96K6 Panzir

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96K6 Panzir

Panzir-S1
Panzir-S1

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Luft-Lenkwaffensystem
Heimische Bezeichnung: 96K6 Panzir, Panzir-S1, Panzir-M
NATO-Bezeichnung: SA-22 Greyhound
Herkunftsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion / RusslandRussland Russland
Hersteller: Konstruktionsbüro für Gerätebau
Entwicklung: 1994
Stückpreis: 15 Mio. US-Dollar
Technische Daten
Länge: 3,2 m
Durchmesser: 170 mm
Gefechtsgewicht: 74,5 kg
Antrieb:
Erste Stufe:

Feststoffrakete
Geschwindigkeit: 1300 m/s
Reichweite: 1–20 km
Ausstattung
Zielortung: Radarzielverfolgung mit Funkkommandolenkung
Gefechtskopf: 20 kg FRAG-HE oder Continuous Rod
Zünder: Näherungs- und Aufschlagzünder
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Panzir-S1 (russisch Панцирь-С1 dt.: Harnisch) ist ein modernes russisches Kurzstrecken-Flugabwehrraketen-System. Der NATO-Codename lautet SA-22 Greyhound, der GRAU-Index 96K6. Das System ist der Nachfolger des 2K22-Tunguska-Komplexes. Es dient der Flugabwehr über dem Gefechtsfeld und zum Schutz von Fahrzeugverbänden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 96K6-Panzir-S1-Flugabwehrsystem ist ein bodengestütztes Kurz- und Mittelstreckenflugabwehrsystem auf Rad, Kette oder stationär mit zwei oder drei Mann Bedienung. Das System ist mit zwei Maschinenkanonen und insgesamt zwölf Flugabwehrraketen ausgestattet, die sich in je 6 Rohren links und rechts der Kanonen befinden. Die Ziellenkung erfolgt entweder per Radar oder optischer Zielzuweisung und Kommandolenkung. Das Panzir-S1 wird zur Verteidigung von zivilen und militärischen Punkt- und Flächenzielen, für motorisierte und mechanisierte Verbände bis auf Regimentsebene eingesetzt. Außerdem kann es zum Schutz von Langstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystemen wie den S-300P und S-400 eingesetzt werden. Luftziele mit Geschwindigkeiten von bis zu 1.000 Metern pro Sekunde können in Entfernungen von 0 bis 20.000 m und in Höhen von 0 bis 10.000 m effektiv bekämpft werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung begann im Jahr 1990 unter der Bezeichnung Panzir, welches das Nachfolgesystem des Flugabwehrkomplexes 2K22 Tunguska werden sollte. 1994 wurde der erste Prototyp fertiggestellt und auf der Ausstellung MAKS-1995 vorgestellt. Aufgrund finanzieller Engpässe wurden die Entwicklungsarbeiten vorerst eingestellt.

Am 24. Mai 2000 kündigte Russland den Verkauf von 50 Panzir-S1-Flugabwehrsystemen an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an. Der russische Rüstungshersteller KBP aus Tula wurde beauftragt, umfangreiche Überarbeitungen und Verbesserungen durchzuführen. Die Kosten beliefen sich auf etwa 734 Millionen US-Dollar, von denen 30 % im Voraus bezahlt wurden, um die noch ausstehende Entwicklung finanzieren zu können. Dadurch wurde das Panzir-S1-Flugabwehrsystem zum ersten russischen Waffensystem, dessen Entwicklung zum Großteil vom Ausland finanziert wurde.

Durch die Wiederaufnahme wurde das Flugabwehrsystem noch einmal grundlegend überarbeitet, so dass de facto nur das Layout erhalten blieb. Alle wichtigen Komponenten des Systems wurden ausgetauscht. Das System hat zwei neue Radare mit vergrößerter Reichweite, die in der Lage sind, mehr Luft- und Bodenziele zu erfassen. Des Weiteren wurde ein moderner Feuerleitrechner eingebaut, der die Reaktionszeit deutlich verringert. Zudem konnte durch den Einsatz moderner platzsparender Elektronik 1/3 des ursprünglichen Volumens der Operator-Kabine eingespart und auch das Gesamtgewicht halbiert werden. Auch die Bewaffnung wurde modernisiert: So ist das System mit der Maschinenkanone 2A38M und den neueren Raketen 57E6-E ausgestattet. Von Juni 2006 bis Mai 2007 wurde das Panzir-S1-Flugabwehrsystem auf dem russischen Raketenschießplatz Kapustin Jar getestet. Weitere Tests folgen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Version Panzir-S2 ist eine verbesserte Version des Panzir-S1. Sie kann eine neue Version der Boden-Luft-Raketen einsetzen, die die Reichweite von 20 auf 30 km erhöhen und ist mit verbesserten Kanonen 2A38M ausgestattet. Weiterhin ist ein neues S-Band-Suchradar mit einer auf über 40 km erhöhten Reichweite verbaut. Im April 2014 hat Oberst Juri Murawkin, stellvertretender Kommandant der Luftverteidigungstruppen, angekündigt, dass die russische Armee diese neue Variante zusammen mit einer neuen Rakete erhalten wird. Das Panzir-S2 ist seit 2015 bei der russischen Armee im Einsatz. Es wurde in Syrien zum Schutz der russischen Luftstreitkräfte auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Latakia eingesetzt. Aufnahmen von RT Ruptly vom Februar 2016 zeigen das Panzir-S2 auf dem Militärflugplatz Hmeimim in Syrien.[1]

2016 wurde öffentlich, dass Russland an der weiterentwickelten Variante Panzir-SM arbeitet. Diese soll ein neues Radar erhalten, das eine Reichweite von 75 km besitzt und eine neue Rakete mit einer Reichweite von 40 km einsetzen kann.[2] Die erste Auslieferung an die russische Armee soll 2019 erfolgen.[3]

Auf der IDEX 2019 stellte das Konstruktionsbüro für Gerätebau die Ausführung Panzir-S1M vor. Diese Ausführung verwendet ein verbessertes Zielfolgeradar sowie ein neues Rundsuchradar. Mit dem Rundsuchradar können zeitgleich 40 Luftziele begleitet werden. Weiter kommt der verbesserte Lenkwaffentyp 57E6M-E zum Einsatz. Dieser verwendet einen vergrösserten Booster und wiegt 115 kg. Weiter kommt ein neuer Sprengkopf mit einem Gewicht von 25 kg zum Einsatz. Panzir-S1M hat in der Horizontalen eine Vernichtungszone von 1,2–30 km. Die Einsatzhöhe beträgt 15–18000 m. Panzir-S1M kann zeitgleich vier Ziele bis zu einer Geschwindigkeit von 1000 m/s bekämpfen.[4]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrzeug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panzir-S1 auf GM-352-Chassis
Panzir-SA auf Basis des DT-30PM

Der erste Prototyp des Panzir-S1-Flugabwehrsystems basierte auf einen Ural-5323-Lkw, was aber inzwischen nicht mehr ausreichen dürfte. Stattdessen gibt es diverse andere Optionen. Ein KamAZ-6560 (8×8) stellt die Basis des aktuellen Ausstellungs- und Testgeräts dar. Der KamAZ-6560 kann bei einem Gesamtgewicht von 38 Tonnen eine Nutzlast von insgesamt 23 Tonnen aufnehmen. Dieser Lkw-Typ wird von einem 400 PS starken Motor angetrieben. Des Weiteren ist es möglich, das Flugabwehrsystem auf den schweren MZKT-7930 mit einer Leistung von über 500 PS zu montieren.

Daneben plant der Hersteller, das System auch auf dem gepanzerten Kettenfahrgestell GM-352 aus Weißrussland anzubieten. Dies hätte den Vorteil, dass die Maschinenkanonen und Lenkraketen auch während der Fahrt eingesetzt werden könnten. Allerdings gibt es für diese Konfiguration noch keine Kunden. Die Vereinigten Arabischen Emirate werden ihre Systeme auf Basis eines 8×8-Lkws des deutschen Herstellers MAN einsetzen.[5]

Für den Einsatz in den arktischen Regionen Russlands wurde auf Basis des DT-30 die schwimmfähige modernisierte Basisvariante DT-30PM entwickelt. Dieses System trägt die Bezeichnung Panzir-SA und verfügt über insgesamt 18 Raketenstartbehälter in einer 3×3-Konfiguration. Auf die beiden 30-mm-Maschinenkanonen wurde verzichtet.

Weiterhin wurde eine Reihe von Unterstützungsfahrzeugen entwickelt, um die Einsatzmöglichkeiten zu erweitern:

  • Transporter-Lader – Ein Ladefahrzeug für je zwei Kampffahrzeuge ermöglicht ein zeitnahes Nachladen bei Kampfeinsätzen
  • Wartungsfahrzeug – Übernimmt mit seinen Technikern Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Mechanik.
  • Elektronik-Wartungsfahrzeug – Unterstützt Arbeiten an den Computer- und Elektroniksystemen.
  • Justierfahrzeug – Einrichtung von Waffen- und Messsystemen.
  • Ersatzteilfahrzeug – Trägt einen Satz von Ersatzteilen und Spezialwerkzeugen für das System.
  • Mobiler Trainer – Hiermit können Besatzungen unter feldnahen Bedingungen geschult werden.

Radar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zielfolgeradar

Das Panzir-S1-Feuerleitsystem umfasst Zielerfassungsradar und ein Doppelwellenbandradar, das im EHF- und UHF-Band funktioniert. Beide Radarsysteme nutzen das phased-array-Verfahren, das durch elektronische Strahllenkung und -Fokussierung eine sehr hohe Genauigkeit ermöglicht.

Die Antenne des Zielfolgeradars ist kreisrund und zwischen den Lafetten und Kanonenläufen montiert. Es wurde von KBP aus dem ursprünglichen Fasotron-Tracking-Radar und einer ersten phased-array-Variante weiterentwickelt. Das Radar wird im Turm zusammen mit den Lafetten grob in Richtung des Ziels gerichtet und erfasst Ziele mit einer Geschwindigkeit bis zu 1000 m/s (3600 km/h), einem Radarquerschnitt bis hinunter zu 2 cm², in einem +/−45°-Sektor horizontal und vom Boden bis +85° vertikal, auf Entfernungen von bis zu 28 Kilometern. Dabei können gleichzeitig 20 Ziele im 3D-Modus (Richtung, Höhe, Entfernung, Geschwindigkeit) erfasst werden. Im Automatikmodus werden die drei wichtigsten Ziele automatisch priorisiert und aufgeschalten. Simultan kann das Radar bis zu vier Raketen verfolgen und Daten für deren Kommandolenkung übertragen.

Als Rundsuchradar wird ein Phased-Array-Gerät im UHF-Band verwendet, das Ziele in einem 360°-Rundkreis auf bis zu 36 km Entfernung erfassen kann. Es spürt Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper, sowie UAVs, vom Tiefflug bis zu einer Höhe von 15 Kilometern auf. Befindet sich das Panzir-S1-Flugabwehrsystem auf einem Kettenfahrgestell, kann es dabei in Bewegung bleiben und ist damit durch derartige Waffen selbst schwerer zu treffen.

Daneben steht im Feuerkontrollsystem auch ein elektronisch-optisches System mit Wärme- und Infrarotrichtungssucher zur Verfügung, das auf bis zu 26 km Ziel- und Lenkflugkörper im 3-5-micron-Band erfasst und automatisch verfolgt. Die digitale Signalaufbereitung und automatische Zielspurhaltung ist mit dem Radar integriert.

Es kann damit zwei Ziele gleichzeitig erfassen und anvisieren. Pro Minute können maximal zwölf Ziele erfasst werden. Weiterhin ist ein Freund-Feind-Erkennungs-System (IFF) vorhanden. Die Reaktionszeit von der Zielerfassung durch das Rundsuchradar über die Aufschaltung des Zielfolgeradar bis zum Start der Lenkwaffe wird im Automatikmodus mit vier bis sechs Sekunden angegeben.

Die Bedienung des Feuerleitsystems erfolgt von drei Operatorplätzen aus. Hier werden erstmals bei russischen Fla-Systemen kompakte und voll computerbasierte Systeme eingesetzt, die über Flachbildschirme und spezielle Bedienelemente gesteuert werden. Die Kabine ist klimatisiert, verfügt jedoch nicht über die ABC-Schutzeinrichtungen anderer russischer Systeme wie Tor M1.

Für den Export soll eine kostengünstigere Variante des Panzir-S1 speziell entwickelt werden, die nur mit einem elektronisch-optischen Kontrollsystem ausgestattet sein wird.

Bewaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rakete 57E6-E

Lenkwaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Panzir-S1-System ist mit insgesamt zwölf zylinderförmigen Raketenstartbehältern aus Leichtmetall ausgestattet. Jeder diese Behälter fasst eine Boden-Luft-Raketen vom Typ 57E6 oder 57E6-E. Alternativ kann Panzir auch die 9M311 und 9M335-Lenkwaffen der 2K22 Tunguska einsetzen.[6] Die 57E6-Rakete wiegt beim Start 74,5 kg und ist eine zweistufige Rakete. Die erste Stufe ist der 95Ja6-Booster mit einem Durchmesser von 170 mm.[7] Am Heck dieser ersten Stufe sind vier Stabilisierungsflächen angebracht. Die zweite Stufe hat einen Durchmesser von 90 mm[7] und kann im groben in drei Sektionen aufgeteilt werden: Hinter der Lenkwaffenspitze befinden sich der Aufschlagzünder, der Näherungszünder sowie die Aktuatoren für die Steuerflächen. Nach dieser Sektion folgt der Continuous Rod-Sprengkopf. Dieser wiegt 20 kg und hat einen Sprengstoffanteil von rund 5 kg. Der Sprengkopf nimmt rund 2/3 der Länge von der zweiten Raketenstufe ein. Im Heck sind die Elektronik, Rechnereinheit, Gyroskope sowie die Transponder für die Funk- und elektrooptischen Steuereinheiten verbaut. Am Flugkörperrumpf sind zwei Gruppen von Lenk- und Steuerflächen angebracht. Am Heck sind vier trapezförmige Stabilisierungsflächen angebracht. Am vorderen Viertel des Flugkörperrumpfs sind vier kleine trapezförmige Steuerflächen angebracht. Diese Flächen sind, während sich die Lenkwaffe in dem Transport- und Startbehälter befindet, an den Lenkwaffenrumpf angelegt. Sie entfalten sich unmittelbar nach dem Start.

Die Lenkwaffe wird mit einer Ausstoßladung aus dem Raketenstartbehälter ausgestoßen. In einer Entfernung von rund 7 m wird der Booster gezündet. Dieser beschleunigt die Lenkwaffe innerhalb von rund 2–2,4 Sekunden auf 1220–1.300 m/s.[6][7] Danach ist der Booster ausgebrannt und wird abgeworfen. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt der Weiterflug der zweiten Raketenstufe antriebslos. Die Rakete verliert während des Marschfluges etwa 40 m/s pro Kilometer an Geschwindigkeit – nach der Gesamtflugzeit von maximal 15 Sekunden beträgt die Endgeschwindigkeit noch rund 700 m/s.[7] In Abhängigkeit der Flugenveloppe kann die Lenkwaffe Flugmanöver mit einer maximalen Querbelastung von 18–32 g durchführen.[6][7]

Während des Lenkwaffenfluges werden sowohl die Lenkwaffe wie auch das Flugziel elektrooptisch und mittels Radar verfolgt. Kurskorrekturen für die Lenkwaffe werden im Feuerleitrechner des Fahrzeuges ermittelt und mittels Mikrowellen an die Lenkwaffe gesendet. Kommt das Flugziel in den Ansprechradius (7 m) des Näherungszünders, wird der Gefechtskopf gezündet.[6] Dieser hat einen effektiven Wirkungsradius von rund zehn Metern (je nach Zielgröße).[6] Bei einem Direkttreffer wird der Sprengkopf durch den Aufschlagzünder ausgelöst. Wird das Ziel verfehlt so zerstört sich die Lenkwaffe nach einer bestimmten Flugzeit durch Selbstzerlegung. Die maximale Einsatzdistanz der 57E6-Lenkwaffe liegt bei 20 km.[7]

Kanonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Panzir-S1-System ist zusätzlich mit zwei 30-mm-Maschinenkanonen des Typs 2A72 ausgestattet. Der Kampfsatz beträgt 2 × 700 Schuss. Die Besatzung kann zwischen verschiedenen Geschossarten wählen, je nachdem, welches Ziel bekämpft werden soll. Die Kadenz liegt bei 2500 Schuss pro Minute, die effektive Kampfreichweite bei 4000 m und die Zielhöhe bei maximal 3000 m.

Panzir-M[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panzir-M ist die Bezeichnung der navalisierten Variante des Luftabwehrsystems, mit dem derzeitige und künftige russische Kriegsschiffe ausgerüstet sind bzw. werden.[8] Die Serienproduktion begann 2015.[9] Bisher wurden drei Panzir-M für die russische Flotte beschafft.[10] Langfristig gilt Panzir-M als Ersatz für das Kortik-System.[11]

Unterschiede zur Landversion bestehen in der Ausstattung mit 2 GSch-6-30K/AO-18KD 30-mm-Gatlingmaschinenkanonen anstelle der 2A72. Außerdem hat die Marinevariante zusätzlich zum auf dem Waffenturm montierten Radar ein weiteres Feuerleitradar.[12][13]

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panzir-S1 auf dem Militärflugplatz Hmeimim (Syrien)

Angeblich sollen Panzir-Systeme im Januar 2015 in der Ostukraine gesichtet worden sein.[14][15] Eine abgebrannte 95Ja6-Boosterstufe (die auch in anderen Raketen verwendet wird) war angeblich bereits vor November 2014 dokumentiert worden.[16]

Mehrere Panzir-S2 sind seit dem 26. November 2015 neben dem S-400-Flugabwehrsystem im Rahmen des russischen Militäreinsatzes in Syrien zum Eigenschutz der Luftwaffenbasis in Latakia stationiert,[17] seit 2016 auch innerhalb Syriens in Palmyra.[18] Im Jahr 2017 sollen dabei durch das System insgesamt fünf unbemannte Luftfahrzeuge (drei IAI Heron, eine RQ-21A und eine Bayraktar) abgeschossen worden sein.[19]

Bei israelischen Luftangriffen am 9. Mai 2018 wurde ein Panzir-S1-System der syrischen Streitkräfte durch einen Delilah-Marschflugkörper getroffen.[20] Russischen Experten zufolge hätte dies nicht geschehen können, wenn das System gefechtsbereit gewesen wäre. Dafür wurden zwei mögliche Ursachen genannt: entweder sei die Munition verbraucht gewesen oder das System sei abgeschaltet gewesen.[21] Wieso allerdings die Panzir-Systeme in einem Kriegsgebiet – wo Angriffe jederzeit zu erwarten sind, nicht gefechtsbereit und aufmunitioniert sind, nannten die Experten nicht.

In der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 2019 flogen die israelischen Luftstreitkräfte Angriffe gegen Ziele in Syrien. Nachdem die israelischen Flugzeuge beschossen wurden, zerstörten diese mindestens ein Panzir-System.[22] [23]

Nutzerstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • AlgerienAlgerien Algerien – Ab dem Januar 2018 befinden sich 38 96K6 Panzir-S1 im Dienst,[24]:325 die zwischen 2012 und 2014 mit 750 dazugehörenden Flugabwehrraketen vom Typ 9M311 geliefert wurden.[25]
  • AthiopienÄthiopien Äthiopien – Am 14. März 2019 wurde der Einsatz von mindestens einem 96K6 Panzir-S1 bei den Streitkräften im staatlichen Fernsehen ETV gezeigt.[26]
  • IrakIrak Irak – Ab dem Januar 2018 befinden sich 24 96K6 Panzir-S1 im Dienst,[24]:339 die zwischen 2014 und 2015 mit dazugehörenden 1200 Flugabwehrraketen vom Typ 9M311 geliefert wurden.[25] Im Oktober 2012 wurden insgesamt 50 Panzir-S1 bestellt.[27]
  • RusslandRussland Russland – Ab dem 15. Januar 2019 befinden sich mindestens mindestens 228 96K6 Panzir-S/1[28][29][30][31][32][33] und mindestens 12 96K6 Panzir-S2.[34]
    Zur Erläuterung; Eine Batterie besteht aus mindestens 6 Einheiten 96K6 Panzir-S/1 bzw. -S2,[35] während eine Abteilung wiederum aus mindestens 12 Einheiten 96K6 Panzir-S/1 bzw. -2 besteht.[36]
  • SyrienSyrien Syrien – Ab dem Januar 2018 befindet sich eine unbekannte Anzahl 96K6 Panzir-S1[24]:362, die zwischen 2008 und 2013 mit mit 700 dazugehörenden Flugabwehrraketen vom Typ 9M311 geliefert wurden.[25]
  • Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate – Ab dem Januar 2018 befinden sich 50 96K6 Panzir-S1 im Dienst,[24]:325 die zwischen 2009 bis 2013 zusammen mit 1000 dazugehörenden Flugabwehrraketen vom Typ 9M311 geliefert wurden.[25]
  • VietnamVietnam Vietnam – Bislang unbestätigt ist der Einsatz von mindestens einem System bei den vietnamesischen Streitkräften.[37]

Zukünftige Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ÄquatorialguineaÄquatorialguinea Äquatorialguinea – Ein Vertrag über die Lieferung von 2 Panzir-S1 wurde auf der Militärmesse Army 2017 unterschrieben.[38]

Ehemalige Interessenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BrasilienBrasilien Brasilien – Das brasilianische Verteidigungsministerium verhandelte von 2013 bis Frühling 2017 mit Russland über den Kauf von drei Batterien. Die Verhandlungen wurden abgebrochen.[39]
  • IranIran Iran – Der Iran wollte 2010 bis zu 10 Systeme kaufen. Aufgrund der internationalen Sanktionen gegen den Iran ist der Verkauf untersagt.
  • JordanienJordanien Jordanien – Im Jahr 2007 wurden einerseits Evaluierungstests auf dem Staatsgebiet durchgeführt und Jordanien plante die Beschaffung von 50 bis 70 Systemen,[40] die jedoch bis zum Januar 2018 nicht ausgeliefert wurden.[24]:343

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The International Institute for Strategic Studies – IISS (Hrsg.): The Military Balance 2018. 1. Auflage. Routledge, London 2018, ISBN 978-1-85743-955-7 (englisch, Stand: Januar 2018).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Panzir-S1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pantsir-S2 short-range cannon missile air defense system. In: armyrecognition.com. Abgerufen am 8. April 2018 (englisch).
  2. Military & Defense - Russia's new Pantsir-SM air defense system to roll off production lines in 2 years. In: tass.com. 7. Oktober 2016, abgerufen am 8. April 2018 (englisch).
  3. Pantsyr-SM. In: deagel.com. Abgerufen am 8. April 2018 (englisch).
  4. Nikolai Nowitschkow: IDEX 2019: Russia unveils upgraded Pantsyr-S1M. In: janes.com. IHS Jane's Defence Weekly, 21. Februar 2019, abgerufen am 21. Februar 2019 (englisch).
  5. UAE must wait for Panzirs auf www.janes.com
  6. a b c d e Dr. Karlo Kopp: KBP 2K22/2K22M/M1 Tunguska SA-19 Grison / 96K6 Pantsir S1 / SA-22 Greyhound SPAAGM / Cамоходный Зенитный Ракетно-Пушечный Комплекс КБП 2К22М/М1 Тунгуска-М/М1 / 96К6 Панцирь-С1. In: ausairpower.net. Air Power Austrailia, abgerufen am 13. Februar 2019 (englisch).
  7. a b c d e f PANTSIR-S1. In: kbptula.ru. Konstruktionsbüro für Gerätebau Tula, abgerufen am 15. Februar 2019.
  8. Russia to Arm Warships With Pantsir Air Defense System. In: RIA Novosti. 11. September 2013, abgerufen am 28. Juni 2017 (englisch).
  9. Разработчик: морской зенитный комплекс "Панцирь-М" пошел в серию. 25. August 2015, abgerufen am 28. Juni 2017 (russisch).
  10. Минобороны РФ закупило три морских ЗРПК "Панцирь-М". 1. Juli 2015, abgerufen am 28. Juni 2017 (russisch).
  11. IMDS 2017: Rostec unveils Pantsir-ME naval weapon, adds details on the system
  12. Navy Recognition. In: navyrecognition.com. Abgerufen am 28. Juni 2017 (englisch).
  13. Pantsir-M Naval Air Defense Missile/Gun System to Enter Service with Russian Navy Before Year-End. In: navyrecognition.com. Abgerufen am 28. Juni 2017 (englisch).
  14. Nicholas de Larrinaga: Russian TOS-1 and Pantsyr-S1 systems reported in east Ukraine (Memento vom 8. Februar 2015 im Internet Archive)
  15. Eliot Higgins: Russia’s Pantsir-S1s Geolocated in Ukraine. In: bellingcat.com. 28. Mai 2015, abgerufen am 1. August 2015 (englisch).
  16. The Chinese QLZ87 Automatic Grenade Launcher Raising Red Flags: An Examination of Arms & Munitions in the Ongoing Conflict in Ukraine. (pdf) In: Research Report No. 3. armamentresearch.com, November 2014, S. 78, abgerufen am 18. Juli 2018.
  17. Jermie Binnie: Russian deployment of new Pantsyr to Syria confirmed. (englisch).
  18. Russia's military in Syria: Bigger than you think and not going anywhere, CNN, 9. Mai 2016
  19. Jeremy Binnie: Russia claims Pantsyr-S1s in Syria have shot down foreign UAVs. (englisch).
  20. David Cenciotti: The Israeli Air Force Has Just Released A Video Of A Pantsir-S1 Air Defense System Being Struck In Last Night’s Attack In Syria. In: theaviationist.com. 11. Mai 2018, abgerufen am 11. Mai 2018 (englisch).
  21. Daniel Brown: Russia explains why its air defenses were beaten by Israel in Syria. In: businessinsider.de. 14. Mai 2018, abgerufen am 26. Dezember 2018 (englisch).
  22. Israel releases video of dramatic air strike on two Syrian SAM systems, first one was firing 2 missiles. In: alert5.com. Alert 5, 21. Januar 2019, abgerufen am 21. Januar 2019 (englisch).
  23. IAF Attacks Iranian Targets in Syria. In: iaf.org.il. Israeli Air Force, 21. Januar 2019, abgerufen am 21. Januar 2019 (englisch).
  24. a b c d e Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen MB2018.
  25. a b c d Trade Register auf sipri.org, abgerufen am 8. September 2016
  26. Russian Pantsir-S1 anti-aircraft defense systems spotted in Ethiopia. In: Defense Blog. defence-blog.com, 15. März 2019, abgerufen am 22. März 2019 (eng).
  27. Iraq PM Confirms $4 Bln Arms Deal with Russia. sputnik.com, 9. Oktober 2012, abgerufen am 14. Januar 2019 (eng, u. a. 50 Panzir-S1 bestellt).
  28. The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2016. 1. Auflage. Routledge, London 2016, ISBN 978-1-85743-835-2, S. 190,195 (englisch, Stand: Januar 2016, 42 9K96).
  29. Новые комплексы «Панцирь-С» приступили к охране московского неба. In: Лента.Ру. lenta.ru, 8. März 2016, abgerufen am 8. Juni 2018 (russisch, u. a. 2 Abteilungen (min. 24 Einheiten) in Dienst gestellt).
  30. Военные получат первые комплексы «Бук-М3» в ноябре 2016 года. In: Лента.Ру. lenta.ru, 21. Oktober 2016, abgerufen am 8. Juni 2018 (russisch, u. a. 6 Einheiten "Panzir-S" sollten in Dienst gestellt werden).
  31. Олег Фаличев: Отличникам – по «Калашникову» Министр обороны подвел итоги выполнения гособоронзаказа. In: Военно-промышленный курьер. vpk-news.ru, 5. Februar 2018, abgerufen am 9. Februar 2018 (russisch, u. a. wurden im ganzen Jahr 2017 24 Einheiten "Panzir-S" in Dienst gestellt).
  32. Российские ВКС получат более ста современных вертолетов и самолетов. In: ИЗВЕСТИЯ. iz.ru, 4. Februar 2018, abgerufen am 4. Januar 2019 (russisch, u. a. wurden im ganzen Jahr 2018 insgesamt 10 Abteilungen Panzir-S (120 Einheiten Panzir-S) in Dienst gestellt).
  33. Крымские военные получили дополнительный дивизион ЗРК "Панцирь-С1". In: MIL.PRESS военное. военное.рф, 15. Januar 2019, abgerufen am 18. Januar 2019 (russisch, u. a. wurde 1 weitere Abteilung Panzir-S1 (bestehend aus 12 Einheiten Panzir-S1) in Dienst gestellt).
  34. Военные получили модернизированный зенитный комплекс «Панцирь-С2». In: Лента.Ру. lenta.ru, 25. Februar 2016, abgerufen am 8. Juni 2018 (russisch, u. a. 1 Abteilung (min. 12 Einheiten) in Dienst gestellt).
  35. Зенитный ракетно-пушечный комплекс "Панцирь-С1". In: Сайт российской военной техники. rusarmy.com, abgerufen am 22. März 2019 (russisch).
  36. Дислоцированные в Крыму С–400 усилят дивизионом «Панцирь–С1». In: ИЗВЕСТИЯ. iz.ru, 5. Juni 2018, abgerufen am 22. März 2019 (russisch).
  37. Báo Trung Quốc: Việt Nam đã sở hữu "mãnh thú" Pantsir-S1. soha.vn, 24. Februar 2014, abgerufen am 17. März 2019 (englisch).
  38. Russia to supply two Pantsyr-S1 air defense systems to Equatorial Guinea. tass.com, 24. August 2017, abgerufen am 13. Dezember 2017 (englisch).
  39. Jane’s Information Group - Brazil abandons Pantsir-S1 acquisition (Memento vom 23. Oktober 2017 im Internet Archive) (englisch), abgerufen am 24. Februar 2017
  40. Jane's Defence Weekly, http://www.janes.com/articles/Janes-Defence-Weekly-2007/Jordan-moves-to-buy-Pantsir-S1.html