Palfen (Toponym)

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Verbreitung der gesicherten und möglichen Toponymika für Felsformationen und Orte auf «Palf[en]-» (Auswahl Stand 2015)

Palfen ist ein im Oberdeutschen heimisches Wort für Felsen.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort der Palfen, lokal auch die Palfe,[1] steht allgemein für ‘Felsen; Felszacken, -stufe, -vorsprung; überhängender Fels’.[1] Im Grimm ist es als ‚großer überhängender Felsen‘ genannt,[2] auch Palfenwand (1555).[3] Es ist noch heute im Gebrauch, etwa als „ein aus steilem Gelände herausragender einzelner, anstehender Felsen“, auch „große Steine, die oft den Zugang zu Klüften versperren“.[4] Vereinzelt finden sich auch die Schreibungen Balfen[1] und Palven.[5]

Die gängige Hypothese ist, das Wort als Form von die Balm (auch Palm)[6][1]Höhle im Felsen‘,[7] Schweizerdeutsch auch ‚[steiniger] Hügel‘[8] und ‚Abri‘ (Halbhöhle als Unterstand)[9] zu sehen. Dieses Wort steht wohl in Nähe zu[10] oberitalienisch balma, französisch baume,[11] rätoromanisch palva, welches wegen der Verbreitung wie auch kornisch bal ‚Mine, Schacht‘ und walisisch bâl ‚vorspringender Hügel‘[12] als keltisch gesehen wird, römisch tradiert. Eine rekonstruierte Wurzel wäre *balmâ ‚Grotte‘.[6] Da der Wechsel -lm- zu -lf- nicht bairisch sein kann, wurde etwa ein schon früherer Lautwandel vorgeschlagen.[6] Dieser Hypothese widerspricht, dass das Verbreitungsgebiet der Ortsnamen auf PBalfen, im Salzburgischen und angrenzenden Gebieten, nicht an alemannisch-rätoromanisch Balmv anschließt,[13] das Wort fehlt im Nordtiroler Inntal ebenso wie in Südtirol.

Eine andere Hypothese nennt unspezifisch ein vorrömisches Substratwort *péllawo- ‚Fels‘, romanisch tradiert,[1] vielleicht zu Bergnamen wie ital. Pelvo, frz. Pelvé, Pelvoux.[14]

Jedenfalls ist das gesamte isolierte Verbreitungsgebiet – das Land Salzburg, das Berchtesgadener Land, Achental, Osttirol und Oberkärnten – frühes Missions- und Besiedelungsgebiet des Bistums Salzburg, und der Raum dieser Stadt war noch in der Nachantike romanisch-keltisch-slawisches Mischgebiet.[15] Dafür, dass das Wort dort ins Lokalbairische überging, spricht auch, dass es dann in Osttirol explizit als „deutscher“ Ausdruck in Kontrast zu slawischen und romanischen Ortsnamen steht (etwa Weißer Balfen im Dorfer Tal als Pendant zum benachbarten Bergnamen Gradalfe aus romanisch croda alba ‚weißer Fels[kamm]‘).[16]

Daneben könnte es eine nicht verwandte Ableitung zu einem Personennamen zu geben.[17]

Östlich – Salzburg bis in die Steiermark – schließt, weitgehend ohne Überlappung, das Verbreitungsgebiet Ofen (germanisch oder älter) an, in nahezu derselben Bedeutung und Breite (‚Felsformation, -wand‘ einschließlich ‚Höhle‘); nordöstlich – Ober- und Niederösterreich – steht Parz für ‚Steinhügel‘.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(gruppiert Nordwest nach Südost)[18]

Unklar erscheinen Palfing (By.),[17] Palfau (Stmk.).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Balfen, Palfen (Balm, Palm) m. (v.a. im Westen; lokal auch die Palfe usw.) In: Heinz Dieter Pohl: Die häufigsten Bergappellativa in Österreich (Liste, zusammengestellt für den Workshop Terminologie im Rahmen des Projektes „Alpkultur“ unter der Leitung von Isolde Hausner für das 21. Namenkundliche Symposium in Kals am Großglockner; pdf, uni-klu.ac.at), S. 1;
    ähnlich auch dsslb.: Südbairische Bergnamen aus Kärnten und Osttirol (Österreich). In: Astrid van Nahl, Lennart Elmevik, Stefan Brink (Hrsg.): Namenwelten: Orts- und Personennamen in historischer Sicht. Band 44 von Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsbände, Neuauflage Verlag Walter de Gruyter, 2004, ISBN 978-3-11-091147-3, S. 241 ff (Google eBook, vollständige Ansicht);
    knapper auch Bergnamen in Österreich, auf members.chello.at/heinz.pohl, dort Abschnitt 1b. Häufige Appellativa (Bergwörter).
  2. palfen, balfen, m.. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  3. Österreichische Weisthümer 2, 52, 7, nach palfenwand. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).; unklar, ob Appelativ
  4. Palfen. In: Mineralienatlas: Lexikon, mineralienatlas.de
  5. a b c Die amtliche Schreibung des Brennenden Palven mit «v», die sonst fehlt, dürfte eher eine Analogbildung zur nahen Salve sein.
  6. a b c *balmâ ‘Grotte’. In: Uwe Friedrich Schmidt: Praeromanica der Italoromania auf der Grundlage des LEI (A und B). Band 49 von Europäische Hochschulschriften, Reihe 9 Italienische Sprache und Literatur, Verlag Peter Lang, 2009, ISBN 978-3-631-58770-6, S. 160–170, dort zu Palfen insb. Scheuermeier 1920 und Meier-Lübke 1921a, S. 165 f (ausführlicher Überblick über die Forschung; Google eBook, vollständige Ansicht).
  7. balm, f.. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  8. Götzinger 1891, Scheuermeier 1920, nach Schmidt 2009, beide S. 165.
  9. Schweizerisches Idiotikon, Bd. 4, Sp. 1215 f (idiotikon.ch).
  10. Holder 1891–1907, nach Schmidt 2009, S. 160, u. a.
  11. Etwa Baume-les-Messieurs (Jura), Baulmes (Lausanne), Baume-les-Dames (Besançon), Beaume (Saint-Romain-de-Roche, Pratz)
  12. Hufschmid 1951, nach Schmidt 2009, beide S. 163, u. a.
  13. Einziges Auftreten in Österreich wäre möglicherweise Palmtal mit Palmtaljoch und Balmaalpe in Vorarlberg;
    Orte wie Palmsdorf bei Roitham, Palmsdorf und Eisenpalmsdorf am Attersee (alle Oberösterreichisches Voralpengebiet), Palmansdorf (Innviertel, Oberösterreich), Palm (Bucklige Welt, Niederösterreich), oder Palmsdorf, Slowakei und Palmsdorf, Polen, sämtlich ohne jeglichen Bezug zu Felsformen, legen eine weitere mögliche Wurzel nahe, etwa zu einem Personennamen (Palman als Diminutiv, wie Karl → Karlman ?); einzig der Palmgraben bei Sankt Pankraz unweit des Bosruck schiene möglich.
  14. Scheuermeier 1920 lehnt das ab, aber unter der Voraussetzung des Zusammenhangs mit balma; wegen des Lautwandels «m» → «f» hat dieser Autor auch Ligurisch (eine romanische Sprache) als Herkunftssprache vorgeschlagen; nach Schmidt 2009, S. 165.
  15. Keltische Edle sind in Kontext des Halleiner Salzbergs noch im 3. nachchristlichen Jahrhundert als eigenständige Ethnie nachweislich, nachrömische Siedlung verbreitet, ebenso christliche Tradition (Severin); zur Völkerwanderungszeit dürften Alpenslawen zumindest im Innergebirg und östlich im Salzkammergut gelebt haben, im 7. Jh. beginnt die Rechristianisierung durch irokeltische Mission (Rupert) und baiuwarische Landnahme. Hier finden sich dann alle drei Sprachfamilien direkt tradiert.
  16. Karl Odwarka, Heinz Dieter Pohl: Materialien zu einem Namenbuch von Kals (Osttirol). In: Österreichische Namenforschung: I. ÖNf 14/1-2 (1986), S 75; III. ÖNf 18 (1990), S. 416; Angabe nach Ref. Pohl: Balfen, Palfen.
  17. a b Palfing, bei Dachau: Abgekommener Ort im heutigen Stadtgebiet München, zwischen Laim bei Nymphenburg und Pasing; vergl. Lorenz von Westenrieder: Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau. Verlag Lindauer, 1792, Sp. 108 (Google eBook, vollständige Ansicht).; mutmaßlich ein alter -ing-Name bairischer Herkunft; etwa auch im Personennamen Palfinger.
  18. Die Auswahl gibt primär die Namen der Datenbank Geonam Österreich, das Wort kann aber örtlich viel häufiger sein, vergl. der Eintrag zu Kals; andere Quellen explizit angegeben
  19. So von der Sölllandler Südseite benannt, die auf die Felswand schaut, Mittagskogel wohl im Inntal zu Kufstein im Norden.
  20. Und auch Palfner Heimalm, Palfner Hochalm, Palfner Wald, Palfner Scharte, Palfner Kar, Palfner See.
  21. Für Kals werden genannt: Bachlerbalfen, Balfen, Bichlbalfen, Blauer Balfen, Greipalfen (wohl Gereute), Nasenpalfen, Salzbalfelen (Dim./Pl.), Saubalfen, Sechserbalfen (ein Zeitzeiger), Uhlpalfen (wohl zu Ulrich), Wasserbalfen, Weißer Balfen; Angabe nach Kalser Namen von A – Z, auf Gemeinde Kals a. Großglockner: kalskommunikation.at (Liste beruht primär auf den Arbeiten von H. Pohl);
    die weiche «B»-Schreibung ist typisch osttirolisch-kärntnerisch.
  22. Pazisel vielleicht alter Bergbauname an der Goldbergspitze