Provinz Cabo Delgado

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Cabo Delgado
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Über dieses Bild
Basisdaten
Staat Mosambik
Hauptstadt Pemba
Fläche 82.625 km²
Einwohner 2.333.278 (2017)
Dichte 28 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 MZ-P
Inselberg in Cabo Delgado
Inselberg in Cabo Delgado

Koordinaten: 12° 19′ S, 39° 25′ O

Cabo Delgado ist die nördlichste Provinz Mosambiks.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cabo Delgado hat eine Fläche von etwa 82.625 km². Die Provinz liegt im Nordosten Mosambiks an der Straße von Mosambik. Westlich liegt die Provinz Niassa, südlich die Provinz Nampula, die durch den Fluss Lúrio abgegrenzt wird, und im Norden grenzt Cabo Delgado an das Nachbarland Tansania. Grenzfluss ist hier der Rovuma. Die Provinzhauptstadt ist Pemba mit etwa 120.000 Einwohnern, weitere Städte sind Montepuez, Mocímboa da Praia, Mueda und Palma. Benannt ist die Provinz nach dem an ihrer Nordostspitze gelegenen Kap Delgado (portugiesisch Cabo Delgado), dem nördlichsten Küstenvorsprung von Mosambik.

Zur Provinz gehört auch der Archipel der Quirimbas. Hauptort der Inselgruppe ist Vila do Ibo, auf der gleichnamigen Insel.

Administrative Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cabo Delgado ist in 16 Distrikte unterteilt:

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 zählte man in Cabo Delgado 2.333.278 Einwohner. Sie gehören mehrheitlich den Ethnien der Makua und Makonde an.

Zensusjahr Einwohnerzahl
1980 940.000
1990 1.380.202
2007 1.606.568
2017 2.333.278

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese 2½-Centavo Briefmarke, abgestempelt August 1916, ist ein Überdruck einer König-Carlos-Briefmarke von 1898, die wiederum mit „REPUBLICA“ überstempelt wurde

Seit dem 14. Jahrhundert ist in Pemba ein Handelsplatz nachgewiesen. Die Portugiesen unterhielten hier ab dem 17. Jahrhundert eine kleine Niederlassung, aber erst 1904 verlegte die Companhia do Niassa (Njassagesellschaft) ihren Hauptsitz hierher.

1843 rebellierten die Völker in Pemba gegen die portugiesische Herrschaft, der sie tributpflichtig waren.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Kionga-Dreieck an der Küste vom bisherigen Deutsch-Ostafrika abgetrennt und an die Kolonie Portugiesisch-Ostafrika (dem heutigen Mosambik) angeschlossen.

Von 1761 bis 1929 war Ibo die Hauptstadt der Provinz Cabo Delgado, die dann nach Porto Amélia, dem heutigen Pemba, verlegt wurde.

Nachdem Tansania 1962 unabhängig wurde, operierte die Unabhängigkeitsbewegung FRELIMO von dort aus in Cabo Delgado. Nach der staatlichen Unabhängigkeit Mosambiks im Jahre 1975 warb die FRELIMO-Regierung im überwiegend landwirtschaftlich geprägten Land für den weiteren Ausbau von Gemeinschaftsfarmen, womit man in der Provinz Cabo Delgado die geringsten Erfolge hatte. Die Provinzregierung bezeichnete 1979 solche Bestrebungen als „reaktionär“, da sie von einer falschen Lagebeurteilung unter der Bevölkerung ausgehen würden.[1]

Unruhen seit 2017

Seit 2017 gibt es einen muslimischen Aufstand, die Miliz Ansar al-Sunna (örtlich genannt Ansar al-Sharia, auf dem Land al-Shabaab, ferner Swahili Sunna, zuerst Ahlu Sunnah wa-Jamo) führt dort einen Guerilla-Krieg mit mehreren hundert Toten. Im Oktober 2019 wurden eine russische Wagner-Söldner-Einheit in mehrere Gefechte verwickelt, 10 Männer fielen und wurden teilweise geköpft, eine größere Anzahl wurde verletzt, weitere 20 Soldaten der mosambikischen Armee sollen ebenfalls gefallen sein.[2][3] Bewohner berichten von Hinrichtungen, Folter und Verstümmelungen. Anfang 2020 waren etwa 100.000 Menschen vor den Islamisten auf der Flucht.[4] Im November 2020 tötete eine dem IS nahestehende Miliz mehr als 50 Menschen.[5]

Nach Angaben der Regierung vom 19. November 2020 eroberten mehr als 1000 Soldaten das Dorf Muidumbe zurück, wobei 16 Aufständische der Ahlu Sunnah Wa-Jama starben.[6]

Seit den Angriffen einer islamistischen Terrorgruppe auf die Stadt Palma, die am 24. März 2021 mit einer Invasion von der Seeseite begannen, ist der Aufenthalt im Stadtgebiet für die Zivilbevölkerung nur noch unter extremen Lebensrisiko möglich. Große Teile der Bevölkerung sind in das Umland geflohen oder wurden mit Helikoptern und Schiffen evakuiert. Hunderte Personen kamen per Boot in die Provinzhauptstadt Pemba. Augenzeugen berichten von einem äußerst brutalen Vorgehen der Terroristen aus dem Kreise des ISIS, manche Betroffene sind traumatisiert. Kleine Gruppen flüchteten auch über die Sandbänke des Rovuma auf tansanisches Staatsgebiet.[7]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Küste der Provinz liegen die zwei größten Erdgasfelder des Landes. Im Juli 2020 schloss die Regierung mit dem Ölkonzern Total einen Vertrag im Wert von rund 15 Milliarden US-Dollar für die Förderung der geschätzten Vorkommen von 1,804 Billionen Kubikmeter Erdgas. Im Dezember 2020 waren bereits 5000 Menschen in der Anlage beschäftigt, bis 2022 soll sich die Anzahl verdreifachen.[8]

Die Quirimbas-Inseln sind ein beliebtes Ziel für Touristen. Pemba verfügt über einen internationalen Flughafen. Die Provinz ist von Pemba aus durch die Fernstraße EN1 mit dem Süden Mosambiks verbunden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Provinz Cabo Delgado – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph Hanlon: Mosambik. Revolution im Kreuzfeuer. (= edition südliches afrika 21), Bonn 1986, S. 136–137.
  2. https://www.themoscowtimes.com/2019/10/31/7-kremlin-linked-mercenaries-killed-in-mozambique-in-october-sources-a67996
  3. https://clubofmozambique.com/news/in-push-for-africa-russias-wagner-mercenaries-are-out-of-their-depth-in-mozambique-the-moscow-times-147483/
  4. https://www.tagesschau.de/ausland/mosambik-hunderttausend-tote-101.html
  5. Mosambik: Mehr als 50 Menschen offenbar von Islamisten enthauptet. In: DER SPIEGEL. Abgerufen am 9. November 2020.
  6. Aljazeera: Mozambique says northern village, site of ‘beheadings’, retaken. Meldung vom 20. November 2020 (englisch).
  7. UNHCR: UNHCR alarmed at brutal attacks by insurgent armed group in Mozambique. Meldung vom 30. März 2021 auf www.clubofmozambique.com (englisch).
  8. Mozambique: How Total plans to protect its $15bn major gas project In: theafricareport, 7. Januar 2021, abgerufen am 17. März 2021 (englisch)