Zwölfer (Bergname)

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Elfer und Zwölfer von Hirschegg im Kleinwalsertal

Zwölfer- oder Mittags- ist ein häufiger Teil eines Bergnamens (Oronym) für einen Gipfel, der im Süden einer größeren Ortschaft steht. Davon gibt es etwa in den Alpen einige Dutzend, inklusive inoffizieller örtlicher Benennung.

Der Name rührt daher, dass die Sonne um 12 Uhr mittags – von dieser Ortschaft – (scheinbar) senkrecht über dieser Landmarke zu sehen ist. Dabei handelt es sich um den wahren Mittag (Sonnenmittag) am Ort, der vom Mittag gesetzlicher Zeit sowohl örtlich als auch jahreszeitlich abweicht.

In analoger Weise zu deuten sind die auch Elfer- und ähnliche Bergnamen. Von diesen ist aber nur näherungsweise die wahre Ortszeit ablesbar, weil die Linie, in der die Sonne übers Jahr zur gleichen Stunde steht, nicht wie die 12 h-Linie vertikal ist.

Namenkundliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Benennung findet sich in vielen Sprachen, etwa französisch midi, italienisch-rätoromanischmez[zo]di, slawisch *polъ-dьn-[1] → slowenisch poldne, österr.-slowen. polud-, oder slawisch jug- ‚Süd‘.

Ein Zwölfer-Berg dient als Mittagsweiser. Zu beachten ist, dass die Berge wahre Ortszeit geben.

Nicht zu diesem Begriffsfeld gehören die meisten Berg- und Flurnamen auf Sonn-, sie bezeichnen umgekehrt die Sonnenseite, den besonnten Südhang eines Bergs, liegen also im Norden des Talorts. Im Süden von ihm liegen Schattenseiten.

Liste von Zeitzeige-Bergen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele sortiert nach geographischer Länge Osten nach Westen (also mit der Sonne fortschreitend), mit typischer Landmarke (etwa Ortskirche), mit Entfernung/Abweichung (in Koordinaten-Sekunden) und Azimut (in Zeitminuten):

Drei und mehr Spitzen (Bergsonnenuhren)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwölfer mit Elfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwölferhorn (1522 m ) mit Elferstein (1376 m) → Sankt Gilgen im Salzkammergut (Kapelle Pinkenreit 2,7 km/8″)
  • Mittagskogel (1627 m, !546.7133335513.0294445) mit Elferkopf (1641 m, ) → Irschen im Gailtal; vielleicht auch Schloss Stein und Pölland[Anm 1]
  • Cima Dodici (Cima XII, 2336 m !545.9976945511.4681945) und Cima Undici (2228 m !546.0039175511.4854445), Valsugana, Trento → Borgo Valsugana (Kirche !546.0536945511.4597225 6,5 km/30″)
  • Zwölferspitze (2562 m ) und Elferspitze (2505 m , mit Elfertürmen) → Neustift im Stubaital, Tirol
  • Zwölferköpfl (1656 m ) und Elferköpfl (1412 m) am Nordrand des Estergebirges → Ohlstadt, Bayern[Anm 2]
  • Zwölferspitze (2594 m ) mit Elferkopf (2311 m ) → Grießau bei Häselgehr im Lechtal, Tirol (Wegkreuz !547.2963895510.4666675 5,1 km/−5″), auch Pestkapelle südl. und mehrere Wetterkreuze und -bäume im Grießbachtal: Elfer wohl zur Grießbachalpe
  • Zwölferspitze (2511 m ) mit Elferspitze (2421 m ) → Kaisers im Lechtal, Tirol (Kirche !547.2152785510.3002785 2,3 km/17″), auch Kienberg und Steeg
  • Zwölfer[kopf] (2224 m ) und Elfer[kopf] (2387 m ) → Hirschegg (Pfarrkirche !547.3425005510.1688895 5 km/6″) und Mittelberg im Kleinwalsertal, Vorarlberg

Zwölfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

16° O
  • Mittagstein (1300 m ), Rax-Schneeberg-Gebiet, Niederösterreich[Anm 3]
15° O (MEZ = OZ)
  • Zwölferkopf (1263 m ), Gemeinde Eisenkappel-Vellach → Hirskeusche am Schaidasattel, Kärnten (Brücke !546.4713895514.4894445 1,1 km/3″)
  • Zwölferbühel (1079 m ), im Glödnitztal, Kärnten, mit Flur Zwölfer → Jauernig-Moos (Marterl !546.9038895514.0944445 1,7 km/1″)
  • Raukogel (Mittagstein, 1262 m !547.8733335514.0238895), Oberösterreichische Voralpen → Steinbach am Ziehberg (Kapelle !547.8944445514.0258335 2,4 km/−5″)
14° O
13° O
  • Mittagstein (1034nbsp;m ), Bayerischer Wald, Bayern → Hundzell bei Hohenwarth (Kapelle !549.2097225512.9397225 4 km/6″)
  • Zwölferkogel (1983 m ), Kitzbüheler Alpen → Hinterglemm-Marten im Glemmtal (Glemmbachbrücke !547.3752785512.5677785 1,6 km/4″)
  • Mittagskogel (2092 m !547.3297225512.5269445), Kitzbüheler Alpen → Lengau im Glemmtal (Kapelle 4,7 km/28″)
  • Zwölferkogel (2182 m ), Granatspitzgruppe/Hohe Tauern → Stuhlfelden im Salzachtal (Pfarrkirche !547.2883335512.5275005 6,0 km/9″)
  • Poludnig (slow., 1999 m ) → Süßenberg im Gailtal (Marterl !546.6094445513.4097225 4,3 km/0″)
  • Gailtaler Polinik (slow. pol halb, vgl. opoldne: Mittag, 2332 m Kötschach)[2]
  • Mölltaler Polinik (slow. pol halb, vgl. opoldne: Mittag, 2784 m Obervellach, Mallnitz)[2]
  • Jukbichl (slow. ‚Süd‘, 1889 m )
  • Mötschlach im Gailtal (Kapelle !546.7519445513.0086115 4,8 km/0″)
  • Zwölfer (2404 m ), Hohe Tauern, mit Zwölferscharte → Wald-Lahn im Salzachtal (Wetterkreuz !547.2430565512.2100005 4,3 km/8″)
  • Mittagskopf (1543 m ), bei Thiersee, Nordtirol → etwa Ursprungalm (!547.6044445512.0988895 4 km/9″)
12° O
  • Zwölferkopf (1513 m ), bei Steinberg am Rofan, Nordtirol → Obere Bergalm (WirtshausL !547.5338895511.7600005 1,4 km/−4″<!-negativ für Berg westlich = Sonne nach Mittag darüber, Berg „geht nach“-> )
  • Zwölferkopf (1480 m ) → Pertisau am Achensee, Tirol (Kirche 1,5 km/11″)
  • Mittagspitze (2332 m !547.3680565511.6422225), bei Stans im Karwendel, Nordtirol → Stallenalm ( 1,3 km/−3″ )
  • Mittagkopf (1636 m ), Karwendel-Nordkette, mit Mittagkopfklamm → Scharnitz (Kirche !547.3883335511.2650005 2 km/3″)
  • Mitterzeigerkogel (2628 m ), nördliche Sellrainer Berge, Stubaier Alpen, Nordtirol → Rietz (Kirche Unterdorf !547.2880565511.0277785 5 km/27″)
11° O
  • Mittagskopf (2616 m ), im Kaunertal, Nordtirol → Kaunerberg-Prantach (Ebele-Kapelle !547.0808615510.7180565 3,8 km/5″; auch Marterl an der Straße oberhalb !547.0821675510.7180285 und unterhalb !547.0752785510.7183335)
  • Zwölferkopf (2596 m ) → Landeck im Oberinntal, Nordtirol (Kirche 7,2 km/26″)
  • Zwölferspitze (2416 m ) → Hinterhornbach-Krummenstein im Lechtal, Tirol (Kreuz !547.3633335510.4719445 2,3 km/−2″)
  • Zwölferkopf (2310 m ) bei Reutte im Außerfern, Nordtirol → Dürnau (Kapelle !547.2536115510.3297225 1,9 km/10″)
  • Zwölferkopf (2556 m !547.1183335510.2963895), bei St. Jakob am Arlberg im Stanzertal, Nordtirol
  • Mittagspitze (2227 m !547.3566675510.5766675), bei Stanzach im Außerfern, Lechtaler Alpen, Nordtirol → Forchach (Pfarrkirche !547.4186115510.5866675 6,8 km/36″ = –16m )
  • Mittagkopf (2249 m ), bei Kappl im Paznaun, Samnaungruppe, Nordtirol → Unterbichl (Kapelle !547.0725005510.3941675 2,3 km/3″= 15m)
  • Mittagspitze (2635 m !547.1280565510.3838895), im Stanzertal, Nordtirol → Schnann (Pfarrkirche !547.1522225510.3802785 2,7 km/13″ = 31m)
  • Mittagskopf (2735 m ), bei Ischgl im Paznaun, Samnaungruppe, Nordtirol, mit Mittagsscharte (2635 m) → Marterl an der Alten Straße (!546.9973335510.2686675 3 km/4″= 24m)
  • Mittagberg (Mittag, 1451 m ), Allgäuer Alpen → Immenstadt (Pfarrkirche !547.5600535510.2192635 2,5 km/–13″)
  • Mittagspitze (2370 m !547.2411115510.1961115), bei Warth im Lechtal, Vorarlberg → Lechleiten (Kapelle !547.2622225510.1991675 2,4 km/–11″ = −14m )
  • Mittagsspitze (2441 m !547.1802785510.1150005), Lechquellengebirge, Vorarlberg → Zug am Arlberg
  • Mittagstein (2036 m !547.1019445510.0266675), im Klostertal, Vorarlberg → Außerwald (Kapelle !547.1294445510.0275005 3,3 km/3″ =  4m)
10° O
9° O
7° O
2° O
  • Pic du Midi de Siguer (2003 m !542.7238895501.5663895), Pyrenäen → Foix ( ca. 25 km/–2′26″)
1° O
0° (WEZ = OZ)
  • Pic du Midi d’Ossau (2884 m !542.8430565499.5619445), Pyrenäen → Pau ( ca. 50 km/−4′6″)

Unsicher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwölfer (2146 m ), ein Nebengipfel des Grimming (westlich eine Zehnerspitze, 1879 m )[Anm 8]
  • Untersberg zu germ. Untern ‚Zwischen[-Mahl]zeit‘, ist aber als Vormittags-, Mittags- und Nachmittagsjause belegt,[3] daher zahlreiche Möglichkeiten; Salzburger Hochthron von Norden sichtbar (); dort auch Mittagscharte → etwa Freilassing (Stadtpfarrkirche 14,5 km/1′9″)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz-Dieter Pohl: Berg- und Gebirgsnamen: slavisch. In: Ernst Eichler, Gerold Hilty, Heinrich Löffler, Hugo Steger, Ladislav Zgusta (Hrsg.): An International Handbook of Onomastics / Manuel international d'onomastique / Ein internationales Handbuch zur Onomastik. Walter de Gruyter, Berlin/ New York 1996, ISBN 978-3-11-014879-4, Kap. 232, S. 1524–1531.
  2. a b Heinz-Dieter Pohl: Bergnamen. In: members.chello.at. Abgerufen am 24. Juli 2017.
  3. untern, m. (f., n.). In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).

Anmerkungen zu einzelnen Bergen:

  1. Zeitverschoben, vergl. Anmerkung zur Faakerseeregion
  2. Bei Ohlstadt auch eine Osterfeuerspitze, 1368 m, vor dem Zwölferköpfl.
  3. Kein Ort nördlich des Mittagsteins, vielleicht in der Gegend der Bergstation der Schneebergbahn (1897 erbaut, der Name wäre dann jung); vergl. Foto Der Schneeberg, vom Mittagsstein aus gesehen in Mittagsstein und Krumbachstein 7.7.2007, landschaftsfotos.at (abgerufen 10. Januar 2015).
  4. a b c Vergleicht man die Linien zur namensgebenden Ortschaft der beiden anderen Mittagskogel der Faakerseeregion, des Techantinger und des Mallestiger Mittagskogels, käme für den großen Mittagskogel der alte gotische Bildstock !546.5883335513.9316675 (9 km/41″) bei Egg am Faakersee in Betracht, im Norden läge Ledenitzen-Oberferlach (Kapelle Oberferlach !546.5741675513.9541675 7,5 km/7″) – dann ginge die von alters her ortsübliche Zeit dort in der Gegend etwa eine viertel Stunde „vor“.
  5. a b c d e f g Von den Montafoner Bergen haben besonders die Inneren keine Landmarke im Norden. Doch ergäben sich mit exakt 13 Uhr (–1h Azimut) für die Mittagspitzen taleinwärts die Pfarrkirche Nüziders, Kloster St. Peter zu Bludenz, sowie die Pfarrkirchen Tschagguns und St. Gallenkirch respektive, dann wären hier die Uhren auf diese Zeit gestellt gewesen; der dazwischenliegende Zwölferkopf könnte dann nachträglich zur modernen Standardzeit benannt sein, Brandner Mittagspitze, Zwölferkopf und Bludenzer Mittagsspitze bezögen sich dann recht genau jeweils auf Thüringen (Vorarlberg), Nüziders/Bürs sowie St. Laurentius in Bludenz; auch für den Walgauer wie auch Klostertaler Zwölferkopf fehlen sichere Bezüge.
    Der Zusatz „Brandner –“ ist rein landschaftlich nach dem Tal zu sehen, der Ort liegt am Westfuß.
  6. Der Zusatz „Damüls“ nach dem Ort südlich ist einer des Alpinismus.
  7. http://www.montreux-veytaux-ediths-bnb.ch/sights/dents_du_midi.html (Link nicht abrufbar)
  8. Zwölfer ohne plausible Landmarke; die Zehnerspitze westlich ist erstaunlich, da ein Zehner östlich des Zwölfers liegen sollte.