* 16. Januar 1834 in Königsberg; † 2. März 1892 in Berlin) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller im deutschen Kaiserreich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Glagau begann seine Karriere als Journalist bei der liberalen Berliner Nationalzeitung. Im Zusammenhang mit dem „Gründerkrach“ 1873 (von dem er selbst betroffen war) wandte er sich vom Liberalismus ab, dem er vorwarf, für die Wirtschaftskrise und den moralisch-kulturellen Verfall Deutschlands verantwortlich zu sein. Im Dezember 1874 veröffentlichte er eine Artikelserie zum „Börsen- und Gründerschwindel“ in der Familienzeitschrift Gartenlaube. Darin beschuldigte er pauschal die Juden, durch unlautere Geschäftspraxis und Börsenspekulationen die Wirtschaftskrise verschuldet zu haben. 1876 erschien die Artikelserie in Buchform. Glagaus Antisemitismus reicht jedoch weiter zurück, denn bereits 1869 finden sich in seinen Beschreibungen über seine Aufenthalte in Litauen antisemitische Äußerungen über „Ostjuden“.[1]

In weiteren Veröffentlichungen, sowie in seiner Zeitschrift Der Kulturkämpfer (1880–1888) setzte er die Angriffe gegen das Judentum fort. So prägte er den gängigen Slogan „die soziale Frage ist die Judenfrage“, indem er die Juden mit Liberalismus und Kapitalismus gleichsetzte. Im April 1883 leitete Glagau den zweiten Internationalen Antijüdischen Kongress in Chemnitz. Ansonsten trat er nicht in antisemitischen Vereinen und Parteien in Erscheinung. Sein Gedankengut dürfte auf den politischen Antisemitismus mehr Einfluss gehabt haben als die praxisfernen Ideen der sektiererischen Ideologen Eugen Dühring, Wilhelm Marr und Paul de Lagarde.

Otto Glagau starb 1892 im Alter von 58 Jahren in Berlin.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Reuter und seine Dichtungen, Berlin 1866
  • Spaziergänge durch Lauenburg und Lübeck, Berlin 1866
  • Littauen und die Littauer, Tilsit 1869
  • Die russische Literatur und Iwan Turgeniew, Berlin 1872
  • Der Börsen- und Gründerschwindel in Berlin, Leipzig 1876
  • Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Deutschland, Leipzig 1877
  • Aktien, Historisches Schauspiel, Leipzig 1877
  • Der Bankerott des Nationalliberalismus und die ‚Reaction‘, Berlin 1878
  • Deutsches Handwerk und historisches Bürgerthum, Osnabrück 1879
  • Des Reiches Noth und der neue Culturkampf, Osnabrück 1879
  • Liberale Freiheiten, Osnabrück 1879 (Auszug aus Des Reiches Noth und der neue Culturkampf)
  • Der Kulturkämpfer. Zeitschrift für öffentliche Angelegenheiten, Berlin, 1880–1888

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob Katz: The Preparatory Stage of the modern Antisemitic Movement (1873-1879), in: Shmuel Almog (Hrsg.): Antisemitism throughout the ages, Oxford u. a. 1988, S. 279–289.
  • Daniela Weiland: Otto Glagau und "Der Kulturkämpfer". Zur Entstehung des modernen Antisemitismus im frühen Kaiserreich, Metropol-Verl., Berlin 2004. (= Dokumente, Texte, Materialien/Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin; 53) ISBN 3-936411-44-1
  • Bibliographie zum Antisemitismus im deutschen Kaiserreich (PDF-Datei; 328 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Otto Glagau – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard S. Levy : "Antisemitism: A Historical Encyclopedia of Prejudice and Persecution." Band 1 , Santa Barbara 2005, S. 276