Ruptly

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Ruptly ist eine internationale Nachrichtenagentur mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen gehört zum Netzwerk des Fernsehsenders RT, einem Tochterunternehmen des staatlichen russischen Medienbetriebs Rossija Sewodnja.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im staatlichen russischen Auftrag agierende TV-Agentur firmiert seit Juli 2012 in Berlin[1] als GmbH (HRB 140522 B) im deutschen Handelsregister. Seit Dezember 2012 hat sie, als Tochterfirma, gemeinsam mit einer Filiale des staatlichen russischen Fernsehsenders Russia Today (RT) Räume in exponierter Lage in der Lennéstraße 1 nahe dem Potsdamer Platz in Berlin-Tiergarten direkt neben dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas.[2][3] Ruptly nahm am 4. April 2013 ihren Betrieb auf. Am 9. Dezember 2013 wurde Ruptly Teil der russischen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja, die durch den Zusammenschluss der Propagandasender Stimme Russlands und RIA Novosti entstand.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruptly verfügt über weltweit 25 Büros[4] mit freien Mitarbeitern unter anderem in Washington, D.C., Damaskus, London, Madrid, Gaza und Kairo. Am Berliner Unternehmenssitz arbeiten ca. 110 Angestellte auf drei Stockwerke verteilt.[5] Direktorin und Büroleiterin ist Dinara Toktosunova.[6][7]

Geschäftsmodell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruptly sieht sich als ein alternatives Angebot zu den etablierten (angeblich angelsächsisch geprägten) Nachrichtenagenturen[4] wie etwa Reuters TV und der Associated Press Television News.[3][5] Auf der Blogging-Plattform Tumblr stellte sie sich folgendermaßen vor: „Die derzeitige Medienlandschaft pulsiert, der Informationsfluss scheint unbegrenzt. Aber die, die den Bereich von innen kennen, sehen Lücken im existenten Angebot von Video-Nachrichten-Agenturen und Massenmedien. Wir wollen diese Lücken ausfüllen, Licht ins Dunkel bringen, ein Sprachrohr für Ungehörte sein, das zeigen was normalerweise ignoriert wird.“[8]

Die Agentur bietet Fernsehsendern günstiges Filmmaterial als Live-Streams oder Video-on-Demand an.[9] Ruptly schaltet auch selbst Live-Streams auf YouTube mit vorwiegend politischen Inhalten: 2014 wurden Demonstrationen von Hooligans gegen Salafisten aus Köln und PEGIDA aus Dresden übertragen.[10] Auch eine Demonstration am 9. Januar 2016 anlässlich sexueller Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 wurde live und wie immer unkommentiert in voller Länge übertragen. Auch Berichte aus den Bereichen Wirtschaft, Sport, Wissenschaft, Technologie und Unterhaltung werden angeboten.

Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russland verschleiert laut T-Online seine Verbindungen zu seinen Propaganda-Kanälen, die es von Berlin aus aufgebaut hat. Die via Facebook, YouTube und Twitter verbreiteten Inhalte richteten sich vor allem an Linke und ökologisch Interessierte. Namentlich genannt werden auch Tochterunternehmen, die zu Russia Today (RT) und Ruptly gehören:

Redfish GmbH: Auf Facebook habe der Redfish-Kanal seit November 2017 über 250.000 Follower gewonnen und bislang 25 Reportagen veröffentlicht.

Maffick GmbH: Im Handelsregister sei als Geschäftsführerin die Chefin des Kanals In the Now eingetragen.

In the Now sei ein Kanal mit internationaler Zielgruppe, dem allein bei Facebook 3,7 Millionen User folgen, sowie zehntausende Follower bei YouTube und Twitter.[11] Überwiegend nimmt das Unternehmen pro-russische Positionen – wie bereits bei RIA Novosti kritisiert[12] – ein, weshalb ihr Beobachter Desinformation[13], Propaganda bzw. die Unterstützung politischer und wirtschaftlicher Interessendurchsetzung Russlands vorhalten und an der Wahrhaftigkeit des Formats zweifeln.[3][4][5] So spreche die Agentur zwar auch kontroverse Themen wie den Umgang mit Homosexualität in Russland an,[14] positioniere sich aber eindeutig zu außenpolitischen Angelegenheiten wie dem Bürgerkrieg in Syrien und der Krise in der Ukraine sowie der Außenwahrnehmung der Russischen Streitkräfte und von Präsident Wladimir Putin.[4][5] Iwan Rodionow, der regelmäßig in deutschen Medien auftritt, wird als sehr Kreml-nah wahrgenommen.[15][16][17] Nach Ansicht des Journalisten Thomas Franke werde systematisch an einer „Parallelrealität“ gearbeitet.[18]

Mit eher harmlos erscheinendem „Grassroots“-Etikett[19] besteht die Aufgabe von In the Now darin, mit verdeckten Desinformations-Kampagnen[20] Links-von-der-Mitte-Medien zu infiltrieren und dabei ihre enge Verbindung zur russischen Regierung streng zu verschleiern. „Unsere Zielgruppe ist jeder, der eine Mainstream-Medienindustrie satt hat, die eine der sozial exklusivsten Industrien der Welt ist und Journalisten beschäftigt, die oft eine größere Verbindung zu den Machthabern haben, die sie herausfordern und zur Rechenschaft ziehen sollen, als zu den Massen von Menschen, denen unser Beruf dienen soll“, heißt es von Redfish.[11] Die unterschwellige Botschaft lautet: Der Westen ist weder golden noch demokratisch.[13] In einem Gemisch von Fakten und Fiktion geht es ausschließlich um außerrussische Missstände, Fälle wie Natalja Estemirowa, Anna Politkowskaja, Sergei Magnitski und Boris Nemzow oder die Verschmutzung des Baikalsees bleiben unerwähnt.[21] Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, sagt dazu: „Hier wird mit billiger Polemik gegen Journalistinnen und Journalisten das Vorurteil geschürt, die Medien seien der verlängerte Arm der Staatsgewalt. Welch ein Unsinn!“[11]

Ruptly habe zudem laut Journalisten des Spiegels (Holger Stark u. a.) keine Berührungsängste mit ausgewiesenen Rechtsextremisten wie dem Holocaustleugner Nick Griffin, Vorsitzender der British National Party, und Olaf Rose, Vorstandsmitglied der NPD.[5] Ruptly bietet auch dem Chefredakteur der rechtsextremen Zeitschrift Zuerst!, Manuel Ochsenreiter, eine Plattform.[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handelsregister-Bekanntmachungen vom 25. Juli 2012.
  2. Handelsregister-Bekanntmachungen vom 11. Dezember 2012.
  3. a b c Christoph Lanz: Russia Today. Putins Welt. In: Berliner Zeitung, 14. Dezember 2012. (erschienen auch auf: fr-online.de)
  4. a b c d ZAPP vom 11. September 2013
  5. a b c d e Moritz Gathmann, Christian Neef, Matthias Schepp, Holger Stark: Die Meinungsmacher. In: Der Spiegel, 22/2014, 26. Mai 2014, S. 80–82.
  6. Impressum Ruptly GmbH
  7. Botschaft der Russischen Föderation, Pressestelle
  8. Video-Nachrichtenagentur Ruptly startet in Berlin. auf: derStandard.at, 10. Dezember 2012.
  9. Jutta Sommerbauer: Die Meinungsmacher des Kreml erweitern ihr globales Netzwerk. In: Die Presse, 12. November 2014, S. 5.
  10. Anna Reimann: Weltpresse über deutsche Islamfeinde: "Die Rhetorik von Pegida ist armselig". auf: SPON, 6. Januar 2015.
  11. a b c Jan-Henrik Wiebe, Mitten in Berlin: Russlands heimliche Medienzentrale in Europa auf T-online vom 18. Oktober 2018, abgerufen am 10. November 2018
  12. Sabine Sasse: Unabhängigkeit sieht anders aus. Putins Posaunen. In: Der Tagesspiegel, 15. Mai 2014, S. 25.
  13. a b Thorsten Schmitz, Wie russische Onlinemedien die Demokratie destabilisieren wollen auf Süddeutsche.de vom 1. November 2018, abgerufen am 10. November 2018
  14. Jens Mühling: Ivan Rodionov. Putins bester Talkshow-Vertreter. In: Der Tagesspiegel, 21. März 2014, S. 23.
  15. Barbara Kerneck: Russische Journalisten in Deutschland. Putins Plaudertaschen. In: taz, 10. Mai 2014, S. 39.
  16. Claudia von Salzen: Nur keine Ukrainer. In: Der Tagesspiegel, 19. März 2014, S. 23.
  17. Thore Barfuss: Röttgen kontert den russischen Chefredakteur perfekt aus. auf: Welt Online, 18. März 2014.
  18. Thomas Franke: Politische Berichterstattung im Russland-Ukraine-Konflikt. auf: Deutschlandfunk, 7. Dezember 2014.
  19. Charles Davis, No Amateur Act: ‘Grassroots’ Media Startup Redfish Is Supported by the Kremlin auf The Daily Beast vom 2. Januar 2018, abgerufen am 10. November 2018
  20. Viral “Manspreading” Video is Staged Kremlin Propaganda auf EU vs Disinfo vom 8. Oktober 2018, abgerufen am 10. November 2018
  21. Musa Okwonga, My new post, on Redfish and Russia Today auf okwonga.com vom 12. August 2018, abgerufen am 10. November 2018
  22. Julian Feldmann: Rodionov: Auftritt vor Rechtsextremen abgesagt (Memento vom 26. April 2015 im Internet Archive). Auf: Ndr.de, 22. April 2015.