Peitschenwurmbefall des Hundes

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Lebenszyklus von T. vulpis

Peitschenwurmbefall des Hundes (Trichuriasis), die Infektion mit Peitschenwürmern, ist eine Parasitose bei Hunden, die im Allgemeinen zu mildem bis mittelgradigem Durchfall führt. Die Erkrankung wird durch die mikroskopische Untersuchung einer Kotprobe auf Eier nachgewiesen. Die Behandlung erfolgt durch nematodenwirksame Anthelminthika.

Erreger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eier von T. trichiura (links) und T. vulpis (rechts)

Der häufigste Peitschenwurm des Hundes ist Trichuris vulpis. Er ist 4–8 cm lang, hat ein langes dünnes Vorder- und ein verdicktes Hinterende. Die Eier sind zitronenförmig, 80×40 µm groß, bräunlich, dickschalig und haben an den Polen Verdickungen („Polpfröpfe“). Sie sind bei der Eiablage ungefurcht. Die Infektion erfolgt durch Aufnahme der in der Außenwelt embryonierenden (die Larve I enthaltenden) Eier. Sie schlüpfen im Duodenum und Jejunum und dringen in deren Schleimhaut ein. Nach etwa 10 Tagen besiedeln sie den Dickdarm. Die Präpatenz ist mit 9–10 Wochen relativ lang.[1]

T. vulpis parasitiert – im Gegensatz zu den anderen Hundefadenwürmern – im Blind- und Grimmdarm.[2] Sie dringen tunnelartig bis in die Lamina propria der Darmschleimhaut ein und ernähren sich von Gewebsflüssigkeit, Epithel und Blut. Der direkte Blutverlust ist aber nur sehr gering.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

T. vulpis ist weltweit verbreitet. In Deutschland sind etwa 4 % der Haushunde befallen[3], in Österreich 3,1 %[4]. In Tschechien wurde eine Prävalenz von etwa 1 % ermittelt[5], in Griechenland von 9,6 %[6]. In einer Studie an Haushunden in Serbien war T. vulpis dagegen der häufigste Darmparasit und bei 47 % der untersuchten Tiere nachweisbar.[7]

Im Nordosten der USA waren 15 % der Haushunde befallen.[8] In Nigeria wurde er in einer Studie nur bei 0,5 % der Tiere nachgewiesen[9], in einer anderen Studie deutlich häufiger[10], in Gabun waren 50 % der Haushunde infiziert[11]. In Brasilien betrug die Befallshäufigkeit 7 %[12], in Thailand 20,5 %[13]. In Australien war T. vulpis mit einer Prävalenz von 41 % der häufigste Fadenwurm bei ausgewachsenen Hunden.[14]

Beim Rotfuchs liegt die Befallshäufigkeit bei 0,5 %.[15][16]

Krankheitsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die krankheitsauslösende Wirkung von T. vulpis ist mittelgradig. Befallene Hunde zeigen Durchfall, der blutig, bei weniger schwerem Verlauf mit Schleim durchsetzt ist. Stuhlzwang ist häufig. Die Tiere magern ab, Jungtiere bleiben im Wachstum zurück. Bei starkem Befall kann sich eine Typhlitis und Kolitis mit Bauchschmerzen, Erbrechen, Fressunlust, Austrocknung und Blutarmut entwickeln. In Extremfällen kann es zu Entgleisung der Serumelektrolyte mit Hyponatriämie und Hyperkaliämie kommen.[1]

Eine sichere Diagnose kann nur über den Einachweis im Kot mittels Flotationsverfahren gestellt werden.[2]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Behandlung erfolgt durch Anthelmintika wie Febantel, Fenbendazol, Flubendazol, Mebendazol, Milbemycinoxim, Moxidectin und Pyrantel.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Nadja Ruckstuhl et al.: Symptome und Krankheitsverlauf bei Hunden mit Trichuris vulpis-Infektion. In: Kleintierpraxis 47 (2002), S. 19–26.
  2. a b Peter F. Suter und Reto Neiger: Trichuriasis, Peitschenwurmbefall (Trichuris vulpis, whipworms). In: Peter F. Suter und Barbara Kohn (Hrsg.): Praktikum der Hundeklinik. Paul Parey, 10. Aufl. 2006, S. 718–719. ISBN 978-3-8304-4141-0
  3. D. Barutzki und R. Schaper: Endoparasites in dogs and cats in Germany 1999-2002. In: Parasitol Res. 90 (2003), Suppl. 3, S. 148–150. PMID 12928886
  4. Heinrich Prosl: Wie viele Würmer hat der Hund. Helminthologische Fachgespräche 2006, Wien. (PdF (Memento vom 2. Juni 2013 im Internet Archive))
  5. S. Dubná et al.: The prevalence of intestinal parasites in dogs from Prague, rural areas, and shelters of the Czech Republic. In: Vet. Parasitol. 145 (2007), S. 120–128. PMID 17169492
  6. M. Papazahariadou et al: Gastrointestinal parasites of shepherd and hunting dogs in the Serres Prefecture, Northern Greece. In: Vet Parasitol. 148 (2007), S. 170–173 PMID 17573197
  7. A. Nikolić et al.: High prevalence of intestinal zoonotic parasites in dogs from Belgrade, Serbia. In: Acta Vet Hung. 56 (2008), S. 335–340. PMID 18828485
  8. B.L. Blagburn et al.: Prevalence of canine parasites based on fecal flotations. In: Compend. Cont. Educ. Pract. Vet. 18 (1996), S. 483–509.
  9. O.A. Sowemimo und S.O. Asaolu: Epidemiology of intestinal helminth parasites of dogs in Ibadan, Nigeria. In: J Helminthol. 82 (2008), S. 89–93. PMID 18053301
  10. U.S. Ugbomoiko et al.: Parasites of importance for human health in Nigerian dogs: high prevalence and limited knowledge of pet owners. In: BMC Vet. Res. 4 (2008), S. 49. PMID 19068110
  11. B. Davoust et al.: Epidemiological survey on gastro-intestinal and blood-borne helminths of dogs in north-east Gabon. In: Onderstepoort J. Vet. Res. 75 (2008), S. 359–364. PMID 19294992
  12. S. Katagiri et al.: Prevalence of dog intestinal parasites and risk perception of zoonotic infection by dog owners in São Paulo State, Brazil. In: Zoonoses Public Health 55 (2008), S. 406–413. PMID 18811905
  13. T. Inpankaew: Canine parasitic zoonoses in Bangkok temples. In: Southeast Asian J. Trop. Med. Public Health 38( 2007), S. 247–255. PMID 17539273
  14. R.T. Blake und D.J. Overend: The prevalence of Dirofilaria immitis and other parasites in urban pound dogs in north-eastern Victoria. In: Aust. Vet. J. 58 (1982), S. 111–114. PMID 7115227
  15. D.T. Richards et al: Epidemiological studies on intestinal helminth parasites of rural and urban red foxes (Vulpes vulpes) in the United Kingdom. In: Vet Parasitol. 59 (1995), S. 39–51. PMID 7571336
  16. I. Saeed et al.: Helminths of red foxes (Vulpes vulpes) in Denmark. In: Vet. Parasitol. 139 (2006), S. 168–179. PMID 16580775
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