Radków

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Radków
Wappen von Radków (Wünschelburg)
Radków (Polen)
Radków
Radków
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Kłodzko
Fläche: 15,07 km²
Geographische Lage: 50° 30′ N, 16° 24′ OKoordinaten: 50° 30′ 14″ N, 16° 24′ 4″ O
Höhe: 388 m n.p.m.
Einwohner: 2422
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 57-420
Telefonvorwahl: (+48) 74
Kfz-Kennzeichen: DKL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Nowa RudaKudowa-Zdrój
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 13 Ortschaften
Fläche: 139,00 km²
Einwohner: 9155
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 66 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0208123
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jan Bednarczyk
Adresse: Rynek 1
57-420 Radków
Webpräsenz: www.radkowklodzki.pl



Radków (deutsch Wünschelburg; tschechisch Hrádek, auch Radkov[2]; vormals auch Radek bzw. Vinšlburk[3]) ist eine Stadt und Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat Kłodzki (Kreis Glatz) in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama der Altstadt mit den Türmen der St. Dorotheakirche und des Rathauses

Die Stadt liegt im Südwesten des Glatzer Kessels an der Pośna (deutsch Posna, auch Rathener Wasser), die im Heuscheuergebirge entspringt und bei Ścinawka Średnia (Mittelsteine) in die Steine mündet. Durch den Ort verläuft die Droga wojewódzka 387.

Nachbarorte sind Ratno Górne (Oberrathen), Ratno Dolne (Niederrathen) im Osten, Wambierzyce (Albendorf) im Südosten, Karłówek (Klein Karlsberg) und Karłów (Karlsberg) im Südwesten, Pasterka (Passendorf) im Westen, Gajów (Reichenforst) und Tłumaczów (Tuntschendorf) im Nordosten. Jenseits der Grenze zu Tschechien, die im Nordwesten verläuft, liegen im Westen Studená Voda (Kaltwaser), im Nordwesten Božanov (Barzdorf) und Martinkovice (Märzdorf) und im Norden Otovice (Ottendorf).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erhaltene Reste der mittelalterlichen Befestigungsanlage
Rathaus am Ring
Pfarrkirche St. Dorothea
Wünschelburg südwestlich von Neurode und nordwestlich von Glatz auf einer Landkarte von 1905

Wünschelburg gehörte seit alters her zum Glatzer Land. Seine politische und kirchliche Zugehörigkeit ist deshalb weitgehend identisch mit der Geschichte der Grafschaft Glatz, innerhalb der es den „Distrikt Wünschelburg“ bildete.

Wünschelburg wurde vermutlich vor 1290 gegründet, da für dieses Jahr die Bartholomäuskirche in der Vorstadt erwähnt wird. Urkundlich belegt ist der Ort für das Jahr 1328. 1341 wird er als civitas bezeichnet. Nachdem die Stadt mit einer Mauer und Graben befestigt worden war, erteilte ihr der böhmische König Wenzel IV. 1418 das Privileg einer Königsstadt.[4]

Während der Hussitenkriege wurde Wünschelburg mehrmals geplündert und niedergebrannt. Weitere Zerstörungen und Schäden wurden 1469 durch die Truppen des ungarischen Königs Matthias Corvinus verursacht. Nach dem Wiederaufbau folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, an dem die Tuchmacher und die Leinenweber großen Anteil hatten. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Wünschelburger Tuch bis nach Italien geliefert.

Um 1550 setzte sich auch in Wünschelburg die Reformation durch. 1571–1580 errichtete die evangelische Bürgerschaft eine Pfarrkirche. Im Zuge der Gegenreformation wurde die Kirche in den 1620er Jahren den Katholiken übergeben. Die ältere Bartholomäuskirche in der Vorstadt diente ab dieser Zeit als Begräbniskirche. Sie wurde 1738 abgetragen.

1601 erwarb die Stadt Wünschelburg von Kaiser Rudolf II. das Kammergut Passendorf zusammen mit Nauseney und der Kolonie Brunnkress. Diese Orte hatten vormals zur Herrschaft Hummel gehört, die Ende des 16. Jahrhunderts aufgelöst worden war. Zugleich wurden alle drei Orte in die Pfarrei Wünschelburg eingegliedert.[5][6]

Im Dreißigjährigen Krieg musste die Bevölkerung von Wünschelburg Einquartierungen und Plünderungen erdulden. 1680 sollen 500 Einwohner an der Pest gestorben sein. 1738 brannte fast die ganze Stadt nieder. Weitere Drangsalierungen für die Bevölkerung brachten die Schlesischen Kriege. Von diesen Verheerungen erholte sich die Stadt nur langsam.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 und endgültig nach dem Hubertusburger Frieden 1763 fiel Wünschelburg zusammen mit der Grafschaft Glatz an Preußen. Nach der Neugliederung Preußens gehörte es seit 1815 zur Provinz Schlesien, die in Landkreise aufgeteilt wurde. 1816–1853 war der Landkreis Glatz, 1854–1932 der Landkreis Neurode zuständig. Nach dessen Auflösung 1933 gehörte Wünschelburg bis 1945 wiederum zum Landkreis Glatz.

Die Anlage eines Fußweges nach Karlsberg und von dort auf die Felsenstadt der Heuscheuer im 18. Jahrhundert begünstigte die spätere Entwicklung des Tourismus. Einer der ersten Benutzer dieses Weges war Johann Wolfgang von Goethe, der vom 27. bis 29. August 1790 in Wünschelburg wohnte und am 28. August zur Heuscheuer aufstieg. Um 1830 kam es zum Niedergang der Tuch- und Leinenweberei, stattdessen gewann die Wollweberei an Bedeutung. Der touristische Aufschwung wurde mit der in den Jahren 1867–1870 erbauten Straße von Wünschelburg über Karlsberg nach Bad Kudowa gefördert. Ab 1893 entwickelte sich die Sandsteinindustrie. Aus den bei Wünschelburg angelegten Steinbrüchen wurde Wünschelburger Sandstein für das Reichstagsgebäude und andere Berliner Bauten geliefert. Positiv wirkte sich auf die wirtschaftliche und die touristische Entwicklung die Eisenbahnverbindung aus, die Wünschelburg 1903 von Mittelsteine her erreichte.[7] 1914 wurde das Bahnkraftwerk Mittelsteine errichtet, das die elektrifizierten Bahnstrecken Schlesiens mit Bahnstrom versorgte.

Im Jahr 1945 gehörte Wünschelburg zum Landkreis Glatz im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Wünschelburg wie fast ganz Schlesien 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt und in Radków umbenannt. In der Folgezeit wurde die deutsche Bevölkerung von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Wünschelburg vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner kamen zum Teil aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie.

Von 1975 bis 1998 gehörte Radków zur Woiwodschaft Wałbrzych (Waldenburg).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1890 2101 davon 693 Evangelische und 57 Juden[8]
1933 2542 [8]
1939 2558 [8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filialkirche St. Andreas
  • Die Pfarrkirche St. Dorothea (Kościół Św. Doroty) wurde 1570–1580 errichtet und nach dem Brand von 1738 wiederaufgebaut und barockisiert. Die Wandmalereien schuf der Braunauer Maler J. Hausdorf.
  • Die Filialkirche St. Andreas (Kościół Św. Andrzeja) wurde 1905–1906 in Neubarock- und Jugendstilformen als evangelische Kirche errichtet. Seit 1945 dient sie als katholisches Gotteshaus.
  • Das Rathaus wurde etwa um 1550 erbaut und 1609–1628 sowie 1750 erweitert. 1852 und 1882–1885 erfolgten Umbauten.
  • Die Mariensäule auf dem Ring wurde nach der Pestepidemie von 1680 errichtet.
  • Auf dem Ring stehen noch einige alte Barock- und Renaissancehäuser. Mehrere Häuser der Ringbebauung wurden jedoch nach 1945 dem Verfall preisgegeben.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Radków gehören die Ortschaften:

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Nößler (* 1929), deutscher Bergmann, Vertriebenenvertreter und nordrhein-westfälischer Kommunalpolitiker
  • Wolfgang Stumph (* 1946), deutscher Schauspieler und Kabarettist

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Radków – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB); abgerufen am 29. September 2017.
  2. Marek Šebela, Jiři Fišer: České Názvy hraničních Vrchů, Sídel a vodních toků v Kladsku. In: Kladský Sborník 5, 2003, S. 370.
  3. Jan Karel Hraše: Dějiny Náchoda 1620–1740. Náchod 1994, ISBN 80-900041-8-0, S. 442.
  4. František Musil: Kladsko v době vlády Lucemburků. In: 550 let Hrabství Kladského. 1459–2009. = 550 lat hrabstwa Kłodzkiego. 1459–2009 (= Kladský sborník. Supplementum. Bd. 6). Muzeum Podkrkonoší, Trutnov 2009, ISBN 978-80-903741-3-3, S. 50.
  5. Aloys Bach: Urkundliche Kirchen-Geschichte der Graffschaft Glaz [sic], Breslau 1841, S. 410 online
  6. Karl August Müller: Vaterländische Bilder, in einer Geschichte und Beschreibung der alten Burgfesten und Ritterschlösser Preussens. Flemming, 1837, S. 108 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Rafał Wiernicki, Kolej Stołowogórska (polnisch)
  8. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/glatz.html#ew39gltzwunsch