Psychotherapie in Deutschland

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Psychotherapie in Deutschland ist eine heilkundliche Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von psychischen Störungen mit Krankheitswert. Beruflich darf sie ausschließlich von Ärztlichen Psychotherapeuten, Psychologischen Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie Heilpraktikern für Psychotherapie durchgeführt werden.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychotherapie ist in Deutschland eine Form der Heilkunde.[1] Sie darf nur von Personen ausgeübt werden, die hierzu berechtigt sind. Unberechtigte Ausübung von Psychotherapie steht unter Strafe (§ 5 HeilPrG).[2] Psychologische Tätigkeiten, die keine Heilkunde zum Gegenstand haben, insbesondere die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte, zählen nicht als Ausübung von Psychotherapie (§ 1 Abs. 3 S. 3 PsychThG).

Die Definition, was berufsrechtlich unter Psychotherapie zu verstehen ist, ist in Deutschland im Psychotherapeutengesetz, sowie im Heilpraktikergesetz geregelt.

  • Psychotherapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes ist gemäß § 1 Abs. 3 S. 1 PsychThG „Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist“ „mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren“.
  • Heilkunde ist gemäß § 1 Abs. 1 HeilprG die „Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen“.

Die Definition des Psychotherapeutengesetzes von 1999 ist an die Definition des Heilkundebegriffs von 1939 angelehnt, jedoch setzt der Heilkundebegriff des Heilpraktikergesetzes die wissenschaftliche Anerkennung eines Behandlungsverfahrens nicht voraus. Durch das Psychotherapeutengesetz „werden weder heilkundliche Befugnisse von Ärzten noch die Rechte, die eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz verleiht, [...] eingeschränkt.“[3] Das bedeutet, dass die wissenschaftliche Anerkennung eines psychotherapeutischen Verfahrens keine Voraussetzung ist, die ein Psychotherapieverfahren allgemein erfüllen muss, um als Psychotherapie zu gelten oder erlaubt zu sein, sondern das Merkmal stellt eine Bedingung dar, Psychotherapie gemäß einer Approbation des Psychotherapeutengesetzes (also als Psychologischer Psychotherapeut oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut) ausüben zu dürfen.[4]

Rechtliche Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berufsrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland sind je nach Erlaubnis vier Gruppen von Berechtigten zu unterscheiden, die Psychotherapie ausüben dürfen. Jede Gruppe hat unterschiedliche rechtliche Vorgaben, woraus sich unterschiedliche Ausbildungsstandards, sowie verschiedene Behandlungsgrenzen und -möglichkeiten ergeben.

  • Ärztlicher Psychotherapeut. Ärztliche Psychotherapeuten üben psychotherapeutische Heilkunde im Einklang mit § 1 Abs. 1 HeilprG auf der Grundlage ihrer ärztlichen Approbation gemäß § 2 Abs. 2 BÄO und einer mehrjährigen psychotherapeutischen Weiterbildung aus. Sie dürfen sich Psychotherapeut nennen (§ 1 Abs. 1 S. 4 PsychThG). Ihre Psychotherapie hat sich am jeweils aktuellen naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand zu orientieren, ist aber berufsrechtlich nicht ausschließlich auf wissenschaftlich anerkannte Verfahren festgelegt und kann mehr Therapiefreiheit für sich beanspruchen, als die Psychotherapie, die auf der Grundlage des Psychotherapeutengesetzes möglich ist.[5] Sie dürfen als Arzt grundsätzlich somatische Ursachen psychischer Störungen selbst abklären und sie dürfen auch neben der Psychotherapie andere ärztliche Verfahren, insbesondere Medikamente, zur Behandlung einsetzen. – Ausbildungsweg: Ärzte bilden sich nach Abschluss ihres Medizinstudiums entweder zum „Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“, zum „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“ (oft in Kombination mit dem „Facharzt für Neurologie“) oder Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie weiter, oder sie erwerben – nach einer beliebigen (nicht psychotherapie-gebundenen) Spezialisierung oder Facharztausbildung – zusätzlich die berufsbegleitenden Zusatzqualifikationen „Psychotherapie“ oder „Psychoanalyse“.
  • Psychologischer Psychotherapeut und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Die Angehörigen dieser zwei Heilberufe üben Psychotherapie auf der Grundlage der Approbation gemäß § 1 Abs. 1 S. 1 PsychThG aus. Sie dürfen sich Psychotherapeut nennen (§ 1 Abs. 1 S. 4 PsychThG). Mögliche körperliche Ursachen psychischer Störungen können sie nicht selbst abklären (§ 1 Abs. 3 S. 2 PsychThG). Sie sind auch nicht zur Verschreibung von Medikamenten (Pharmakotherapie) autorisiert.[6] Darüber hinaus dürfen Sie nur psychotherapeutische Verfahren anwenden, die wissenschaftlich anerkannt sind (§ 1 Abs. 3 S. 1 PsychThG). Als wissenschaftlich anerkannt können nur Psychotherapieverfahren gelten, deren Wirksamkeit nachprüfbar belegt ist.[7] Die Entscheidung hierüber trifft die zuständige Landesbehörde (§ 10 PsychThG). In Zweifelsfällen soll sie ihre Entscheidung auf der Grundlage eines Gutachtens des wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie treffen (§ 11 PsychThG). Die Gutachten des Beirats stellen hierfür vorweggenommene Sachverständigengutachten dar, deren Ergebnis zu folgen ist, es sei denn, dass „die Tragfähigkeit seiner Annahmen prinzipiell in Zweifel gezogen werden muss,“ zum Beispiel, weil die Inhalte wissenschaftlich überholt sind.[8] – Ausbildungsweg: Psychologische Psychotherapeuten verfügen über ein abgeschlossenes Studium der Psychologie (Diplom oder Master) mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie im Hauptstudium. Des Weiteren haben sie eine mehrjährige vertiefte Ausbildung in einem wissenschaftlich anerkannten Therapieverfahren. Kinder- und Jugendpsychotherapeuten verfügen über ein Studium der Psychologie (Diplom oder Master), Medizin, Pädagogik (Diplom oder Master) oder Sozialpädagogik (Diplom oder Master). Nach dem Studium erfolgt in Analogie zu den Psychologischen Psychotherapeuten eine mehrjährige Fachausbildung mit anschließender Approbation.
  • Heilpraktiker. Heilpraktiker mit einer allgemeinen Heilkundeerlaubnis gemäß § 1 Abs. 1 HeilprG dürfen Psychotherapie ausüben. Sie dürfen sich jedoch nicht Psychotherapeut nennen (§ 1 Abs. 1 S. 4 PsychThG). Durch die erfolgreiche Ablegung der Heilpraktikerprüfung haben sie den Nachweis erbracht, über ein ausreichendes Wissen zu verfügen, um eigenverantwortlich Psychotherapie durchführen zu können, ohne eine Gefahr für die Volksgesundheit darzustellen.[9] Sie haben Therapiefreiheit und dürfen ohne Nachweis eines erreichten Ausbildungsstandards[10] grundsätzlich alle Psychotherapieverfahren anwenden, also die wissenschaftlich anerkannten und auch die wissenschaftlich nicht anerkannten. Das Patientenschutzinteresse wird rechtlich dadurch gewahrt, dass der Staat sich durch die Heilpraktikerprüfung davon überzeugt hat, dass Heilpraktiker durch die konkrete Ausübung psychotherapeutischer Heilkunde, keine Gefahr für Patienten darstellen.[11] Sie dürfen in den Grenzen ihrer Heilpraktikerbefugnisse (im Hinblick auf die Ärzte) grundsätzlich körperliche Ursachen psychischer Störungen selbst abklären und dürfen neben der Psychotherapie auch andere Verfahren zur Behandlung psychischer Störungen einsetzen. – Die Heilkundeerlaubnis erhalten sie im Wege einer amtsärztlichen Überprüfung des zuständigen Gesundheitsamts. Die Ausbildungswege von Heilpraktikern sind staatlich nicht geregelt. Sie bereiten sich meist mit Hilfe nichtstaatlicher Ausbildungseinrichtungen, zum Beispiel durch einen Lehrgang an einem privaten Institut, auf ihre Tätigkeit vor.
  • Heilpraktiker, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie üben Psychotherapie auf der Grundlage einer auf Psychotherapie beschränkten Heilkundeerlaubnis gemäß § 1 Abs. 1 HeilprG aus.[12] Sie dürfen sich nicht Psychotherapeut nennen (§ 1 Abs. 1 S. 4 PsychThG). Für sie gilt dasselbe wie für Heilpraktiker, mit der Ausnahme, dass sie nur Psychotherapie als Behandlungsverfahren nutzen dürfen und mögliche körperliche Ursachen psychischer Erkrankungen nicht selbst abklären dürfen. – Als Heilpraktiker, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie können auch Psychologen praktizieren, die über ein abgeschlossenes Studium der Psychologie mit Diplom oder Master of Science verfügen, aber keine Approbation nach Psychotherapeutengesetz erlangt haben. Hatten sie als Prüfungsfach ihres Universitätsabschlusses „klinische Psychologie“, wird ihnen auf Antrag eine eingeschränkte Heilpraktikererlaubnis nach Aktenlage erteilt.[13] Ansonsten haben sie wie alle anderen Anwärter die entsprechende Heilpraktikerprüfung zu absolvieren.

Sozialrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesetzliche Krankenversicherung und damit auch deren Verfahrensweise bezüglich der Psychotherapie ist im Fünften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB V) geregelt. § 92 bestimmt, dass der so genannte Gemeinsame Bundesausschuss „Richtlinien über die Gewährung für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung der Versicherten“ beschließt. Diese Richtlinien regeln für die Psychotherapie insbesondere:

  • behandlungsbedürftige Krankheiten
  • zur Krankenbehandlung geeignete Verfahren
  • Antrags- und Gutachterverfahren
  • probatorische Sitzungen
  • Art, Umfang und Durchführung der Behandlung sowie den ärztlichen Konsiliarbericht

Dabei können Leistungen eingeschränkt oder ausgeschlossen werden, „wenn nach allgemein anerkanntem Stand der medizinischen Erkenntnisse der diagnostische oder therapeutische Nutzen, die medizinische Notwendigkeit oder die Wirtschaftlichkeit nicht nachgewiesen sind“.

Die Sozialpsychiatrie-Vereinbarung[14] ermöglichtes Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie psychotherapeutische Programme in Zusammenarbeit mit nichtapprobierten und approbierten Therapeuten in einem multiprofessionellen Team durchzuführen, welche nicht dem gutachterlichen Antragsverfahren unterliegen. Diese verbreitete und moderne kinderpsychotherapeutische Behandlungsform wird auch multimodale Kindertherapie genannt. Im Erwachsenenbereich gibt es bisher in Deutschland keine vergleichbare sozialversicherungsrechtliche Grundlage zur multimodalen psychotherapeutischen Behandlung im interdisziplinären Team.

Die Bedingungen der privaten Krankenversicherungen sind unterschiedlich. Grundsätzlich orientieren sie sich an den gesetzlichen Verfahrensweisen, haben aber im Einzelnen oft etwas großzügigere Regelungen, so bei Behandlern und Therapieverfahren. Vor Beginn einer Therapie muss jedoch in der Regel eine schriftliche Zustimmung der Versicherung eingeholt werden.

Erkrankungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Voraussetzung für eine Psychotherapie nach den Psychotherapie-Richtlinien ist, dass eine seelische Krankheit[15] vorliegt. Diese ist, auch in Abgrenzung z. B. zu Befindlichkeitsstörungen, im "Kommentar Psychotherapie-Richtlinien" klar definiert.[16]

Therapieverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bislang ist die Kostenerstattung von ambulanter Psychotherapie auf drei Therapieverfahren begrenzt[17]:

Wissenschaftlich anerkannt durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie sind inzwischen auch die Gesprächspsychotherapie (für Erwachsene[19]) und die Systemische Therapie (sowohl für Erwachsene als auch Kinder- und Jugendliche[20]). Die Behandlung mit Gesprächspsychotherapie oder Systemischer Therapie wird derzeit aber immer noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die hierfür notwendige sozialrechtliche Anerkennung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, welche Voraussetzung für die Kostenerstattung ist, steht noch aus.[21]

Behandler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leistungserbringer der Psychotherapie im System der gesetzlichen Krankenversicherung sind als Vertragsärzte oder -psychotherapeuten in der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassene Psychotherapeuten. Voraussetzungen für diese Kassenzulassung ist eine berufsrechtliche Zulassung (Approbation). Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind dabei den entsprechend qualifizierten Fachärzten gleichgestellt. Für den Patienten besteht Wahlfreiheit.

Bei mutmaßlicher Psychotherapie-Unterversorgung kann auch ohne Kassenzulassung im Einzelfall ein fachlich geeigneter approbierter Psychotherapeut oder auch ein HP-Psychotherapie zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung außervertraglich Psychotherapie erbringen; in solchen Fällen wird i. d. R. vorab der Medizinische Dienst der Krankenversicherung beratend von der Krankenkasse hinzugezogen, dieser hat aber nur zu entscheiden, ob eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt ist und ob das angegebene Psychotherapieverfahren den Richtlinien des Bundesausschusses entspricht.

Pflichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Ergänzende Anmerkung: Gespräche von niedergelassenen Kollegen mit psychisch Kranken, die den o. g. Kriterien nicht entsprechen und die z. B. im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung erbracht werden, haben eher stützenden oder die weitere Therapie (z. B. Psychotherapie) anbahnende Funktion. Sie können eine Psychotherapie nicht ersetzen.

Es besteht für die niedergelassenen Kollegen nach § 95d SGB V die Verpflichtung zur kontinuierlichen Fortbildung (Erwerb von derzeit 250 CME-Punkten in fünf Jahren), sonst droht Honorarabzug oder im nächsten Schritt der Entzug der Zulassung durch die zuständige Krankenkasse. Im Bereich der Psychotherapie stellt das vorgeschriebene Gutachterverfahren eine qualitätssichernde Maßnahme dar.

Schon das in § 12 SGB V festgeschriebene Wirtschaftlichkeitsgebot impliziert, dass eine zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbrachte Leistung eine ausreichende Qualität haben muss; ansonsten wäre ihre Erbringung nicht zweckmäßig, nicht ausreichend und in der Konsequenz unwirtschaftlich. §§ 73c, 135a, 136, 136a und 136b SGB V und § 11 des BMV-Ä regeln – allerdings recht allgemein gehalten – die Qualitätssicherung im vertragsärztlichen Bereich. Es besteht eine Verpflichtung zur Einrichtung eines Qualitätsmanagement-Systems in der Praxis, allerdings keine Pflicht zur Erlangung eines Zertifikats, d. h. der Bestätigung der Qualität durch qualifizierte Dritte.

Antrags- und Gutachterverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Voraussetzung für Psychotherapie sind Psychotherapie-Fähigkeit des Patienten (der Patient muss intellektuell und motivational dazu in der Lage sein, von Psychotherapie zu profitieren) und das Vorliegen einer adäquaten Diagnostik und eines angemessenen Behandlungsplanes. Anders als bei anderen Verfahren im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung ist in der Langzeittherapie, z. T. auch in der Kurzzeittherapie bei unerfahreneren Therapeuten durch ein vorgeschaltetes Gutachterverfahren seit Jahren eine Qualitätssicherung implementiert (Antragsverfahren). Jede Langzeittherapie erfordert einen Antrag des Patienten mit einem von Therapeuten zu erstellenden Bericht an den Gutachter, in dem Anamnese, Diagnostik, Genesungsmodell, eine detaillierte Therapieplanung und prognostische Einschätzung der individuellen Heilungschancen des Patienten aufgeführt sind. Der Antrag und der Bericht werden von einem qualifizierten externen ärztlichen oder psychologischen Gutachter, der selbst Psychotherapeut ist, geprüft. Erst nach Zustimmung durch den Gutachter kann eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung erfolgen (siehe hierzu auch § 11, Anlage 1 zum Bundesmanteltarifvertrag).

Probatorische Sitzungen, Art, Umfang und Durchführung der Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Sowohl Einzeltherapie als auch Gruppentherapie ist im ambulanten Bereich möglich. Die Abrechnung erfolgt über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab.

Die Zeitkontingente für Psychotherapie sind festgelegt. Nach fünf (Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) oder acht (analytische Psychotherapie) probatorischen Sitzungen, die zur Indikationsprüfung dienen, kann eine Kurzzeittherapie mit bis zu 25 Stunden erfolgen. Bei nichtärztlichen Therapeuten ist außerdem vor Beginn der Therapie ein ärztlicher Konsiliarbericht erforderlich, der u. a. das Nichtvorhandensein einer körperlichen Erkrankung bescheinigt und Fragen der Medikamenteneinnahme klärt. Besteht Bedarf für eine längere Therapie, kann eine Langzeittherapie erfolgen (eine Kurzzeittherapie kann ggf. in eine Langzeittherapie auf Antrag umgewandelt werden). Die Höchstgrenzen für Langzeittherapien sind bei Erwachsenen (für Kinder und Jugendliche gelten etwas niedrigere Stundenzahlen):

  • Bei Verhaltenstherapie bis zu 45 Stunden, dann erfolgt in Einzelfällen nach Begründung eine Verlängerung auf 60 Stunden.
  • bei analytischer Psychotherapie bis zu 160 Stunden, in besonderen Fällen bis zu 240 Stunden.
  • bei tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie bis zu 50 Stunden, in besonderen Fällen bis zu 80 Stunden.

In begründeten Einzelfällen können diese Zeiten überschritten werden und zwar

  • bei Verhaltenstherapie auf 80 Stunden, in Einzelfällen mit einem weiteren Antrag auf 100 Stunden,
  • bei analytischer Psychotherapie bis zu 300 Stunden,
  • bei tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie bis zu 100 Stunden.

Psychotherapeutische Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer 2011 veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer beträgt die durchschnittliche Wartezeit in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung 12,5 Wochen auf ein Erstgespräch. Dabei sind regionale Besonderheiten vorhanden. Auf dem Lande beträgt die Wartezeit knapp vier Monate. Im Ruhrgebiet und in den ostdeutschen Bundesländern wird die Versorgung als besonders schlecht eingeschätzt[22].

Eine von der Techniker Krankenkasse in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage unter 1.000 Eltern schulpflichtiger Kinder zeigte, dass mindestens eines von zehn Kindern psychotherapeutisch behandelt wurde. 60 Prozent der therapierten Kinder waren Mädchen.[23]

Gesundheitsökonomische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychotherapie wird in Deutschland von einem erheblichen Teil der 27.000 approbierten Psychologen und 23.000 psychotherapeutisch weitergebildeten Fach- und Hausärzten angewandt.[24] Jährlich werden etwa 900 Mio. Euro über das KV-System, also im Rahmen der GKV, an die psychologischen Psychotherapeuten verteilt.[25] Die 250 deutschen Universitätsprofessuren in den "P"-Fächern kosten etwa 60 Millionen Euro im Jahr.[26] 4 Milliarden kostet die stationäre Psychiatrie, innerhalb derer auch viel Psychotherapie stattfindet, 0,5 Milliarden die stationäre Reha, 0,2 Milliarden die psychosomatischen Krankenhausbehandlungen, 0,5 Milliarden die ambulante psychiatrische Behandlung und etwa 1,5 Milliarden die Richtlinienpsychotherapie, zusammen etwa 6 Milliarden Euro.[26]

Verbraucherschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Therapie im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung sind bis zu fünf (bei tiefenpsychologisch fundierter PT und Verhaltenstherapie) oder acht (bei analytischer PT) probatorische Sitzungen („Schnupper-Sitzungen“) pro Psychotherapeut möglich, um zu prüfen, ob eine tragfähige Arbeitsbeziehung aufgebaut werden kann. Dabei sollten die Kosten und Dauer der Therapie, sowie die sonstigen Rahmenbedingungen abgestimmt werden. Erst nach dieser Phase, in der auch die Therapieziele und der Behandlungsplan besprochen werden, wird ein Antrag auf Psychotherapie gestellt und die eigentliche Therapie beginnt. Eine übereilte oder falsche Entscheidung für einen Therapieplatz kann das ursprüngliche Problem auch verschärfen. Nach einem Therapieabbruch kann die Bewilligung einer Nachfolgetherapie durch die Krankenkasse in Frage gestellt sein.

Beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler können Psychotherapieklienten, die sich durch eine Therapie geschädigt fühlen, an die Patientenberatung einer Verbraucherzentrale wenden. Sie erhalten dort eine Einschätzung aus juristischer Sicht sowie Hinweise, wie sie mit den Folgen einer aus ihrer Sicht erfolglosen Therapie umgehen können.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BVerwG, Urteil vom 10. Februar 1983 - 3 C 21/82 = BVerwGE 66, 367 = NJW 1983 S. 1414–1416
  2. Die Vorschrift gilt auch für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, falls sie heilkundliche Tätigkeiten durchführen, die nicht Regelungsgegenstand des Psychotherapeutengesetzes sind. BT-Drucksache 13/1206, S. 14, RdNr. 10.
  3. BT-Drucksache 13/1206, S. 14, RdNr. 10
  4. Vergleiche BVerwG 3 C 4.08 - Urteil vom 30. April 2009, RdNr. 13 (mit ausdrücklicher Unterscheidung zwischen den akademischen Vorbildungsvoraussetzung für Psychotherapie auf Basis des Psychotherapeutengesetzes und der beliebigen Vorbildungsvoraussetzung für Psychotherapie auf der Basis des Heilpraktikergesetzes) und RdNr. 14
  5. BVerwG 3 C 4.08 - Urteil vom 30. April 2009, RdNr. 18
  6. Psychotherapeutenkammer Berlin: Ausbildungsbestimmungen. Psychotherapeutenkammer Berlin - Ausbildungsbestimmungen
  7. BVerwG 3 C 4.08 - Urteil vom 30. April 2009, erster Leitsatz, sowie RdNr. 10−13
  8. BVerwG 3 C 4.08 - Urteil vom 30. April 2009, dritter Leitsatz, sowie RdNr. 24−27
  9. BVerwG 3 C 34.90 vom 21. Januar 1993, RdNr. 24; BVerwG, Urteil vom 10. Februar 1983 - 3 C 21/82 = BVerwGE 66, 367 = NJW 1983 S. 1414–1416
  10. BVerwG, Urteil vom 10. Februar 1983 - 3 C 21/82 = BVerwGE 66, 367 = NJW 1983 S. 1414–1416; BVerwG 3 C 4.08 - Urteil vom 30. April 2009, RdNr. 13
  11. BVerwG, Urteil vom 10. Februar 1983 - 3 C 21/82 = BVerwGE 66, 367 = NJW 1983 S. 1414–1416; BVerwG 3 C 19.08 vom 26. August 2009, RdNr. 22
  12. BVerwG 3 C 34.90, 21. Januar 1993, 3. Leitsatz
  13. BVerwG 3 C 34.90 vom 21. Januar 1993, RdNr. 27
  14. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 23. Juni 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kbv.de
  15. https://www.g-ba.de/downloads/62-492-958/PT-RL_2014-10-16_iK-2015-01-03.pdf
  16. Rüger, U., Dahm, A. & Kallinke, D. (2011). Faber/Haarstrick. Kommentar Psychotherapie-Richtlinien. München: Urban & Fischer. (9. Aufl.)
  17. Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss in der Fassung vom 19. Februar 2009, zuletzt geändert am 15. Oktober 2015 (abgerufen am 21. April 2016; PDF; 139 kB)
  18. Verfahren der Psychotherapie in der GKV
  19. Gutachten des wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie zum Nachantrag zur Gesprächspsychotherapie (Memento des Originals vom 14. November 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wbpsychotherapie.de vom 16. September 2002 (abgerufen am 8. Mai 2012)
  20. Gutachten des wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie zur Systemischen Therapie (Memento des Originals vom 27. August 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wbpsychotherapie.de vom 14. Dezember 2008 (abgerufen am 8. Mai 2012)
  21. Pressemitteilung des IDW zur Systemischen Therapie vom 8. Januar 2009 (abgerufen am 8. Mai 2012)
  22. BPtK Studie zu Warztezeiten in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung (PDF; 1,8 MB)
  23. MMW-Fortschr.Med. Nr. 9 / 2010 (152 Jg.), S. 8
  24. Zahlen zitiert nach Loew, Psychodynamische Psychotherapie (PDP) 2009; 8: 57
  25. Fernab vom kranken Gemüt, Ärzte-zeitung, 3. Juli 2008, S. 5
  26. a b Psychodynamische Psychotherapie (PDP) 2009; 8: 57
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