Pfahlrohr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pfahlrohr
Pfahlrohr (Arundo donax) – Habitus auf São Jorge, Azoren

Pfahlrohr (Arundo donax) – Habitus auf São Jorge, Azoren

Systematik
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Arundinoideae
Tribus: Arundineae
Gattung: Arundo
Art: Pfahlrohr
Wissenschaftlicher Name
Arundo donax
L.

Das Pfahlrohr (Arundo donax), auch Riesenschilf oder Spanisches Rohr genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Als Neophyt ist dieses schnellwüchsige Schilfgras, in den Tropen und Subtropen nahezu weltweit verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blatthäutchen (Ligula)
Illustration

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfahlrohr ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen bis zu 6 Metern erreicht. Sie bildet verholzte, kriechende, dicke, knotige Rhizome aus. Die Sprossachse ist einfach, aufrecht, mehr oder weniger verholzt und erreicht Durchmesser zwischen 1 und 3,5 Zentimeter. Die Internodien sind verdickt und aus ihnen wachsen ähnlich wie bei vielen Bambusarten Büschel kleiner Zweige aus.

Die deutlich zweizeilig am Halm sitzenden Laubblätter sind lineal-lanzettlich und etwa 30 bis 60 Zentimeter lang sowie 1 bis 8 Zentimeter breit. Sie sind in der Regel länger als die Internodien und bis auf einige Haare an der lang keilförmig zugespitzten Spitze kahl. Die Blatthäutchen sind 0,7 bis 1,5 Millimeter lang.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aufsteigend verzweigte, dichte rispige Blütenstand weist eine Länge von 30 bis 90 Zentimetern sowie einen Durchmesser von etwa 5,8 Zentimetern auf. Die 11 bis 14 Millimeter langen Ährchen enthalten zwei bis fünf Blüten. Die schmal lanzettlichen Spelzen sind ungleich und 8 bis 12 Millimeter lang. Die lanzettlichen Deckspelzen sind 8,5 bis 23 Millimeter groß und drei- bis siebennervig. Drei der Nerven bilden eine bis zu 1,5 Millimeter lange Granne. Die zweizähnigen Spitzen der Deckspelzen sind dorsal mit 5 bis 6 Millimeter langen Haaren besetzt. Die Vorspelze (Palea) macht etwa die Hälfte der Deckspelze aus. Staubbeutel sind etwa 3 Millimeter lang.

Pfahlrohr blüht und fruchtet von Juli bis November.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die natürliche Herkunft ist umstritten, diskutiert werden Ostasien, Indien oder der Mittelmeerraum. Das Pfahlrohr wurde seit der Antike in Asien bis hin zum Mittelmeerraum kultiviert und ist auf diesem Wege weit verschleppt worden. In der Neuen Welt wurde es erst Anfang des 19. Jahrhunderts in Kalifornien eingeführt, von wo aus es sich rasant verbreitet hat. In den Vereinigten Staaten wird es heute als eine der weltweit schädlichsten invasiven Arten bekämpft, problematisch sind vor allem die Vorkommen in Kalifornien, Texas und Nevada. Es ist sowohl in den Tropen und Subtropen der Alten und Neuen Welt als auch in Ozeanien weit verbreitet.

Pfahlrohr bevorzugt feuchte Standorte an Küsten, Fluss- und Seeufern oder in Sümpfen. Wenn das Pfahlrohr sich einmal festgesetzt hat, wächst es aber auch auf trockenen Böden.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pfahlrohr wird oft als Windschutzhecke angepflanzt.[1] Im Süden wurde das Pfahlrohr gleich lang geschnitten, zusammengebunden häufig als Schattendach über Terrassen verwendet. Eingeschränkt ist die Art als Futtermittel geeignet. Vieh frisst die jungen Blätter, verschmäht aber älteres Blattgut und die Stängel. Die Blätter werden jedoch genutzt, um Matten oder Körbe zu flechten. Im alten Rom waren Stifte aus Pfahlrohrstängeln in Gebrauch.

Aus den Stängeln des Pfahlrohrs werden die Rohrblätter vieler Einfach- und Doppelrohrblattinstrumente gebaut, beispielsweise für Dudelsack, Oboe, Klarinette[2], Fagott, Saxophon[3] und Krummhorn, weiterhin auch häufig die Pfeifen der Panflöte. Eines der ältesten Instrumente aus Pfahlrohr, das schon für die Zeit der Pharaonen im ägyptischen Raum nachgewiesen ist, ist die orientalische Flöte "Nay", die im gesamten Orient in der traditionellen als auch in der panarabischen modernen Musik populär ist.

Das Pfahlrohr ist bedingt zur Papiererzeugung geeignet. Das Papier ist von geringerer Qualität. Aufgrund seiner Schnellwüchsigkeit und Anspruchslosigkeit wird seine Verwendung als Energiepflanze diskutiert.[4] Eine 2015 erschienene Review-Studie ergab, dass Pfahlrohr zusammen mit Riesen-Chinaschilf (Miscanthus ×giganteus) und Napiergras (Pennisetum purpureum) eine der ertragreichsten Energiepflanzen ist. Studien aus Italien legen nahe, dass Pfahlrohr ertragreicher als Riesen-Chinaschilf sein könnte, für die Bestätigung dieser Ergebnisse sind jedoch weitere Forschungen auch in anderen Regionen notwendig.[5]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Arundo donax erfolgte 1753 durch Carl von Linné.

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Von Arundo donax gibt es etwa drei Varietäten:

  • Arundo donax L. var. donax
  • Arundo donax var. versicolor (Mill.) Stokes: Die Laubblätter sind weiß-grün gestreift.
  • Arundo donax var. coleotricha Hack.: Die Laubblätter sind ganz behaart.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum werden oder wurden für diese Pflanzenart, zum Teil nur regional, auch die Trivialnamen Gartenrohr, Zahmes Rohr, Schalmeienrohr, Schreibried (mittelhochdeutsch) und Schreibrohr (mittelhochdeutsch) verwendet.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanno Schäfer: Flora of the Azores, A Field Guide. Markgraf, Weikersheim 2002, ISBN 3-8236-1368-5, S. 222.
  • Erik Sjögren: Plants and Flowers of the Azores. Os Montanheiros, Velas 2001, S. 174 f.
  • Thomas A. Cope: Flora of Pakistan 143: Poaceae. Department of Botany, University of Karachi, Karachi, Arundo donax, S. 21 (online [abgerufen am 26. Mai 2008]).
  • Liang Liu, Sylvia M. Phillips: Arundo donax. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 22: Poaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2006, ISBN 1-930723-50-4, S. 448., textgleich online wie gedrucktes Werk.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Literatur angegebenen Quellen, darüber hinaus werden folgende Quellen zitiert:

  1. Werner Nachtigall: Bionik: Grundlagen und Beispiele für Ingenieure und Naturwissenschaftler. Springer, Berlin/Heidelberg 2002, ISBN 3-540-43660-X, S. 492.
  2. Albert R. Rice: The Clarinet in the Classical Period.. Oxford University Press, 15 October 2003, ISBN 978-0-19-971137-6, S. 19.
  3. Don Michael Randel: The Harvard Concise Dictionary of Music and Musicians.. Harvard University Press, 1999, ISBN 978-0-674-00084-1 (Zugriff am 13 November 2014).
  4. Kris Hundley: Power plant: Is Arundo Donax the answer to our power problems?. In: St. Petersburg Times. 11. Februar 2007 (Online [abgerufen am 26. Mai 2008]).
  5. A. Laurent, E. Pelzer, C. Loyce, D. Makowski: Ranking yields of energy crops: A meta-analysis using direct and indirect comparisons. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 46, 2015, 41–50, S. 47f, doi:10.1016/j.rser.2015.02.023.
  6. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 46, online.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfahlrohr (Arundo donax) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien