Reisöl

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Rohes Reisöl
Reiskleie
Allgemeine chemische Struktur von Fett, wie Reisöl. Darin sind R1, R2 und R3 langkettige Alkylreste (≤ 20 %) oder Alkenylreste (≥ 80 %) mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen. Reisöl ist – wie andere pflanzliche Öle – ein Gemisch von Triestern des Glycerins.

Reisöl auch Reiskeimöl ist ein aus Reiskleie hergestelltes Pflanzenöl.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiskeimöl wird aus der fett-, protein- und vitaminreichen Reiskleie gewonnen, die beim Schälen (Polieren) des Reises anfällt. Die Kleie enthält, je nach Sorte ca. 8–20 % Öl, das durch Pressen oder mittels Lösungsmittelextraktion (Hexan, neuerdings auch Propan und überkritisches CO2)[1] gewonnen wird. Das so gewonnene Öl kann auch raffiniert werden.

Die Haupterzeugerländer sind China, Indien, Bangladesch und Indonesien.[2]

Es wird daraus durch Filtration auch Reiskleiewachs gewonnen.[3]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Natives gepresstes Reiskeimöl ist gelbbräunlich, mit einem charakteristischen Geruch, während raffiniertes Reiskeimöl hellgelb bis klar und annähernd geruchlos ist.

Es enthält einen hohen Anteil an Vitamin E und Squalen,[4] ein linearesTriterpen. Es ist auch die Quelle von γ-Oryzanol.

Reisöl ist ein Gemisch von festen und flüssigen Bestandteilen; es ist bei gewöhnlicher Temperatur halbfest und besitzt einen Schmelzpunkt von 24 °C, es hat eine Dichte von ca. 0,92 g·cm−3, die Iodzahl beträgt 90–115.[5][6]

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Triglyceride des Reisöls sind Fettsäureester des Glycerins und zwar zu etwa 38–44 % Ester einfach ungesättigter Fettsäuren, zu 34–37 % Ester mehrfach ungesättigter Fettsäuren und zu etwa 22–25 % Ester gesättigter Fettsäuren.

Die Triglyceride sind Ester folgender Fettsäuren:[7][8][9]

Fettsäure Prozentualer Anteil
Palmitinsäure 12–22 %
Stearinsäure 1–3 %
Oleinsäure 38–48 %
Linolsäure 27–42 %
Linolensäure 0,5–1,5 %
Myristinsäure 0,5–1 %
Arachidinsäure <0,5 %
Beheninsäure 0,2–1,5 %

Verwendung als Nahrungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird als Reisöl, „Rice Bran Oil“ (Reiskleieöl) oder „Rice Germ Oil“ (Reiskeimöl) angeboten; beide meinen das selbe Produkt.

Man kann Reisöl wie Olivenöl für gekochte und rohe Nahrungsmittel verwenden oder einfach zum Würzen und Verfeinern von Salaten und Soßen.

In Japan gab es mehrfach Fälle von Massenvergiftungen, die sogenannte Yushō-Krankheit, durch mit polychlorierten Biphenylen verunreinigtes Reisöl.

Verwendung als nachwachsender Rohstoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reisöl wird neben der Verwendung als Lebensmittel hauptsächlich in der Kosmetik verwendet. Dabei dient es als Rohstoff für die Herstellung bestimmter Seifensorten.

Daneben wird es zur Unterdrückung der Oxidation in kosmetischen Zubereitungen verwendet, obwohl es ungesättigte Fettsäuren enthält.[10]

Eine neuere Anwendung ist die Verwendung als Bohrspülflüssigkeit bei der Erdölgewinnung.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank T. Orthoefer: Rice Bran Oil. In: Fereidoon Shahidi: Bailey's Industrial Oil and Fat Products. Volume 2, Wiley, 2005, ISBN 978-0-471-38551-6, S. 465–489, Kapitel 10, online (PDF; 186 kB), auf s3.amazonaws.com, abgerufen am 12. März 2017.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rafael Hernandeza, Darrell Sparksa u. a.: Extraction of Rice Bran Oil Using Supercritical Carbon Dioxide and Propane. In: Journal of the American Oil Chemist Society. Vol. 83, No. 10, 2006, doi:10.1007/s11746-006-5042-x.
  2. Gulzar Ahmad Nayik, Ishrat Majid u. a.: Rice bran oil, the Future Edible Oil of India: A mini Review. In: J. Rice Res. 3(4): 151–153, 2015, doi:10.4172/2375-4338.1000151, online (PDF; 1,02 MB), auf esciencecentral.org, abgerufen am 12. März 2017.
  3. NIIR Board of Consultants & Engineers: The Complete Technology Book on Wax and Polishes. Asia Pacific Business Press, 2011, ISBN 978-81-7833-012-9 (Reprint), S. 55.
  4. H.-D. Belitz, Werner Grosch, Peter Schieberle: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 6. Auflage, Springer, 2008, ISBN 978-3-540-73201-3, S. 230.
  5. E. Bames, A. Bömer u. a.: Handbuch der Lebensmittelchemie. 4. Band: Fette und Öle, Springer, 1939, ISBN 978-3-642-88819-9, S. 466.
  6. https://www.chempro.in/fattyacid.htm Fatty Acid Composition Of Some Major Oils. auf chempro.in, abgerufen am 12. März 2017.
  7. Rice Bran Oil: An Excellent Frying Oil. Abgerufen am 24. Oktober 2006.
  8. Sabine Kirschner, Helmut Göppel: Handbuch der Pflanzenöle. Param, 2014, ISBN 978-3-88755-714-0.
  9. Vikas Pali: Rice bran oil- Unique gift of nature: a review. In: Agri. Reviews. 34(4): 288–294, 2013, doi:10.5958/j.0976-0741.34.4.014, online (PDF; 103 kB), auf arccjournals.com, abgerufen am 12. März 2017.
  10. Patent EP1704898: Oxidationsgeschützte kosmetische Zubereitung mit Reiskeimöl. Veröffentlicht am 10. März 1993, Erfinder: Stephanie von der Fecht u. a..
  11. Patent EP0374672: Verwendung ausgewählter Esteröle in Bohrspülungen insbesondere zur off-shore-Erschliessung von Erdöl- bzw. Erdgasvorkommen (II). Veröffentlicht am 10. März 1993, Erfinder: Heinz Müller u. a..