Pelargonien

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Pelargonien
Pelargonium cucullatum

Pelargonium cucullatum

Systematik
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Storchschnabelartige (Geraniales)
Familie: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)
Gattung: Pelargonien
Wissenschaftlicher Name
Pelargonium
L’Hér. ex Aiton

Die Pelargonien (Pelargonium) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae). Die 220 bis 280 Arten sind im südlichen Afrika verbreitet.

Als Trivialname für bestimmte, als Beet- oder Balkonpflanzen verwendete Pelargonium-Arten und -Hybriden wird oft der Name „Geranien“ verwendet (vom griechischen Wort géranos, γέρανος, was „Kranich“ bedeutet).

Unterschiede zur Gattung Geranium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der auch in der mitteleuropäischen Flora vertretenen Gattung der Storchschnäbel (Geranium) unterscheiden sich Pelargonien (Pelargonium) unter anderem durch den zygomorphen Blütenaufbau. Für die als Balkonpflanzen gezüchteten Arten ist aber in Deutschland umgangssprachlich noch die Bezeichnung Geranie üblich, obwohl systematisch inkorrekt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration von Pelargonium drummondii aus The Botanical Magazine, 1894, Tafel 7346

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pelargonium-Arten wachsen als einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, selten als Halbsträucher oder Sträucher; viele Arten verholzen, wenn sie älter werden. Einige Arten sind sukkulent. Sie enthalten ätherische Öle.

Die oberen Laubblätter sind meist wechselständig, die unteren meist gegenständig angeordnet. Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die meist behaarten Laubblätter sind einfach oder zusammengesetzt, meistens gelappt bis geteilt. Nebenblätter sind vorhanden.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten stehen meist zu vielen zusammengefasst in seiten- oder endständigen, einfachen oder zusammengesetzten, doldigen Blütenständen auf meist langen Blütenstandsschäften und enthalten oft Hochblätter. Es sind Blütenstiele vorhanden.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter, in Kelch- und Kronblätter unterscheidbarer, Blütenhülle (Perianth). Die je fünf Kelchblätter sind meist nicht miteinander, aber teilweise mit dem Blütenstiel zu einer Nektarröhre verwachsen. Diese Nektarröhre kann wenige Millimeter bis wenige Zentimeter lang sein. Die meist fünf (selten vier) Kronblätter sind meist frei und genagelt; die oberen zwei sind deutlich verschieden zu den unteren dreien. Im Unterschied zu den anderen Gattungen der Familie fehlt bei Pelargonium ein Diskus. Es sind meist zwei Kreise mit je fünf Staubblätter vorhanden, meist sind nur zwei bis sieben fertil, die anderen sind zu Staminodien reduziert. Fünf Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Die fünf Griffel sind bis zur Spitze verwachsen und bilden den „Schnabel“ mit fünf Narben.

Bei der Reife bleiben nur die inneren Teile der Fruchtblätter als Mittelsäule stehen. Die äußeren Teile, die unten je einen Samen umschließen, heben sich ab. Die Frucht ist eine Spaltfrucht, die in fünf einsamige Teilfrüchte aufspringt.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Pelargonium-Arten sind vormännig, das heißt die Narben werden erst nach den Staubblättern reif, um Selbstbestäubung zu verhindern.

Der Ausbreitungsmechanismus ist der gleiche wie beim Storchschnabel.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Pelargonium-Arten wachsen in Südafrika und Namibia. Viele Arten gehören zur Kapflora (Capensis). 80 % der Arten gedeihen im südwestlichsten Gebiet der Capensis mit Winterregen. Noch relativ viele Arten reichen im tropischen Ostafrika weiter nach Norden bis Simbabwe, Malawi, Tansania, Kenia, Äthiopien und einige Arten gibt es auch auf der Arabischen Halbinsel (beispielsweise im Yemen). Insgesamt wenige Arten gibt es außerhalb des Afrikanischen Kontinents. Einige Arten gibt es in Vorderasien von der östlichen Türkei über den Irak bis in den Iran (z. B. Pelargonium endlicherianum Fenzl und Pelargonium quercetorum Agnew). Wenige Arten sind Endemiten Madagaskars (Pelargonium caylae Humbert, Pelargonium madagascariense Baker). Jeweils eine Art gibt es auf den Inseln St. Helena (Pelargonium cotyledonis (L.) L'Hérit.) und Tristan da Cunha (Pelargonium acugnaticum Thouars). Wenige Arten gibt es in Australien, Tasmanien, im nördlichen Neuseeland sowie auf einigen Inseln im Indischen Ozean.[1]

Pelargonium-Arten besiedeln eine Vielzahl von Lebensräumen, Gewässerränder genauso wie die trockene Namib-Wüste, felsige Berggipfel ebenso wie Küstendünen. Einige Arten sind sukkulent und haben ober- oder unterirdische Organe zur Wasserspeicherung.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Pflanzenexemplare wurden schon um 1600 nach Europa gebracht. Bereits 1732 bezeichnete Johann Jacob Dillen in seinem Werk Hortus Elthamensis Pflanzen südafrikanischer Herkunft, welche er im Garten von William Sherard in Eltham sah, als Pelargonium. Im Jahr 1738 veröffentlichte Johannes Burman sein herausragendes Werk über afrikanische Pflanzen, Rariorum Africanarum Plantarum. Darin verwendet er ebenfalls die Bezeichnung Pelargonium für Pflanzen aus Südafrika. Carl von Linné und nachfolgende Botaniker bezeichneten jedoch ebendiese Pflanzen alle als Geranium.

Erst durch die Veröffentlichung der Erstbeschreibung der Gattung Pelargonium 1789 durch Charles Louis L’Héritier de Brutelle durch William Aiton wurde in Hortus Kewensis; or, a Catalogue of the Plants Cultivated in the Royal Botanic Garden at Kew. Band 2, London 1789, S. 417 diese Gattung etabliert.[2] Der botanische Gattungsname Pelargonium ist aus dem griechischen Wort pélargos (πέλαργος) für „Storch“ abgeleitet und bezieht sich auf die storchschnabelartig verlängerte Form der Früchte. Als Typusart wurde 1979 durch J.J.A. van der Walt in Notes on the nomenclature of Pelargonium (Geraniaceae). In: Journal of South African Botany. Band 45, Juli 1979, S. 377–380 das 1753 durch Linné erstbeschriebene Geranium cucullatum L. als Lectotypus festgelegt.

Sektion Campylia: Pelargonium tricolor
Sektion Chorisma: Zygomorphe Blüten von Pelargonium tetragonum
Sektion Ciconium: Pelargonium acetosum
Sektion Cortusina: Pelargonium echinatum
Sektion Hoarea: Pelargonium oblongatum
Sektion Isopetalum: Blütenstand von Pelargonium cotyledonis
Sektion Jenkinsonia: Pelargonium endlicherianum
Sektion Ligularia: Blütenstand von Pelargonium appendiculatum
Sektion Otidia: Pelargonium alternans
Sektion Otidia: Die stammsukkulente Pelargonium carnosum
Sektion Otidia: Pelargonium dasyphyllum
Sektion Pelargonium: Bestand von Pelargonium capitatum
Sektion Pelargonium: Pelargonium cordifolium
Sektion Peristera: Pelargonium glechomoides
Sektion Polyactium: Habitus und Blütenstand von Pelargonium bowkeri
Sektion Polyactium: Pelargonium triste
Sektion Reniformia: Pelargonium sidoides

Synonyme für die Gattung sind Dimacria Sweet (1820), Hoarea Sweet (1820), Otidia Sweet (1820), Phymathanthus Sweet (1820), Ciconium Sweet (1821), Jenkinsonia Sweet (1821), Campylia Sweet (1824), Seymouria Sweet (1824), Grenvillea Sweet (1825), Chorisma Ecklon & Zeyher (1835), Cortusina Ecklon & Zeyher (1835), Dibrachya Ecklon & Zeyher (1835), Eumorpha Ecklon & Zeyher (1835), Isopetalum Ecklon & Zeyher (1835), Ligularia Ecklon & Zeyher (1835, nom. illeg. ICBN-Artikel 53.1), Myrrhidium Ecklon & Zeyher (1835), Peristera Ecklon & Zeyher (1835), Polyactium Ecklon & Zeyher (1835) und Polyschisma Ecklon & Zeyher (1859).[3]

In der Gattung der Pelargonien (Pelargonium) werden etwa 200 bis 280 Arten unterschieden und sie wird in folgende 16 Sektionen gegliedert (Artenauswahl und Sektionszugehörigkeit laut GRIN):[4]

Zu etwa 20 Arten oder Hybriden wurden keine Zugeordnungen zu den obigen Sektionen gefunden:

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zierpflanze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weltweit als Beet- und Balkonpflanzen kultivierten Pelargonien sind Hybriden verschiedener Wildarten aus dem Kapland, der Capensis, Südafrikas, vor allem von Pelargonium zonale und Pelargonium inquinans (stehende Geranien Zonale-Hybriden) sowie Pelargonium peltatum (Hängegeranien Peltatum-Hybriden).

Die Stecklinge in der Schweiz werden zum größten Teil per Flugtransport importiert. Sobald die Mehrheit der Wertschöpfung in der Schweiz generiert wurde, dürfen die Pelargonien trotzdem als „einheimisch“ verkauft werden.[5]

Sortiment

Aufgrund intensiver züchterischer Arbeit sind sechs bedeutende Gruppen von Pelargonien entstanden, die für den Blumenhandel von großer Bedeutung sind:

  • Pelargonium-Zonale-Hybriden, die nahezu kreisrunde Laubblätter aufweisen. Zu dieser Gruppe zählen die meisten aufrechtwachsenden Sorten.
  • Pelargonium-Peltatum-Hybriden, im Gegensatz zu Zonale Hybriden mit glatten wachsartig überzogenen Blättern und halbhängendem bis hängendem Wuchs.
Sorte der Pelargonium grandiflorum-Hybriden
  • Edelpelargonien – die als Zimmerpflanzen kultivierten Edelpelargonien (auch Englische Geranien oder Regalpelargonien genannt) stammen vorwiegend von Pelargonium cucullatum und Pelargonium-grandiflorum-Hybriden ab.
  • Unique-Pelargonien
  • Engelspelargonien
  • Duftpelargonie, zum Beispiel (Pelargonium odoratissimum), die zum Teil ebenfalls züchterischen Ursprungs sind. Es sind jedoch auch Wildarten in Kultur, am häufigsten Pelargonium graveolens, die „Zitronen-Geranie“. In tropischen und subtropischen Gebieten werden einige Arten in großem Stil zur Produktion von Orangenöl angebaut.
Pelargonium-Sorte, Chromolithographie

Die Einfuhr der ersten südafrikanischen Pelargonien nach Europa fand bereits zu Anfang des 17. Jahrhunderts statt, und sie waren fast 200 Jahre lang eine der wichtigsten Pflanzengruppen in den höfischen Orangerien – zum Teil beherbergten die Sammlungen viele hundert Arten und Sorten. Heute gehören Geranien für den Zierpflanzenbau zu den wirtschaftlich bedeutendsten Kulturpflanzen.

Vielen Gartenfreunden sind vor allem die Pelargonien der Zonale- und Peltatum-Hybriden bekannt. Durch Züchtungsarbeit gibt es innerhalb dieser beiden Arten heute viele hundert Sorten, die sich in Blütenfarbe und Blattwerk unterscheiden. Somit gehören die Zonale-Hybriden sowie die Peltatum-Hybriden zu den wichtigsten gärtnerisch genutzten Pflanzen in der Gruppe der Beet- und Balkonpflanzen. In Kleve am Niederrhein gibt es bei der Firma Syngenta Seeds GmbH (einem der größten Pelargonienzüchter und Produzenten von Jungpflanzen weltweit) ein Pelargonien-Museum mit zirka 170 Wildarten zu besichtigen.

Die Edelpelargonien-Hybride Pelargonium ×grandiflorum ‘Prinzessin Purpurella’ wurde 2006 und die Pelargonien-Hybride Pelargonium ×hybrida ‘Baronesse Sophia’ 2011[6] zur bayerischen Balkonpflanze des Jahres gekürt.

Medizinische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den Wurzeln der Art Pelargonium sidoides werden Medikamente zur Behandlung von Beschwerden bei Erkältungskrankheiten hergestellt.

Ätherisches Geraniumöl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus verschiedenen Duftgeraniensorten, vor allem aber aus der Rosengeranie (Pelargonium graveolens) wird durch Wasserdampfdestillation ein ätherisches Öl gewonnen, das Geraniumöl. Je nach Anbaugebiet der verwendeten Sorten unterscheiden sich die Inhaltsstoffe des Öls, das hauptsächlich aus Monoterpenverbindungen besteht. Geranienöl wird vor allem in der Parfümindustrie verwendet.[7]

Nutzung in der Küche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rosen-Pelargonie (Pelargonium graveolens),[8] einige andere Pelargonium-Arten und -Sorten aus der Gruppe der Duft-Pelargonien finden auch Verwendung in der Speisenzubereitung. Man benutzt sie zum Aromatisieren von Getränken, Süßspeisen und Eingemachtem.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matija Strlic: The Pelargonium Page. (Abschnitt Beschreibung und Systematik: Viele Informationen zur Gattung und die Abgrenzung zu den anderen Gattungen der Familie.)
  • J. J. Van der Walt: Pelargoniums of southern Africa. Purnell, Cape Town, 1977.
  • R. T. F. Clifton: Geraniales - The species check list. Teil 4: Pelargonium. 5. Auflage, Geraniaceae Group, Dover, England 2004, ISBN 1-899742-60-3.

Einzelreferenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matija Strlic: The Pelargonium Page: Viele Informationen zur Gattung und die Abgrenzung zu den anderen Gattungen der Familie (englisch)
  2. William Aiton: Hortus Kewensis; or, a Catalogue of the Plants Cultivated in the Royal Botanic Garden at Kew. Band 2, London 1789, S. 417 (eingescannt bei biodiversitylibrary.org).
  3. F. Albers: Pelargonium: In: Urs Eggli (Hrsg.): Sukkulentenlexikon. Zweikeimblättrige Pflanzen (Dicotyledonen). Eugen Ulmer, 2002, S. 260.
  4. Pelargonium im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  5. Marianne Kägi: Geranienproduktion - Schweizer Geranien ohne Schweizer Wurzeln. In: srf.ch. 8. Mai 2019, abgerufen am 8. Mai 2019.
  6. Taufe der Bayerischen Balkonpflanze des Jahres 2011 in Mittelfranken. (Online (Memento vom 13. Mai 2014 im Internet Archive) [PDF; 176 kB]). Taufe der Bayerischen Balkonpflanze des Jahres 2011 in Mittelfranken (Memento des Originals vom 13. Mai 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aelf-fu.bayern.de
  7. Eintrag zu Geraniumöl. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 17. Juni 2014.
  8. Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur - Kultur und Verwendung. Tessloff Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pelargonien (Pelargonium) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Pelargonien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen