Abtei Pomposa

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ehem. Abtei Pomposa

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Pomposa (lat. Abbatia Sanctae Mariae Pomposae) ist eine ehemalige Abtei des Benediktiner-Ordens an der Mündung des Po in Nord-Italien. Sie liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Codigoro in der Provinz Ferrara.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 6. Jahrhundert existierte an dieser Stelle eine kleine Kirche. Etwa ab Mitte des 9. Jahrhunderts siedelten sich die ersten Benediktinermönche an; der erste belegte Hinweis stammt aus dem Jahre 847. Das Kloster profitierte von seiner Lage auf einer fruchtbaren, von zwei Armen des Po umgebenen Insel in der Nähe der „strada romea“ zwischen Ravenna und Rom. Wie in vielen anderen Gegenden auch, leisteten die Mönche getreu ihrem Motto „ora et labora“ wahre Pionierarbeit. Eine blühende Landwirtschaft war die Folge.

Das Kloster wurde schnell zu einem der bedeutendsten religiösen und kulturellen Zentren Italiens und erreichte nach dem Jahr 1000 seine größte Blütezeit. In dieser Phase erstreckte sich die spirituelle, politische und legislative Macht des jeweiligen Abtes auf sämtliche umliegenden Gemeinden.

Den Höhepunkt ihrer kulturellen und spirituellen Entwicklung hatte die Abtei, als ihr der Hl. Guido degli Strambiati vorstand. Dieser Abt führte in das Leben der über 100 Mönche eine große Strenge ein. Eine weitere Persönlichkeit, die in dieser Zeit in der Abtei lebte, war Guido, ein Mönch gleichen Namens (der auch „Guido von Arezzo“ genannt wird, weil er sich später lange in dieser Stadt aufgehalten hat). Er ist der Erfinder der modernen Notenschrift.

Eine Naturkatastrophe leitete den Niedergang von Pomposa ein: Im Jahre 1152 durchbrach der Po bei einer Überschwemmung oberhalb von Ferrara die Dämme und verlagerte sein Bett. Als Folge versumpfte das Gebiet um die Abtei, und die durch Mücken übertragene Malaria dezimierte die Bevölkerung. Im Jahre 1235 lebten noch 20, 1306 sogar nur noch 10 Mönche im Kloster.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Kloster immer wieder anderen Abteien unterstellt, die viele Kunstschätze und Einrichtungsgegenstände in ihre eigenen Mauern übertrugen. 1663 wurde das Kloster aufgehoben, 1671 verließen die letzten Mönche die Abtei. Die Klosterkirche wurde zunächst Pfarrkirche, bis sie nach der Französischen Revolution an einen Privatmann verkauft wurde, der die Klostergebäude landwirtschaftlich nutzte. Zwischen 1920 und 1930 wurden die im Privatbesitz befindlichen Teile enteignet und das Kloster restauriert, wodurch die Abtei ihr heutiges Aussehen erhielt.

Bau- und Kunstgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorhalle

Die Abtei ist ein Meisterwerk der romanischen Baukunst. Die Kirche wurde zwischen 751 und 874 als dreischiffige Basilika ohne Querhaus nach dem Vorbild einiger Kirchen aus dem benachbarten Ravenna errichtet. An vielen Stellen wurden Spolien verwendet. Im Jahre 1026 wurde die Kirche nach umfassenden Erweiterungen neu geweiht. Vorgelagert ist ihr eine kurze Zeit danach errichtete Vorhalle.

Bodenmosaik

Der Innenraum ist durch Säulen, die erkennbar Vorbildern aus Ravenna ähneln, mit fein gearbeiteten Kapitellen in drei Schiffe unterteilt. Besonders wertvoll sind die Bodenmosaike, die aus unterschiedlichen Epochen stammen (zumeist aus der Zeit um 1150) und neben geometrischen Elementen auch Pflanzen- und Tiermotive aufweisen.

Blick in die Apsis

In der Apsis befindet sich ein Fresko von 1351, das Christus umgeben von Engeln, Heiligen und Maria darstellt und Vitale da Bologna zugeschrieben wird. An den Wänden darunter erkennt man die Evangelisten, einige Kirchenlehrer und Szenen aus dem Leben des Hl.Eustachius.

Seitenwand

Die oberen Seitenwände des Mittelschiffs sind durchgehend mit Fresken aus der bologneser Schule des 14. Jahrhunderts geschmückt. In den oberen Teilen sind Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament und in den unteren Szenen aus der Offenbarung des Johannes zu sehen.

Stirnwand

Die der Apsis gegenüberliegende Wand zeigt eine vielschichtige Darstellung des Jüngsten Gerichts. Allerdings wird der Gesamteindruck des Innenraums stark gestört durch die Stützmauern, die (vermutlich ab dem 18. Jh. bis 1858) die Seitenschiffe und die Eingangshalle abschließen. Sie wurden aus Stabilitätsgründen nachträglich eingebaut und verunklaren den Raumeindruck einer dreischiffigen Basilika.

Rundfenster
Terrakottaschalen in der Vorhalle

Beachtung verdient die Vorhalle, nicht aufgrund ihrer Architektur, sondern wegen ihrer Gestaltung. Das farbige Muster wird aus Ziegeln in verschiedenen Rot- bis Gelbtönen erzielt. Als weitere Verzierung sind acht Terrakotta-Schalen eingemauert. Herausragend sind die beiden Rundfenster. Ihre Verzierung aus Naturstein ist einzigartig und geht auf orientalische Ursprünge zurück. (Die Umgebung Ravennas gehörte bis zum 8. Jahrhundert. zum oströmischen Byzanz, was auch die Kunst erheblich beeinflusst hat)

Turm

Neben der Kirche erhebt sich der 48 Meter hohe Glockenturm. Er wurde 1063 von dem Architekten Deusdedit errichtet, der seinen Namen auf einer Tafel an der westlichen Mauer verewigen ließ. Der Turm weist typische lombardische Merkmale auf. Nach oben hin werden die Fenster zahlreicher und breiter. Dadurch erhält der Bau eine besondere Leichtigkeit und strebt in die Höhe, was durch das hohe spitze Runddach noch unterstrichen wird. In den Mauern des Turms aus rotem und gelbem Stein erkennt man wiederum seltene Schalen aus Keramik, auf denen Bäume, Fische, Vögel und Blumen abgebildet sind. Achtzehn dieser Schalen stammen vermutlich aus Mittelmeerländern wie Ägypten, Tunesien oder Sizilien.

Anders als die Kirche sind die Klostergebäude weitgehend zerstört. Im ehemaligen Schlafsaal der Abtei über dem Kapitelsaal wurde ein Museum eingerichtet. Ausgestellt sind verschiedene Funde, die auf dem Gelände entdeckt wurden, und Reste von Restaurierungsarbeiten, die entscheidend zur Rekonstruktion der komplexen Baugeschichte der Klosteranlage und insbesondere der Kirche beigetragen haben. Zu den Stücken gehören Inschriften, Marmorarbeiten, seltene Stuckarbeiten von der ursprünglichen Dekoration der Kirche, Majolika, Gebrauchsgegenstände und Teile älterer Fresken.

Der Kapitelsaal liegt im Hintergrund des ehemaligen Kreuzgangs. Er ist mit Fresken aus dem 14. Jahrhundert geschmückt, die eine Kreuzigung, den Ordensgründer Benedikt und den Hl. Guido, Abt von Pomposa, sowie monochrome Darstellungen von Propheten auf den Seitenwänden zeigen.

In einem zweiten Gebäudeflügel befindet sich das ehemalige Refektorium. Auf der gegenüberliegenden Seite (am heutigen Eingang zur Klosteranlage), liegt der „Palazzo della Ragione“, in dem die Rechtsprechung über die Lehen ausgeübt wurde. Da das Gebäude von Beginn an keine religiöse Funktion erfüllte, war es von der eigentlichen Klosteranlage getrennt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Toman (Hg.): Die Kunst der Romanik, Köln 1996, S.78-79, ISBN 3-89508-213-9
  • Carla di Francesco: Die Abtei und das Museum von Pomposa (Führer durch die Abtei Pomposa, herausgegeben vom Mueso Pompesiano), o.O, o.J.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abbazia di Pomposa – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 44° 49′ 56″ N, 12° 10′ 31″ O