Landkreis Neurode

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Der Landkreis Neurode war ein preußischer Landkreis im Regierungsbezirk Breslau in der Provinz Schlesien an der Grenze zu Böhmen bzw. ab 1918 zur Tschechoslowakei. Er bestand von 1854 bis 1932. Sitz des Kreises war Neurode.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis entstand am 26. August 1854, als aus dem Landkreis Glatz die bisherigen Distrikte Neurode und Wünschelburg herausgelöst und als Kreis Neurode zusammengefasst wurden. Am 1. Oktober 1932 wurde der Kreis Neurode wieder mit dem Kreis Glatz vereinigt. Seit 1945 gehört das Gebiet zum polnischen Powiat Kłodzki. Die Fläche des Kreises betrug 317 km². Von den 48.952 Einwohnern, die 1895 gezählt wurden, waren 46.927 katholisch (96 %). 1910 hatte der Kreis 52.872 und 1925 schon 55.440 Einwohner. Das Bevölkerungswachstum lag demnach bei jährlich etwa 0,4 % und die Bevölkerungsdichte bei 175 EW/km². Der Kreis zählte somit zu den dichter besiedelten Gebieten Schlesiens. In Neurode und Wünschelburg bestanden Amtsgerichte, die dem Landgericht in Glatz untergeordnet waren.

Das zum Königreich Böhmen gehörige Gebiet wurde ab dem 13. Jahrhundert von deutschen Siedlern kolonisiert. Die Siedler waren von König Ottokar II. ins Land geholt worden. Das Glatzer Gebiet, das immer kirchenrechtlich dem Erzbistum Prag unterstellt war, wurde 1459 vom böhmischen König Georg von Podiebrad zur Grafschaft erhoben. Die Erhebung wurde 1459 und 1462 von Kaiser Heinrich III. bestätigt. Da die Bewohner im Dreißigjährigen Krieg zunächst zu den protestantischen böhmischen Ständen hielten, entzog Kaiser Ferdinand II. den Bürgern und Adligen nach der Schlacht am Weißen Berge ihre Privilegien und rekatholisierte das Land. Nach den Schlesischen Kriegen fiel die Grafschaft Glatz zusammen mit Schlesien an Preußen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebten fast ausschließlich deutschsprachige Bewohner in diesem Gebiet.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1854–1857: N.N.
1857–1868: Valerian von Pfeil und Klein-Ellguth (1809–1892)
1868–1890: Graf Eberhard von Pfeil
1890–1899: Richard Freiherr von Rechenberg
1899–1914: Siegfried Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten
1914–1920: Carl Albrecht Leopold von Hoffmann
1920–1923: Leopold Nagel
1923–1925: Karl Franz (1881–1967)
1925–1931: Emil Schubert
1931–1932: Alfred Poppe

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Neurode befand sich in der Mittelgebirgslandschaft der Sudeten. Im Norden dominiert das Eulengebirge (Góry Sowie), das in der Hohen Eule (Wielka Sowa) eine Höhe von 1015 m erreicht. Auf ihr wurde 1906 der Bismarck-Turm (Orlowicz-Turm) erbaut. Im Südwesten des Kreises liegt das Heuscheuergebirge (Góry Stołowe), dessen wichtigste Berge der Große Heuscheuer (Szczeliniec Wielki) mit 919 m und der Kleine Heuscheuer (Szczeliniec Mały) sind, und deren Tafelberg-Form die Namensgeber offenbar an riesige Heuscheuer erinnerte. Geologisch handelt es sich um Sandstein-Formationen mit den für diese charakteristischen Klüften, Türmen und Schluchten, die seit dem 18. Jahrhundert als Ausflugsziele beliebt sind. Das Heuscheuergebirge ist heute Nationalpark.

Wichtigster Fluss im Landkreis ist die Steine (Ścinawka), die das Heuscheuer- und das Eulengebirge trennt und bei Glatz in die Glatzer Neiße mündet. Daneben sind die Weistritz (Bystrzyca) und die Walditz zu nennen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der vor- und frühindustriellen Zeit dominierte im Kreis die Land- und Forstwirtschaft. Schon bald siedelten sich hier andere Gewerbe an, was mit zur hohen Bevölkerungsdichte beitrug. So zählte man 1849 4.140 Weber, deren wirtschaftliche Notlage sich nicht wesentlich von derjenigen der am Schlesischen Weberaufstand beteiligten Arbeiter unterschied. Ein weiterer bedeutender Wirtschaftszweig war der Bergbau; seit dem Spätmittelalter wurden Steinkohle, Eisen, Kupfer, Schiefer und Gold gefördert. 1849 waren in dieser Branche 560 Arbeiter beschäftigt, sie überrundete die Textilindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Kreisgebiet gehörende Orte (Einwohnerzahlen von 1901):

Wallfahrtskirche Albendorf 1979
Über's Bargla noch Kreinsdruff

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Kreisgebiet gehörende Berge:

Flüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Kreisgebiet gehörende Flüsse:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Buchau
  2. Königswalde