Rehburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt Rehburg in Niedersachsen. Für Rehburg in Schleswig-Holstein siehe Dobersdorf.

Koordinaten: 52° 28′ 12″ N, 9° 13′ 32″ O

Rehburg
Höhe: 39 m ü. NN
Fläche: 46,6 km²
Einwohner: 3863 (2006)
Bevölkerungsdichte: 83 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31547
Vorwahl: 05037
Rathaus von Rehburg-Loccum in Rehburg, der rechte baulich stark veränderte Bereich war Teil der Burg Rehburg

Rehburg ist eine ehemalige Stadt im Landkreis Nienburg/Weser im Bundesland Niedersachsen und heute Ortsteil von Rehburg-Loccum. Sie liegt westlich vom Steinhuder Meer und gehört zum Naturpark Steinhuder Meer.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entfernung Rehburg nach Hannover und Bremen beträgt etwa 45 bzw. 105 km. Das Siedlungsgebiet hat die Form eines Straßendorfes, es wird im Norden durch ein ausgedehntes Wald- und Moorgebiet begrenzt, im Süden und Südwesten durch den Höhenzug der Rehburger Berge und im Osten durch das Steinhuder Meer. In den restlichen Himmelsrichtungen befindet sich Weide- und Wiesenlandschaft. Rehburg wird auch vom Steinhuder Meerbach in Ost-West-Richtung durchflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung von Rehburg am Steinhuder Meer um 1520 während der Hildesheimer Stiftsfehde, Zeichnung von Johannes Krabbe von 1591

Rehburg wurde als Grenzbefestigung durch die Welfen im 13. Jahrhundert errichtet, teilweise wird bereits auf die Regierungszeit Heinrichs des Löwen datiert. Die Stadtrechte wurden im Jahr 1648 verliehen.[1] Rehburg war hannoverscher Amtssitz für das Gebiet der heutigen Stadt Rehburg-Loccum, ergänzt um die Orte Wiedensahl und Mardorf. Etwa 3 km westlich von Rehburg finden sich die Reste der frühmittelalterlichen Ringwallanlage Düsselburg. Die heute aus Erdwällen bestehende Befestigungsanlage diente vermutlich um das 8. bis 10. Jahrhundert der Bevölkerung als Fliehburg. Eine archäologische Ausgrabung fand 1904 statt.[2] Auf dem Haarberg zwischen Rehburg und Winzlar liegt die Wüstung der mittelalterlichen Siedlung Munichehausen, der Stammsitz des Adelsgeschlechts Münchhausen. Ein Gedenkstein erinnert daran.[3]

Während des Siebenjährigen Krieges kam es in Rehburg häufig zu Truppendurchmärschen. Nach der Schlacht bei Hastenbeck gab es im Ort Lazarett mit 500 Verwundeten und Kranken. In der Folge breiteten sich Krankheiten aus, die einen Großteil der Einwohnerschaft hinwegrafften.

Auf der Burg Rehburg fand die letzte öffentliche Hinrichtung um 1850 statt.[4] Auf dem vom Volksmund so genannten „Köppebarg“ (Köppeberg), einem kleinen bewaldeten Heidehügel in der Feldmark nordöstlich von Rehburg, fand 1851 die letzte öffentliche Hinrichtung im Amt Rehburg statt. Ein Scharfrichter richtete in Anwesenheit einer großen Menschenansammlung den Schneerener Vatermörder Wiebking (Wiepking) mit einem Schwert. Meist folgte im Anschluss an öffentlich vollzogene Hinrichtungen ein sehr kurzer Bericht.[5] Auf der ersten Seite eines Prospekts zur Hinrichtung in Rehburg ist zu lesen:[6] "Leben und Hinrichtung des Vatermörders Wiepking, aus Schneeren, Amts Rehburg, welcher am 12. September vermittelst des Schwertes vom Leben zum Tode gebracht wurde." An der Landstraße in Richtung Mardorf (noch heute an einer kleinen Baumgruppe erkennbar) hat es ebenfalls eine Hinrichtungsstätte gegeben.

Im 19. Jahrhundert war ein berittener Gendarm in Bad Rehburg stationiert. Sein Dienstbereich umfasste auch Mardorf. Zu Hilfsdiensten waren die Vertreter vor Ort verantwortlich. So hatten auch Feldhüter (Ordnung in der Feldmark), Gemeindediener und Nachtwächter Polizeigewalt.

Mit einem Gedenkstein erinnert der Rehburger Bürger- und Heimatverein an die Geschichte des Ortes.

Die Freiwillige Feuerwehr Rehburg (Stadt) wurde am 16. Januar 1896 als erste des Landkreises Stolzenau gegründet. 32 Männer traten der Freiwilligen Feuerwehr bei. Der erste Kommandeur wurde der Bäckermeister Heinrich Lustfeld.[7] Seitdem sorgt die Feuerwehr für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

Am 1. März 1974 wurde Rehburg mit den Gemeinden Bad Rehburg, Münchehagen, Loccum und Winzlar zur Stadt Rehburg-Loccum als Einheitsgemeinde zusammengeschlossen[8], deren Verwaltungssitz sich in Rehburg, dem größten der fünf Ortsteile, befindet.

Die evangelische St.-Martini-Kirche im Ortskern

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Martini, eingeweiht 1749, benannt nach Martin von Tours, befindet sich im Zentrum von Rehburg (siehe auch "Sehenswürdigkeiten"). Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Stolzenau-Loccum im Sprengel Hannover.

Die katholische Kirche St. Marien, benannt nach Maria (Mutter Jesu), befindet sich am Weidendamm. Sie wurde 1971 errichtet, seit dem 1. September 2008 gehört sie zur Pfarrgemeinde St. Bonifatius in Wunstorf.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeisterin ist Angelika Tessner (SPD).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ev. St. Martini-Kirche: Der Rechtecksaal mit Westturm wurde 1748 wiederhergestellt. Vermutlich weitgehender Neubau unter Verwendung von Resten des Altbaus.
  • Ehemalige Oberförsterei (heute Rathaus): im 18. Jahrhundert auf den Fundamenten der Burg Rehburg errichtet. Es handelt sich um einen einfachen klassizistischen Bau, dessen Vorderfront verputzt ist, die Rückseite besteht aus Sichtfachwerk. Der seitliche und der rückwärtige Anbau wurden ebenfalls in Fachwerk erstellt. In jüngster Zeit wurde das Gebäude um einen Erweiterungsbau in historisierenden Formen wenig einfühlsam ergänzt.
  • Der heutige Ratskeller befindet sich in einem gotischen Backsteingebäude in der Ortsmitte, in dem früher die Bauschule Rehburgs untergebracht war.
  • Ehemalige Gemeindeschule mit dem Mahnmal für die Gefallenen der Weltkriege und dem Marktbrunnen. Das Gebäude der Gemeindeschule wird heute von der Polizei genutzt.
  • Ruine der Rehburger Windmühle auf dem Mühlenberg
  • Im Ortskern sind nur wenige ältere Fachwerkbauten erhalten, von denen die meisten durch Umbauten erstellt oder massiv erneuert sind.
  • Der „alte“ Steinbruch
  • Rehburger Berge, ein Erholungsgebiet mit Wanderwegen im Wald
  • Stift Asbeke in den Rehburger Bergen
  • Ringwallanlage Düsselburg
  • Wüstung Munichehausen am Hang des Haarberges, Stammsitz derer von Münchhausen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1997 verkehrt ein Bürgerbus zwischen den Ortsteilen von Rehburg-Loccum.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Beer: Hexenprozesse im Kloster und Klostergebiet Loccum. Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens, Band 41, 1. Aufl., Göttingen 2007 ISBN 978-3-89971-357-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rehburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Obenaus, Herbert (Hrsg.); Bankier, David; Fraenkel, Daniel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Band II, Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5, S. 1299.
  2. Grabungsbericht von Prof. Carl Schuchardt in: Neues Vaterländisches Archiv oder Beiträge zur allseitigen Kenntniss des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig-Lüneburg (1822–1832), Leibnizbibliothek Hannover.
  3. Baron von Münchhausen stammt vom Haarberg in: Kreiszeitung vom 1. April 2015
  4. Lauffer, Otto: Die Begriffe „Mittelalter“ und „Neuzeit“ im Verhältnis zur deutschen Altertumskunde, Berlin 1936, S. 57, unter Bezugnahme auf Niederdeutsche Heimatblätter 11, 1925, S. 339.
  5. Vgl. Blazek, Matthias: Scharfrichter in Preußen und im Deutschen Reich 1866–1945, ibidem, Stuttgart 2010, insb. S. 133 ff., ISBN 978-3-8382-0107-8.
  6. Historischer Verein für Niedersachsen: Hannoversche Geschichtsblätter, 1962.
  7. Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr Rehburg.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 199.